Intelligenz-Matt
der freien Stadt Frankfurt.
(Expeditions-Comptoir am hl. Geistpfö'rtchen M 2140-
â 124. Samstag, dm 28. Mai 1853.
Uebervlick -er Greigniffe im Gebiete der politischen unmaterielle» Interessen. Die Trachten der Nationen, ihre Moden, die Art ihre Kleider zu fertigen und zu tragen, sind inniger mit der Politik der Völker verwandt, als man glaubt, von Raumer.
Frankfurt, den 28. Mai. Die Weise unserer heutigen deutschen Aesthetl'ker unterscheidet sich durch ihre praktische Tendenz wesentlich von den früheren, indem sie einmal von der ins Einzelne eingehenden Naturbeobachtung ausgehen, und sodann einen Einfluß auf die Gestaltung des Lebens anstreben. Unser heutiges Handwerk durch den Einfluß der Kunst zu veredeln, den Spielraum, welchen die Mode, trotz ihrer Allgewalt, doch noch der Laune des Einzelnen läßt, aus eine würdige und geschmackvolle Weise auszufüllen, zu lehren , — das ist ein zeitgemäßes Bestreben, welchem wir gerne in dem Kreise der Leser dieser Ueberblicke einige Freunde gewönnen. Der Gegenstand gehört um so mehr in das Gebiet dieser Ueberblicke, da wir uns ja nicht allein mit den politischen, sondern auch mit dem ganzen Gebiete der materiellen und socialen Fragen beschäftigen. Die Schriften, welche wir hier nennen, sind sehr verschieden an Umfang, das eine nur einen Bogen stark: „Das Zeichnen als ein ästhetisches Bildungsmittel, vorzugsweise für die Erziehung deS weiblichen Geschlechts, von A. Schrödter, F. a. M. 1853", das andere auf drei Bände angelegt und fast vollendet: „Aesthetik oder Wissenschaft des Schönen von Dr. F. Th. Bischer, Prof. in Tübingen, Reuilingen und Leipzig 1846 ff." Beide, der Künster wie der Gelehrte, verschmähen es nicht, auf die Kleidermode, die im Gebiete des materiellen Lebens eine so wichtige Rolle spielt, einzugehen. Schrödter sagt: „Gerade die Mode, diese unbegreifliche Macht der Erde, durch die man sich verschönern, angenehmer machen und theilweise Erziehung beurkunden will, sie ist eS, die dem passenden und geschmackvollen Anzug in der Regel widerstrebt und ihn verdirbt; — denn man scheut weit mehr einen Verstoß gegen diese unerbittliche Tyrannin zu begehen, als dem eigentlichen Bau seines Körpers Eintrag zu thun; man schmückt sich eifrig nach der Mode und nicht nach dem Wüchse seiner Figur; immer modern, aber selten im wahren Interesse und Verständniß von Wuchs und Farbe. Da ereignet es sich denn freilich häufig, daß sehr wohl proportionirte Gestalten einen lächerlichen oder gar keinen Effekt machen, trotz der modernsten Garderobe und Tourüre, weil die Damen nicht genug Phantasie und Bildung hatten, die passenden geschmackvollen Artikel der Mode herauözusuchen und anzulegen. Form und Schmuck des Haarbaues ist nur in Einklang mit dem Bau bet Augenbraunen, der Ohren, des Schädels, wie mit dem des ganzen Körpers vortheil- hast und schön zu erreichen." Den Sinn für daS Charakteristische und Harmonische in allen Erscheinungen will Schrödter durch seine Methode des Zeichnenunterrichts erwecken,