M 285.
Freitag, den 11. Dezember
1885.
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* Fürst Bismarck irrrd die Centrumspartei.
Am 28. November, bei Gelegenheit der Debatte über die Missionen in den deutschen Schutzgebieten sagte Fürst Bismarck gegenüber dem Abgeordneten Windthorst:
„Der Herr Vorredner hat mir vorgeworfen, ich hätte nichts gelernt und nichts vergesien. Ich bitte um Entschuldigung. Ich habe manches vergesien . . . Gelernt habe ich in den letzten Jahren, daß nach den Grundsätzen, mit denen die Politik uns gegenüber geleitet worden ist, weder der preußische Staat noch das deutsche Reich auf die Dauer bestehen kann . . . Diese Grundsätze haben uns jede Möglichkeit des Friedens künstlich abgeschnitten . . . Daß ich diese große, bedeutende Fraktion überzeugen sollte, das hat mir ja niemals einfallen können. Und nachdem ich das gelernt habe, mit Betrübr.iß gelernt habe, daß ein Bund mit den Herren nicht zu flechten ist, ohne die Existenzbedingungen der preußischen Monarchie aufzugeben, habe ich meine Wahl treffen müssen."
Am 3. Dezember 1884 sagte der Fürst Bis- marck in Betreff der Centrumsfraktion Folgendes:
„Ich will noch hinzufügen, daß ich nicht bloß die Disziplin, die Stärke, die Geschicklichkeit, dre Zuverlässigkeit, das Worthalten des Centrums, kurz und gut eine ganze Menge Vorzüge anerkenne, sondern, daß ich es im höchsten Maße beklagen würde, wenn sich das Centrum auflösen würde, es würde daS die uvelfk»! Folgen yave" für die jetzige Parteikonstellation . . . Es würde sich die größte Verheerung in unserer Parteikonstellation Herausstellen. Deshalb wünsche ich dringend, das Centrum in seinem Bestände zu erhalten. Ich halte es für nützlich, so wie die Dmge einmal liegen."
Also vor einem Jahre war der Fürst Bismarck voll Anerkennung für das Centrum, hielt es für nöthig, daß das Centrum da war, und wünschte, daß es fortbestehen möchte, und jetzt erklärt er, das Centrum sei bedrohlich für den preußischen Staat und das deutsche Reich, wer mit dem Centrum sich einlaffe, der gebe die Existenzbe- dingungen der preußischen Monarchie aus.
Als im Jahre 1879 das Centrum, seinen langjährigen Grundsätzen gemäß, mit den Konservativen die Schutzzölle bewilligt hatte, spendete Fürst j Bismarck demselben das größte Lob. Es sei, so !
-h- Auf gehemmißvollen Wegen.
Roman von ?. Srhnftltz. 74
XXXV.
Marguerite war hinausgeeilt. Minuten, lange, endlose Minuten voller Erwartung verstrichen. Armand de Vigny stellte sich zum Angriff bereit. Die Comtesie Gabriele lietz nicht von ihm, sie war bereit, ihren Gatten zu retten oder mit ihm zu sterben. So standen sie, als Marguerite die Thür öffnete und einen Fremden hineinführte.
Es war Gilbert von Beaufort. Seine Augen glühten vor Erregung und mit einem Blick er- kannte er die Situation. „Ich habe die Ehre, die Comtesie Gabriele und den Sennor Alvarez vor mir zu sehen?" fragte er mit einer tiefen Verbeugung.
„Herzog von Beaufort!" rief die Comtesie Gabriele aus, welche ihn erkannt hatte. „Sie hier?" Sie blickte ihn an voll höLstem Erstaunen.
„Ja, gnädigste Comtesie, ich bin es, Ihr Freund, Gilbert von Beaufort," sagte der junge Mann freundlich. „Befürchten Sie nichts mehr, ich weiß Alles."
„Sie wissen Alles?" unterbrach ihn die Comtesse.
erklärte er, das Centrum eine Partei, mit der die Regierung zusammen arbeiten könne, das Centrum habe sich verdient gemacht um das Vaterland und verdiene Anerkennung. Jetzt ist mit dem Centrum kein Bund zu flechten, ohne daß die Existenzbedingungen der preußischen Monarchie untergraben werden.
