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Sonnabend, den 12. Dezember

M 286.

1885.

Oie .Fuldaer Zeitung' erscheint tilgt ich, Sonn« und Feiertage au-g-nomm-n. Biert-ljährlicher Abonn-m-ntspreiS ohne Sringerlohn und Bestellgeld: 1 Rk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Lochenb-ilage »Sterne «ttl Blumen' in Fulda l.Rk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatte

daß eine Weltsprache aus gewissen Weltworten gebildet würde, wie die Völker solche Weltworte von ihren Spra- chen selber abdestilliren, man denke z. B. an Worte, wie Palast, Magazin; Sklave, Kuli; Kaffee, Bier. Aber über die nothdürftigsten Ausdrücke würde eine künstliche Welt­sprache, selbst im günstigsten Fall«, nie hinauskommen; sie würde überhaupt von einer eigentlichen Sprache weit entfernt sein.

Vermischtes.

* Was Berlin an Gänsen verbraucht, davon kann man sich einen Begriff machen, wenn man erfährt, daß im Laufe des Herbstes bisher auf dem Schlicht'schen Vieh­hof in Rummelsburg 211 Waggons mit Gänsen angekom­men sind, von denen jeder mit durchschnittlich 1500 Stück beladen war. Es sind sonach 316,500 magere Gänse le­bend eingeführt worden. Die Gänse werden größentheils aus Rußland, Polen, Galizien und nur ein kleiner Theil wird aus der Provinz Pommern bezogen. Einzelne größere Posten gehen nach Sachsen und Bayern, sonst wird der ganze Import von den Berlinern konsumirt. Hierzu kommt nun noch die fast zahllose Menge von Mastgänsen, die in der Gänse-Saison von allen Seiten nach Berlin beför­dert wird.

♦ Auf waS für Mittel mitunter Wirthe verfallen, um nur Gäste anzulocken, dafür liefert ein Wiener Restau­rateur von der Schönbrunnerstraße in Fünfhaus einen entsprechenden Beleg. Derselbe wußte seinem separirt ein­gerichteten Heurigenschank dadurch eine besondere Zugkraft zu verschaffen, daß er ankündigte, jedem zehnten Gaste werde ein halbes Liter Wein gratis kredenzt. Natürlich fehlt eS da nicht an Durstigen, die das Lokal in der Hoff­nung auffuchen, der »glückliche Zehnte" zu sein. Doch kommt es mitunter vor, daß der Gratistrunk einem völlig ahnungslos „Hereingewimmelten" zufällt, wie dies am Eröffnungstage gleich bei dem ersten „Zehnten" vorkam. Derselbe war über den ihn begrüßenden Jubel der früher erschienenen neun Gäste und dem ihm eiligst kredenzten Gratispokal „ganz paff" und ließ sich erst nach längerem Zureden bestimmen, die unverhoffte Gabe des Schicksals anzunehmen. Die Konstatirung des „Zehnten" wird durch eine allen Gästen sichtbare Art riesiger Bier-Uhr bewerk­stelligt, welche dal Erscheinen eines jeden Gastes markirt.

sAuS der Gesellschaft.) In einer Gesellschaft be­findet sich unter Anderen auch ein junger Mann, der durch seine etwa« zu laute und öftere Betheiligung am Gespräche viel Grund zu Aergerniffen gibt. — Als er sich eben wie­der ganz unberufen in ein Gespräch mischen will, wendet sich ein Journalist an denselben: „Apropos, mein Herr, ich gebe jetzt ein neues Journal heraus „Das Maul"; wollen Sie's halten?"

sMeteorologischerAufschlußZ Trudchen: „Fräu­lein, warum ist eS denn so kalt geworden?" Gouvernante: „Wir haben ja Nordwind, mein Kind." Trudchen: „Ist denn der immer so kalt?" Gouvernante (belehrend): „Der Nordwind ist immer kalt, gleichviel auS welcher Himmels­gegend er kommen mag."

