294
Dienstag, den 22. Dezember
1885.
Dit »Fuldaer Zeitung' «scheint täglich, Som»- und Feiertag« ausgenommen, vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Lringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belleftftstffchen Lochenbeilage »Eterue nuS Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.
J«s«r«t«: Die einspaltige Zelle oder beten Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
-H- Auf geheimnisvollen Wegen.
Roman von J. Jeheifel». I3
Unbemerkt erreichten sie Madame Roger'» Zimmer. Die GlaSthür zu demselben stand einladend weit offen; doch war e» drinnen fast dunkel, da e» nur von einigen noch glimmenden Kohlen beleuchtet wurde. Die Haushälterin schürte da» matt glimmende Feuer zur lichten Flamme, entzündete eine Lampe und schloß die Thür und die Fensterläden.
„Setzen Sie sich in diesen Seffel, Fräulein Giralda," sagte sie, einen roth überzogenen Lehnstuhl herbeirollend. „Ich habe die Thüre ver- schloffen. Niemand kann uns hier belauschen. Wie blaß Sie aussehen, armes Kind!" Sie ließ sich in respektvoller Entfernung ebenfalls nieder und Giralda lehnte ihren schönen Kopf in die Polster zurück. „Ich muß fort von hier, noch diese Nacht!" sagte sie traurig. „Wohin kann ich gehen, Madame Roger? Mein Vater hat die Heimath verlaffen. Da» Haus, da» wir bisher bewohnten, steht leer."
„Selbstverständlich gehen Sie direkt zu Ihrer Mutter," war die einfache Antwort der Haushälterin.
>rV
Hebet Giralda's Wangen zog eine schmerzliche Röthe. „Das kann ich nicht," sagte sie mit gedämpfter Stimme. „Es sind Gründe vorhanden Madame Roger, die Ihnen eines Tages Alles klar machen werden. Dieselben hindern mich daran, meine liebe gute Mutter aufzusuchen," schloß sie mit zitternder Stimme.
„Ich verstehe," sagte die gute Frau. „Sie ist, wie Sie mir früher einmal sagten, eine Schauspielerin und sie wünscht nicht, daß Sie in ihrer Nähe weilen. Ganz in der Ordnung! Das Theater ist kein paffender Platz für ein junges Mädchen wie Sie sind. Aber was ich nicht verstehen kann ist," fügte sie hinzu, „daß Herr Armand eine Schauspielerin geheirathrt hat. Ich bitte tausendmal um Entschuldigung, Fräulein Giralda. Hat Ihre Mutter denn keine Verwandte?"
„Keine zu denen ich gehen könnte."
„Und sonst haben Sie keine Freunde?"
„Nur Einen, dm Herzog von Beaufort," sagte Giralda erröthend.
„Zu ihm können Sie nicht gehen; wir müffen einen geheimen Aufenthaltsort für Sie ausfindig machen, wo Niemand nach Jhnm suchen kann."
An unsere Leser.
Bei der Katholikenversammlung in Münster wurde anerkannt, daß für die katholische Presse in Deutschland während der letzten zwanzig Jahre sehr viel geschehen sei und insbesondere die mittlere und kleine Presse einen großen Aufschwung genommen habe. An diese Thatsache anknüpfend schrieb unser kirchliches Sonntagsblatt der .Boni- fatiusbote' vor einiger Zeit: Die Diözese Fulda darf sich wohl schmeicheln, in diese lobende Anerkennung einbegriffen zu sein. Während sie früher kein einziges Blatt besaß, das den katholischen Interessen diente, hat sie deren jetzt drei aufzuweisen: »Fuldaer Zeitung', »Schulblatt' und »Boni- fatiusbote'.