Sind stärkere Widersprüche denkbar?
Deutsches Reich.
Berlin, 10. Dezember.
* Das Präsidium des Reichstags wird nächsten Sonntag von der Kaiserin empfangen werden.
* Der Kaiser hat an den Maler Professor Adolf Menzel anläßlich dessen 70. Geburtstages folgendes Glückwunschschreiben gerichtet:
„Zu dem Feste des 70. Geburtstages, welches Sie morgen begehen, sollen die Glückwünsche Ihres Königs nicht fehlen. Mit Gottes Hülfe haben Sie diese Altershöhe in Fülle der Kraft bei rastloser Thätigkeit erreicht. Sie schauen zurück auf ein Tagewerk, dessen Ich Mich mit Ihnen zu freuen besondere Veranlassung habe. Ihr künstlerisches Schaffen ist von der Jugendzeit bis ins Alter von patriotischer Begeisterung erfüllt gewesen. Sie haben Ihre Meisterschaft auf verschiedenen Gebieten darstellender Kunst mit Vorliebe der Verherrlichung des preußischen Ruhmes und der Helden gewidmet, welchen wir die Grundlagen der Größe des Vaterlandes verdanken. Mit Ihrem Namen verknüpft bleiben dem Volke die Erinnerungen an die Thaten der Erlauchten Ahnen Meines Hauses. Sie haben durch Trübsal und Herrlichkeit den Weg der Vorsehung im Bilde anschaulich gemacht, welcher dazu aus kleinen Anfängen zu großen Endzielen geführt pr.L. ID ,* '.sd, 6 iw »o*. Esinp ^^'vFpnnitnrr
nir Ihr erfolgreiches 36nen au: s Reue zu bezeugen. 7. Dezember 1885. Wilhelm. An den Professor und Vicekanzler des Ordens pour le merite, Herrn Adolf Menzel. _ .
* Die .Norddeutsche' tritt heute an der Spitze des Blattes der Berliner Meldung der .Times' entgegen, daß Seitens des deutschen Rothen Kreuzes nur nach Belgrad und nicht auch nach Sofia A.rzte und Verbandmaterial abgesandt worden seien und konstatirt, daß gleichzeitig eine gleiche Sendung nach Sofia abgegangen ist.
* Der Bundesrath genehmigte einstimmig und unverändert den Gesetzentwurf über den Nordostseekanal und verwies den Handelsvertrag mit St. Domingo und den Gesetzentwurf über Bürgschaft des Reichs für die Zinsen der Egypter- anleih: an die Ausschüsse.
* * Der Reichstag ersucht, heute den Reichs- kanzler um Einstellung des von dem Landgericht
„Ich weiß," erwiderte der junge Herzog, „daß Sie, theure Comtesse von Chatrois, seit langen Jahren die Gemahlin des Grafen Alvarez, des verstoßenen Armand de Vigny sind, dessen Name befleckt ist und den wieder zu Ehren zu bringen ich mir zur Lebensaufgabe gemacht habe."
„Bei diesen Worten hielt er dem Grafen seine Hand hin, welche dieser erfaßte und drückte. „Ich weiß auch, gnädigste Comtesse," fuhr der junge Mann, zu dieser gewandt, fort, „daß soeben Graf Eugen hier gewesen ist und Ihnen gedroht hat — Ihre Tochter betreffend —"
„Ja," rief die Comteffe klagend aus. „Er hat uns gedroht und wir sind in seiner Macht. O, meine-arme Giralda! Seine Gefangene!"
„Seine Gefangene?" erwiderte der junge Herzog. „Sie war es — sie ist es nicht mehr! Ich komme in ihrem Auftrage hierher, um Ihnen mitzutheilen, daß sie sich in Sicherheit befinoet. Ich verließ sie heute Morgen unter dem Schutze und unter dem Dache des Marquis de Vigny. Graf Eugen hat noch keine Ahnung davon, wie seine Pläne vereitelt sind."
