Intelligenz- Blatt
der freien MM /ranhfurt
(Expeditions-Comptoir am hl. Geistpförtchen M 214°).
M 106. Donnerstag, dm 5. Mai 1853:
M^" Wegen der Feier des Himmelfahrts-Tages werden morgen Freitag keine Intelligenz-Blatter aus- gegeben.
Ueberbliek der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Die deutsche Flotte lebt noch bis zur Stunde Fort in den deutschen Flaggen, deutschen Schiffen, Und gab bereits den fernen Deutschen Kunde, Hinsegelnd durch des Weltmeers Felsenriffen, Daß Deutschlands Schiffe unter deutschem 9taimn Sie aus der Heimath zu begrüßen kamen.
Frankfurt, den 5. Mai. Die deutsche Bundes marine ist untergegangen, wie einst die mächtige Flotte des Hansabundes, aber die Seemacht, welche der große Kurfürst von Brandenburg einst gegründet, ist in der preußischen Flotille wieder auserstanden und die „Amazone", gegen die Weise ihres Geschlechts, nicht ohne Nachkommen geblieben.
Im Jahre 1679 hatte der Kurfürst mit dem Kaufmann Rauls, einem Holländer (t 1707) wegen Errichtung einer Flotte einen Vertrag auf sechs Jahre abgeschlossen, dem zu Folge Rauls in den kurfürstlichen Häfen der Ostsee jederzeit sechs Fregatten nebst einigen kleinen Schiffen in segelfertigem Stande halten sollte, wofür ihm monatlich 5000 Thaler bezahlt wurden. Die Flotte des kleinen, kaum ein Zehntel der jetzigen Bevölkerung Preußens zählenden Staates kaperte schwedische Kriegsschiffe in der Ostsee und spanische in den amerikanischen Gewässern; durch ihre Hülse allein gelang 1676 die Eroberung von Rügen und die Anlage der brandenburgischen Colonien in Guinea, welche später von Friedrich Wilhelm I. an die Holländer verkauft wurden (1720). Der Hauptort derselben war die Feste GroßfriedrichSburg, deren letzter preußischer Statthalter, um nicht in die Hände der Schwarzen zu fallen, sich sreiwillig in die Luft sprengte. Nettelbeck, der in den siebenziger Jahren diese Küste besuchte, erfuhr sein Geschick in der Feste Arim von dem holländischen Commandanten, einem geborenen Deutschen, der ihm noch sechs alt-brandenburgische Geschütze auf der dortigen Batterie zeigte. — 1682 verfügte der Kurfürst über folgende Schiffe: „Friedrich Wilhelm zu , Pferde" mit 54 Kanonen, „Dorothea" mit 40 Kanonen, „Markgraf von Brandenburg" mit 50 Kanonen, „der rothe Löwe" mit 32 Kanonen, „der Fuchs" mit 20 Kanonen, und drei kleine, zusammen mit 216 Geschützen, also etwas mehr als der jetzige Bestand der neuen preußischen Kriegsmarine. 1684 kaufte der Kurfürst diese neun Schiffe dem