Obgleich wir bei der großen Verbreitung des letztgenannten Blattes das darin Gesagte als bekannt voraussetzen dürfen» erscheint es doch nicht unzweckmäßig, speziell denjenigen Theil des betr. Artikels, der von der Fuldaer Zeitung' handelt, an dieser Stelle zu reproduziren:
Die »Fuldaer Zeitung' wurde 1873 gegründet von katholischen Männern, welche in jener bedrängten Zeit, wo es galt, der Kirche und der Diözese ein ihre Jntereffen vertretendes Organ zu schaffen, vor keinem Opfer an Geld und Zeit, ja fügen wir bei: vor keinem Opfer ihres Ansehens zurückbebten. Denn damals, als der Kulturkampf eben ausgebrochen war und seine Sturmfluthen so hoch gingen, brachte es gerade keine Ehre ein, sich offen als glaubenstreuen Katholiken zu bekennen. Bringt ja selbst jetzt, wo die katholisch« Kirch« so unüberwindlich und fast glorreich dasteht, wo die Vertreter der Katholiken im Land- und Reichstag die Achtung ihrer Gegner sich erzwingen, ein offenes Glaubensvekennlnitz noch t-ine besondere Ehre vor der Welt ein. „Für die einzelnen Personen des Centrums," so konnte Windthorst noch in seiner letzten Rede auf dem großen Katholikentage in Münster sagen, „ist gar nichts Anderes zu haben, als Hohn und Schimpf, den zu verachten nur das gute Gewissen Muth und Kraft gibt." Dieser „Hohn und Schimpf" war aber noch unvergleichlich mehr zu haben, als der Kulturkampf in seiner üppigsten Blüthe stand.
Die »Fuldaer Zeitung', die nach dem Zeugniß des »Bonifatiusboten' von dem ersten Tage ihres Erscheinens an auch noch nicht ein Haar breit von ihrem Ziele abgewichen ist, hat sich in Stadt und Land um die katholische Sach« hochverdient gemacht. Wer immer für die Be- dürfniffe der Zeit noch Verständniß hat, muß anerkennen, daß ihre Gründung eine gebieterische Nochwendigkeit war; und wer immer noch ein Herz hat für das Wohl der Diözese, muß sich ihres Daseins int Grunde der Seele
freuen. Aber wie steht es mit dem Entgegenkommen von Seiten der Diözesanen? O, in einer Diözese von 160,000 Seelen sind nicht einmal ganz zweitausend Abonnenten für die einzige in ihr erscheinende katholische Zeitung viel zu wenig. Woran liegt die Schuld? Etwa daran, daß zu wenig Tagesblätter in der Diözese gelesen werden? Keineswegs; wie überall, so werden auch bei uns mehr, als gut ist, Zeitungen gehalten und gelesen. Der Grund liegt darin, daß die Diözese Fulda ebenfalls der Vorwurf trifft, der zu Münster gegen das ganze katholische Deutschland gemacht wurde: „Es werden von den Katholiken noch immer zu viele unkatholische, liberale undselbst kirchenfeindliche Blätter gelesen und gefördert."
Es fehlt auch leider nicht an solchen Katholiken, welche der irrigen Meinung sind, katholisch- Blätter seien nicht sowohl der guten Sache wegen, als vielmehr des geschäftlichen Gewinnes halber gegründet. Nun Geschäfte, die Gewinn bringen, macht die Fuldaer Aktiendruckerei weder bei der »Fuldaer Zeitung' noch bei dem »Schulblatt' noch bei dem »Bonifatiusbote'. Nichts liegt ihr auch mehr fern als eine solche Absicht. Schon bei ihrer Gründung hatte di« Aktiengesellschaft so sehr nur die Ehre Gottes, das Wohl der Kirche und die Sonderintereffen der Diözese im Auge, daß ihre Mitglieder, sofern sich das Unternehmen nicht rentiren sollte» von vornherein nicht allein bereit waren, ihre nicht unbedeutenden Einlagen unverzinslich hinzugeben, sondern auch, wenn nöthig, selbst auf die Rückzahlung des Kapitals zu verzichten. Den Herren, die unter Aufwand von Zeit und Mühe das Unternehmen leiteten, standen zudem noch Sorgen und Verdrießlichkeiten aller Ar- beoor und als Wclti^'h.. r.:r. Seil» >
derer, die in der Angelegenheit keinen Finger rührten, Kritik und Tadel. Und wahrlich, während der 11 Jahre, seit denen das Aktiengeschäft in Betrieb ist, hat es daran nicht gefehlt. Doch hat Gott das zu seiner Ehre in bester und uneigennützigster Absicht unternommene und fortgesetzte Werk gesegnet. Wir sind ihm von Herzen dafür dankbar. Was aber die Existenz des Druckerei-Geschäfts sichert und in den Stand setzt, die eingezahlten Kapitalien entsprechend zu verzinsen, sind nicht sowohl die drei in Rede stehenden Blätter, als vielmehr die Accidenz- und Werkarbeiten, welche die Druckerei noch nebenher besorgen kann. Möge ihr denn auch von der Diözese die Anerkennung nicht versagt werden, daß die bei ihr erscheinenden Zeitschriften überall empfohlen und möglichst verbreitet werden. Wer insbesondere der ,Fu l- ' daer Zeitung' seither gleichgültig gegenüberstand, möge ! auf Grund des Vorstehenden die gute Gelegenheit des I
bevorstehenden Quartals- und Jahreswechsels dazu benützen, von nun ab auch das ©einige zur Förderung der katholischen Preffe innerhalb unserer Diözese beizutragen und die Zahl unserer bisherigen treuen Freunde und Gönner zu vermehren.
