Sonnabend, den 12. Dezember
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1885.
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Ste Fuldaer Zeitung' erscheint tLglich, «onn. und Feiertage auggenommen. Bierteljährlicher Abonnem-ntspreiS ohne «rinseriohn und Bestellgeld: 1 Rk. 50 Pfg., w »ipuouCT onwng «iw'““ “ »''y» ■rr" LT » - , ■ „„x «lurnen' in Fulda 1 Ml. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.
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Erstes Blatt.
* Die englischen Parlamentswahlen sind beendigt. England hat wieder ein Unterhaus. Das Land hat (nach einer vorläufigen Berechnung) 332 Liberale, 250 Konservative und 86 Parnelliten gewählt. Es haben nur noch 2 Wahlen stattzufinden, welche den Liberalen und Konservativen noch je ein Mitglied zuführen dürften. — Die Eröffnung des Parlamentes wird am 12. Januar stattfinden. Der Tag wird in der Geschichte des englischen Parlamentes denkwürdig sein, denn noch niemals fand sich eine Parteigruppirung wie diesmal. Im Jahre 1874 zählte das Unterhaus 343 Konservative, 249 Liberale, 59 Home-Rulers (Parnelliten), im Jahre 1880 354 Liberale, 236 Konservative, 62 Parnelliten. Die Liberalen haben gegen 1880 23 Sitze verloren, die Konservativen haben 18 gewonnen. Die Home-Rulers haben ununterbrochen zugenommen. Sie haben gegen ihre Stärke bei Auflösung des vorigen Parlaments 36 Sitze gewonnen. Zum ersten Male wurde auch auf englischen Boden, in Liverpool ein Parnellit gewählt, während die Liberalen in Irland alle, die Konservativen die Mehrzahl ihrer früheren Sitze verloren haben. Es wird nach dem Wahlergebnisse Parnell und sein Gefolge in der That den Ausschlag geben. Um sich diese Stellung zu gewinnen, hat er ungemein diplomatisch gehandelt. Bei der Parlamentsauflösung stimmte er mit ven Tories,' neigte dann zu'den Liberalen, schien schwankend und gab schließlich zum allgemeinen Erstaunen die Losung aus: „Die Iren für die Tories!" Er hat erreicht, was er wollte. Dadurch, daß er die Irländer in England und Schottland für die Konservativen stimmen ließ, verhütete er eine überwiegende Mehrheit der Liberalen. Die Iren gewannen in den Städten den Konservativen eine große Anzahl Sitze — und die Folge war die seltsame Parteigruppirung, wie sie jetzt besteht. Lord Salisbury bleibt noch im Amte. Er wird das Parlament eröffnen und gedenkt eine Reihe von Gesetzen vorzuschlagen, darunter Reformen für Irland. Die Parnelliten werden dann Autonomie für ihr Vaterland fordern, nebst einem Parlamente. Dies wird die Entscheidung herbeiführen. Die Konservativen
-H- Auf geheimnisvollen Wegen.
Roman von ?. »»helfet». 75
Der junge Mann wandte sich nach Rupert um und er erschrack vor dessen ängstlichem Blick. Es war klar, daß der geistig begabte Knabe beunruhigt war von alledem, was hier vorging. Der Kummer seiner Eltern, der Verlust seines Bru- der», das Gespräch von eiliger Flucht und das Verstecktbleiben in irgend einem fernen Winkel Frankreichs, Alles das wirkte übermächtig auf ihn ein.
„Theurer Herr Graf," sagte Gilbert, „machen Sie Rupert, sobald Sie mit ihm allein sind, zu ihrem Vertrauten. Sie werden an ihm einen treuen Freund finden. Ich werde jetzt dafür sorgen, daß der Wagen sogleich in Ordnung gebracht wird." Ec ging hinaus, die Ehegatten mit ihrem einzig übrig gebliebenen Kinde allein lassend, um von einander Abschied zu nehmen. Der Kiltscher war noch nicht von der Eisenbahn zurück. Marguerite zündete eine Laterne an und führte den jungen Mann nach dem Stalle, welcher hinten im Garten gelegen war. Gilbert schirrte selbst das Ponygespann an. Nachdem diese Ar«
werden einen derartigen Antrag bekämpfen müssen und die Iren im Verein mit einem Theile der Liberalen werden im Stande sein, dec Regierung eine Niederlage beizubringen. Was dann geschieht, ob die Regierung nochmals an G l a d st o n e übergehen wird, oder ob Salisbury das Parlament sofort auflösen und sein Glück durch Neuwahlen erproben wird, darüber herrscht in England selbst völlige Ungewißheit._____________________________
Deutsches Reich.
