Verlag Limggasse 21
^agbiatthaus".
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^Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W. 57, An der Apostelkirche 7, >. Fernsprecher: Amt Lützow 62V2 nnl» 6203
Donnerstag. 23. Januar 1919.
Bekanntmachung. *
Der wechselseitige Verkehr zwischen drr Stadt Wiesbaden »knd de» Aororien Lchierstein, Biebrich-Amöneburg» Erben- hcim, Virrstadt, Sonnenbrrg, Siambach und Dovhcim ist ge- staiir, gegen Vorzeigung drs von der betreffenden Gemeinde au-gcstrllrrn Identitäts-Ausweises
Wiesbaden, den 22. Januar ISIS.
Ter Magistrat.
An das deutsche Landvolk.
Die Deutsche demokratische Partei bat den riacksit landen Aufruf an das deutsche Landvolk ertasten:
Perl'ündet mit dem Deutschen Bauernbund zielst die Deutsche demokratische Partei in oen Die deutsche Zukunft bestimmenden Wablkamps. In dieser Stnnoe l'ekeni.en wir u»S zu der Notwendigkeit eines starken » n d a e s n n d e n deutschen Landvolkes» des. unter auskömmliche» Verbältni^en ans eigener Tckoll e sitze,,d. dem vaterländischen Boden in zäbem Fleiße die Früchte obgewinnt. deren die Gesamtbeit bedarf. In Bauern und Landarbeitern erkennen wir de» n n - ve r s i eg da r e i, I u ii gb r » n n en. den in seiner Kraft gu erkalten die erste Ausgabe einer besonnenen und vorsorglichen TtaatSpolitik sein muh. Niemals darf die Rücksicht ans andere Jnteresten dein Staatsganzen die Grundlage einer lobiiewde» lind vorwärtsstr-v enden Landwirik-b^fk e-'t-i-chori. Mebr denn je wird nach dickem Kriege angesichts der Erschwer, niste unseres industriellen Lebens und des Auslandsabsatzes d!e beimische Urproduktion »nd mit ibr die Landwirtschaft als das Fundament unseres Wieder- ansbaiirs dastcben. Diese Grundlage dnrch umfangreiche Siedelung. die auch für die Städte lob',ende Absatzmärkte schafft. zu verstärken und durch zweckmäßige Reform
des Bo den-Hvpotheken-undErbrechtsgesund ?.« erhalten, wird dieHauptaufgabe deutscher Agrarpolitik sein. AN- Hindernisse, die dem entgegenstehen, müssen beseitigt werden.
Veraltete Feudalrechte nnd Fideikommisse müssen fasse n. ein verändertes und demokratisches Wahlrecht zu den Kreistagen, provinziellen. iandwirtsch östlichen und s o n st i g e n Körperschaften muß die Gleichberechtigung der breiten Matten der Landbeböskerung sicherstelten. 'ihr Selbstgefühl beben. Die SondersteNuna der Gntsbezirke muß satten. I n freier Wabl sall-n die Gemeinden ibre Geistlichen bestimmen. Die Besiianiste der Amtsbarsteber sind nach dem M'ister der westlichen Provinzen den Gemeindeporstebern zu nbeitrnaen. Dem Hol,Wucher der groben Privatwaldbesiber ist nachdrücklich entgegenzutreten. Die Wälder sind für Zweck- der Astaewernbeit webr als bisber nutzbar zu wachen, den Waldarbeitern anskämmliche Bedinaunaen zn schassen. D-r natwe»d>ae Haszschtaa ist, wo es erforderlich ist, zwangsweise an,„o-dnen. der Wildschaden dnrch ausreichenden Abschsi; zu verbäten und unter alten ltwständen vast zu entschädigen. Nickst überkawwene Herrenansprüche fasten für die Fübrnng in der Landwirtschaft "-abeebend sein, sondern nur Tüchtigkeit nnd persönliche Leistung.
Dem Landarbeiter mnb der Erwerb von E i a e n s a n d erleichtert werden. Durch ausreichende und zweckmäbiae Enil-bn» vg. die an d-w Ertrag der Wirtschaft t^teiliat durch gesunde >,"d ansre'chende Wohnungen ist die Neignnn zur Landarbeit zn beben. ssbormäßiae A"«beutnva muß verbsade-t, aber dse vbantastischen Pläne einer Perwirklichnna d-? A ch t st u n d e n t a a - S nrs dem flachen Lande müssen -rha-w v se n werden. 'In der Periichernnasaesetzaebnna sind dem Lande die gleichen Vorteile n »e der städtischen R-völk-rnna zinnwe 'den. Jnsbeßm- de-- gitt dies für den Wächuerinnenschptz. Nicht vam grünen Tisch ans sind die das flache Land betreffenden Gesetze und Maßnahmen zu schassen und'durchrnfübren, sondern in leben- diaer Beziebnna mit der L-rndb-väskewina nnd nach dem Rat geeigneter landwirtschaftlicher Sachverständiger.
