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JX1 289. Mittwoch, den 16. Dezember 1885.
vi« »Fuldaer Zeitung erscheint t««lich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Ml. 50 Pfg., — mit der a r , belletrisiflchen Wochenbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda 1 MI. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.
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** Des Erzbischofs Dr. Philippus Kre- mentz Einzug in Köln am 14. Dez. 1885.
Während man in Köln damit beschäftigt war, an bie fett mehreren Tagen eifrig betriebenen Vorbereitungen zur Ausschmückung und Beleuchtung der Stadt die letzte Hand zu legen, fuhren die Deputationen des hochw. Domkapitels und Fest' komilos Nachmittags 1 Uhr 25 Min. zur Grenz- station der Erzdiözese, nach Alt en ess en, und trafen dortselbst nach 4 Uhr ein. Bald darauf, Punkt 4 Uhr 15 Min. hielt der Berliner Schnellzug, dem Alle mit großer Spannung entgegen sahen, auf der Station. Unter lautloser Stille wurde der hochwürdigste Herr nach dem Verlassen des Wagens durch ein Schulkind begrüßt und betrat dann den Wartesaal, woselbst zunächst Herr Domkapitular Dr. Dumont den neuen Oberhir- len mit folgenden Worten begrüßte:
Hochwürdigster Herr Erzbischof, gnädigster Herr! Die im Auftrage des hochwürdigen Metropolitan-Kapitels zu Köln hier erschienenen Domkapitulare haben die Ehre, Euer Erzbischöflichen Gnaden beim Eintritt in die Erzdiözese ehrfurchtsvoll zu begrüßen und Hochdenselben das Geleite zu Ihrer Metropole zu geben. Seit 10 Jahren fleht der Bischofsstuhl in unserm Dome zu Köln verwaist. Der Erzbischof lehrte, segnete und leitete von ihm aus die seiner Obhut anvertrauten Gläubigen nicht mehr. Wehmuth und stille Trauer erfüllte die Herzen. Alle harrten aus im Gebete. Da endlich erhörte Gott der Herr das unausgesetzte Flehen seines Volkes. Durch Seinen Stellvertreter auf St. Peters Stuhl zu Rom, unseren glorreich regierenden hl. Vater, Papst Leo, schenkte er der Stadt und Erzdiözese Köln einen neuen Oberhirten. Bischof Philippus von Ermland, ein Sohn des Rheinlandes, erhielt vom Oberhaupte der heil. Kirche die Sendung, statt der Erm- ländilchen Kirche im lernen Osten des Reiches fortab die altehrwürdige Kölnische Kirche im Westen vomDrei-Königen- Dome aus als Erzbischof zu leiten und zu regieren. Mit Sehnsucht haben Hirten und Volk danach verlangt, Hoch- Sie, Hochwürdigster Herr Erzbischof, in ihrer Mitte zu sehen; und hoch erfreut und wahrhaft beglückt sind wir, durch Gottes gnädige Fügung dieses Verlangen am heutigen Tage erfüllt zu sehen, in der Oktav des Festes der unbefleckt empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, der Hauptpatronin unseres Erzbisthums. Indem wir uns gestatten, Euer Erzbischöflichen Gnaden an der Grenze der Erzdiözese bereits die ehrerbietigsten Grüße des Metropolitan-Kapitels entgegenzubringen, verbinden wir damit die Bitte, Hochdieselben wollen genehm halten, unser Geleit zu Ihrer Bischofsstadt, dem alten hl. Köln, wo die Herzen ihrem Erzbischof in treuer Ergebenheit und in anhäng- licherLiebe zum Voraus freudig entgegenschlagen, alle vereint in dem Gebetswunsche: „Der Herr behüte Deinen Eingang. Der Lichtglanz des Herrn unseres Gottes sei über Dir und leite das Werk Deiner Hände. Heilige Maria, ohne Makel der Erbsünde empfangen, bitte für uns!"
•tt Auf geheimnisvollen Wegen.
Roman von -. jstheuseld. 78
„Nicht hoffnungslos, da fte erwidert wird!" versetzte Gilbert schneidend und scharf. „Sie sprechen von meiner Braut, Graf von Lamartin!"
Graf Eugen sah seinen jungen Nebenbuhler mit giftigen Augen an.
„Sie haben Ihre Sache schnell gemacht!" sagte er, cynisch lachend. „Die Dame hat sich ja leicht fangen [offen. Aber Herr Herzog, trium- phiren Sie nicht zu früh! Ich kann jeden Augenblick Tod und Verderben bringen über Armand de Vigny denn er ist nicht der Mann, der eine öffentliche Bloßstellung und Deportation lange überleben wird. Ich halte das Glück und die Ehre der Familie in meiner Hand. Der Herzog von Beaufort wird schwerlich seinen geachteten Namen dadurch beflecken wollen, daß er der Tochter eines überführten Verbrechers die Hand zur Verbindung reicht. Und das ist Armand de Vigny, sobald ich spreche. Es ist — Krieg zwischen uns, Herr Herzog!"