„Sie ist in Sicherheit? Mein Kind ist gerettet?" rief die Comtesie aus, während ihr die Freuden- thränen über die Wangen perlten. „So haben
zu Könitz gegen den Abg. v. Wolszlegien schwebenden Strafverfahrens für die Dauer der Session. Dann wurde die gestern abgebrochene Berathung über die Anträge der Konservativen (Verlängerung) und der Sozialdemokraten (Verminderung) der Dauer der Legislaturperiode fortgesetzt. Abg. Rickert (Freis.) bekämpfte den Antrag der Konservativen, der bestimmt sei, die Regierungsgewalt zu stärken, die Volksvertretung aber zu schwächen, und dies noch dazu in einer Zeit, wo die Regierung systematisch darauf ausgehe, das Ansehen der Volksvertretung herabzusetzen. Er kritisirt gleichzeitig das Verhalten der Nationalllberalen, die für den Antrag zu stimmen bereit und zu Schleppträgern der Konservativen geworden seien. Abg. Graf Behr (Reichsp.) erklärte sich trotz mannigfacher Bedenken gegen den Antrag, für denselben, weil er eine Verlängerung der Legislaturperiode prinzipiell für wünschenswerth erachte. Er hatte gewünscht, daß sich die Konservativen mit den übrigen rationalen Parteien zur Einbringung des Antrags vereinigt hätten. Abgeordnete Dr. Windthorst erklärte, daß das Centrum zu beiden Anträgen Nein sage. Der Antrag fei ein Schritt zur angestcebten Interessen-Vertretung. Man stehe jetzt der Diktatur eines Einzelnen gegenüber und da sei es nöthig, daß die Volksvertretung oft zu den Quellen zurückkehre, aus denen sie ihre Kraft schöpfe. Das Centrum werde am allgemeinen und direkten Wahlrechte festhalten. Abg. Dc. Wtar»
Volksvertretung wirksamer gemacht w.rde. Abg. Mayer (Volksp.) bekämpfte den Antrag, der den Beweis für das Vorhandensein der Reaktion liefere. Abg. Dr. Hänel (freis.) erblickte in dem Antrag gleichfalls einen Angriff auf das allgemeine Wahlrecht, an dem die Nationalliberalen theilnäh« men und so das Wort „liberal" in Deutschland zweideutig machten. Im Schlußwort suchte Abg. ö. Helldorff den konservativen Antrag gegen die Linke und Windthorst zu rechtfertigen. Abg. Bebel bekämpfte in seinem Schlußwort zu Gunsten des sozialdemokratischen Antrags die Versuche, das allgemeine Stimmrecht zu beseitigen und sprach für das parlamentarische Regime. Die zweite Berathung findet im Plenum statt. Morgen Etat. Die Aufnahme der Besprechung der Polen-Interpellation in die Tagesordnung wurde abgelehnt.
Sie sie gesehen, Gilbert? Sie hat Ihnen Alles vertraut?"
„Ja, gnädigste Comteffe. Graf Eugen hatte sie nach einem gesängnißähnlichen, einsam gelegenen Hause bringen lasien, welches von seiner früheren Amme und deren Mann, einem Fischer, bewohnt wird. Es liegt hart an der Seine und nicht weit von meinem Besitzthum, dem Castell Adlershorst, entfernt. Ich segelte zufällig an der Küste entlang, Giralda sah mich und winkte mich heran. Ich hatte sie bereits früher gesehen und erkannte sie sofort wieder. Ich befreite sie und brachte sie zu ihrem Onkel zurück."
„Ter Himmel segne Sie, Gilbert!" murmelte die Comtesie Gabriele und ergriff seine Hand. „Und darauf hat Ihnen Giralda Alles erzählt?"
„Sie hat mir Alles erzählt, weil sie meiner Ehrenhaftigkeit, ihr Geheimniß zu wahren, vertraute," sagte der Herzog. „Comtesie Gabriele, Graf Armand, ich komme an Giralda's Statt. Lasien Sie mich Ihnen ein Bruder, ein — Sohn sein!" und die Röthe stieg ihm bis in die Schläfe.
„Die Ehre und den Namen Armand de Viguy's wieder herzustellen, soll meine Aufgabe sein, so lange ich lebe! Lasien Sie mich Ihnen beistehen, so viel ich kann."