Montag, den 14. Dezember
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* Heber das Branntwein-Monopol, von dem wir allem Anscheine nach bedroht sind, bringt die,Freis. Ztg.' einen längeren Artikel, dem wir Folgendes entnehmen:
Gleich nach der Eröffnung des Reichstages gelangten die ersten Nachrichten über die Vorbereitung des Branntwein-Monopols in die Presse. Inzwischen sind die Vor- bereituagen schon so weit gesördcrt, daß es für die politische Tagespresse in diesem Augenblick nichts Wichtigeres gibt, als die Erörterung des Branntwein-Monopols. Eine ungezählte Reihe von Millionen aus den Tasch-m der Steuerzahler soll durch Einführung des Branntwein-Monopols zur Hebung der Kartoffelbrennereien im Osten Deutschlands verwandt werden. Gleichzeitig mit einer weitern Ausdehnung des Machtbereichs der Verwaltung über Alles, was mit der Branntwein-Erzeugung und dem Branntweinhandel zusammenhängt, wird auch dem Geldbewilligungsrecht der Volksvertretung durch die naturgemäß dem Belieben der Verwaltung anheimgcstellte Ausbeutung des Monopols ein neuer Stoß versetzt. Fürwahr, es lohnt sich, daß Minister o. Scholz sich persönlich nach München aufmachte, um für einen solchen Plan Bayern zu gewinnen; denn ohne Bayern ist das Branntwem-Monopol nicht ausführbar. Würde das Monopol auf die jetzige Branntweinsteuerge- meinschast beschränkt, an der Bayern, Württemberg und Baden keinen Antheil haben, so mühte zwischen Nord und Süd eine scharf bewachte Grenze gezogen werden, damit nicht der billige Branntwein aus dem Süden in das Monopol-Land des Nordens herübergeschmuggelt werden kann. Die gegenwärtige norddeutsche Branntweinsteuer macht in ihrem Verhältniß zu den süddeutschen Branntweinsteuern eine solche Grenzbewachung behufs Einziehung der lieber« gangsabgaben nicht erforderlich. Durch Mehrheitsbeschluß des Reichstags und Bundesraths können Bayern, Württemberg und Baden nicht genöthigt werden, ihre besondere Branntweinsteuer aufzugeoen. Denn ausdrücklich bestimmt die Reichsve.faffung: „An Bay. c>>, Würtremlierg und Baden bleibt die Besteuerung des inländischen Branntweins und Bieres der Landesgesetzgebung Vorbehalten. Die Bundesstaaten werden jedoch ihr Bestreben darauf richten, eine Uebereinstimmung der Gesetzgebung über die Besteuerung auch dieser Gegenstände herbeizuführen." Im Zusammenhang mit diesem Reservatrecht erfolgt gegenwärtig der Ausgleich im Reichsbudget derartig, daß die Matrikular beiträge der süddeutschen Staaten einen Zuschlag erhalten, welcher im Verhältniß zur Kopfzahl dieser Staaten zu derjenigen Norddeutschlands der Einnahme des Reiches aus der norddeutschen Branntweinsteuer und Braumalzsteuer entspricht. Wenn es den Unterhandlungen der preußischen Regierung gelingt, Bayern zur Aufgabe seines Reservatrechtes in Bezug auf die Branntweinsteuer zu bewegen, und Würtemberg und Baden alsdann nachfolgen, so wird uns die Einführung des Branntwein-Monopols in Alldeutschland zugleich als große nationale Frage vorgcstcllt, was alsdann ausreichen dürfte, die gesammte national-liberale Partei auf den Leim des Monopol-Projektes flattern zu machen. Der Reichskanzler soll sehr gern geneigt sein, Bayern einen tüchtigen Batzen Geld für die Aufgabe seines R-servatrechtes zu bieten. Seine
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-TT Auf geheimnisvollen Wegen.
Roman von J gelteftü. 76
XXXVI.
In düstere Betrachtungen versunken, hatte Graf Eugen regungslos dagesessen, bis der Zug im Pariser Bahnhofe einlief und still hielt. Dann nahm er den schlafenden Knaben auf den Arm und ging auf den Perron hinaus, wo sein Diener ihn erwartete. Letzterem den schlafenden Knaben übergebend, nahm Graf Eugen eine Droschke und im nächsten Moment hatten tue Drei den Wagen bestiegen und fuhren langsam Lamartin's Hotel zu. Während der Fahrt erzählte der Graf seinem Diener in aller Kürze die stattgehabten Ereigniffe. „Der Knabe muß sofort irgendwo untergebracht werden, wo ihn Niemand findet," sagte Eugen, als er sein Zimmer erreicht und Bernard den schlafenden Knaben auf ein Sopha gelegt hatte. „Soviel steht fest, ich werde Mühe haben, ihn gut verborgen zu halten, denn seine Mutter wird, wenn auch heimlich, Himmel und Erde in Bewegung setzen und kein Mittel unversucht laffen, um ihn wieder zufinden.