Berlin, 11. Dezember.
*• Der Reichstag berieth heute den Etat des Reichsamts des Innern. Abg. Dr. Baumbach (of.) empfahl Vermehrung der Fabrikinspektoren, cen- tralistische Organisation derselben und Erlaß einheitlicher Normen in Bezug auf Unfallverhütung. Gleichzeitig kritisirte er die Organisation der Be- rufsgenossenschaften als sehr geeignet, in Bezug auf Unfallverhütung thätig zu sein. Staatssekretär v. Bötticher theilt mit, daß aus den verschiedenen Berichten der Fabrikinspektoren ein Generalbericht zusammengestellt werden solle. Einheitliche Normen für Unfallverhütung seien nicht möglich, da die Verhältnisse beispielsweise in Berlin andere seien, wie in Baiern. Die Frage, ob sich die Berufsgenossenschaften bewähren werden, sei jetzt noch nicht zu beantworten; er nehme aber auf Grund seiner Kenntniß an, daß sie sich bewähren würden. Abgg. Dr. Lingens und Hitze (Centr.) wünschten Ausdehnung der Thätigkeit der Fabrikinspektoren auf Beschränkung der Sonntags- und Frauenarbeit r.acb dem im Regierungsbezirk Düsseldorf gegebenen Beispiele. Staatssekretär ö'Bolttcher widerte, daß über die Nachtarbeit der Frauen Erhebungen angestellt seien, deren Resultate vorgelegt würden. Abbg. Kröber (Volksp.) und Rickert (df.) sprachen über die hohen Kosten der Verwaltung der Berufsgenossenschaften. Staatssekretär v. Bötticher er- widerte, daß sich die Kosten heute überhaupt nicht übersehen ließen und daß überdies von den Kosten des ersten, des Ocganisationsjahres überhaupt kein Schluß auf die laufenden Kosten gezogen werden könne. Abgg. Buhl (nl.) und Gamp (Reichsp.) wendeten sich gleichfalls gegen die Beschwerden über die Höhe der Verwaltungskosten der Berufsgenossenschaften. Ersterer führt an, daß diese Kosten nur I62/3 Procent ausmachten, womit keine Unfallversicherungsgesellschaft auskomme. Letzterer erwähnte, beit gethan war, holte Marguerite den Mantelsack und legte ihn in den Wagen und der junge Herzog wollte nun in's Wohnzimmer zurückkehren. Er hatte jedoch das Haus noch nicht erreicht, als er hörte, daß Jemand die Gartenthüre öffnete. Es war der zurückkehrende Kutscher, welcher einen Schlüssel dazu besaß. Gilbert wartete, bis er näher kam, und fragte ihn dann, welche Nachrichten er brächte. u „
„Ich habe ihre Spur gefunden, Euer Gnaden," sagte der Kutscher. Marguerite hatte ihm erzählt, wer der junge Herr sei. „Graf von Lamartin hatte den Nachtzug nach Paris benützt und war gerade abgefahren, als ich ankam. Er hat einen Knaben bei sich gehabt, worauf aber Niemand weiter Acht gab. Jedenfalls war dieser Knabe unser Junker Alfred, Euer Gnaden!"
„Kommt herein und berichtet es Eurer Herrschaft," gebot Gilbert.
Der Kutscher folgte dem neugewonnenen Freunde der Familie in's Zimmer und wiederholte hier, was er in Erfahrung gebracht.
