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Verlag Langgaste 21

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Dienstag 18. Februar 1919.

Abend-Ausgabe.

Nr. 74. * 67. Jahrgang.

' Die provisorische Reichsversassung.

U Berlin, 11. Februar.

Da nahezu die ganz,! Rationalcersammlung die provisorische Verfassung angenommen hat. ist es nur natürlich, ist es wenigstens menschlich oegreiflich, daß die offl-iellen und osfistöien Varteiblätter von links bis rechts unbeschadet vieler Emichrankungen das Werk loben oder ihm mindestens einige oute Leiten abzuge- wmnen suchen. Es ist anzugeden daß solche nute Sei- Len da sind, und vor allein bleibt die Tatsache von Ge» wicht und Wert, daß wer endlich aus dem Zwischenreich der Revolution yerausgekomwea sind und wieder den festen Boden eines \ ? o; ö n o t e n gesetzlichen Z u- st a n d e s unter den Insten haben. Auch soll nicht alles, was das knapp gefaßte Gesetz brinat. bemängelt werden. Könnte vieles besser lein, so braucht das, was gemacht wird, noch nicht schlecht zu sein. Dagegen muß es die schwersten Sorgen uno Bedenken erwecken, daß es den auf dem Gedanken de'- deutschen E i il h e i t stehenden Parteien und Tendenzen nicht hat gelingen können, des partikularistischen Aufstandes ,ieaen die bloße Möglich­keit einer späteren nnitirischen Weiterbil- düng der Reichsversn'sung Herr m werden. Der Sieg, den der süddeut' cke V a r t i k u l a r i s m u s, ge- führt durch den oayeristtxm Bauernbündler Dr. Leim, über den deutschen Gedanken davongetragen hat, ist das beschämend st e S ch a n i v i e l, das unserem Volke und dem Auslande geboten werden konnte. Dazu also haben auch die Süddeutschen die Revolution mitge­macht. um den gehässigsten Varrikularismus, der sich in den wüstesten Besch impsimgen Preußens zu betätigen liebt, durch einen noch ividerwärtigeien zu ersetzen. Denn widerwärtiger als der alte ist dieser neue, weil er unter dem Scheine der Demokratie den kleinlichen Kirchturms- interessen dient, die niedrigsten -d^esuhle einer separa­tistischen Verkapselung pflegt und fördert. Bayern über alles, lieber gar kein Deutsches Reich, als Laß Bayern wohl gar man denke! seine eigenen Brief­marken aufgegeben hätte. So ungefähr, so jedenfalls dem Geiste nach, klang es aus der Rede des Herrn Heim heraus, und die wenigen, aber in ihrer Bestimmtheit um so eindrucksvolleren Worte, mit denen der bayerische Gesandte im Namen auch non Württemberg und Baden Verwahrung «egen eine Antastung von staatlichen San- derrechten eil legte, unterst! ichen den süddeutschen Min­derheitswillen gerade hinreichend, um ihm die Gewalt über die Mehrheit zu ;vrfdiaff!>rt und diese Mehrheit dazu zu zwingen, daß ste entgegen ihren eigenen Ab- sichten die schlimmste vartikularistische Klausel in die provisorische Verfassung vme'ndrachte. Wer glaubt wohl, daß der am Montag bald widerwillig begangene Fehler bei der späteren Beratung wieder gutgemacht werden könnte. Es wird dabei bleiben daß nickt das Deut­sche Reich über die Emzelstaaten zu bestimmen haben wird, sondern daß die E i n z c I st a a t e n dem Reiche nur aerade soviel an üler>-ngender Einheitlichkeit ge­währen werden, wie es ihnen passen ivird. Wer wird es hindern können, wenn jetzt etwa Schwarzburq- Dondershausen, Anhalt oder Waldeck darauf pochen, daß die Nationalversammlung ihnen gar nichts zu sagen habe und daß üe selbständige Staaten wie bisher bleiben können? Das Traaikoinische, das Satyrspielmaßige an diesem Unsinn und Unfug oes Sieges des partikularisti- scheu Geistes über den nnitcr ficken steckt nun aber ge­rade darin, daß der erzunabhangige Herr Kurt Eisner, der blutigste aller Dilettanten, die -ich jemals politisch versündigt haben, hier 'ein Meisterstück in der Kunst ab­gelegt bat. als Rare und Schwätzer ,g'schoben zu werden, wo er selber schieben zu können realanbt hat. Zu dem Schaden, den dieser schreckliche Mensch uns dadurch zu­gefügt hat, daß er als Drahtpuppe in der Hand Clemen- ceauS die deutsche Schuld am Kriege durch ein geradezu lächerliche? Beweismittel zu belegen versuchte, kommt ietzt der nicht geringer- Schaden, den fr uns int Innern bereitet, auch diesmrl ohne Sinn Verstand und Über­legung, auch diesmal nur ein Werkzeug, und zwar eines' in der Hand des bayeri'chen Kleiikalismus. Der Tag der Abrechnung mit Herrn E i s n e r wird noch kommen, aber die Übel, die -r kübelmefie über das deutsche Volk lusschüttet werden leider nicht so leicht wegzutrlgen sein.

