JM 295. Mittwoch, den 23. Dezember
1885.
Fuldaer
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* Weihnachtsstirrrrmmg.
Jeder Schritt durch die Straßen der Stadt erinnert uns an das nahe Weihnachtsfest. In den Schaufenstern der Geschäftshäuser sind Fest- geschenke aller Art ausgestellt. Eine Menge von Tannenbäumchen werden in die Stadt gefahren; zum Verkaufe stehen sie in Reihen aufgestellt, die immergrünen Kinder des Waldes, manche von ihnen schlank und mit weit ausgebreiteten Aesten, so daß nur der hohe und geräumige Saal des Reichen sie aufnehmen kann, manche nur niedrig und klein, augenscheinlich für kleinere Verhältnisse berechnet. Aber all diese grünen Bäumchen sind bestimmt, glückliche Menschen zu machen. Wenn ihre Zweige mit Lichtern und buntem Flitter aus- geschmückt, mit süßen Früchten und Näschereien behängt sind, wenn die „Bescheerung" unter denselben ausgebrejtet ist, und dann die Eltern mit den Kindern den im Glanze seiner Lichter flimmernden Baum umgeben — leuchtet dann nicht aus aller Augen ein Strahl heiliger Freude? Kann es schönere und glücklichere Momente im Leben einer christlichen Familie geben? Allerdings gehört zur Freude des Weihnachtsbaumes ein kindliches unschuldiges Gemüth und vor allem ein reines Herz. Bist Du mit Gott, dem Herrn, in Feindschaft nnd willst darin bleiben, dann laß den grünen Tannenbaum nur im Wald oder auf dem Markte oder bleibe fort aus dem hellen Gemache, in welchem Kinder und Geschwister sich freuen, denn sein festliches Scheinen und die unschuldige Freude dieser werden Dich die traurige Verfasiung des eigenen Herzens nur noch schmerzlicher inne werden lasten, und die Weihnachtsfreude verkehren in tiefen Weihnachtsschmerz. Daran können auch die schönsten und werthvollsten Geschenke, die Du vielleicht erhälst, nichts ändern. Wo kein reines Herz, da kehrt nun einmal keine wahre Freude ein. Das ist ein unabänderliches Gesetz Gottes. Wo aber da« Herz rein ist, da wird es auch nicht an wahrer und reiner Freude fehlen, und wenn auch Niemand auf der ganzen Welt wäre, der unser gedächte und uns durch ein Geschenk seine Liebe und Hochschätzung an den Tag legte, — hoch über alle Menschenliebe und über allen Geschenken, die ein Geschöpf uns bieten kann, steht die Liebe des Christkindleins und die Süßigkeit der Gaben, welche es für diejenigen hat, die mit heiliger
Auf geheimnisvollen Wegen.
Roman von J. Iilnfttt. M
„Aber," sagte Giralda besorgt, „ich fürchte, Sie setzen sich Unannehmlichkeiten aus. Mein Onkel könnte Sie entlasten, wenn Sie zurückkehren —"
„Mag er," versetzte die Haushälterin, die Lippen zusammenprestend. „Er kann gar nicht leben ohne mich, Fräulein. Das ganze Haus würde in kürzester Zeit auf dem Kopfe stehen. Er würde alle Diener fortjagen durch fein rauhes Wesen, wenn ich sie nicht wieder begütigte. Der Herr Marquis — mich entlasten? Er wird es nicht einmal versuchen!"
Nachdem die einfache Mahlzeit eingenommen, schlug Madame Roger dem Mädchen vor, für die Reise ein einfacherer Kleid zu wählen. „Ich werde nach Ihrem Zimmer hinaufschlüpfen, Fräulein," sagte sie, „und herusiterholen, was Sie anzuziehen wünschen. Schließen Sie lieber so lange die Thür ab, bi» ich wieder da bin."