.Hinweg mit der skwana?Wirtschaft' Sie bat w rasch als möglich der freien wirtkelmstlicheri Betätiming Platz zu machen. In der Liebe zur eigenen Scholle und in der Gewitztest. Kindern ^ „ vererben,
-rblickea wir die schöpferischer Kräfte höchster ErtragSsteiae' uing. Deshalb fort mit allen Eingriffen in das ä n bliche Privateiaentnm, keine ssnsammenleanng landwirtschaftsicher Kleinbetrieb», wse dies van sazialististber reite aewünscht w'-d. aber A'lfteisimg la"dwirtschafssichen -'--abawindv-nv^s überast da. wo diese Anst-isting wirtschast- .ich nnd saüa? aehoten ers^-int. Durch w?nstergüter, Per- 5--U--„ng iinv Vermebrnnn der landwi-ts^astsichen Fach- und Fawf>l'>',nnss's"'len mich für die w-itzU-tze Fugend, durch w-staebend^ Fördernna" d-s inndwi-tichastsichen schastswesenS nad andere Maß-obmen ist d'e Pradnftivitüt der Landn-irfschnfi in ieder Weist »n fördern. Eine a * • rechte Steuervaiitik mutz gleiche Grnndiaaen schaffe,, für den freien Kanknrrenzkampf »wischen landwirtschaftlichem Klein, und G-eVbet-i-b. Die bisberste Winderbelastuna der landwirtschaftlichen Grotzbetri-be muß fasten, die veraltete Badenllasteneinteilung ist nuchruvrüfen und die gleiche Badeu- -lnalität gleichmäßig hoch zu besteuern bei Klein- und Großbetrieb.
Ein freie? Landvolk auf eigener Scholle, eine starke, leistungsfähige Landwirtschaft, i a? sind die Ziele, denen die Partei nach- strebt. Frei pan allen sozialistischen Übertreibungen tritt big Partei auf gegen alle
Abend-Ausgabe. Nr. 3?. . 67. Jahrgang.
Vor rechte der ländlichen Herrenschscht. Auf! Männer und Frauen des flachen Landes. Schart euch um das Banner der
Deutschen demokratischen Partei.
Die Probe aufs Erempel.
Von seiten der Deutschen deine kratischen Partei wird uns geschrieben:
Nachdem vor den Wahlen zur Nationalversammlung von der Deutschen Volkspartei und der Aentrumspartei so viel «von dem Verrat am Bürgertum" gefprechen und geschrieben worden ist. der dadurch verübt sein soll, daß die Deutsche demokratische Partei gegen die Lisleniverbivdung eintrat, lohnt eS sich, nun, nach der Wahl nach den amtlichen Ergebnissen die in Wicsbaden erzielt wunden, die Probe aufs Erempel zu machen.
Nehmen wir an, daß angesichts der kleinen Wählerzachl hier 5 Mandate zu verocbcn wären.
Beispiel 1, keine Berbirdung irgend welcher Listen:
D. D. P. MebUb.-Eoz. D. V. P. Zrrtr. U. S. P. D. N. Dp.
l8 97Zi l l 9782 11876- 8698° 1810 791
9486» 7489 S6«8 4.894 SOS 397
6324 4992 3792 2869
In diesem Fall wäre die Verteilung der Mandate:
2 Demokraten, 1 Zentrum 1 D. V. P.. 1 Sog.
Beispiel 2, wenn, wie es diesmal igesckwh, Zentrum. D. V. P. und D. N Vp. eine verbundene Liste haben und die übrigen Parteien getrennt varaeben:
4t/. o -p. #nur.
18 9732 9486° 6324
(verbundene Liste)
14 9783 ' 22 7781 1810
7489 10 389« 905
4992 6926
Buch in diesim Fall das gleiche Evgehnis:
2 . Demokraten,
2 verhumdeile (1 Zentrum, 1 D. B. P.),
1 Soz.
Beispiel 8. alle vier lmrgerlichen Parteien (mH. D. D. P mst verbundener Liste gegenüber den nichtverbundenen sozial demokratischen Parteien:
U. S. P. 1810 905
Verb, biirgerl. Liste Mehrh.-Soz.
39 7? ,i 14 978°
19 8752 7489
9937« 4992
7970°
Auch hier genau das gleiche Ergebnis wie bei Beispiel 1 nämlich: r
4 verbundene (2 Dem., 1 D. V. P., 1 Zentr.), l Soz.
