Zntelltgenj Blatt
der freien Stadt Frankfurt.
(Expeditions-Comptoir am hl.TeistpförtchenA 214°).
JS 198. Dienstag, dm 23. August 1853.
Neberblrek der Ereignisse Lm Gebiete der politische« und materielle« Interessen.
Das Andenken großer Männer muß man in Ehren halten.
Frankfurt, den 23. August. Wir haben in unserer Tagesgeschichte vor einiger Zeit gemeldet, daß den verdienstvollen Viceconsul Dr. Reitz auf seinem letzten gefahrvolle» Ausfluge nach Abyssinien der Tod ereilt hat. Dr. Reitz war aus Baden gebürtig, hatte ein reges, viclbcwegteS Leben und stand seinen Jahren nach noch im kräftigsten ManneS- alter. Nachdem er längere Zbit bei dem k. k. Generalconsulate in Alexandria beschäftigt war, kam er nach Wim und nachdem er dort im Ministerialdepartement für daS Con- sularwesen verwendet gewesen, -tzard ihm die ehrenvolle Mission zu Theil, als Honorar« Consul nach Ehartum zu gehen Dort trat daS k. k. Consulat für Central-Afrika am 30. März 1851 in Wirksames Von seinem Eifer, sich seinem Avoptiv-Vaterlande, dem österreichischen Handel und Ker österreichischen Industrie nützlich zu machen, so wie für Verbreitung deS ChrifertÄumS in jenen Gegenden zu wirken, von feiner unermüdlichen Thätigkeit, von seinem Muthe und seiner Kühnheit in Ueberwindung aller entgegen- stehenden Schwierigkeiten liegt manches rühmliche Zeugniß vor. Sein letzter Bericht au4 Debr-Eski, (h d. 25. Februar d. I., schildert in anziehender Weise seine Erlebnisse kurz vor seinem so nahen Hingange, sowie seine beschwerliche und höchst gefahrvolle Reise.nach Debr-Eski in der Provinz Semèen, dem dermaligen Aufenthalte des Fürsten Ubie. Auf die Einladung deS in Semèen befindlichen Dr. Schimper, am Hofe des Fürsten Ubie zu erscheinen, entschloß sich Dr. Reitz zur Reise nach Debr-Eski, dem dermaligen Aufent, halte des genannten Beherrschers von Tigre. Um jedoch^ die für Menschen und Lastthiere äußerst beschwerlife Reise nach Semèen, dem höchsten GebirgSlandc Abyssiniens, bewerkstelligen zu können, war unser Reisender genöthigt, den größten Theil seiner Effekten nebst dem für RaS-Ali zum Geschenke bestimmten Dongola-Hengste in Gondar zmück- zulassen. Dr. Reitz schildert in seinem Berichte ausführlich die unsäglichen Widerwärtigkeiten, die er wegen sicherer Unterbringung seiner in Gondar zurückgelassenen Effekten zu bekämpfen hatte,"welche Schwierigkeiten ihn zuletzt nötigten, gedachte Effekten in seinem Wohnhause einzumauern. Ueber die Residenz deS Fürsten Ubie und über den Aufenthalt des Herrn Dr. Reitz daselbst enthält der in der Austria abgedruckte Bericht Folgendes: „Debr-Eski, nach Dr. Schimper 9400 Fuß über der Mecresfläche gelegen, ist etwa acht Stunden von Semèen, der alten Residenz Ubie's, entfernt und war früher ein unbedeutendes Dors mit einer Kirche und wenigen Gehöften, am Abhange eines von niederen Hügeln gebildeten Thales. Ubie faßte vor einigen Jahren die Idee, dort eine Stadt anzulegen; er ließ daher die Kirche neu aufbauen und selbe mit zwei kreisförmigen Mauern