j\6 291. Freitag, den 18. Dezember
Fuldaer
eilung
1885.
Die .Fuldaer Zeitung" erscheint täglich, Sonn« und Feiertag« ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg-, — mit der belletristischen Wochenbeilage ,®terne und Blumen" in Fulda 1 M!. 70 Pfg, auswärts 1 Mk. 75 Pfg.
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* Das Unfallversicherungs-Gesetz.
Bei der Berathung beS Uiifallversichecungs-Ge- setzes vom 6. Juli v. I. im Reichstage wurde die Ansicht ausgesprochen, daß Jahre dahin gehen würden, bevor die Organisation der Berufsgenos. senschaften zum Abschluß gelangt sein werde. Wie so viele andere, so hat auch diese Meinung sich als trügerisch erwiesen.
Am 27. Juni v. I. wurde die Berathung des Gesetzes im Reichstage beendigt, am 6. Juli desselben Jahres erfolgte die Verkündigung des Ge- setzes, wenige Tage später trat das Reichs-Ver» sicherungs-Amt in Thätigkeit, bis zum 1. September 1884 mußte die Anmeldung der versicherungspflichtigen Betriebe erfolgt sein, und am 1. Oktober 1885, also 13 Monate später, ist das Gesetz in seinem ganzen Umfange in Kraft getreten. Die berufsgenossenschaftliche Organisation der Industrie, die schwierigste und umfangreichste Organisation des deutschen Reiches ist beendigt. An die Stelle von zusammenhanglosen einzelnen Unternehmern ist eine feste Grundlage von 57 Unternehmungsgenossenschaften mit öffentlich-rechtlichem Charakter getreten, berufen, die Fürsorge der verunglückten Arbeiter bezw. deren Hinterbliebenen zu übernehmen, zugleich aber auch die Voraussetzung zu segensreichem genoffenschaftlichem Leben bietend.
Dieser bei der Kürze der Zeit und der Schwierigkeit der Aufgabe überraschende Erfolg ist der regen Thätigkeit des Reichs-Versicherungs-Amtes und dem Gemeinsinn der Vertreter der Industrie zu verdanken. Durch das gemeinsame Zusammenwirken derselben und ihre Ausdauer in Bezug auf die Erreichung der ihnen gesetzlich gestellten Aufgabe ist mit dem 1. Oktober d. I. die Einführung eines neuen Rechtes für die Industrie- und Bau- gewerks-Arbeiter, sowie für die Arbeiter in Post-, Telegraphen- und Eisenbahnverwaltungen, ferner in den sämmtlichen Betrieben der Marine- und Heeresverwaltungen möglich geworden, eines Rechtes, welches den genannten Arbeitern einen feststehenden Anspruch auf Schadenersatz bei den Unfällen des Betriebes gewährt.
Möge die glücklich durchgeführte berufsgenoffen- schaftliche Organisation ein günstiges Vorzeichen dafür sein, daß das neue R.chl auch werden wird ein Band zur Befestigung des sozialen Friedens und ein Mittel zur Belebung des Vertrauens zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
Deutsches Reich.
Berlin, 17. Dezember.
* Der Berliner Hof legt für den verstorbenen König Ferdinand von Portugal (Vater des regierenden Königs von Portugal) eine vierzehntägige Trauer an.
* Es wird in Abgeordnetenkreisen des Reichstags seit Kurzem bemerkt, daß die sozialdemokratischen Mitglieder des Hauses den scheinbar zwanglosen Verkehr innerhalb des Sitzungssaales und im Foyer dazu benutzen, um private Aeuße- rungen anderer Abgeordneter aufzufangen und im Parteiinteresse zu verwerthen. Dies geschieht in letzter Zeit bei Gelegenheit kleinerer Pausen, in denen sich die Fraktionen im Saale zerstreuen und ihre Mittheilungen und Uriheile in vertraulicher Form austauschen. Im Züricher ,Sozialdemokrat' neuesten Datums finden sich solche einzelne Unterhaltungen mit den entsprechenden Reflexionen des Blattes selbst mitgetheilt. Dieser Mißbrauch der gesellschaftlichen Sitte erregt lebhaften Unwillen bei den Abgeordneten, die sich auf diese lästige Weise beobachtet fühlen. Es kann, falls die Animosität der Reichstagsmitglieder zu den sozialdemokratischen Deputirten sich durch solche Vorkommnisse steigert, im förmlichen Verkehr der Abgeordneten leicht eine exclusive Behandlung eintreten. Die Partei hat dann keine Ursache, daraus Kapital zu schlagen.
