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Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W. 57, An der Apsstelkirche 7.1. Fernsprecher: Amt Lützow «292 und 6203.

Mittwoch. 22. Januar 1919.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 27. ♦ 67. Jahrgang.

Das neue Deutschland.

Berlin, 18. Jan. Der Entwurf der Reichsverfassung besteht aus 73 Paragraphen. Die wichtigsten Bejtim- mnngen des aus 17 Pari rraplien bestellenden ersten Ab­schnittes sind folgende: Das Deutsche Reich besteht aus seinen bisherigen Gliedstaaten chwie aus den Ge­bieten. deren Bevölkerung fmit des Selbstbesttmmungs- rechtä Aufnahme in d.,Z Reich begehrt und durch ein Reistsgesed aufgenoniitien werden. Alle Staatsgewalt liegt beim deutschen V o l k.

Der Paragraph 5 stellt fest: Reichsrecht bricht Landesrecht.

Der Parggrrph 11 stellt fest dem deutsche Volk steht es frei, ohne Rücksicht an- die bisherigen Grenzen, ncur deutsche Freistaaten

innerhalb des Reiches zu en-chten. soweit die Stammes­art der Bevölkerung die lontschaftlichen Verhältnisse und gewerblichen Bestehungen die Bildung solckier Staaten nahel-'gen. Reu euichtete Freistaaten sollen mindestens 2 Millionen Einwohner umfassen. Tie Ver­einigung mehrerer Gliedstu lten zu einem neuen Frei­staat geschieht durch Staat svei trag. der der Zustimmung der Volksvertretung und der Reichs, egicr ring bedarf. Will sich die Bevölkerung mnes Laudesteils aus dem bisherigen Staatsoerband kosköien, um sich mrt einem oder mehreren anderen deutschem Freistaaten zu vercinigen, oder einen wlbstindigen Freistaat innerhalb des Reick>es zu bilden, so bedarf es einer Volks­abstimmung.

Weiterhin bei'timmt die Verfassung. Alle Deutschen sind vor dem Gesetz gleickibereckiiigt. alle Vorrechte oder Nacki teil oder Geburt, des Standes, des Berufs oder des (') Li u bens sind beseitigt. Volle Glaubens- und G.'visseMsfreihert, Freiheit der religiösen Überzeugung und ihrer Ausübung ist fest­gesetzt. Jede Religionsacsell'.chaft ordnet ihre Ange­legenheiten selbständig. Alle Rcligionsgesellschaften sind einander glelchgcstellt.

Der Abschnitt über den Reichspräsidenten bestimmt: /

Ter Reichspräsident

wird vom ganzen Volk gewählt. Wählbar ist. wer das 35. Lebensjahr vollendet bat und seit niindestcus 10 Jahren Deutscher ist. Gewählt ist, wer die Mehrheit von allen im Deuticheu Reich abgegebenen Stinunen er­halten hat. Ergibt stch keine Mehrlelt, so must engere Wahl zwischen denjenigm Bemervein stattfinden, welche die meisten Stimui-en crbal'en haben. Bei Stinimen- gleichheit entscheidet Los. Ter Reichspräsident hat das Reich zu v-rt^eten. Er tei kündet die Gesetze. Kriegserklärung und Frieden ssckilust er­folgen durch Reichs» e''tz. Dem Reick,sptälideiiten steht die Erekutire zu. Sein Amt dinert sieben Jahre,

(1. Fortsetzung.) Nachdruck verboten.

Die höhere Pflicht.

Roman den Doris Frriia v. Spältgen.

Nominell galt die Dame als eifrig; Beschützerin jeg­licher städtischer Aemeuvstege und Wohltätiqkeits- anstalten. Wie weit ste indes materielle Unterstützungen dazu opferte, blieb wohl dalünaeiwllt Iedenjallb wären gerade ihr genügend Mittel an die Hand gegeben, etwas Erkleckliches für dcks verstorbenen Vetters Kinder zu tun da ein Lotteriegewinn oon last l'iindertunddtchßig- tausend Mark, weicher dein alten Kraulern plötzlich in den Schost gefallen wo«', 'einer pekuniären Lage und Lebensstellung eine andere Wendung gab.

