Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Fr
(Erpeditions- Comptoir am hl. Geistpförtchen M 214 ;)<
â 130. Samstag, den 4. Juni 1853.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Ein solches Band wird Glück und Segen bringen!
Frankfurt, den 4. IuNi. Durch die Zeitungen geht das Gerücht von einer beabsichtigten Verbindung zwischen dem Prinzen von Wales (geb. 9, Nov. 1841) und der Tochter des Prinzen von Preußen. Wir wissen nicht, inwiefern die Nachrichten von einer solchen Absicht, deren Verwirklichung immerhin noch einige Jahre auf sich würde warten lassen, begründet sind, {ebenfalls aber hielten wir es für eine bedeutungsvolle Thatsache, wenn dieseFamilicnverbindung zwischen beiden protestantischen und con- sti t u t i on eilen Großmächten zu Stande käme. Eine solche beabsichtigte Verbindung zwischen Preußen und England ist den natürlichen geschichtlichen Verhältnissen vollkommen entsprechend. England hat seit 1837 keinen Territorialbesitz mehr auf dem europäischen Continent, welcher 1806 jene Irrung zwischen beiden Mächten hervorrief. Englische Hülfe hielt im siebenjährigen Kriege Friedrich dem Großen dicwestliche Seite frei und gewährte ihm dieGeldmittel zur Durchführung des Riesenkampfes; England war 1813 Preußens Bundesgenosse, ehe noch Oesterreich seinen Entschluß gefaßt, und Engländer und Preußen schlugen die Schlacht von Waterloo. Es ist bekannt, wie vielfach besonders seit Friedrich Wilhelms lV. Thronbesteigung die sreundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Regentenhäusern geworden sind, welche ihre gemeinsame Stammesmutter haben in Sophie (t 1714), der Tochter des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz, erwählten Königs von Böhmen (t 1632) und der Tochter Königs Jacob von England, Elisabeth (t 1661). Sophie brachte das Haus Hannover auf den Thron durch ihre Vermählung mit Kurfürst Ernst August (t 1698) und ihre Tochter Sophie Charlotte war die Gemahlin Königs Friedrich I. von Preußen, so daß beide Herrscher im 8. Grade von Sophie von der Pfalz abstammen. Aber auch die Völker sind verwandt durch germanischen Ursprung und protestantische Geistesrichtung. Shakespeare fand seine größten Bewunderer und freisinnigsten Erklärer in Tieck und A. W. von Schlegel, und die deutsche Musik, für welche den Franzosen und Italienern das Verständniß fehlt, beherrscht die englischen Concerte. Unsere Niebuhr und°Ranke, F. A. Wolf und Gottfr. Hermann, A. v. Humboldt und Liebig sind so eingebürgert in England, wie andererseits der humoristische Familienroman der Britten bei uns das allgemeinste Verständniß gesunden hat. Während Rußland und Frankreich von ihrem Prohibitivsystem nicht lassen, hat England mit dem besten Erfolge ein freieres Handelssystem augebahnt und Preußen, 'an der Spitze des Zollvereins, folgt diesem Beispiel, indem schon mit dem 1. Juni d. J. wichtige Zollermäßigungen eingetreten sind und weitere, besonders in Bezug auf Eisen, beantragt werden sollen. Auch daS so wohlthätig seit 1845 wirkende deutsche Krankenhaus in London, welches feit seiner Gründung