* Die zu Meppen erscheinenden ,Ems- und Hase- Blätter' veröffentlichen einen Bericht über Ostafrika von Wilhelm Gras ho ff, dem Sohn des evangelischen Konsistorialrathes Grashoff in Meppen, welcher an der in diesem Frühjahr von der ost- afrikanischen Gesellschaft entsendeten Expedition Theil nahm. Herr Grashoff ist auch mit den Vätern vom heiligen Geiste verschiedentlich in Berührung gekommen. Darum mag hier einen Platz finden, was das ,W. Volksbl.' den ,Ems- und Hase-Blättern' entnimmt:
In Mrogoro steht ein schmuckloses Kirchlein mitten in der unwirthsamen Gegend. Auf einem Hügel erbaut, umgeben von Wald und dichtem und undurchdringlichem Gestrüpp, ist es eine Oase in der Wildniß. Im Hintergründe erheben sich schützend steile, hohe Felsen der Ukamiberge. Das Fieber in den Gliedern, nicht mehr im Stande, weiter zu marschiren, langten wir bei dieser Station der Mission der „Väter vom hl. Geiste" an und baten um Aufnahme. Freundlich wurde uns diese gewährt. Treu und sorgsam haben die Väter uns gepflegt, und Alles boten sie auf, uns den Aufenthalt bei ihnen angenehm zu machen.
Bewegt und dankerfüllt schieden wir genesen von dieser Pflegstätte der wahren Kultur, von diesen Priestern, deren Wahlspruch: „Bete und arbeite!" sie die reichsten Früchte erzielen ließ. Eine kleine Gemeinde von etwa 50 Seelen sang dort in der klangreichen Kissuahalisprache Lieder zu Gottes Ehre. Gerade am Fuße der Usagara- berge liegt Mcondoa, die letzte Station derselben Missionsgesellschaft. Auch hier lernten wir die Gastfreundschaft der Patres in herzerfreuender Weise kennen. Noch ist kein Kirchlein vorhanden: denn erst vor einigen Monaten kam Mcondoa in den Besitz der Kongregation. Ein einfach geschmückter Altar stand in einem Zimmer, an dessen Wänden Gewehre und Revolver in Masse hingen. Früher bildete Mcondoa die letzte Station der berühmten „weißen Linie", der von der Westküste am Congo entlang quer durch Afrika angelegten Kette von europäischen Niederlassungen. Angelegt von einem Franzosen, dem Kapitän Bloyet, wurde sie mehrere Jahre lang von ihm und seiner Frau bewohnt. Nachdem der Kapitän abberufen wurde, gelangte seine Station in den Besitz der Mission.
Da haben rott zu den Zeugnissen des Kontre Admirals Knorr, des General-Konsuls Nach« tlgal, des Handelsherrn Woermann, des Afrika Reisenden Hugo Zöller und Anderer wiederum einen unparteeiichen Mann, einen Deutschen und einen Protestanlen, welcher der Thätigkeit der Väter vom heil. Geiste volle Anerkennung spendet.
Ausland.
* Wien, 17. Dez. Die Mitglieder der inter» nationa en Militär-Kommission sind um Mitternacht mit einem Expreßzuge nach dem Kriegsschauplatz abgereist.
* Rom, 17. Dez. Im Vatikan hat heute in Gegenwart des Kardinal-Staatssekretärs Jacobini und mehrerer Kardinale die Unterzeichnung des auf Grund der Verinittelungsakte des Papstes in der Karolinenfrage vereinbarten Protokolls durch den preußischen Gesandten beim Vatikan, Dr. v. Schlözer, und dem spanischen Gesandten v. Molins stattgefunden. Damit ist diese Frage zur Befriedigung beider Theile aus der Welt geschafft.
♦ Ein ostrumelischer, den befferen Ständen angehörender Freiwilliger, welcher in der Schlacht bei Slivnitza und bei der Erstürmung des Drago- man-Passes mit thätrg war, erzählt dem Philip- popeller Korrespondenten des ,Pester Lloyd' folgende Einzelheiten über die Lebensweise des Fürsten auf dem Schlachtfelde:
„Unser Fürst Alexanoer ist ein wahres Beispiel von Soldatentugenden. Er steht früh als der Erste auf (um 4i/z Uhr) und legt sich Abends als Letzter (nach 11 Uhr)
4r Auf geheimnisvollen Wegen.
