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Intelligenz- Blatt

der freien MM Frankfurts

(Erpeditions-Comptoir am hl. Geistpförtchen M 2145).

M 266. Dienstag, den 9. November j 852.

Ueber-lick der EreLgniffe im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Willst Du das Ganze richtig übersehen, So darf das Einzelne Dir nicht entgehen, Nach Ost und West muß frei der Blick erschauen Die kleinen Steinchen all', womit sie bauen, Den Mörtel und den Kitt,, womit sie vinden, Nur so kannst Du die Wahrheit recht ergründen.

Frankfurt, 9. November. In unseren Neberblicken halten wir das heutige Motto stets fest, und suchen die Leser derselben auf alle Gebiete in O st und West zu führen, m eS etwas Wichtiges und Interessantes zur politischen Rundschau gibt, was auf die Ereignisse der Jetztzeit mächtig einwirkt, und so glauben wir heute Einiges über die so Mach in der Tagesgeschichte der Gegenwart berührte und so wichtige orientalische Frage unseren politischen Betrachtungen einverleiben zu sollen, da- die Währungen im türkischen Reiche, trotz der Verhüllungen der officiellen Presse der ottomanischenPforte, die die trüben Zustände, welche dort sich in allen möglichen Gestaltungen zeigen, durch eine Decoration von europäischer Gesittung , durch einen oberflächlichen Firniß und Auf­putz, der nicht Farbe hält, zu verbergen bestrebt ist, früher oder später sämmtliche euro- >âischen Großmächte ernstlich beschäftigen werden; eS dürfte daher unseren Lesern interes- ant seyn, zu erfahren, welche Art von Interesse dieselben bei dieser wichtigen orientale chen Frage eigentlich haben. Die erste Stelle nimmt in dieser Beziehung natürlich Ruß- and ein, dem es es bekanntlich schon seit Peter des Großen Zeiten, und namentlich durch die spätere und neueste Politik dieses Reiches fast Nothwendigkeit geworden ist, dem riesigen Körper seines Binnenreichs entsprechende Küsten zu erwerben und zwar in zwei Richtungen, nach Norden und Süden. Während der schwedische Kanonendonner noch vor 110 Jahren in Petersburg hörbar war, bedrohen die Alandsinseln jetzt Stockholm. Die Eroberungen in Polen (1772—1815) schoben einen mächtigen russischen Keil in West­europa hinein, der noch durch die letzte polnische Erhebung von 1830 befestigt ward. Das schwarze M?er, von Rußland mit vieler Mühe erobert, dessen Nordküste es mit seiner Flotte beherrscht, und die von ihm besessene Donaumündung, sind zwar schöne Be- fitzthümer, aber das schwarze Meer ist selbst wieder ein geschlossener See, und Rußland strebt daher nach Stambulè Besitz; darum seine mächtige Flotte zu Sebastopol, deren Besichtigung erst neuerdings vom Kaiser Nicolaus vorgenommen wurde, darum die stete Bemühung Rußlands, das es nur vorübergehend zu einem Landbesitz jenseits der Darda­nellen gebracht, unter den Südslaven, die sich in Rußland zum griechischen Kultus be­kennen, so daß ihr Papst der Czaar ist, diese Halbsouveränen Fürstenthümer der Wal­lachei, der Moldau rc. zu gründen. Wie gesagt, Rußlands Interesse besteht darin, die Fahnen deS Czaaren auf den Minarets von Konstantinopel aufzupflanzen, unddemge-