„Ja, Krieg auf Leben und Tod!" versetzte Giralda's Beschützer, welcher inzwischen die lieber« zeugung gewonnen hatte, daß der kleine Alfred
Dem Redner schloß sich der Vorsitzende des Kölner F.stkomitö's Herr Heinrich Horten, an. Sodann begrüßte Herr Dechant Boreno (Essen) Namens der Geistlichkeit des Dekanates den einziehenden Oberhirten.
Der hochwürdigste Herr dankte in herzlichen Worten und hob hervor, wie er schweren Herzens herübergekommen sei aus seinem lieb gewonnenen Wirkungskreis, aber auch freudigen Herzens zu der Heerde, die nach dein Oberhirten sich sehne. Er flehe zum Herrn, daß er seinen Eintritt segnen, das Feindliche besänftigen, die Schwierigkeiten beseitigen möge. Er hoffe, daß die Gnade des Allerhöchsten ihn stärken werde, um das hohe Ziel zu erreichen, welches ihm gesetzt sei.
Nach feierlich ertheiltem oberhirtlichen Segen wurden die Mitglieder des Domkapitels und die Herren vom Festkomito vorgestellt, worauf der hochwürdigste Herr zu kurzer Stärkung sich nieder- ließ. Bei der Begrüßung durch die erschienenen Mitgliedtr seiner Familie fiel allgemein das frische Aussehen des Oberhirten auf, den die Strapazen der vorhergegangenen Tage kaum angegriffen zu haben schienen.
Gegen 1/26 Uhr setzte sich der Extrazug von Station Altenesien aus in Bewegung. Allenthalben flammten bengalische Lichter auf; die Begeisterung der Tausende ringsum erreichte den Höhepunkt. Stürmisch verlangte man den Oberhirten noch ein Mal zu sehen. Vom Koupeefenster aus segnete er die Menge. Im ersten Salonwagen nahmen mit dem Herrn Erzbischof seine Verwandten, der Erzbischöflj^Hofkaplan, Herr Löffler, sowie die Domherren Platz; im zweiten die Herren vom Kölner Komitee. Die Fahrt bis Düsseldorf zeigte an allen Stationen zahlreich versammelte Diözesanen, die durch Hochrufen und Schwenken von Lampions die Vorbeifahrenden begrüßten.
Unter Böllerschüssen fuhr der Zug 6V2 Uhr in den Düsseldorfer Bahnhof, dessen langer Perron einen festlichen Anblick bot. In langer Reihe standen zu beiden Seiten der Geistlichkeit die Vereine unter hellen Transparenten gesammelt, überstrahlt von bengalischen Flammen. Der aussteigende Oberhirt mit seinem Gefolge wurde in einen prächtig geschmückten Saal des Bahnhofes geführt, woselbst Herr Dechant Kribben mit einer Ansprache ihm entgegentrat, indem er das
bereits irgendwo untergebracht worden fein mußte. „Bis jetzt, Herr Gras, haben Sie nur ein schwaches Weib zu Ihrer Gegnerin gehabt. Aber nun steht außer dem wehrlosen Verbannten gegen Sie ein Arm, dem Sie nicht gewachsen sein sollen. Ihre Verfolgungen der Unschuldigen und Hilflosen wer- den machtlos abprallen und Sie selbst vernichten. Ich bin der Verbündete eines in seinem heiligsten Rechte schmachvoll betrogenen Mannes. Hüten Sie sich, Graf Samartin! Was Sie fernerhin thuu werden, mit mir haben Sie es auszufechten. Und Gott wird mit der gerechten Sache fein — zittern Sie vor feiner Vergeltung!"
Ein durchbohrender Blick begleitete seine Worte, bann drehte er sich kurz um und verließ das Zimmer, während dem Grafen Eugen seine Worte noch in den Ohren nachklangen wie der Posaunenton des jüngsten Gerichtes.
XXXVII.