„Wie ähnlich er dem Grafen Armand ist!" sagte der Diener mit gedämpfter Stimme, den
besondere Bierbesteuerung soll Bayern behalten, dagegen aus dem Ertrag des Branntwein-Monopols nach der Kopfzahl bedacht werden, gleichsam als wenn die Bayern eben so viel Branntwein tränken wie di« Norddeutschen. Da Bayern gegenwärtig auf den Kopf seiner Bevölkerung noch nicht den dritten Theil an Branntweinsteuer einnimmt von der Summe, welche Norddeutschland bezieht, so mag ja ein solches Anerbieten für einen bayerischen Finanzminister, welcher nichts anders sein will, als bayerischer Finanzminister, manches Verlockende haben. In dieser Angelegenheit aber haben nußer der Regierung auch die Volksvertretungen der süddeutschen Staaten mitzusprechen. Bayern ist so eben daran, seine Branntweinsteuer seinen eigenartigen Verhältnissen entsprechend zu reformiren. Die bayerische Branntweinbrennerei hat einen ganz verschiedenen Charakter von der norddeutschen. Norddeutschland brennt ganz überwiegend Kartoffeln, sechs Mal so viel Kartoffeln als Korn, daneben noch im Westen und im Elsaß etwas Kernobst, Steinobst, Weintreber rc. Bayern dagegen brennt, verglichen in Hektolitern, mehr andere Stoffe als Kartoffeln. Pro 1853 stand dort einer Brennerei von 775,406 Hektoliter Kartoffeln eine Brennerei gegenüber von 510,812 Hektoliter Getreide, 162,814 Hektoliter Brauerei-Abfällen, 79,455 Hektoliter Weintreben, 27,892 Hektoliter Hefenbrühe, 12,149 Hektoliter Kernobst, 16,922 Hektoliter Steinobst rc. Nur die Kartoffelbrennerei aber soll in das Monopol einbegriffen werden; alle anderen Arten von Brennereien sollen mit einer entsprechend hohen Fabriksteuer belegt werden. Es gehört wenig Scharfblick dazu, um vorauszusehen, daß unter hohen Steuern derart alle kleineren Brennereien, schon weil das damit verknüpfte Kontrol-System für sie nicht durchführbar ist, entweder von vorn herein eingehen müssen, oder alsbald werden unterdrückt werden. Das ganze Monopol- Projekt ist auf die Interessen der Kartoffelbrennerei zuge- schnitten. Zu deren Hebung sollen die Einnahmen daraus in erster Reihe verwandt werden. In dem Maße wie in Bayern der Kartoffel-Spiritus relativ und absolut eine geringere wirthschaftüche Bedeutung hat als für die östlichen Provinzen Preußens', in' oem)eiben Maße hät, abgesehen von allen andern Gründen, Bayern desto weniger Anlaß, sich einem Monopol-Projekt anzuschließen, das unter nationaler Flagge in Wahrheit so partikularisch preußisch wie möglich ausgedacht ist. Was von Bayern gilt, trifft in noch höherm Maße für Würtemberg und Baden zu.
Augenscheinlich richtet sich die nächste Sorge des leitenden Staatsmannes auf die Erschließung neuer besonders ergiebiger Einnahmequellen, da im Hintergrund der Regierungspolitik Ausgaben lauern, für welche ohne einen neuen Averlaß der Steuerzahler keine Deckung zu beschaffen ist. Daß man die fehlenden Mittel auf dem Wege der Monopolisirung desTabak- und des Branntwein-Verkaufes zu erlangen wünscht und hofft, kann keinem Zweifel unterliegen. Auf die Absicht, das Tabakmonopol- Projekt wieder in Anregung zu bringen, hat der Schatzsekretär v. Burchard bereits bei Gelegenheit
Knaben beobachtend, welcher mit halbgeschloffenen Lidern dalag. Es war etwas in diesem schönen, mädchenhaften Gesichte des Kindes, was des schurkischen Dieners Herz rührte und ihn an seine schlechte Vergangenheit erinnerte. Aber diese bessere Neigung war eine schnell vorübergehende. Wenn er eine leise Hoffnung gehegt hatte, das Verschulden früherer Jahre durch eine gute That wieder zu sühnen, so floh dieselbe vor dem Gedanken an des alten Marquis Gerechtigkeitssinn; wenn er redete und die Wahrheit bekannte, so konnte er den Rest seines Lebens in Cayenne elend verbringen. Nein, es gab kein Zurück für ihn. Er mußte seinem schurkischen Herrn weiter helfen und weiter dienen, denn ihn verrathen hieß mit ihm untergehen.