Bei des Generals Äußerung batte sich ihr langes, scharfgeschnittenes Gesicht zu einem gezwungenen Lächeln verzogen, und mit fomijcfer Jammer mrcne fügte sie hinzu:

„Natürlich, nach Kräften! Da hast dn recht. Detter Karl. In solchen Dingen darf man innen, alleinstehen­den Iranen nicht »n viel riisbürden. Dazu sind die Männer da — das sind Eh: einst lichten'"

„Iamos, Tantchen Berta« Ader von mir armem Agrarier könnt ihr beim besten Willem nur einen ganz tninimalen Zistchust erst arten. Wir hängen ja leider gar zu sehr von Sonnen'chnn. Regen und Kogel ab?" rief ein kräftiger, blonder Mann non 27 bis 20 Jahren in launiger Unoerfroreahstt dazwischen, was die gespannte Stiinmung merklich hob.

Er hatte währ'nd der ganzen Verhandlung schwei­gend zugehört, wohl ei» l,-.ild>'s Dutzend Zlaaretterr ge­raucht und nur öfters ungeduldig »ach der Uhr gesehen.

Die briefliche Austorderunz 'eine- Onkels „General", sich zur bestimmt"» ,S:”t und Stunde bei ihm in der Stadt, die anderthalb Meilen ^>on ieinem Gut entfcrw lag, einziisind"». war i'tui'i Scholl, dessen Mutter des verstorbenen Albert Söltens Schwester gewesen, ziem­lich ungelegen gekommen.

Die FrühjahrsbestcüungiM und andere «unstiAe Ge»

s"ine Wiederwahl ist znlä'uig. Die Reichsregierung be­steht aus dem Re i ch s s n z l". und den Reichs- Ministern, die vom Reichspräsidenten ernannt werden.

Keine Präsidenten für die Freistaaten.

München, 18 Jan. Wie der „Tagt Rnndtchan" ge­meldet wird, soll bei der Reuausstellung des Reiches da- von abgesehen werden, tür die einzelnen Bundes­staaten Präsidenten aiitznstcllen. Die jüddeutsäien Bundesstaaten sind dmi» üverelngekomnlen. an Stelle von Präsidenten ein R -e g i n ,, g s k o l l e g i u m vor- zuschlagen, an dessen Spitze der icweiligc Minister- Präsident stehen soll. Dies; Abächt hängt mrt der Er- Wägung zusammen, daß. wenn jeder Bundesstaat einen Präsidenten wählen würde in diesem Präsidenten- kollegium der vreustische Präsident die Vonuachtstellung hätte. _

Die Friedenskonferenz.

Paris, 18. Jan. Die Friedenskonferenz trat gestern mm 15 Uhr zusammen. Nach der Eröffnungsrede ver­ließ Präsident P o i n - r ö d m Saal. Präsident Wilson schlug die Wahl C l e »i eure a u s zum Vorsitzenden für die gesamte Dauer der ^rieöenskonscrenz vor als Zeichen der Würde Frankreichs irnd Eleinenceaus selbst. Lloyd George unterstützte dreien Antrag, indem er Clemenceau den größten Mann Frankreichs nannte. Sonnino untn stutzt" den Antrag ebenfalls. Elemenceau wurde einiliimmq geivählt. Er dankte für die Wahl und drängte ans '.stche, wirksame Durchführung des Iriedensprogramms. Er fugte hinzu, er habe zivei Juristen bezüalich der st r a s g c s e tz l i ch e n V e r a n t - Wortung des trüberen K risers konsultiert. Jeder Delegierte würde eine, Abschrift des darüber er- scheinenden Berichtes bekommen. Clrmienceau vertagte die Sitzung um 16.30 Ubr. Die Pressevertreter waren während des ganzen Vorganges im Konferenzsaals an­wesend.

Zur Verlängerung des Waffen stMftandes.

London, 17. Jan. Reuters Bureau erfährt von amt­licher Seite, daß dis Unterzeichnung der neuen Wasfen- stillstandSbedingnngen durch die deutschen Bevollmäch­tigten in gütlicher Weise uonstatten ging. Was den Standpunkt bezüglich der ni a r i t i m e n Frage anbelangt, so war dafür der Gedanke maßgebend. auf die Durchführung d"r »rst'ii,„glichen Wafsenstillstands- bedingungen zu drän.zen und nicht neue aufzuerlegen. Die Admiralitär besteh' daraist, daß die im Bau befind­lichen Unterseeboote auseinander genommen nor­den. Anscheinend steht der Gebrauch der de ur­schen Handelstonnage durch die Alliierten nicht in den neuen Bedingungen. Es ist vereinbart worden, daß bestimmte deutsche Schi'"e für Derproviantierungs- zwecke fahren wllen. Sie werden deutsck^ Mannschaften

schäfte daheim erheischren deS jungen Landwirtes An- Wesenheit.

