292.
Sonnabmd, den 19. Dezember
1885.
Fuldaer Altung
»K.Fuldaer Zeitung erscheint t1 imb Sdertage ausgenommen. Bietteljährlrcher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Rk. 50 Pfq, — mit bet
6‘11 ®9* 'Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Ml. 75 Pfg, V 3
?«f»yate. Die einspaltig« Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Erstes Blatt.
Mit dem L. Januar 1886 beginnt ein neues Abonnement auf die
»Iuldaer Zeitung' nebst der Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen'.
Wir bitten die Bestellungen bei den Postämtern und Landbriefträgern gefälligst bald machen zu wollen, damit zu Neujahr in der Uebersendung keine Unterbrechung eintritt und der Leser die mit größter Spannung erwartete Fortsetzung des Romans „Stuf geheimnißvollen W egen" auch bei Beginn des neuen Quartals rechtzeitig erhält. Der Quartalspreis beträgt Mk. 1,50, ohne Bestellgeld.
PC Neu zugehend- Abonnenten hiesiger Stadt erhalten vom Tage der Bestellung bis zum 1. Januar die ,Fuldaer Zeitung' gratis.
Der Wandkalender für das Jahr 1886 wird einer der letzten Dezember-Nummern gratis beigelegt. Derselbe wird sauber ausgestattet sein und namentlich den Geschäftsleuten bei Notirung von Wechselfälligkeitstagen u. dgl. gute Dienste thun.
* Die katholische Kirche in Australien.
Nach Zahl seiner Mitglieder nimmt der Katholizismus in Australien noch nicht den ersten Rang ein, aber seine Fortschritte sind derart, daß allmählich die zahlreich--, durch die englische Cilani- satiün dorthin verpflanzten Sekten ftl den Hintergrund gedrängt werden. Der den Engländern zugehörige Theil des Landes zählt zur Zeit 60,000 Katholiken bei einer Gesammtbevölkerung von etwas mehr als 3 Millionen Köpfen. Die katholische Hierarchie umfaßt zwei Metropolitansttze: Sidney mit den sieben Bisthürnern Armidale, Bathurst, Brisbane, Goulburn, Maitland, Porto-Vittoria und Rock Hampton; Melbourne, dem die fünf Diözesen von Adelaide, Ballarat, Hobart-Town, Perth und Sandhurst unterstellt sind. Melbourne und Sidney sind die beiden größten Städte des Landes mit je einer Million Einwohner; die Be- völkerungszahl der übrigen Städte schwankt zwischen 60,000 und 10,000 Seelen. Der Metropolitanfitz von Sidney wurde 1842 durch Papst Gregor XVI. errichtet; derselbe Papst begründete die Diözese von Adelaide und Perth 1844 resp. 1845. Pius IX. schuf zehn neue Diözesen, darunter jene von Melbourne, welche 1874 zur Metropole erhoben wurde. Leo XIII. fügte vor einigen Jahren ein neue» Bisthum, Rock-Hampton, in die Hierarchie ein. Die beiden Metropoliten, sowie die Mehrzahl ihrer Suffraganbischöfe sind Engländer resp. Irländer von Abstammung; nur die beiden Oberhirten von Armidale und Rock-Hampton sind Italiener. Mehrere Bischöfe gehören dem Ordensstande an.
Kaum mehr als ein halbe» Jahrhundert ist vergangen, seitdem der Katholizismus in diesem Boden seine ersten Wurzeln schlug. Heute finden wir dort Kathedralen, Collegialkirchen, eine große Anzahl von Pfarreien mit Kirchen und Kapellen, Abteien und Klöster, sowie zahlreiche katholische Schulen. Selbst die katholische Presie ist bereit« gut organisirt. An katholischen Werken und Broschüren, die im Lande selbst gedruckt sind, hat es feinen Mangel. Zwei katholische Zeitungen besonder« spielen eine große Rolle; da« .Freeman's Journal' (nicht zu verwechseln mit dem Dubliner) hat einen Grad der Prosperität erreicht, um welche« e« jede« Journal der alten Welt — so sagt da« ,Univer«' — beneiden muß. Auch der .Expreß' von Sidney nimmt rasch einen hohen Aufschwung.
