Intelligenz-Blatt
der steten Stadt âankfurt.
(Expeditions-Comptoir am hl. Geistpförtchen M 2140-
â 128. Donnerstag, den 2. Juni 1853
Ueherbliek der Ereignisse Lw Gebiete der politischen And materiellen Interessen. Köln am Rhein, Du blüh'st und glänzest, Neu hervor mit Zuversicht,
x Seit Dich Preußens stolzer Adler Mit sich zog zum Sonnenlicht!
Moritz Arndt,
Frankfurt, den 2. Juni. Wir haben in einem unserer früheren Ueverblicke unseren Leser» ein Bild von dem raschen Aufschwung Berlins gegeben; nicht weniger merkwürdig ist die zweite Blüthe von Köln am Rhein, welche diese Stadt nach langem Verfall unter preußischer Verwaltung erreicht hat. Wir wollen hier einige Zeugnisse aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts zusammenstellen. Pros. Jäger's Zeis tungSlertcon, Nürnberg 1791, gibt folgende Schilderung: „Köln enthält ungefähr 8000 Häuser. aber nicht mehr als 10,000 Einwohner, worunter die Bettelarmen eine auffallend grvsie Zahl ausmacheu. Ueber ein Biertheil der Stadt ist unbebaut und besteht theils aus Marktplätzen, theils aus Weingärten. Die Protestanten daselbst können das Bürgerrecht nicht erlangen, sondern werden nur als Beisassen geduldet. Sie hatten im Jahre 1788 Hoffnung, die Erlaubniß zur Erbauung eines Bethauses zu erhalten, aber durch heftige Widersetzung allzueifriger Katholiken wurde, die Sache hintertrieben. Sie besuchten die Kirche zu Mülheim im Herzogthum Berg. Die Handelschaft blühet nicht, ungeachtet der vortheilhaften Lage und der Stapelgerechtigkeit, die wenigstens einigen Speditionshandel verschafft." — Ri s deck, der Verfasser der Briefe eines in Deutschland reisenden Franzosen an seinen Bruder, beginnt seinen Brief über Köln folgendermaßen: „Köln ist in jedem Betracht die abscheulichste Stadt in Deutschland. Die meisten Häuser drohen den Einsturz, ein großer Theil derselben steht ganz leer und von der Bevölkerung kann ich Dir überhaupt keinen besseren Begriff geben, als wenn ich Dich versichere, daß mein Hauswirth für sein geräumiges und schönes HauS, das in einer guten Straße liegt, nebst Hof, Stallung und großem Garten, jährlich 50 fl. rhein. Miethe bezahlt. Im Umfang der Stadtmauern zählt man einige Hundert Baumgärten, worin alles Gemüse für die Stadt gezogen und auch so viel Vieh unterhalten wird, als zur Versorgung derselben mit Milch, Käse und Butter hinlänglich ist. In vielen Straßen liegt daher der Mist zu beiden Seiten vor den Häusern. Manche sind so öde, daß man stundenlang darin spazieren kann, ohne ein lebendes Geschöpf zu erblicken. Einen Drittheil (?) der Einwohner machen privilegirte Bettler aus, welche eine förmliche Zunft bilden und die Plätze vor den Kirchthüren unter sich vertheilt haben. Man zählt hier 39 Nonnenklöster, 20 MannSklöster und 12 Stifter." Auch auf Georg Forster, der seine in Begleitung Alexanders von Humboldt im Jahre 1790 unternommene Rheinreise in den „An«