Der Nachmittag, welcher dem Morgen folgte, an welchem Gilbert dem Grafen Engen seinen Besuch in dessen Hotel in Paris abgestattet hatte, neigte sich seinem Ende zu. Giralda hatte das Schloß und den Park, sowie den alten Marquis verlassen und war bis zu dem, das Unterholz umschließenden Stakett geeilt, wo sie nun, gegen
Wort der heiligen Schrift in Bezug auf den Einzug Christi in Jerusalem anführte, wo bas Volk zu Philippus sagte: Herr, laß uns Jesum sehen! Nachdem der Herr Erzbischof seiner Freude über die herzliche Bewillkommnung Ausdruck gegeben und noch Herr Schloßhauptmann v. Maercker im Auftrage des Fürsten von Hohenzollern den hohen Herrn bewillkommet hatte, brängte der Zugführer zur Abfahrt. Die unerbittliche Zeit zwang den Oberhirten zu scheiden. Unter braufenbem Hochrufen der enthnsiasmirten Diözesanen entführte ihn der Zug ber schönen Düffelstadt.
In den prächtig geschmückten und hell beleuchteten Straßen Äöln's harrten Tausende des Augenblicks, wo ber hochw. Herr die Metropole betreten werde. Punkt 7 Uhr 20 Min. lief ber Extrazug von Düsseldorf ein, von ber ehrfurchtsvoll zu beibcn Seiten bichtgebrängt stehenden Menge mit brausendem Hoch begrüßt. Der Präsident der linksrheinischen Essenbahn, Hr. Geheimrath Rennen, empfing den Herrn Erzbischof an der Waggon- Thüre und geleitete ihn unter abermaligen begeisterten Hochrufen ber Versammelten in den Fürsten-Saal. Hier begrüßte der Herr Weihbischof Dr. Baudri den hochw. Herrn mit den Worten: Benedictus qui venit in nomine Domini! (Gesegnet, der ba kommt im Namen des Herrn!) Der Herr Erzbischof ermieberte etwa Folgendes:
Er danke von ganzem Herzen für die freundliche Bewillkommnung. Mit schwerem Herzen sei er aus einer Diözese geschieden, die seinen Kräften entsprechend gewesen, in der er 18 Jahre gewirkt und wo er eine neue Heimath gefunden habe. Er komme in einen neuen Wirkungskreis, der seine Kräfte übersteige, und in welchem schwere Arbeit feiner harre., Er rechne auf die Hülsedes Klerus der Erzdiözese und auf die Unterstützung des Domkapitels. Ein großer Trost für ihn sei, daß er an der Spitze desselben noch einen Mann finde, welcher fast 40 Jahre hindurch die Verwaltung der Erzdiözese mitgeführt habe, und dem somit eine reiche Erfahrung zur Seite stehe. Von allen Orten der Erzdiözese, die er berührt habe, sei ihm eine so jubelnde Begrüßung zu Theil geworden, daß er sich ganz gehoben fühle. Er hoffe, daß das Gebet der geliebten Erzdiözesanen ihm von Gott die nöthige Kraft erflehe, die zu so schwieriger Arbeit durchaus nöthig sei. Er rechne auch auf die Unterstützung der Stadt Köln, um so mehr, als ein gemeinsames Arbeitsfeld sich darbiete. Der Ruhm und die Ehre der Stadt Köln bestehe vornehmlich in drei Dingen: in ihrer religiösen Gesinnung, ihrer chrisilichen Ehantas und dem echt bürgerlichen Gemeinsinn. Von der Religiosität lege die Geschichte der Stadt rühmendes Zeugniß ab, und der herrliche vollendete Dom fei ein Denkmal des Frommsinnes, der im alten Köln gewaltet habe, und die zahlreichen Anstalten zur
letzteres gelehnt, staub und den Weg der nach ber Eisenbahnstation hinunterführte, enlang sah, als ob sie Jemanden sehnsüchtig erwartete. Sie sah blaß und angegriffen aus. Die Furcht und Angst um ihre Sieben marterten sie unaufhörlich und raubten ihr alle Ruhe. „O, Gilbert, Gilbert !" murmelte sie. „Wenn ich den Haß unseres bittersten Feindes auch auf Dein Haupt herabbeschworen — ich würde es mir nie vergeben können!" Sie unterdrückte gewaltsam einen schweren Seufzer und gab sich die größte Mühe, ihre Fassung zu bewahren. In demselben Augenblicke war es, als sie von ferne den Huffchlag eines Pferdes zu vernehmen glaubte. Sie öffnete die kleine Thüre in dem Stakett und trat auf die Landstraße hinaus. „Es ist Gilbert!" rief sie fröhlich und über ihr Gesicht ergoß sich ein Freit- denschimmer. „Er ist es! Er ist es!" Sie trat ein wenig in den Schatten zurück. Inzwischen war ber Reiter näher herankommen. Es war wirklich Gstbert und sobald er sie sah und erkannte, sprang er vom Pferde und eilte auf das lieblich erröthende, junge Mädchen zu und nahm ihre beiden zitternden Hände in die feinigen. Er sah fo fröhlich und hoffnungsselig aus, als er sie begrüßte, daß Giralda's Herz für den Augenblick