Intelligenz-Blatt
der steten Stadt Frankfurt.
(Expeditions-Comptoir am hl. Geisipsörtchenkt 214;)
M 186. Dienstag, den 9. August 1853.
Ueverdlick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materielle« Interessen. In unsern Schriften könnt Zhr Mes lesen, Und Alles ist schon einmal da gewesen. Uriel Acosta.
Frankfurt, den 9. August. Es ist sehr richtig, was unser heutiges Motto sagt; Alles wiederholt sich im Leben und so führen wir denn die Leser unserer Ueberblicke heute zurück in vergangene Zeiten, aus deren Spiegel sie ersehen mögen, wie die türkische Frage bereits frühere Jahrhunderte eben so beschäftigte wie jetzt. Schon Kaiser Marimilian I. von Deutschland beschloß 1519 zu Augsburg , den Orient zubefreien und mit dem Reiche zu vereinen. Schon 1515 hatte er mttWladislaw von Ungarn und Böhmen und Sigismund von Polen ein Bündniß gegen die Türken geschlossen. Nan nahm Mar sofort Titel und Wappen von Byzanz an; aber in demselben Jahre machte der Tod den weitreichenden EntmürfendeS Kaisers ein Ende. Noch großartiger war seines Enkels, Karls V., Plan zur Eroberung des Orients, am 8. Febr, 1538zuRom verabredet mit seinem Bruder Ferdinand I, als König von Böhmen und Ungarn, dem Papste Paul III. und der Republik Venedig. Die Beute war im Voraus vertheilt, Karl V. sollte die Krone von Brnänz, Ferdinand die DonaulLnder,. die Venetianer wichtige Küstenplätze und Handelsvortbeile, der Papst Palästina erhalten. Der schwere Kirchcnkawpf in Deutschländ' und ganz besonders die Feindschaft Frankreichs, welches sich bald darauf offen mit den Türken verbündete, vereitelte Alles, und statt daß die Türken aus Europa vertrieben wurden, machten sie Ofen mit der Hälfte Ungarns auf 140 Jahre zum türkischen Paschalik! Im Jahre 1557 erhob sich zum ersten Male Rußland zum Gedanken des Einschreitens in der Türkei. Iwan von MoSkowien, der sich „Herr Europa» und Asiens" nannte, schickte den Metropoliten Gregorius auf den Reichstag zu Regensburg, um Ferdinand I. zur gemeinschaftlichen Eroberung der türkischen Länder aufzufordern, aber der Kaiser war nicht in der Lage, darauf einzugehen. Nachdem in dem großen deutschen ReligionSkampse durch den Lübecker Frieden (12. Mai 1629) eine kurze Pause eingetreten und die Hoffnung auf dauernde Ruhe in Deutschland ausgedämmert war, faßten Maximilian von Bayern und Waldstein den genialen Plan, „alles ledige K^egsvolk zur Befreiung der Griechen zu führen", aber der Wieberauß- bruch des Krieges verschob die bayerische Intervention zu Gunsten der Griechen bis auf die Tage des Königs Otto, 2 Jahrhunderte später, Lei bnitzen» großer Geist, seiner Zeit voreilendj suchte 1670 den inneren, Europa verheerenden Kriegen zwischen christlichen Mächten ein Ende zu.machen, indem er die Waffen der mitteleuropäischen Mächte nach dem Orient und nach Amerika hinwieS; 1672 wollte er durch Üeberreichung einer Denkschrift über die Eroberung Aegyptens an Ludwig XIV. die französische VeigrößerungS-