Das religiöse Leben steht in schönster Blüthe. Die ersten Missionare kamen von Irland, Frankreich und Spanien bisher; einige von diesen „Arbeitern dec ersten Stunde" leben noch und erfreuen sich der reichen Früchte ihrer Saat. Jesuiten und Benedictiner schloffen sich ihnen zunächst an, denen zahlreiche Mitglieder anderer religiöser Orden folgten und bleibende Niederlaffungen errichteten. Die weiblichen Orden sind zahlreich und beschäftigen sich vorzugsweise mit der Jugenderziehung. Aber auch die „Schwestern von der Barmherzigkeit" und jene vom hl. Vincenz fehlen nicht; zahlreiche Kranken- und Zufluchtshäuser stehen unter ihrer Leitung. Dieses gedrängte Expose zeigt, welchen raschen Aufschwung der Katholizismus in so kurzer Zeit inmitten protestantischer Koncurrenz und unter einer protestantischen Verwaltung auf dem australischen Continent genommen hat, und welche Zukunft ihm bevorsteht.
Die Einwanderung nimmt stetig zu; 1881 betrug sie 165,000, 1883 173,000 Köpfe. Mehr als 1700 Kilometer Eisenbahnen befinden sich im Betriebe, und über 2500 Kilometer sind zur Zeit im Bau begriffen. In Bezug auf Eisenbahnen rangirt das australische Festland gleich nach Frankreich. Gegenüber einem so rapiden Fortschritte des Landes bleibt die Kirche nicht zurück; man wird Australien eines Tages zu den blühendsten und mächtigsten Gliedern der katholischen Chnsten- heit zählen können.
De:' r>mr Kr-rzrm» erst «NN Cardinal ernannte Erzbischof von Sidney, Moran, wünscht, sich in Betreff der Rekrutirung seines Klerus vom Mutterlande unabhängig zu machen. Er bat den Grundstein zu einem ersten Seminar gelegt, und wird eine Summe von 1,200,000 Mark der Begründung dieses Instituts weihen, von dem er sich einen besonders günstigen Erfolg verspricht. Der erste Cardinal Australiens, Erzbischof Moran, ist kaum 55 Jahre alt. Seine Wiege stand in der Diözese Kildare in Irland; dort begann auch seine priesterliche Laufbahn. Er zierte den vischofsstuhl von Offory in Irland, als Leo XIII. ihn zum Erzbischof von Sidney ernannte. Möge er noch lange Jahre den römischen Purpur zum Ruhme der Kirche und zum Heile der jungen australischen Hierarchie tragen.
Deutsches Reich.
Berlin, 18. Dezember.
* Der Bundesrath hält morgen seine letzte Sitzung vor Weihnachten ab. Auf der Tagesordnung stehen u. A. die Zuckersteuernovelle und die Vorlage betreffend die Unfallversicherung der land- und forstwirthfchaftlichen Arbeiter.
* DieAusweisungen in den Ostseeprovinzen werden alsbald nach Neujahr im Reichstage dis- cutirt werden, und wie man hoffen darf, mit jener Gründlichkeit, welche der Abg. Dr. Windthorst am 10. Dezember im Reichstage verlangte. Man sieht daraus, wie falsch ein Theil der polnischen Preffe geurtheilt, als sie mit ärgerlichen Worten äußerte, der Reichstag wolle sich „drücken" und der Diskussion der Ausweisungen sich entziehen. Das würde schon an der Haltung de« Centrum» scheitern, welches, wie schon au» den Worten des Abg. Dr. Windthorst ersichtlich, der Meinung ist, daß unter allen Umständen der Gegenstand der Interpellation gründlich besprochen werden muß.
Nach der,Franks. Ztg.' ist das Branntweinmonopol so gut wie fertig. Wenn wirklich noch Verhandlungen zwischen den Bundesregierungen schweben, so können sie sich nur auf Einzelheiten erstrecken. In der Hauptsache haben die größten Bundesstaaten, Bayern und Württem
berg, dem Projekt zugestimmt, die Vorlage wird nun bald ausgearbeitet sein, und da nach den vorausgegangenen Verhandlungen mit den Regier- ungen ihre Berathung im Bundesrath nur noch eine Formalität ist, kann der Gesetzentwurf dem Reichstage in wenigen Wochen zugehen.
* Der braunschweigische StaaiSminister Graf Görtz-Wrisberg und der Generalmajor v. Wachholz kommen, der ,Nat.-Ztg.' zufolge, nächste Woche nach Berlin, um eine Militär conv ention zwischen Preußen und Braunschweig abzuschließen.