Deutsches Reich.
Berlin, 21. Dezember.
* Die ,Germ/ schreibt mit gutem Humor: Nun ist es aus mit dem Centrum! Die »Norddeutsche citirt heute als Eioesheifer ein — südrussisches Blatt, den in Odeffa erscheinenden ,Noworossisky Telegraph'. Derselbe hatte einen gepfefferten, die Abstammung sehr deutlich verrathenden Artikel über da» Centrum und den „verblendeten Dr. Windthorst" gebracht, den die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung' an hervorragender Stelle abdruckl. Dieser Artikel wird alle „Reichsfeinde" furchtbar „niederschmettern".
* Da der Reichstag nach der Darstellung der ,Nordd. Allgem. Ztg.' während seiner vierwöchentlichen Thätigkeit Beweise schöpferischer Kraft nicht geliefert haben soll, wird der von ihm beschlossene Gesetzentwurf, betreff, die P e n s i o u derReich »- beamten (insbesondere derPostbeamten) einfach todtgeschwiegen. Die ,Nordd. Allgem. Ztg/ fühlt sich dazu ohne Zweifel um so mehr gedrungen, al» der Bundesrath, zuverlässigen Angaben zufolge, es für angezeigt erachtet hat, jenen Gesetz- entwarf bei Seite zu legen, um vorläufig abzu- mcrten, her Reichstag über den vom Grafen Molike eingebrachten Militär-Pensionsgesetz-Entwurf beschließen werde. Damit ist bestimmt genug an gedeutet, daß jener Gesetzentwurf ohne diesen nicht die Genehmigung des Bundes- rathes erhalten wird. Das Militär-Pensions- gesetz hat aber nur dann Aussicht, vom Reichstage angenommen zu werden, wenn die Militärverwaltung endlich die Kommunalbesteuerung des Privatvermögens der Offiziere zugesteht. Daß man sich dazu jedoch nicht entschließen kann und will, ergibt sich mit voller Klarheit aus der Aussetzung der bundesräthlichen Entscheidung über den vorliegenden Gesetzentwurf für die Pensionen der Reichsbeamten und aus der Absicht der Konservativen, die Kommunalsteuer-Frage getrennt zu behandeln, und zwar im preußischen Landtage.
* Heber die Fütterung der Reptilien für
Die alte Dame versank in tiefes Nachdenken. „Ich habe den richtigen Platz für Sie gefunden, Fräulein Giralda," rief Sie plötzlich aus.
„Vor vielen Jahren lebte hier im Schlöffe die Tochter eines begüterten Landmanne» — ein braves, ehrliches, gutmüthiges, junges Mädchen, welches allgemein beliebt war. Sie ging fort von hier, weil ihr Onkel, der gestorben war, ihr eine Landstelle vermacht hatte, ein eigenthümliches, altes Anwesen, welches unter dem Namen „Die Solitude" bekannt ist. Dorthin werde ich Sie bringen, dort werden Sie gesichert sein. Die Besitzerin des Hauses", — Graf Eugen oder sein schurkischen Diener Jacques Ricard würden Jahre ihres Lebens hingegeben haben, dieses Gespräch zu belauschen — „die Besitzerin dieses Hauses wird sich Ihrer treu annehmen, denn auch Cecile Roffeau kannte Armand de Vignp und ist gleich mir von seiner Hnschuld überzeugt. Sie besitzt ein mitleidiges Herz und hilft gern allen denen, die in Noth sind, wenn auch einige Leute erzählen, daß sie hartherzig und gefühllos sei. Sie hat bittere Erfahrungen machen müffen und seitdem ist sie verändert. Sie war vor langen Jahren verlobt mit einem gewissen Jacques Ricard, dem Diener de» Grafen Armand und Eugen, gerade