Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt!

(ErpeditionS-Eomptoir am hl. Geistpförtchen M 214 f).

M 30. Samstag, den 5. Februar 1853;

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Ein gutes Buch ist der Empfehlung werth, Besonders wenn es.nützt und uns belehrt.

Frankfurt, den 5. Februar. Noch.immer dauert die Ungewißheit hinsichtlich der deutschen Zolleinigung fort. Auch , hie neuesten Nachrichten aus Berlin über die dort geführten directen Verhandlungen zwischen Oesterreich und Preußen sind widersprechend. Der Zollverein kann nicht leben und nicht sterben! Aus den Zeitungen ist also keine Belehrung über einen Gegenstand zu schöpfen, der bei der Wichtigkeit für den deutschen Wohlstand doch von höchstem Interesse ist, aber auch viele der darüber er­schienenen Schriften tragen entweder eine entschiedene Parteifarbe, oder sie schrecken ab durch die Dürre ihrer zahlenreichen und diplomatischen Aktenstücke. Unter diesen Um­ständen wird vielen Lesern dieser Ueberblicke gewiß unsere Empfehlung einer Schrift will­kommen seyn , welche mit der größten Sachkenntniß ruhige Erwägung und mit gründli­cher Darstellung eine anregende, fast möchten wir sagen, unterhaltende Schreibart ver­bindet. Wir Meinen die: Ansprache an die deutsche Fabrik-und HandelS- welt über die schließliche Wendung der Zollvereins- umd Handelsver­träge. AuSgegeben am 4. Januar 1853 (Braunschweig, Vieweg). Ganz mit Recht ist der Haupttheil der Schrift in einen politischen und einen staatSwirthschaftli- chen getheilt, denn keinem aufmerksamen Leser der bisherigen Verhandlungen kann die Wichtigkeit der bei der ganzen Angelegenheit mitspielenden politischen Rücksichten ent­gangen seyn. DaS letztgenannte Motiv hat, wie der Df. S. 14 anführt, in einem ge­wissen diplomatischen Kreise einer großen Residenz theilweise seine ausdrück­liche Bestätigung durch den Ausspruch eines deutschen GesandtschastSmitgliedes gesunden, welches, in der Meinung, nur Coalitionsfreunde um sich zu haben, mit Eifer in die Worte ausbrach: „Vor Allem ist dieses rastlose Preußenvolk zu Paaren zu treiben", wozu der Vf. die Bemerkung macht: „Versucht eè, ihr Herren, allein der Treiberstecken ist kurz uâdie Herde gewaltig!" — Manche Fragender die schon viel hin und her gesprochen, hat der Vf. kurz mit wenigen Worten treffend erledigt, z. B. die von den 38 Millionen Konsumenten in Oesterreich. Der Vf. berech­net die Zahl der nach deulschen Begriffen zu rechnenden Konsumenten in Oesterreich auf 9 Millionen, und nach diesen 9 Millionen sollen Zoll- und Steuerverein sich richten. Der Vf. gibt zu, daß Altbaycrn, aber auch dieses allein, bei Eröffnung der zoll­freien Getreideeinfuhr nach Oesterreich auf der Donau bedeutend gewinnen würde; er gibt zu, daß Preußen bei Trennung deS Zollvereins manche Einbuße, wenn auch geringere als die süddeutschen Staaten, deren Weinbauer jährlich 220,000 Ctr. Faß Weine nach Preußen absetzen, erleiden würde, aber gegen die Wunder