„Mein armer Liebling!" klagte die Comtesse. „Ach, welche Angst wird er zu ertragen haben? Aber Graf Eugen soll mir büßen für diesen Schlag! Ich werde es ihm heimzahlen!" fuhr sie
daß bei der Magdeburger Gesellschaft 27 Mk. auf den Kopf des Versicherten entfielen. Abg. Barth (df.) konstatirte, daß letztere Angabe auf einem Jrrthum beruhe, auf einer Verwechslung der Zahl der in dem betreffenden Jahre erfolgten Neuversicherungen. Auf eine Anfrage des Abg. Baumbach (df.) erwiderte Staatssekretär v. Bötticher, daß sich eine Reihe gewerblicher und wirthschaftlicher Vereinigungen gegen eine nationale Ausstellung in Berlin ausgesprochen habe, daß das Unternehmen aber, wenn es zu Stande komme, schließlich die erforderliche Unterstützung finden werde. Die zur Förderung der Hochseefischerei eingestellten 100,000 Mk. wurden nach kurzer Berathung einheitlich bewilligt.
♦ Dem Vernehmen nach hat die Zuck ersteu er- Novelle die Genehmigung des Kaisers bereits erhalten und dürfte somit alsbald im Bundesrathe eingebracht werden.
♦ Der hochw. Herr Erzbischof von Köln, Dr. Philippus Krementz, ist gestern Abend hier eingetroffen und im Hotel du Nord abgestiegen. Heute celebrirte derselbe die h. Messe in der St. Hedwigs-Pfarrkirche. Der hochw. Herr wird bis Sonntag hier verweilen.
• Im Kölner Pastoralblatt veröffentlicht der hochw. Cardinal Melchers ein lateinisch ver- saßtes Antwortschreiben auf die Abschieds-Adreffe des Clerus der Kölner Erzdiözese. In demselben theilt Se. Eminenz mit, daß er die von den Geistlichen dargebotene Summe von 18,000 Mark zu einer Stiftung für dürftige Theologie-Studi ren de in der Erzdiözese bestimmt habe. Wie das Pastoralblatt von anderer Seite erfährt, gedenkt der Herr Cardinal den Betrag der Ehrengabe Hochfeinem Nachfolger auf dem erzbischöflichen Stuhle zu überweisen, damit durch diesen die in Rede stehende „Paulus-Stiftung" in's Werk gesetzt werde.
* Montabaur, 10. Dez. Bei der heute stattgehabten Ersatzwahl zum Abgeordnetenhause wurde Kaufmann Peter Paul Cahensly aus Limburg a. d. L. (Centr.) mit 171 von 186 abgegebenen Stimmen gewählt.
* Darmstadt, 10. Nov. Der Vorstand des hiefigen Gastwirth verbands hat im Hinblick auf die Ankündigungen des Branntweinmonopols eine Resolution gefaßt, welche das Monopol für eine das Gastwirthgewerbe schwer schädigende Maß« mit aufblitzenden Augen fort. „Doch jetzt, mein theurer Gemahl, gilt all' unser Sorgen Dir! Ich darf Dich hier nicht länger zurückhalten, Armand. Du mußt gehen! Ich werde Dir nach Deinem neuen Aufenthaltsort Alles mittheilen, was ich über Alfred in Erfahrung bringen kann.
Armand de Vigny zog feine Gattin fest an sich heran und wandte das Gesicht seinem jungen Freunde zu. „Herr Herzog," sagte er mit gebrochener Stimme, „Sie sehen, in welcher Bedräng- niß ich mich befinde. Ich vermag nicht einmal einen einzigen Schritt zu thun, um meinen mir geraubten Knaben aus den Händen unseres Feinde» zu befreien. Ich habe nicht einmal Zeit, länger zu verweilen. Sie haben ein ehrliches Gesicht — ein mitfühlendes Herz. Sie lieben Giralda. Bei dieser Liebe beschwöre ich Sie, Herr Herzog, daß Sie den Platz, meinen Lieben gegenüber, einnehmen wollen, der mit von Rechtswegen gebührt. Thun Sie, was ich thun würde, wenn ich frei wäre. Finden Sie meinen Knaben, so bringen Sie ihn seiner Mutter wieder. Wachen Sie über mein Weib und Giralda. Wollen Sie?"
„Graf Armand", erklärte Gilbert feierlich, „von diesem Augenblick an sind Ihre Interessen