Sie eilte fort und kehrte nach sehr kurzer Zeit, völlig für die Reise gerüstet, zurück, die Arme vMer Reiseeffekten für Giralda. „Hier ist Ihre Reisetasche, Fräulein. Sie enthält aller
Sehnsucht und mit reinem Herzen dem Tage seiner Ankunft entgegengehen. Und bist Du auch arm und gering, bei armen und geringen Leuten kehrt der Herr am liebsten ein, sonst hätte er statt des Stalles von Bethlehem den prächtigen Palast irgend eines Großen zur Herberge gewählt. Hat dich aber Gott, der Herr, mit Ecdengütern gesegnet und Du weißt einen Armen, so gehe hin und spende dem Armen von Deinen Gaben und bereite ihm ein fröhliches Weihnachtsfest; was Du jenem gibst, das gibst Du dem Jesukind; dieses wird Dich dafür liebreich anblicken und Deine Weihnachtsfreude mehren. Und wenn Du einen Feind hast oder einen Menschen weißt, gegen welchen Du einen Groll hegst, so gehe hin und biete ihm die Hand zur Versöhnung, um des Friedensfürsten willen, welchem die Engel bei Bethlehem Loblieder sangen. Wenn Du solches thust, dann verschaffst Du ihm und Dir fröhliche Weihnachten. Bereiten wir uns auf diese Weise auf das hl. Weihnachtsfest vor und gehen wir mit solchen Gedanken und Absichten zur Kirche, dann wird auch uns der wahre Friede erfüllen, denn wir sind guten Willens und können uns freuen wie die Kinder. Möge solche heilige Weihnachtsfreude allen Lesern beschieden sein.
Deutsches Reich.
Bexluz, .22. Dezember
* Die Feier de» Weihnachtsfestes wird, wie in allen früheren Jahren, am heiligen Abend die gesammte zur Zeit in Berlin anwesende königliche Familie um die Majestäten im königl. Palais vereinigen. Dort, wie in den prinzlichen Palais findet vorher eine Bescheerung für die Hofstaaten statt, welcher um 8 Uhr der Ausbau für die k. Familie folgt. Das Programm für den Neujahrs-Empfang bei den Majestäten erleidet insofern eine .Aenderung, als die Abordnungen der höchsten Reichs- und Staatsbeamten-Kreise diesmal am 3.. Januar, als am 25. Jahrestage der Negierung Sr. Majestät, empfangen werden. Hierzu wird auch der Bundesrath, voraussichtlich vollzählig, in Berlin erscheinen; die bezüglichen Aufforderungen sind seitens des Staatssekretärs de« Innern, v. Bötticher, bereits an die Mitglieder ergangen.
* Ueber das Karolinenprotokoll erhält die ,K. 3? aus Berlin folgende Mittheilung:
Röthige, sowie auch Ihr Taschenbuch," erklärte sie. „Hier ist Ihr schwarzseidenes Kleid, welcher Sie anziehen können, und hie» Ihr Reithut."
„Sahen Sie meinen Onkel oder den Grafen Eugen?" fragte Giralda während des Umkleidens."
„Nein, Fräulein. Sie sind draußen auf der Landstraße, wie mix Lisette sagte, und suchen nach Ihnen. Wir können nicht schnell genug fort« kommen.". ,, ,i ,|
„Werden sie un« nicht auf dem Wege begegnen?" fragte das Mädchen mit zitternder Stimme.
„Wir werden, die Landstraße nicht benutzen," antwortete Madame Roger., „Wir wählen den Bergpfad jenseits des Hügels. Verlaßen Sie sich auf mich und vertrauen sich meiner Führung an. Vor alley. Dingen faßen Sie festen Muth!"
Giralda war zur Rejfe gerüstet. Madame Roger packt« noch ein gute» Frühstück ein, wobei auch eine Flasche alten Weine« nicht fehlte; dann bedeckte die glimmenden Kohlen mit Asche und löschte da« Licht aus. Die Glasthür wurde auf« geschloffen und die Beiden „erlichen klopfenden Herzens das Haus. Es war kein Stern am Horizont sichtbar; die ganze Umgebung des Schlöffe» lag in Finsterniß gchüllt da. Die bet«
- „Die in dem zu Rom unterzeichneten Karolinen« \ Protokoll vom 17. d. festgelegten Bestimmungen j werden auch auf die neuerdings gemeldeten, von ; dem „Albatros" vollzogenen deutschen Flaggen- > aufhiffungen ohne Zweifel Anwendung finden.