Die Verlängerung des Waffenstillstandes

Weimar, 16. Febr. Die Bedingungen für die Verlänge­rung des Waffenstillstandes sind iiEolge übermittln igSschwie- «gkeiten erst mit wesentlicher Verspätung in Weimar einge. Sangen, so daß die von Marschall Foch bis 8 Mir abendS vor- Seschlagene Frist für die Beantwortung nicht einge. halten werden konnte. Die Neichsregierung hatte daher eine Fristverlängerung von 21 Stundet verlangt. Marschall ikoch hat der deutschen Daffenstillstaudskommistion eine un­befristete Verlängerung des Waffen still- Landes unter der hauvtsächlichsten Bedingung borge, ichlagen, daß sofort alle Offensiv l-ewegnngen legen die Polen einzustellen seien und eine Linie, üe ungefähr der heutigen polnischen Front entspricht, von »rutschen Truppe» nicht überschritten werden dürfe. Autzer- "m wird verlangt, daß nach unvollstündig verwirklicht« Bo-

dingungen anS den früheren Abmachungen während des Waffenstillstandrs zum Abschluß gebracht wer­den. Das so geschaffene Abkommen soll mit dreitägiger Frist kündbar sein. Nnmittrlbar nach Eintreffen der Bedingungen trat das Kabinett j.t einer Sitzung zusammen, in der alle Fragen eingehend besprochen worden. Es wurde auch der Wunsch laut, die N a t i o n a l v e r s a m m lang bei der Entscheidung Mitwirken zu lasten. Ta aber die Frist nur bis 6 ilhr abends verlängert worden war, konnte» nur die Parteiführer zur Beratung zugezogeu werden. Nachj eingehenden Verhandlungen entschied man sich unter Pr o t e st für die Annahme der Bedingungen. In einer Note wurde dem Borsitzenden der deutschen Waffenstillstandskommiffion, Minister Erzberger, der Auftrag znr Unterzeichnung mit der Bitte, vorher an Marschall Foch eine schriftliche Er­klärung zu übergeben, in welcher auf die schwierige Lage hingewiefen wird, in welche Deutschland durch die Annahme der Bedingungrn gebracht wird.

Die endgültigen Bedingnngen.

Bern, 16. Febr. Das ^Petit Journal" will wißen, daß die definitiven Waffenstillstandsbedingungen in etwa acht Tagen den deutschen Delegierten vorgelegt werden können.

Ans der Waffenstillstandskommiffion.

Berlin, 1v. Febr. In der Sitzung der Waffenstillstands- rommlssion rn Spaa dom 11. d. M. wurde noch folgendes er­örtert: Die Nlliierten-Kommiffion genehmigte eine Reihe von Ern- und Ausfuhrgesuchen vom linken ins r e ch t s r h e i n i s ch e G e b i e t. Es handelt sich um Chemi­kalien, Samt, Seide, Ätznatron und Saarkohle fiir Bayern, .steitungsfarbe und gewisse Materialien für linksrheinische Fabriken. Dem deutschen Ersuchen, den Saatgutver- k e b r zwischen dem besetzten und nichtbesetzten Gebiete zu gestatten, wurde Folge gegeben. Die Nlli'erlcn erklärten sich bereit, den Verkehr von Arbeitern über die Rheinbcücke bei Maxau zuzulaffen. Auf die deutsche Bitte, den Renten­empfängern im rechtsrheinischen Gebiet die Einreise ins besetzte Gebiet zu erlauben, erwiderten die Alliierten, sie hätten Anueisungen gegeben, daß das Geld von der linksrheinischen Seite nach dem unbesetzten Deutschland geschickt werden könne. Der Vorsitzende der deutschen Kommission setzte den Verband davon in Kenntnis, daß deutscherseits Anordnungen getroffen sind, um die unter den deutschen Truppen in Nikolajew sich be­findlichen Elsaß-Lothringer mit dem ersten abgehenden TranS- Port heimzubefördern. Der deutsche Vorsitzende übergab den Gegnern einige Zeitungsnachrichten, d>e ein gutes Bild dar­über geben, wer in den deutschen Ostseeprovinzen der an­greifende Teil ist. Die in deutschen militärischen Paketämt-rn liegenden Feldpostsendungen, welche infolge der Ver­kehrssperre nicht ins besthte Gebiet befördert werden können, werden, wie die Alliierten bekannt geben, den Adressaten im besetzten Gebiet zugestellt. _

Rücktritt des Grafen von Brockdorff-Rantzan -

Weimar, 17. Febr. Wie in später Nachtstunde berichtet

wird, soll der Minister des Auswärtigen Graf Brock dorff-Rantzau zurückgetreten sein. Eine Bestäti­gung dieser Nachricht war bisher nicht zu erreichen.