Und n»n saß er vier festgenagelt — schon ? ptt Stun­den, anstatt w-niast-ns das Nützliche mit den. An genehmen zu verbinde'! nnd vor der Abfahrt noch ein ge° mütlickzes Sektfrühstücks im Freundeskreise cinzunehmen.

„So ein Schlaumeier! Donnerwetter, dein seliger Vater hat gut sür dich j-esorgt. Gustil Solch intelligenter Kerl wie du komnit num'als unter die Räder. Gerade dn kannst schon was sür die Kinder deines verstorbenen Onkels opfern. '

Wohlgefällig nickte General von Sölten dem Neffen zu.

„Gut, Onkelchen! Also ivas Erlangst du? Iüns- bimdert — tausend Pro Anno? Oder soll ich Reinettel, den kleinen, goldbraunen Kaser, heiraten? Ein paar Jährchen müßten mir dann freilih nach warten."

Der Angeredete runzelte die Stirn. Gerade das Thema schien ihm peinlich. Ungeachtet Gustis bürger- licl;en Namens, hätte er ihn recht gern als Freier einer seiner eigenen Töchter gesehen.

„Wir sind indes ganz pon rusterem Thema aöge- kommen. Das heißt, -.he wir liher die erforderliche Summe beratschlagen, möchte ich euch mitteilcn, was mir unser Detter Gerald >or zrhn Taaen aus Paris ge­schrieben hat."

Spannung malt» sich h-i des Hausherrn Worten auf den Gesichtern der Dannen.

„Gerald? So! Was de.iu?"

„Na — ihr kennt ihn sa rite, diesm liebenswürdigen Idealisten — das Herz stets oall warmen Mitgefühls, hilfsbereit über seine Mittel den Kaps voll großarti-'er Pläne »nd Idnen — allein trotzdem so unbereckienbar und so unpraktisch fürs real? Leben! Ja. Gerald rät. das winzige Sümmchen, das stch nach Alberts Tode nocki in Werten vorgefunden bat — dar« käme allerdings der Erlös von etlickien Schmuck- und alten Silberstiicken — was zu veräustern id) mm als Pflicht erachte — Zins aus Zins »u legen."

und Ilaggcn führen, die eine Landes, dem sie zn- gcwiesen sind, und daneben eine besondere inter­alliierte flagge: rvt-weist-blau mit roten Quer­balken.

Wahlergebnisse,

Die Ergebniffe der Wahlen zur Nationalversarnmlimg, so weit sie bis jetzt aus den einzelnen Wat,lbezi len des Reiches vorliegen, geben natürlich nocki kein vollständig.'s Bild, gestatten aber doch schon einen Überblick über die ungefähre Zusammensetzung der parlamentarischen Bollsvertreiung ocS Reiches. Nachstehend einzelne Ergebnisse:

Berlin. Bürgerliche Parteien Ittlingg, Nehrhettßsazialistcn 140 000. Unabh. 100 OOf). ^Ergebnis noch unvollständig.)

Mainz. Demokraten 12 33s, Sozialdemokraten 27 126, Zentrum 15 678, Deutsche Pvlkspartei 2556, llnabb. 618.

Birbrich a. Rh. Demokraten 1584, Sozialdemokraten 2429, Deutsche Bolkspartei 854, Zentrum 886, llnabh. 544.

Frankfurt a. M. Deut'ch-nalionale 3624, Deutsche Volks­partei 6.585, Zentrum 10150, Demokraten 18 667, Sozial­demokraten 48 406, Unabhängige 511t.

Darmstadt. Deutsche Volkspartei N 097, Hessische VolkL- vartei 1084, Zentrum 3410, Demokraten 12 040. Sozialdemo­kraten 15 740, Unabhängige 308 Stimmen. (Die erste» drei Wablvorschlägr sind verbunden.)

Kassel-Stadt. Deulsch-nationale 9489, Deutsche Volks- Partei 2610, Zentrum 4095. Demokraten 25 000, Sozialdemo­kraten 51018, Unabhängige 1194 Stimmen.

KrriS Wsrms. Deutsche Volkspartei 13 820, Deutsch, nationale Volkspartci 349, Zentrum 10 360, Demokratische Partei 6531, Sozialdemokraten 16 224.