Deutschland hatte übrigens von vornherein, als Spaniens Ansprüche wegen der Karolinen eintrafen, eine Prüfung der Hoheitsrechte und frühern Besitzergreifung vorbehalten, worauf es dann später zu der päpstlichen Vernnttlung kam. Von einer Unterscheidung zwischen östlichen und westlichen Karolinen, welche Lesart zeitweilig in den Blättern auftaucht, ist in gewöhnlich unterrichteten Kreisen nichts bekannt. Das Protokoll bezieht sich anderseits, wie man weiß, auch auf die Palao-Jnseln."
* Nach den genauen Ergebniffen der Volkszählung sind in Deutschland nur 22 Städte mit über 100,000 Einwohnern vorhanden: es sind dies: Berlin, Königsberg, Danzig, Breslau, Stettin, Magdeburg, Altona, Hannover, Frankfurt a. M., Hamburg, Bremen, Dresden, Leipzig, Chemnitz, Straßburg, Köln, Elberfeld, Barmen, Düsseldorf, München, Nürnberg, Stuttgart.
* Nürnberg, 20. Dez. Der ,Fränk. Courr.' hatte gemeldet, daß über die „Fütterung der Reptilien" erst am 26. Dezember entschieden werden sollte. Er hatte dabei erwähnt, daß ein süddeutsches Blatt, deffen Besitzer reiche Leute seien, und das durch die Landesregierung durch . dvZRvrndr'-ng amtlicher Inserate ..nterstützc werde, um Subventionirung aus dem Reptilienfonds gebettelt habe. Daraufhin richtete der Vorsitzende der Aktien-Gesellschaft des .Korrespondent', Frhr. v. Kreß, ein offenes Schreiben an den Chef- Redakteur des ,F. St?, in welchem von demselben eine Erklärung abgefordert wird darüber, ob der ,Korr.' mit jenem Blatt gemeint sei. Begründet wird diese Forderung damit, daß die Bezeichnung „ein, im Besitz xeicher Leute befindliches Blatt, da« durch Zuwenvung amtlicher Inserate unterstützt wird," m Nürnberg allem auf den ,Korr/ gedeutet werden könne. Der Redakteur des ,F. St.*, Dr. Eberhard, lehnte die verlangte Erklärung ab, worauf Frhr. v. Kreß in einem zweiten offenen Brief dies Vorgehen als verleumderisch und feige bezeichnet.
* Darmstadt, 22. Dez. Em dem Prinzen Alexander zugegangenes, aus Pirot von gestern Abend 6 Uhr datirtes Telegramm besagt.: „Der den Flüchtlinge schlichen sich leise nach den Stallungen. „Es ist Niemand hier," flüsterte dje Haushälterin. „Die Männer sind drinnen beim Abendbrod."
Die Stallthür stand offen und der Raum war durch eine große Laterne erleuchtet; die muthige Frau trat ein und sah die Pferde vor ihren Krippen sehen. Sie sattelte zuerst Giralda's Zulima und machte sich dann daran, auch fflr sich ein starkes, braunes Pony zu satteln: darauf führte sie beide Thiere hinaus in’« Freie. Giralda schwang sich gewandt in den Sattel. Die Haushälterin folgte ihrem Beispiel und Beide ritten so leise als möglich aus dem Hofe, kreuzten die Wiese und ritten dann im Schatten eines Gehölzes, welches zwischen den Ställen und dem Wohnhause lag, weiter. „Jetzt heißt es fest sitzen und eine sichere Hand haben, liebe» Fräulein," sagte die Haushälterin gedämpften Tone». „Der Weg, den wir jetzt einschlagen müssen, ist steil und abschüssig und zwar in solchem Maße, baß Niemand daran denken wird, daß wir ihn benützen könnten. Ich ritt ihn erst einmal, al» ich in furchtbarster Eile meiner sterbenden Schwester gerpfM. worden war. Er ist schwer zu passtreu wegen der vielen kleinen Bergströme."