Weimar, 17. Febr. Seit Samstag ist das Postamt in Weimar besetzt und die Wachmannschaften sind alarmbereit.

Ministerstürzung in Bayern.

München, 17. Fobr. Gestern vormittag ist der Mnister für militärische Angelegenheiten Rohhau pter, der in den letzten Togen energisch Stellung gegen die Treibereien der Unabhängigen in den Räten genommen hatte, g e st ü r z t worden. Er steht augenblicklich unter Bewachung von Räte­truppen Die Minister Auer und Timm, die bei ihm sind, sollen noch im Lauf des Tages gestürzt werden. Hinter dem Ganzen steht Eisner, der sich ans den Standpunkt der Räte gestellt hat. Es -besteht die avsgesprochen« Absicht, den Zu­sammentritt der bayerischen Nationalversamm­lung durch Beseitigung der Minister der Mehr- heitSsozic.iisten zu verhindern.

Regenßburg, 17. Febr. Wie derRegensburger Anzeiger" hört, hat der Stadtmagistrat in Kissingen an maßgeüeiide Stellen daS Ersuchen gerichtet, den bayerischen Landtag in Kissingen tagen zu lassen.

Die Entente-Kriegsschiffe in Hamburg.

W. T.-B. Hamburg, 14. Febr. Di« englischen Kreuzer ComuS" undDanai", di« SchlepperVesper",Thifbe" und Tuslent", der amerikanische KreuzerChester" und der fran­zösische TorpedobootSzerstörerAilette" haben Hamburg vorgestern verlassen und sind elbaufwärts ge­gangen. _

Belgische Truppen in Duisburg.

Duisburg, 16. Febr. In der Nacht zum 11. d. M. rückten auf Anordnung des belgitchen AbschnitiskommnuorurS infolge der Borkommnisse vom Mittwoch belgische Tri, v v e n mit Maschinengewehren ein, um weitere Unruhen zu verhüten. ES ist eine Kompanie eingerückt, der zwei weitere folgen sollen. Die Truppen kamen gerade vor dem tliat- l, a u » an, alS dort drei Hambornrr Spartakisten- f ü h r e r vorgefahren waren, um vom Bürgermeister die Herankgabe von 50 beschlagnahmten Gewehren zu erzwingen. Die Belgier hielten da? Auto an. Die Sparrukisteu ver­suchten zu entkommen und eine Handgranate gegen die Belgier zu werfen, was jedoch vereitelt wurde. Die srei Spar­takisten wurden so schwer verletzt, datz sie ins Kraukenhau» verbracht werden mutzten. Die Belgier besetzt»« zum Schutz« der Berwaltnng da» Rathaus

Der Hamburger Arbeiter- und Sokdatrnrat übernimmt die Verantwortung für die Sicherung der Lebensmittel- veriorgung.

.H"E^urg, 13. Febr. An den LebenSmittelcmsschuß der Waffenstillstandskommission in Spaa sandte der hiesige Arbeiter- und Soldatenrat folgendes Telegramm: Der H-nn- lurger Arbeiter- und Soldatenrat erklärt hierdurch auf daS bestimmteste, die volle Verantwortung dafür zu übernehmen, daß seitens keiner Partei sowie keiner militärischen oder sonstigen Stelle, insbesondere auch nickt seitens bewaffneter Arbeiter in die planmäßige Lebensmittelversorgung und in die Bewachung, Verwaltung und Bewegung der Hamburger Leberismittellager eingegriffen wird. Der Hamburger. Arbeiter- und Soldatenrat wird seine ganze Macht dafür ein- setzen, daß _ bie Einrichtungen der Lebensmittelversorgung ebenso unversehrt von deri inneren Kämpfen bleiben, wie die Einrichtungen des Roten Kreuzes, so lange volle Gewähr für die unbedingte Sicherheit dieser Einrichtungen besteht.

Verschärftmg dos BelligerungsinstandeS in Hamburg.