„Wo finden wir einen sicheren Aufenthaltsort für den Knaben?" hob der Graf nach einem minutenlangen Schweigen an. „Es muß ein Ort sein, wo ich ihn jederzeit finde, ohne daß er von Anderen dort entdeckt werden kann?"
„Da ist das Fischerhaus auf der Klippe," schlug der Diener vor.
„Das geht nicht," sagte der Graf kopfschüttelnd. „Dort ist das Mädchen I Dorthin darf der Knabe nicht."
der Etatsberathung hingedeutet. Es ist dies zwar hinterher von ihm mit allem Nachdruck bestritten worden, nachdem Herr Richter seinem Erstaunen darüber Ausdruck geliehen hatte, daß mau so mit den kurz zuvor im preußischen Abgeordnetenhause vom Finanzminister v. Scholz gegebenen Zusicherungen sich habe in Widerspruch setzen können. Aber die Erklärung jenes Reichsbeamten, daß der Tabak von neuem „bluten" muffe, wenn die vorhandenen Bedürfniffe befriedigt werden sollten, ist nun ein Mal nicht aus der Welt zu schaffen; und überdies erinnert man sich der sehr bestimmt gehaltenen Versicherung des Reichskanzlers, daß er zu gelegener Zeit auf das nur zuruckgesiellre Tabakmonopol-Projekt zurückgreifen werde. Daran schließt sich der Gedanke einer Monopolisirung des Branntwein-Verkaufes. Daß der preußische Finanzminister v. Scholz hierüber vor kurzem mit den Negierungen Bayerns, Württembergs und Badens an Ort und Stelle verhandelt hat, steht außer Frage. Die Thatsache, daß unsere offiziöse Presse bemüht war, diese Verhandlungen zu vertuschen, läßt jedoch deutlich erkennen, daß die süddeutschen Negierungen in der That ein Eingehen auf jenen Vorschlag abgelehnt haben, und daß sie nicht geneigt sind, auf ihr Neseroatrecht einer be- londeren Besteuerung des Spiritus zu verzichten. Damit wäre denn allerdings der ganze Plan vereitelt, für den man bereits die Zustimmung Sachsens, Oldenburgs und Mecklenburgs erhalten haben soll, währens die Regierungen der kleinern norddeutschen Staaten in di-Einzelheiten desselben angeblich noch nicht eingeweiht gewesen wären.
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Dezember.
* Der Kaiser empfing heute Nachmittag um 1 Uhr im Beisein des Kultusministers den Erzbischof Krementz von Köln, nachdem derselbe bereits gestern Abend ll/2 Uf)t von der Kaiserin empfangen worden war. Die Kaiserin empfing Mittags 12 Uhr den Präsidenten und die beiden Vicepräsidenten des Reichstags.
* Wegen der zum Regierungsjubelfeste des Kaisers im ganzen Lande zu haltenden kirchlichen Dank- gebete hat sich der Minister der geistlichen Angelegenheiten mit den Bischöfen, bischöflichen Behörden und dem Eoaugelischen Oberkirchenrath in Verbindung gesetzt.
„Ich war so lange aus Frankreich fort," sprach Bernard gedankenvoll, „daß die Leute, die ich nicht vergessen habe, jedenfalls mich längst vergessen haben. Nicht Alle haben solch' ein gutes Gedächtniß wie Sie, Herr Graf," und er lächelte mißvergnügt.
„Hattest Du nicht früher einmal eine Verlobte, Bernard?" fragte der Graf plötzlich. „Ein Mädchen aus der Normandie? Wo ist dieselbe jetzt?"
Bernard's Gesicht entfärbte sich Es war klar, daß seine Herr eine wunde Stelle in seinem Herzen berührt hatte. „Ich habe sie nicht wiedergesehen, seitdem ich vor achtzehn Jahren das alte Schloß verließ, Herr Graf," sagte er mit abgewandtem Gesicht. „Die arme Cecilie Rosseau! Ich schrieb ihr von Australien aus; sie hat jedoch meine Briefe niemals beantwortet. Wenn sie noch lebt, so hat sie mich sicher längst vergessen !"
Graf Eugen's Stirn umwölkte sich. Eine kleine Pause trat ein, welche durch ein Klopfen an der Thür unterbrochen wurde. In demselben Moment sprangen Herr und Diener auf ihre Füße und Bernard verdeckte den schlafenden Alfred mit dem Schlafrock seines Herrn. Kaum war dies