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1885.

gnferate.^^rtit^tt^ grite oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg>; bei Wied-rholunzen-nt^chend-^Rabatt.

♦♦ Die Vermittlung in der Orientkrisis wird durch die drei Kaisermächte fortgesetzt. Von allen Seiten zeigen sich Symptome des panserbi- schen Geistes, der für Oesterreich, das viele Serben hat, bedenklich wäre. Dies bestärkt das Wiener Kabinet in dem Entschlüsse, der Fortsetzung der serbisch-bulgarischen Kämpfe mit seinem ganzen Einflusie entgegenzutreten. Die serbische Kriegs­bewegung will es entschieden dämpfen; die An­zeichen nationaler Gährung in Montenegro und in den serbischen Landestheilen Ungarns mahnen gleich­falls, den serbisch-bulgarischen Kämpfen baldigst ein Ende zu machen. In Philippopel scheint man nach der Parole zu handeln, den Commiffären der Pforte nicht offenen direkten Widerstand, aber unbedingte Passivität und solche Opposition entgegenzusetzen, der nicht direkt die Türkei zur Anwendung von Gewalt heraussordert. Die türkischen Kommissäre trafen am 3. Dez. daselbst ein, wurden aber nicht offiziell empfangen, der Präfekt Dimitroff sagte ihnen, da Sofia der Sitz der Regierung sei, so möchten sie sich dorthin begeben. Am 4. Dez. be­suchten die türkischen Delegirten den Bischof von Philippopel und erinnerten ihn daran, daß 100,000 Mann bereit seien, in die Provinz einzurücken, wenn deren Bewohner sich den Wünschen des Sultans widersetzen sollten. Den Delegirten wurde auch hier geantwortet, es sei unmöglich, in diesem Augenblicke solchen Vorschlägen Gehör zu geben; die Delegirten möchten sich nach Sofia wenden, die Rumelioten seien bereit, All?» anzunehmen, was die Regierung des Fürsten gutheißt. Fürst Alexander dagegen meldete am 3. Dez.: Getreu feinen dem Sultan gegebenen Versprechen werde er die Entschließungen der rumelischen Bevölke- rung in keiner Weise beeinflussen, weder durch Sendung bulgarischer Truppen nach Rumelien, noch durch andere Mittel; zur Sicherung der Ord- nung und Ruhe, welche zu erhalten ihm bisher gelungen, halte er es indeß für das geeignetste Mittel, wenn der Sultan die Absendung eines kaiserlichen Kommissärs nach Philippopel bis zum Abschluß des Friedens mit Serbien verschieben würde. Die Pforte erließ ein Rundschreiben, worin sie erklärt, daß nur sie allein und nicht dec Fürst von Bulgarien die Bedingungen des Waffenstill­standes regeln dürfe. Die griechische Regierung scheint noch immer zu hoffen, ihre zuwartende

-H- Auf geheimnisvolle« Wegen.

Roman von |> S'hnfel». 73

Das Gesicht des Knaben wurde noch bleicher, wie es zuvor schon war. „Wo ist Giralda?" stammelte er leisen Tones.

„Sie befindet sich an einem einsamen Platze, und ich bin jetzt im Begriffe, Dich zu ihr bringen, doch mußt Du ganz ruhig sein, wenn Du sie sehen willst!“

So eingeschüchtert, sank der kleine Knabe in seine Ecke zurück und fing an, leise zu weinen. Das Geräusch des dahineilenden Zuges, das ge­dämpfte Licht, das Gesicht des erbittertsten Feindes seines Vaters, alles dieses zusammen wirkte auf ihn so überwältigend ein, daß er allmählich in einen tiefen Schlaf versank.

Graf Eugen bemerkte es mit zufriedenem Lächeln. „Ich bin noch nicht ganz betrogen," dachte er, während sein Gesicht sich aufklärte. „Roch ist nicht Alles oerloren. Wenn ich es klug und entschloffeu anfange, wird es mir trotz alledem noch gelingen, mein Glück zu machen."