Hamburg, 18. Febr. Der Arbeiter- und Soldatenrat von Milbelmsburg erläßt eine Bekanntmachung, wonach er sich rnfolge der großen Beraubungen der Eisenbahn durch be­waffnete Banden gezwungen sieht, über Wilhelnisbucg den Belagerungszustand zu verhängen. Alle Personen, die ohne Erlaubnis Waffen tragen und beim Plündern uns Rauben angetroffen werden oder sich an Aufruhr beteiligen, werden standrechtlich erschossen. Für Hamburg ist seitens des Siebener Ausschusses des Arbeiter- und Sold.iten- rates der Belagerungszustand dahin verschärft worden, daß keinerlei Demonstrationen stattfinden dürfen sowie daß arößrve politische Versammlungen nach 6 Uhr abends verboten sind.

Zwei Generale att Unabhängige Sozialdemokraten?

Wie demHeidelberger Tageblatt" von durchaus glaub­würdiger Seite versichert wird, haben sich der bekannte Armee- ffckrer General Deimling, welcher bei Kriegsausbruch kommandierender General des Straßburger Armeekorps war, und der General S ch ö p f l i n der Unabhängigen sozialdemo­kratischen Partei angeschlossen. Wenn sich mit dem Heidel­berger Blatt niemand einen Scherz erlaubt hat, hätten dann die Radikalen ja ihre RevolutionSgeneralc, die sie bisher für die militärische Oberleitung ihrer Putsche schon lange suchen.

Streiks und AusftLnd«.

Berlin, 14. Febr. Der AuSstand der dem TrrrnSport- mbeiterverband angehörenden Angestellten der Waren- und Kaufhäuser Berlins, der durch einen Sympathie st reif d e? ka ufmännischen Personals erweitert wurde, so daß die Zahl der Streikenden 40 000 betrug, hat beute nach­mittag durch Vereinbarung insofern zu einer Einigung ge­führt, als von beiden Seiten der Untersckied in der Besoldung der Jugendlichen von 20 v. H. zuungunsten der weiblichen An­gestellten anerkannt wurde. Der Streik der gewerblichen An­gestellten, der den Ausgangspunkt zu der Bewegung bildete, ist damit zu Ende. Es wird nunmehr noch über die von den kaufinännischen Angestellten erhobenen Forderungen eines Tarifvertrages verhandelt.

Düsseldorf, 15. Febr. Die A.-G. Leonhard Tietz hat ihr hiesige? Warenhaus bis au- weiteres geschloffen. Der Ver­band der Handlungsgehilfen hat nun gestern die An­gestellten der Firma zu einer Versammlung einberufen. Diese Versammlung beschloß, sich mit den ausständischen Transport­arbeitern solidarisch zu erklären und in einen Sympathiestreik einzutreten. Gleichzeitig wurden Gehaltserhöhungen im Durchschnitt von 38 v. H. und Riickzablunq der im Anfang deS Krieges an den Gehältern gekürzten Beträge gefordert.

Hamburg, 15. Febr. Der Aus st and der Straßen, tal-ner hält jetzt den zweiten Tag an und hat auf alle Be­triebe in Hamburg. Altona, Harburg und Wandsbek über­gegriffen. Der Arbeiter- und Soldatenrat hatte dahin ent­schieden, das Lohnanqebot der Verwaltung sei als ausreichend anzunehwen. Gle'chwohl wurde die Fortsetzung der Streik? beschlossen, wenn nicht' sämtliche Forderungen restlos bewilligt würden, u. a. ein Monatsgehalt von durchschnittlich 425 M. und freie Fahrt auf allen Strecken.

Die griechischen Fordernngen.

Paris, 13. Febr. (Harms. Amtlich. 1 Die Kommission, die mit der Prüfung der Griechenland angehenden terri­torialen Fragen beauftragt ist, wählte einstimmig JuleS C a m b o n zum Präsidenten. Sie wird mit der Prüfung der griechischen Forderungen in bezug aus den EpiruS beginnen.

Eine Forderung auf Ausliefcrnng König Konstantins.

W. T.-B. Amsterdam, 13. Febr. 'DerTimes" wird aus Athen gemeldet, aus einer Versanimlung der ltbe- ralen Klubs sei, nachdem die Verantwortung König Konstantins und seiner Gemahlin be­sprochen worden wa>-, der Beschluß gefaßt worden, in einem Telegramm an Venizews zu fordern, daß die Großmächte die Auslieferung 'eS Königs und seiner Ge­mahlin verlangen und sie unter Anklage stellen lassen.

Zusammenschluß des lateinischen Amerika?

Berlin, 13. Febr. Die Meldungen von der Reise Königs Alfons nach Südamerika bringen die schon seit längerer Zeit im llmla-lf gewesenen Gerüchte von einem politischen und wirtschaftlichen Zusammenschluß eiuep ttzLlh« südamerikaiuscher RepubltkLN in Erinnerung.