Roman von ?. r-he-fel». so
„Fasse Muth, Giralda, und laß uns Gott vertrauen!" erwiderte der junge Mann, voll heiliger Innigkeit sie in seine Arme ziehend. „Bleibe hier und biete Alles auf, um das Herz des alten Mannes milder zu stimnun. Ich kehre Morgen nach Paris zurück, um meine Nachsuchungen zur Auffindung Alfred's fortzusetzen. Du wirst täglich Nachricht von mir erhalten. Dein Vater und Rupert sind in Sicherheit. Sie können, wenn es nöthig fein sollte, jeden Augenblick Frankreich ver- lassen und nach England oder Deutschland gehen. Die Comtesse Gabriele wird dieser Tage in ihr Landhaus hier in der Nähe übersiedeln, und Du kannst täglich hinüberreiten und sie sprechen. Das Landhaus der Chatrois liegt nur eine Meile von hier entfernt." Die beiden Verlobten standen noch eine Weile beisammen. Gilbert sprach von seiner Liebe und feinen Hoffnungen und Giralda lauschte beseligt aus jedes seiner Worte, welche wie Bal- samtropfen auf ihr wundes Herz fielen. „Ich muß gehen," fugte Gilbert endlich, als er bemerkte, daß die Sonne dem Untergange nahe war.
„Ich will nicht erst dem alten Herrn guten Abend sagen, sondern will vielmehr nach dem Adlershorst eilen, um einige Stunden der Ruhe zu pflegen. Ich wollte, ja, ich mußte dich aber vorher sprechen, Glralda. Ich werde njit dem Frühzuge nach Paris zurückkehren und hier eben vorsprechen. Und noch eins! Es kam mir vor, als ob ich Graf Eugen auf dem Bahnhofe gesehen. Er war gänzlich zugeknöpft und als ich mich noch einmal nach ihm umsah, war er verschwunden. Nimm Dich vor ihm in Acht. Es könnte sein, daß er Dir zum . zweiten Male nachzustellen beabsichtigt!" Giralda versprach ihm, vorsichtig zu fein, und Gilbert ging noch einige Schritte mit ihr durch das Unterholz. Nahe oer Pforte, im Schatten der Bäume, nahmen Beide von einanoer Abschied, einen Abschied, in dem feines das andere lassen zu wollen schien. Endlich riß Gilbert stch gewaltsam von dem holdseligen Mädchen los und eilte zurücknach seinem Pferde. Giralda stand nochauf demselben Fleck, wo Gilbert sie verlassen, bis sie das Aufschlagen der Pferdehufe auf dem Pflaster vernahm und dasselbe ihr verkündete, daß er nun wirklich fort fei. Sie wollte nicht sofort nach Hause gehen, um nicht sogleich ihr geröthetes Gesicht den scharfen Augen des Marquis zu zeigen. Sie ging noch einige
Schritte weiter, bis sie an eine runde Bank kam, welche unter einer großen Tanne stand; erschöpft nahm sie hier Platz. Die Hände in einander verschlungen, saß sie da und blickte träumerisch vor sich hin. Die ganze Welt schien vor ihr versunken; sie sah nur eins: Gilberts Bild. Nicht vernahm sie, was um sie her vorging, sie hörte nur eins: feine Worte voll Liebe. Plötzlich schreckte sie zusammen. Neben ihr im Gebüsch raschelte es laut und im nächsten Moment verdunkelte eine Gestalt den Weg dicht vor ihr. Entsetzt blickte sie auf und mit einem gellenden Schrei sprang sie empor. Düster, unheimlich, drohend sah sie vor sich das Gesicht ihres erbittertsten Feindes — des Grafen Eugen von Sa« martin. Instinktiv, den warnenden Worten Gil- bert's folgend, that sie einen raschen Sprung zur Seite, um der furchtbaren Gefahr, die sie so plötzlich bedrohte, zu entfliehen, aber in demselben Moment fühlte sie mit eifernem Griff ihr Handgelenk erfaßt.
„Dieses Mal bist Du ganz in meiner Gewalt," zischte er hervor, ihr den Weg vertretend und sie zurückzerrend nach der Bank, „znm zweiten Male entkommst Du mir nicht. Nur als mein Weib betrittst Du wieder das Stammschloß der de