Hieraus ist klar zu ergaben, was von dem „Verrat au Burgertum zu halten gewesen ist. Dr. R.
Wahlresultate.
Berlin, 21. Jan. Nach vorläufigen nichtamtlichen Meldungen können bis heute mittag 12 Uhr als g e w ä h l t gelten- 274 Abgeordnete aus 2 4 Wahlkreisen von insge- Umit 37 Kreisen mit 4.83 Abgeordneten. Aus den anderen Wablkreisen liegt eine größere Zahl von Teilresultaten vor. die aber ein auch nur einigermaßen sicheres Urteil über die Verteilung der Mandats nicht zulaffen. Die 274 Abgeordnet- verteilen sich auf die verschiedenen Part-ien wie folgt Deutsch-nationale Volkspartei 24 Christliche Volksvartei 46 Deutsche Volkspartei V., Deutsche demokratische Partei 53. Sozialdemokraten 114. Unabbänaig- 19. Ferne, haben noch e-balten die Bauern- und Landarbeiterdemokrati-
1 Sitz in Schieswig-Bolsteiu. der Bayerische Bauernbund je
2 Sitze in Dberbivern und Ni-derbavern. die Bürgerpartei. Bauern- und Weingäctr.er in Württemberg 2 Sitze.
München, 21. Jan. Rach einer vorläufigen Berechnung würden von. den 45 Sitzen Bayerns für die deutsche Nationa'- versammlung erhalten: Bayerische Volkspartei (Zentrum) 18, sozieldemokratische Partei !6, Deutsche Volkspartei 5, Bayer Bauernbund 4, Notiouallibswle und Miltelpartei 2, Unabhängige keine:
Die Wahlen zur preuhischen Landesversammlung.
Die Wählerlisten für die Wahlen zur deutschen National. Versammlung gelten auch für dre am kommenden Sonntai, den 26. Januar, stattsindenden Wahlen zur preußischen Landesvcrsammlnng. Es wäblen zur preußischen Landes- versammlung niwt nur die preußischen Staatsangehörigen sondern alle in Preußen wohnenden deutschen M ä n n e r ii n d F r a » e n . die für die Wabl zur deutschen Nationalversammlung wahlberechtigt sind. Die Wablen zur preußischen Londcspersammtung finden auch in den gleichen Wahllokalen statt. _ "
D e Friedenskonferenz.
Forderungen und Wikufche.
Bk«., Inn Dcr .Temps" ve-öiicnt:i»t eine große Anzahl vcn Eik ariwgcn größerer, nvti eier ur.t kleinerer Enlente-Siaaiev über ihre „irtenineen m der Frieden-Konferenz. — Der litauische Unterstaol- sk krctar Jineuloum sryk die Grenze Litauens srlgendernioßen sest. die alten russischen Gouvernements Kowno, Wilna, Rewno, Mrbilew. W-.tebsk, ein Teil des Gouvernements Suwalkt, feiner von Oichreußcn Meniel, Tilsit und Gubinnen. — In ei-iew neuerlichen Jmerriem begründet Brniseios die Ansprüche Griechenlands aus Thrazien »iid .stoiistanlliiopel, das griechisch werden mühe, si stru es nicht uUernatlonalliiert werde, aus keine»
K f r /f a ® und Vliflina, ferner die Klein-Aiiotiichen und KSä chi » ciische Forderung uni nt tos
-f rt)l ' t ' 1 ’ 6tine" Rückgabe de. Gebiete Kian- aiu-i''«-.". Tsingtau, Berläuoerung des Vertrages von Wai-Hai» den Hendel'"^ ^ 3>ag! der £ sinui.g der Mongolei und Tibet» für
Eine brlaiseße Forderunq.
Aus Brüssel witd den Pariser Zeitungen gemeldet, daß der Finanzminister in der Drputiertcnklimmer erklärt habe, die Delegierte» Belgiens würden verlangen, daß in der Frage der K r i e g s e n t s ck, ä d i g n n g Belgien ein Vorrecht habe, damit die belgische Industrie schnell entschädigt werden «könne. Belgien beabsichtige, seine Kriegsentschädigung zu diskontieren, indem es Anleihen für die normale Wiederherstellung herausgcbe.
Fiirdensdelegierte.
Paris, 19 Jan. Die tschechisch-slowakische Republik wird bei der Fricdenskoi.ferenz durch den Präsidenten K r a m a r kch und den Minister des Auswärtigen Eduard Benesch vertreten Der Sekietär der tschechisch-slowakischen Delegition ist Dsusky, der Vertreter der tschechisch-slowakischen.Republik in 'London.