Der Zug brauste dahin, der Weltstadt an der Seine zu. Graf Eugen saß, in tiefes Nachdenken

Politik in der Voraussetzung aufrechterhalten zu können, daß der frühere Zustand auf der Balkan­halbinsel wirklich wieder hergestellt werde, welches Programm die Mehrheit der Mächte ja auch bis jetzt nicht aufgegeb-n hat. Eine ausdrückliche Auf­lösung der Konferenz in Konstantinopel unterbleibt, die Konferenz gilt formell für vertagt, obschon Niemand einen erneuten Zusammentritt derselben erwartet. Der Zusammenvruch der Konferenz in Konstantinopel, der notorisch ist, könnte sich leicht zu einem Zusammenbruch des Berliner Vertrages gestalten. England, dessen feindselige Haltung gegen Rußland am Schluß des letzten russisch-türkischen Krieges die Veranlassung des Berliner Kongresses und des Berliner Vertrages gewesen, gibt sein Werk auf. Damals glaubte es Rußlands Schwäch- ung durch möglichste Verkleinerung, jetzt hofft es dieses Ziel durch möglichste Vergrößerung Bul- gariens zu erreichen. England will daher die Ver­einigung der beiden Bulgarien unter allen Um­ständen durchsetzen. Unter den Verwundeten in den serbischen Spitä em ist die Sterblichkeit groß. Allmählig beginnen sich die Zustände durch das Eintreffen fremder Aerzte zu bessern. Es geht das Gerücht, daß Kaiser Wilhelm dem Fürsten Alexander von Bulgarien durch Übersendung seines Ordens pour le merite eine besondere Auszeichnung zu verleihen gedenke. Auch von der bevorstehen­den Rehabilitirung des Fürsten seilens des Kaisers von Rußland wird in der diplomatischen Welt viel gesprochen. Doch ist Rußlands Haltung immer unsicher und es scheint noch nicht, daß es seinen Standpunkt,' die Herstellung des früheren Zustan­des in Ostrumelien fallen gelassen hat. Die ser­bische Regierung ist übrigens hartnäckig und ver­langt ehrenvolle Bedingungen, sie hält fest an der gleichzeitigen Räumung oder dem beiderseitigen Verbleiben der Truppen auf fremdem Gebiete und lehnt eine Kriegsentschädigung ab. Es scheint eines energischen diplomatischen Druckes in beiden Haupt­guartieren zu bedürfen, um den Ausbruch neuer Feindseligkeiten zu verhindern. Der Friede ist übrigens ernstlich bedroht, wenn die Mächte nicht rasch handeln, denn es ist unmöglich, den augen­blicklichen Zustand zu verlängern. Graf Kheven- Hüller reist zur Vermittelung des Friedens zwischen Wien, Sofia und Belgrad ständig hin und her.

versunken da. Seine Vergangenheit zog an seinem inneren Auge vorüber. Die besten Jahre seines Lebens hatte er mit unnützem Warten auf eine reiche Erbschaft hingebracht werbend um eine Frau, die seit Jahren die Gattin eines Anderen war. Der alte Marquis de Vigny konnte jeden Tag sterben und dann war er, Eugen von Samar- tüt, ein armer Mann, ohne Titel und ohne Ver­mögen, ärmer als der ärmste Bettler der franzö- fischen Hauptstadt.

Nein, nein! Dahin durste es nicht kommen, nun und nimmermehr! Giralda mußte die Seine wer­den! Sie mußte einwilligen, und sollte sie sich noch länger sträuben, jetzt besaß er eine Gewalt über sie, der sie nicht zu trotzen wagen würde. Der kleme Alfred sollte das Mittel fein, das ihm den Pfad zu Glück und Rerchthurn bahnte, das Ziel, das er erreichen wollte, und führte der Weg auch über gebrochene Herzen.

XXXIV.

Armand de Vigny, dcm noch die Drohungen des Grafen Eugen in den Ohren nachklangen, eilte bestürzt auf feine ohnmächtige Gemahlin zu und trug sie auf das Sopha. Gabriele war bleich wie der Tod und es überkam ihn eine Furcht, daß ihre Seele wirklich entflohen sei. Ec nahm

Deutsches Reich.