§ sAus dem GerichtSsaalZ Richter: „Sie sind angeklagt, diese« Mann hier ohne alle Veranlassung miß­handelt zu haben. Wie kamen Sie dazu, einen ganz harm­

losen Menschen, der Sie doch nie im geringsten beleidigt hat, so zu schlagen ?" — Angeklagter: „Ja, Herr Richter, es war eben Kirchweih, und dann war auch kein And'rer g'rad' bei der Hand!"

♦ Literarisches.

Der heilige Bernward von Hildesheim als Bischof, Fürst und Künstler, dargestellt von Dr. theol. Wil­helm Sommerwerck, genannt Jacobi, Bischof von Hildesheim. Mit einem Lichtdrucke der Bern- wardsthüren. Hildesheim, Kommiff. Verlag von Frz. Borgmeyer, 1885. 8°. 50 S, Mk. 0.80 (nach außen direkt gegen Einsendung von Mk. 0.90).

Unter den großen Männern, die Deutschland zur Zeit der Ottonen hervorgebracht, ragt besonder- hervor der hl. Bernward von Hildesheim. In der Profan- wie Kirchen­geschichte jener Epoche spielt er keine geringe Rolle, wäh­rend er zugleich in der Geschichte der Kunst als ein Stern erster Größe angesehen zu werden verdient. Das Lebens­bild eines solch' bedeutenden ManneS zu zeichnen, ist eine ebenso dankbar«, als verdienstliche Aufgabe, und zweifels­ohne wird der Verfasser mit der vorliegenden vorzüglichen Biographie erreichen, was er bei ihrer Abfassung bezweckt: das Andenken an d^n großen Heiligen noch mehr zu be­leben und dem Projekte der Errichtung eines ehernen Stand­bildes deffelben in Hildesheim, für das bereits auch die Regierung sich sehr erwärmt hat, in weitesten Kreisen Freunde und Gönner zu erwecken. Nicht bloß jeder Be­wohner HildeSheimS, sondern jeder Deutsche wird mit Be­wunderung auf Bernward Hinblicken, wenn er erfährt, wie derselbe in segensreichster Weise als Bischof ein-S derzeit sehr bedeutenden Sprengel- wirkte, wie er als Fürst die festeste Stütze für Kaiser und Reich bildete, wie er endlich al« Künstler und Gründer einer berühmten Kunstschule für die ganze «ulturentwickelung seiner engeren und weiteren Heimath in damaliger Zeit Großes gethan hat. Der Ver­fasser hat eS trefflich verstanden, in knappem Rahmen auf allen drei genannten Gebieten, dem kirchlichen, profanen und künstlerischen, die Hauptmomente aus dem Leben Bern­wards wiederzugeben. Am ausführlichsten ist Bernward als Künstler geschildert, und mit Recht; denn gerade nach dieser Seite hin steht Bernward unübertroffen da, wie sich auS der großen Anzahl seiner uns noch erhaltenen Kunst­werke ergibt. In daS Verständniß dieser Kunstwerke führt uns der Verfasser in der vorliegenden Broschüre em, und darin liegt der große Werth derselben. Wir hören eben­so den feinen Kunstkenner wie den gewiegten Theologen reden. Zum Beweise dafür sei nur hingedeutet auf die Behandlung der weltberühmte» ehernen Flügelthüren im Hildesheimer Dome, deren Bildwerk der Verfasser in oft überraschender und doch höchst zutreffender Weise nach Sinn und Zusammenhang erklärt. Namentlich diese Parti« der kleinen Schrift wird man mit wahrem Genüsse lesen. Eine recht willkommene Zugabe zu der gediegenen Ab­handlung bildet die Lichtdruck-Abbildung der BernwardS- thüren, die, wie wir hören, eine Originalaufnahme ist. Di- Arbeit d«S hochgestellten Verfassers wird sicherlich in weitesten Kreisen freudig willkommen geheißen werden. Der Gesammtertrag ist, wie daS Titelblatt sagt, für die Errichtung des Bernward-DenkmalS bestimmt. —*—.