Französisä,.: Schrifistellcr für NntkrstüdunF der Bemiililingrn Wilsons.
Eine Anzahl fra-lzösischer Schriflsteller, die den Krieg an der Front mitgemacht hoben, richtete einen üssrnllichen Ausruf an die intellektuellen Kampfgenosse» in alle» Ländern ohne Unterschied zur Bildung eines internationalen Bundes zur Unterstühuilg der Bemühungen Wilsons für die Herbeiführung eines wirklichen Friedens, der jeden künftigen Krieg ansschließt. An der Spitze steht der Verfasser de» ..Feu", Henry Barbusse.
MarschaH Fach über dir Lage in Deutschland.
Paris, 19. Jan. tzrioas. Mu>icl>«ill F o cli zcigto dem Berichlelstatter des .Malin ‘ in Trier auf feine Fragen wegen der Waffenstillitandöveihündlnrigen und der zögernden Ablieicrunq des Materials durch die Deutschen die ihm von den deutschen BenoUiuachliiilen ubergebeuen Schriftstücke und sagte.' .Sie uberfchweuniieii uns mit Papier! Wir nehmen einen Teil davon und lassen noch mehr beiseite. Wenn sie u.n Erbalinen schreien nnd »och Verpfleguna rufen. >'o glauoe ich nicht, daß sie über- treiben." Als der Belichteistatter denuieaeniiber für die letzten zwei Monate in den stkheinprovinzen ein nicht besonders schlveres Daiein seirsteUen zu können alaubte. antwortete der Marscliall: „Ja. Sie! Weil Sie in den strößten Hotels absteiaen, die sich zu riesigen Preisen durch den Schleichhandel velsaruen! Doch die Bevölkerung in Preußen und Österreich ist sicherlich in einem an Hlinaersnot grenzen- den Zu st and e." Ter Marichail wies aus Deutsch- lands ausgelöste zerrüttete Armee bin. „Nun haben wir gute Burgscliaften! Der Rbein bildet eines der deutbar besten Hindernisse. Wir besitzen außerdem alle wünschens- werten Ausfallspfortcn gegen Deutschland." Der Marschall glaubt nicht an ein Eindringen dos Bolschewismus, der Teutsct'Iand jeder Regierung berauben würde. Obwohl er zugibt, nicht mru,' darüber zu wissen als die Presse, meint er, daß Deutschland sich «holen und dieser Gaslvolko entgehen lverde. Cr kümmert sich nicht darum, ob di.' Regieruna Eberl festttehe. Er kennt nur die deuischon Bevollmächtiate» und ieme bewimde- nmgswirrdiaen französischen Soldaten. Wenn die Deutschen die Wafsenstiststandsbedinaungen nillit erfüllen, wird er sofort den Waftenstillitand abbreck^n. „Deshalb", meinte er. „führen sie sie so gut wie möglich a„S. Sie sind mit den Eisenbahnwagen und L'okoniotiven im Rückstände, doch haben sie in dieser Hinsicht mit' ernstlichen Schwieriakeiten zu kämpfen. Wir werden bis twch den Friedenspräliniinar'sn im Kriegszustand sein."
Zur Versorgung Europas.
Pari?, 21. Jen. (.dum.,».) De- oberste Krieasrat fgn allacmeine Versorgung nahm am 18. Januar unter d-m Vorsitz von Lord Receding die Beralnnaen wiebcr miß. Nackidem der Rat von den Verhandiarigen in Trier bezüglich der Benutzung der deutschen HandelsNotte Kenntnis gcnonimen hatte, prüfte er die sinanziellenPrvblewe der olloeweinen Versorannn Europas »nd nahm die Anivbkn dr- tb--k"Mv-vri>dinte'i der k'rientarrvee Üb-r die Bediirfniü'e und Hsifsauellen der Länder Südost-Enrovas entgegen. Er 'chiitt dann zur Bstd'.ina eines permanenten Komitees, deffen erste Titznng gestern siattgcsunden hat.
Dri'ppenrnckteansperte gegen NahrungSmitt-.-l.
»asel, 18. Jan. Die .Times" meldet aus Washington unterm 14. Januar: Marinesek-etär Daniels kündet für heute als eine faktische Gewißheit ein Abkommen an. wonach die jetzt in den deutschen Häfen müßig liegenden Schiffe zur Verfügung der Vereinigten Staaten für die Rückbeförderung der amerikanischen Truppen gestellt werden sollen. Auf der Rückreise nach Europa werden diese Schiffe mit Nahrungsmitteln beladen werden. Die Regelung der Einzelheiten wird der WasseusUllitaup-- konuuission in Trier nderknksen.
