Intelligenz- Blatt
der freien Stadt Frankfurt.
(Erpeditions Comptoir am hl. Geistpforlchen M 214?).
M 236. Dienstag, dm 5. Octobcr j852*
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und
materiellen Interessen. Gebt, o Zeiten, aus den Schachten Edelsteine mir und Gold, Wenn Ihr'S roh mir geben wollt, Werd ich's nur al« Stoff betrachten, Gebt'« in Form, so werd ich'« achten, Denn da« muß ich gelten lassen, Was ich nicht kann besser fassen.
Frankfurt, 5. Oct. Ein französischer Publizist der Neuzeit, der in die Ereignisse und in die krampfhaften Bewegungen der Gegenwart mit agiler Hand eingrisf, sagt sehr richtig vom französischen Volke: „DaS französische Volk ist nur stufenweise und zwar durch die Arbeit, die erste Quelle des Reichthums und der Freiheit, zu einer Potenz geworden. Vom Landbau zum Handel und zur Industrie übergehend, gewannen die un# teren Stände allmâhlig so sehr an Bedeutung, daß sie bald den eigentlichen Kern der Ration bildeten." Dieses Wort, zu einer Zeit gesprochen, wo die Verhältnisse in Frankreich selbst dem weisesten politischen Auguren keine Veranlassung gegeben hätten, das vorherzusagen, was einige Jahre später ganz Europa erschütterte, scheinen die Basts der Politik L. Napoleons, des gegenwärtigen Staatsoberhauptes in Frankreich, zu bilden und die von allen Seiten einlaufenden Berichte von den Acclamationen, mit denen ihn das zahlreiche Acer der Arbeiter allüberall auf seinem Triumphzuge durch Frankreich begleitet, bestätigen die Wahrheit dieses AriomS, und indem sich Napoleon HL, wie ihn die begci- sterten Stimmen seiner Verehrer nennen, aus die Arbeit stützt, die in allen früheren Bewegungsmomenten der französischen neueren Geschichte, wenn auch nicht Leiterin, doch Mitparticipiantin der Revolutionen war, scheint es ihm in der That Vorbehalten, den Schlund der Revolution wenigstens für den Moment gänzlich zu, schließen. Wenn Con- jecturalpolitiker aus neueren Artikeln in dem allerdings von einer bedeutenden Macht influenzirten „Journal de Francfort" die Politik der europäschen Großmächte für den Fall, daß der von der Aureole der Volksgunst umstrahlte Einherrscher Frankreichs nach dem Purpurmantel und der Kaiserkrone greisen würde, herauslcsen wollen, so sind sie allerdings im vollsten Rechte. Bekanntlich ist zwar in der diplomatischen Region die Sprache öfters geschaffen, um die Gedanken zu verschweigen, und sehr ost wird de facto gerade das Gegentheil von dem wahr, was die Presse in redseliger Gefälligkeit zu verkünden scheint, jedoch pfleaen manche Staaten bekanntlich öfter die tieferen und geheimeren Gedanken derCabinette gerade der officiösen Presse häufig vorher, der officiellen erst nach geschehener That zu vertrauen; und das scheint hier mit diesen Artikeln der Fall zu seyn, denen auch wir eine tiefere politische Bedeutung zuzulegen nicht unterlassen können,