Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt.
(ErpeditionS-Comptoir am hl. Geistpförtchen M 214«).
â 240. Samstag, den 9. October 1852.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen. *) Du nuferteilen 3nimiTen sind Lie Schaal«, in welcher das feine Fluidum des paiitischen Lebens ruht, aber,die Schaale ist so innig verwachsen mit diesem Kern, daß sie nicht gelöst rossten kann, ohne den weich-» in ihrem Inneren ruhenden Kern zu verletzen. Befriediget die materiellen Interessen ter Völker und Zhr werdet stets zufriedene Unterthanen haben.
DaS Motto, welches wir unserer heutigen Betrachtung vorgesetzt, enthält eine große Wahrheit, die ihre ganze Potenz bet der gegenwärtigen Lage der deutschen Verhältnisse geltend macht; denn die wichtige Frage über die deutschen Zollinteressen berührt zwar nur das materielle Wohl des Volkes, ist aber so innig, so stark verwebt mit seinen politischen Interessen, daß sie gar nicht von einander zu trennen ist. Kant sagt schon sehr richtig irgendwo, wenn wir nicht irren, in seiner pragmatischen Anthropologie, daß die materiellen und politischen Bedürfnisse der Völker sich nach dem Nationalcharak« ter richten, und daß deßwegen die Nationalität eine Hauptbasis in der Aufrechthaltung deS politischen Gleichgewichts sey; wenn daher in der Frage, welche gegenwärtig die Gemüther bewegt,'die Nationalität mit ins Spiel kömmt und sich die Sympathien und Antipathien der Individuen mehr oder weniger in der wichtigsten aller politisch materiellen Fragen nach Preußen oder nach Oesterreich hinneigen, so liegt darin eine Bestätigung dessen, waS der große Philosoph behauptet. Wir sehen nun die merkwürdige Erscheinung, daß ein großer Theil der Nation die materielle Frage von der deutschen Zolleinigung als gleichbedeutend mit den geistigen und politischen Hoffnungen der Zukunft hält, und daß sich alle patriotischen deutschen Elemente derselben nach Preußen hoffnungSmuthig wenden; diejenigen aber, welche ihr Heil von jenseits der itali- scheu Berge her erwarten, gläubig nach Oesterreich blicken. Preußen ist cs allein, auf welches auch in dieser Frage die Hoffnungen Vieler gerichtet sind, die es mit Deutschland gut und treu meinen. ' Preußen ist ein reindeutscher Staat, dessen ganzes Gewicht in Deutschland liegt, während Oesterreich mit so vielen anderen Nationalitäten verknüpft ist, daß das deutsche Element in ihm stets seinen übrigen Interessen untergeordnet bleiben muß. Wir lassen dieser unserer Ansicht einen sehr treffenden Ausspruch folgen, den ein bekannter Staatsmann über diese Frage niedergelegt. Herr v. Radowitz sagt in seinem neuesten Werke: „Der Schwerpunkt der österreichischen Monarchie trat immer weiter hinaus aus dem deutschen Mutterlande, die Geschicke Preußens banden dieses im-
*) Der Verfasser ier"aeaenwärtigen Ueberblicke in tiefen Blättern bemerkt, um Mißverstand. Nissen sorjubeugen , daß der erste in No. $34 dieser Blätter enthalten gewesene Uebervtick nicht von ihm herrührte, sondern von einem anderen Publrcisten versaßt war.