Worms-Stadt. Deutsche Bolkspartei 4986, Deutsch­nationale Volkspartei 20.3, Zentrum 3858, Demokraten 69w>, Sozialdemokraten 9651.

Badischer 33. Wahlkreis. Zentrum 380 644 (5 Sitze),

Sozmldemokratcn 362 948 15 S'tzeh Demokraten 226 81t (3 Sitze) und Deutsch-nationale 78 886 (1 Sitz).

Mannheim-Stadt. Demokratische Partei 25 009, Zentrum 16,251, Deutsch-nationale 5185. Sozialdemokraten 59 00!.

Lffenbiirg. Deutsch-nationale 1557, Deutsche Volkspartei 2200, Zentrum 4917. Demokraten 6619, Sozialdemokraten 22 537, Unabhängige 881 Stimmen.

Köln-Stadt. Sozialdemokraten 54 100, Zentrum 51 000, Demokraten 14 000, Deutsche Bolkspartei 6800, Deutsch- nationale 3870, Unabhängige 2.300.

Rcmkcheidt. Deutsch-nationale und Deutsche Volkspartci 4612, Zentrum 3043, Demokraten 10152, Sozialdemokraten 563-, Unabhängige 16 891.

Elberfild-Stadt. Dcntsch-nationake nbd Deutsche Volks- Partei 22 128, Zentrum 12 077, Demokraten 9850, Sozialdemo­kraten 35 039, Unabhängige 7284.

Barmen-Stadt. Deuttch-nationale 22 986, Zentrum 8316, Demokraten 12 669, Sozialdemokraten 29 302, Unabh >0 9>9.

Eflen-Stadt. Deutsch-nationale und Deutsche Bolkspartei 33 591, Zentrum 79 125, Demokraten 17 648, Sozialdeuwkrates 57 162, Unabhängige 18 270.

Frankfurt a. d. O. Deutsch-nationale 2774, Deutsch? Volkspartei 3366 .Christliche Bolkspartei 1331, Demokratische Partei 10 186, Sozialdeinokraten, 20 579, Unabhängige 742.

„Das ist Torheit!" ries Iran von Bärscssel eriegt.

„Blödsinn! Das ist wieder mal Geralds Arll Mag der doch, tvclckicr jährlich Niistiinmen zum Zensier rauS» wirft. dessen Iran das Wort Eivschränkuncz" kaum vom Hörensagen kennt, dann den Kindern für die schiualen Revenuen ihres Kavituls anskoiniiienl"

Fräulein Berta von Salien zerrte bei diesem hef­tigen Einwnrs die Matck>en ihres im Schatze nihenden, grünseidenen Arbeltsbeinels hastig auf »nd z».

„Na. das bißchen Sl'ber »nd d'e paar Steindos n-»»^ ich doch keinesfalls oerkloppeu". warf (tzusti Scholl kops- schütlelnd ein.

„Abwarten, meine Lieben. T'"tter Gerald hat die Idee mit den Zinsen ia auch mir so flüchtig angedent-t. wie allerlei ander? geichäirliche Vorschläge. Er schreibt nebenbei, daß er demnächst nach Schö.rstein zuruckkelnen und — trenn irgend möglich — stch nach beute bei mir einfinden würde. Jedenfalls dn-fen wir seine Wimsche nicht außer acht lasten. Ich hin dimchans nicht aennß. und babiüchtiaer Natur, doch da Gerald nun mal m der denkbar gi!ästigsten Vermögenslage lebt und ein vor­nehmer, grundgnter K-rl ist warum sollte ich das im Interesse meiner Münd-'l nicht ausnützen?"

Fortsktzim» fotaL

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' Walter Fl»z: „?m Folvr »wischen Na-lit nn» T a g". „W « l l c n ft c i u t- Nntli y". Gesicht - und G.-schickne» vom dnitziginhiisen Krirg «S. H. Beck. München.) Die lez,i>-n dichlerisckei! Go den des m,vergeblichen Toten gegen vor uns. eine Tamni'unp von .giieg?d!chln„gen, d-ren Ansdruck-krost tmb lichkeit für sich selbst ,cden. nnd Stücke historischer Novelllstik in denen »euc Töne siil> vtnitbnicn lasten, kunstlcrilche Bändlganr wilder und srlniiiriger Dinge.

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