* Köln, 17. Dez. Selbst die .Kölnische Zeitung' streckt vor dem gewaltigen Eindruck der imposanten Volksovation, welche dem neuen Erzbischof dargebracht wurde, die Waffen und erkennt rückhaltlos an, daß Köln wohl niemals einen ähnlichen Fackelzug gesehen habe, als den, welchen gegen 20,000 Fackelträger mit etwa 20 Musikkorps dem neuen Oberhirten darbl achten. Es ist von Interesse, die gewiß nicht allzu überschwängliche Schilderung der .Köln. Zig.' zu lesen. Wir lassen sie hier folgen:
„Ein feuriger Strom, dessen hochaufsteigende Ufer von Licht und Gluth übergossen waren, entquoll um vor 7 Uhr vom Neumarkt in die Hauptstraßen der Stadt hinein- fluthend nach dem erzbischöflichen Palais hin. Es war der riesige Fackelzug, der zu Ehren des neuen Erzbischofs veranstaltet wurde. Unter den Klängen von etwa 20 Musikkorps nahm er seinen Weg. Nahezu eine Stunde währte fein Ausgang. Kölnische Bürger, nach Pfarreien geordnet, trugen die durch leuchtende Ballons gebildete | Lichtschlange durch die Stadt, dazu kamen Gesangvereine, * v.r ... r..vt.v.rt, . ;;iUx A .vT.
Lichtpunkten auf großen Transparentlaternen Embleme des edlen Handwerks, Sinnbilder der Freundschaft und des frommen Gottvertrauens zur Schau trug, die katholischen Vereine und Gesellschaften, Kongregationen, Innungen und sonstige Vereinigungen, ferner das Festkomitee und viele Geistliche. Die nächste Umgebung Kölns, die Vororte Ehrenfeld, Nippes, Sülz u. s. w., ferner Deutz und Mülheim hatten ebenfalls ihre starke Vertretung gestellt. Biele andere Städte und Orte der Erzdiözese waren ebenso durch starke Abordnungen ihrer katholischen Bevölkerungen vertreten. Die Knappschaften der Bergwerksbezirke Essen und Umgegend hatten zahlreiche Abtheilungen hierhergeschickt, bereit Aufzug in Bergmannstracht und mit der Äergmannslampe als Erkennungszeichen und mit eigenem Musikkorps einen großartigen Eindruck machte. Einen prächtigen Anblick gewährte auch die Bonner katholische Studentenschaft, die mit Pechfackeln aufzog und bereit Ber- binbungen Fahnen und die Chargirten in vierspännigen Wagen mit sich fiihttxn. Berittene Studenten im Wichs Wirten diese Abtheilung des Zuges an. Vor dem erzbischöflichen Wohnsitz nahm ein Theil des kolossalen Fackelzuges Aufstellung — es war unmöglich, diesen ganz auf der breiten Straße unterzubringen. — Nun stiegen Raketgarben in die Lust, bengalische Gluth übergoß die Häuser, im Hintergründe zeigte die Geronskirche ihren herrlichen Baustil in bunten glühenden Punkten, über einem Hause an der Ostseite trat plötzlich ein glänzendes Kreuz aus der Dunkelheit hervor, in welchem der Anfettiger die Worte: „In hoc signo vinces!“ angebracht hatte. Der Erzbischof trat aus dem Saale des ersten Stockwerks auf den Balkon; ein freudiges tausendstimmiges Hurrah empfing ihn und die Musik entbot ihm den festlichen Gruß. Dann trat der Landtagsabgeordnete Eduard Fuchs vor, um den Kirchenfürsten namens der Katholiken der Erzdiözese zu begrüßen und ihm Liebe und Treue zu geloben. Vor 11 Jahren, so betonte er, habe er mit ganz anderen Gefühlen auf derselben Stelle gestanden, damals sei Kölns Erzbischof als Kämpfer für Treue und Glauben in das Gefängniß gewandert. Beim Schluß seiner Rede bat er in die Knie sinkend im Namen der Festversammlung um den er,bischöflichen Segen. Der Erzbischof willfahtte der Bitte und dankte sichtlich ergriffen in warmen, überaus herzlichen Worten. Auf das Lichtmeer zu seinen Füßen hindeutend, erinnerte er an die Worte des Stifters der Kirche, daß die Gläubigen die Kinder des Lichtes seien. Ein brausendes Hoch erfüllte die Lust, die Musik spielte eine Freudenweise. Die Gesangvereine Kölner Liederkranz, Osfian, Apollo, Atton, Conkordia, Cäcilia, Rheinischer Männergesangverein, Euphonia, Loreley, Germania, Männerquartett, Polyhymnia, Harmonie, Gesangverein katholischer Kaufleute u. s. w. fangen, von Eisenhuth geleitet, den Tag des Herrn und die nun weiter ziehenden Fackelträger da» vom Liederkranz angestimmte „Herr großer Gott, dich loben wir!" Unter fortwährenden Hochrufen bewegten sich die Abtheilungen an dem Palai» »»rüber. Der hohe Herr, dem sie gatten, lohnte die Ova-