Zweites Blatt.

Weltsprache?

Bekanntlich sind in der neueren Zeit verschiedene Pro­jekte aufgetaucht, welche den Zweck haben, ein« allgemein« Weltsprache zu begründen. Dl ist d»S Volapük des Pfar­rer Schleyer in Litzelstetten; da ist die Pasilingua des Straßburger Gymnasiallehrers Steiner. Weltsprache! DaS ist leicht gesagt; fragt man aber, was es heißt, so merkt man, daß es höchstens ein frommer Wunsch ist. Eine Weltsprache mochte eS einmal gegeben haben — vor dem Thurmbau zu Babel, als noch alle Welt einerlei Zunge und Sprache hatte; aus derselben stammt, wie verlautet, das Wort Sack, die Bezeichnung des Reisesackes, den die Menschen all- Mitnahmen, der einzige Rest jen-S gemein­samen Jdiomes. Was seitdem auf den Namen Weltsprache Anspruch erhoben hat, nähert sich dem Begriff, nur ohne ihn zu erreichen. Wir sind wohl in gewiffer Beziehung berechtigt, etwa das Chinesische, welches von einem Dritt- theil der Menschen, daS Englische, welches von beiläufig hundert Millionen, das Hindustani, welches von beiläufig neunundneunzig Millionen, das Deutsche, welches von bei­läufig sechsundsiebzig Millionen, das Russische, welch-S von beiläufig zweiundsechzig Millionen Menschen gesprochen wird, als Weltsprachen zu betrachten: nächst diesen ver­breitetsten Sprachen bei Erdkreises wäre das Spanische (fünfundfünfzig Millionen), das Französische (fünfundvier­zig Millionen) das Italienische (fünfunddreißig Millionen), da« Potugiesische (einundzwanzig Millionen) und da« Ara­bische zu nennen (zwanzig Millionen). Nicht bloß, daß di« Gebiete dieser Sprachen einen außerordentlich großen Umfang haben, viele derselben, zum Beispiel dai Chinesische, das Englisch«, da« Französische, find auch außerhalb ihrer Gebiete al« Umgangssprachen bei ge­wissen Klassen gang und gäbe, und darum Weltsprachen nur desto ähnlicher. Daß nun die Volapüks und die Pasi- linguen nicht nur nicht vom dritten, sonder« überhaupt von gar keinem Theile der Menschheit gesprochen werden, leuchtet ein; ja, es ist spaßhaft, daran zu denken, daß sie sich als Weltsprachen selber wieder Konkurrenz machen würden, dieser Begriff duldet, streng genommen, keinen Plural. Es bleibt also vorderhand nur übrig, dar Wört­chen „Welt" gleichsam nur in epe davorzusetzen und die moderne Weltsprache al« eine Sprache zu definiren, di« von der ganzen Welt gesprochen werden könnte. Aber jede Sprache könnte recht gut von der ganzen Welt adop- tirt und gesprochen werden, das Chinefische so gut wi« das Volapük, und wenn »um Beispiel daS Chinesische auf der ganzen Erde eingefühtt werden sollte, so wäre dabei noch der Vortheil, daß der dritte Theil der Menschheit, welcher bereits chinesisch spricht, die neue Weltsprache nicht erst zu lernen brauchte. Nur den Ehrgeiz könnten die Universalsprachenmacher allenfall« haben, da« für die Sprach« zu erfinden, was das Telegraphen-Alphabet für die Schrift ist — ein internationales Auskunft-mittel, einen Nothbe- 5elf des Völkerverkehrs, und ein Organ, welches wohl unter Umständen gute Dienste leisten, aber ebensowenig die nationale Sprache ersetzen kann, wie das telegraphische Alphabet die heimische Schrift ersetzt. ES ließe sich denken.

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