Berlin, 9. Dezember.

• Der preußische Landtag soll, wie verlautet, zum Donnerstag den 14. Januar einberufen werden. Nach Art. 67 der Verfassung muß die regelmäßige Einberufung in dem Zeitraum von dem Anfang des Monats November jeden Jahres bis zur Mitte des folgenden Januar stattfinden. Darnach würde, da sich der Sonnabend, der 16. Januar, zur Er­öffnung nicht eignet, der 15. der äußerste Termin fein. Ein Zusammentagen beider Körperschaften, des Reichstages und des Landtages, wird darnach für mehrere Monate bevorstehen.

Der Reichstag genehmigte heute zunächst in dritter Lesung die von den Konservativen be­antragte Novelle zum Reichsbeamtengesitz, mittelst deren die Reichsbeamten in Bezug auf ihre Pensions­verhältnisse den preußischen Beamten gleichgestellt werden sollen. Die Novelle fand mit einigen Zu­sätzen (Anträge Pfafferott, Fcancke, v. Köller und Riiitelen) Annahme, wonach dieselbe als schon mit dem 1. April 1882 in Kraft gesetzt gilt, also rückwirkende Kraft gewinnt, und wonach ferner Beamte, die in Bezug auf ihre Pensionsverhält- nifle besser gestellt sind, als sie nach der Novelle gestellt fein würden, derselben nicht unterliegen. Auf die Anfrage des Abg. v. Köller, ob die vor- geschlagenen Abänderungen vielleicht die Regierung veranlassen könnten, die Ge'etzesnovelle überhaupt abzulehnen, vermochte Staatsiekrelär v. Bnrchard keine Erklärung abzugeben. Die Berathung über die Anträge der Konseryativen (auf Einführung fünfjähriger) und der Sozialdemokraten (auf Ein­führung zweijähriger Reichstagswahlperioden) ge­langte nicht zum Abschluß. Abg. v. Helldocff be­gründete den ersteren mit der Darlegung der Ge­fahren häufiger Wahlen für die gesetzgeberischen Arbeiten selbst. Abg. Kayser hielt dagegen häufige Wahlen für nothwendig, weil dem Volke soviel als möglich Gelegenheit gegeben werden müsse, mitzureden. Darauf wurde die Weiterberathung auf morgen vertagt. Außerdem Etat.

♦* Dem Reichstage sind die Uebersichten der Ergebnisse vesHeereS-Ergänzungs-Geschäf- tes für das Jahr 1884 zugegangen. Aus den­selben geht hervor, daß in den Bezirken veS 1. bis einschließlich 15. Armeekorps in den alphabe­tischen und Restantenlisten in Summa 1,210,684 aus einer Karaffe, welche auf Dem Tische stand, Wasser und badete ihre Hände und Schläfe damit. Ec rief sie stürmisch mit den zärtlichsten Namen und beschwor sie, doch wieder zum Leben zuiück- zukehren, um feinet- um ihrer Kinder willen. End­lich wurden seine Bemühungen mit Erfolg gekrönt. Eine zarte Röthe färbte Lippen und Wangen, aus denen bereits alles Blut gewichen war. Die Brust begann sich zu h ben und um Den Mund fing es an zu zittern. Dann kehrte das Bewußt­sein zurück und mit demselben gleichzeitig auch die Angst um die geraubte Tochter.

Sie sprang auf ihre Faße und rief mit flam­menden Augen aus: „O, Armand! Er weiß All s! Wo ist er? Riefest Du ihn nicht zurück, auf daß er uns unser Kind wieder zufühce?'

„Nein, Gabriele," versetzte ihr Gatte mit eigen- thümlicher Ruhe — der Ruhe der Verzweiflung. „Ec ist fort! Seine letzten Worte waren Dioyung n gegen uns — Dich, mich und unsere unschuldige Giralda zu verderben!"

„Allgütiger Himmel!" wehklagte Gabriele. „Armand, was können wir thun? Ich bin ke nes Gedankens mächtig vor Angst! Dieser Schlag ist härter als der Tod!"

„Gib Dich nicht der Verzweiflung hin, geliebtes