Intelligenz-Blatt
der freien MM Frankfurt.
(ErpeditionS-Comptoir am hl. Geistpsörtchen M 214?).
*— 246. Samstag, den 16. October 1852.
Ueberblicö der Ereignisse Lm Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Es kommt nicht darauf an, ob die Sonne irr eines Monarchen Staaten nicht unrergeM, wir siw ehedem Spanien rühmte, sondern was sie während ihres Laufes in diesen Staaten za sehen bekommt.
Frankfurt, 16 Oct. Fürst Metternich, der das Geschick des österreichischen AaiferstaateS vom Jahre 1809 bis 1848 leitete, hatte einmal gegen einen hochstehenden Staatsmann geäußert: „Oesterreich ist nur groß, wenn es das Ostreich bleibt und sich um Deutschlands Geschicke nichts kümmert.« Dieß war auch die GrundbastS seiner Politik. DaS Metternich'sche System, dieser Ansicht folgend, hatte bekanntlich stets nur die Absperrung von Deutschland in Bezug auf Zollgebiet, Literatur, Schulwesen, Verkehrsmittel zur Grundlage. Das Jahr 1848 aber zeigte die Zustände in Jialien, Ungarn, Bohmen, Galizien haltloser und schlimmer als man gedacht, und es brach sich damals zuerst der Gedanke des engeren Anschlusses an Deutschland Bahn und damit daS Eingreifen in seine Geschicke. Der Minister Stadion nahm den Gedanken, welchen Joseph II. im Jahre 1786 schon gehegt, die Germanisirung Oesterreichs, mit erneuter Kraftwieder aus, um durch daS centralisirte, germanisirte Oesterreich in Deutschland zu herrschen, während man früher den festen Bestand deS Reiches auf das Nebeneinanderbesteheü eifersüchtiger Nationalitäten unter verschiedenen Verfassungen gegründet hatte. Bruck suchte diesem Gedanken des Anschlusses an Deutschland handelspolitisch, Schwarzenberg suchte ihn in Bezug auf die äußere Politik zu verkörpern. Die herben Erfahrungen, welche einst Kaiser Franz zu RheindundSzeiten gemacht, mochten ihn für Metternichs Ansichten in dieser Beziehung empfänglich machen, und Ferdinand I. war seiner ganzen geistigen und körperlichen Individualität nach, nicht der Mann, der den ergrauten allmächtigen Minister, der für den ersten Staatsmann Europa'S galt, zum Umkehren von dem gewohnten Wege hätte veranlassen können. Anders wurde die Sachlage, als in der Person deS gegenwärtigen Einherrschers in Oesterreich eine jugendliche feurige Persönlichkeit an die Splye deS Staates trat. In Holstein, in Hessen wurde die erste Gelegenheit ergriffen, österreichische Fahnen in Gegenden zu entfalten, wo sie seit zwei Jahrhunderten nicht geweht. Die Zustände, welche dadurch entstanden sind, liegen klar vor Aller Augen, unb die öffentliche Stimme urtheilte, daß nicht hier der Weltberuf Oesterreichs liege. Erfreulicheres sehen wir, wenn wir nach Osten den Blick wenden. Der magyarische Nationalfanat:ö- «uS, welcher 1847 alle im Lande Ungarn wohnenden anderen. Völker im Gebrauche ihrer Sprache beschränken wollte, ist durch den Haß der Slaven seiner eigenen Uebertreibung erlegen. Die slavischen Sprachbewegungen selbst, welche im ersten Ester eigene National- sprache» bis zur ruthenischen herab, schaffen wollten, sind erloschen, und selost in ihrem Haupthndr, in Prag, so erkaltet, daß wir gegenwärtig an der Prager Universität gegen