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DU »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, 6<mn» und Feiertage aulgenommen. Bierteljährlicher AbonnernentSprei» oh, belletristischen Wochenbeilage »Tterne und Blumen* in Fulda 1 Ml. 70 Psg., auswärts 1 Ml. 75 Pfg.

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Mittwoch, den 9. Dezember

1885.

Fuldm

auf die Offensive der Bulgaren schwankte und wich das Centrum. Die Hilfskräfte standen weitab, und somit blieb den Serben nur der Rückmarsch übrig. Sobald aber die Mitte zurückgeworfen ward, schwebten die zwei südlichen und die halbe nördliche Division in der Gefahr, abgeschnitten zu werden, und mußten also auch zurück. Bloß die weit entfernten Belagerer von Widdin konnten noch ihre Versuche, Widdin als Faustpfand zu nehmen, eine Weile fortsetzen.

Diese Verzettelung der serbischen Truppen zeugt von einer großen Ueberschätzung der eigenen Kraft und einer Unterschätzung des Gegners; nichts ist im modernen Kriege gefährlicher, als solche Hand­lungen unvorsichtiger Ueberhebung. Dabei ist aber zu beachten, daß das VerpflegungSwesen in den unwirthlichen Gegenden der mangelhaften serbischen Intendantur große Schwierigkeiten macht, so daß die Furcht vor Mangel wahrscheinlich vor einer größeren Concentration zurückgeschreckt hat. Das entschuldigt aber die Besiegten nicht, denn da sie den Krieg anfingen, so ist der Mangel an Organi­sation kein Unglück, sondern eine Schuld.

Ein Stratege der .Kreuzztg.' meint, der Haupt­fehler der Serben läge darin, daß fie die Ent­scheidung auf der Straße Dragoman-Sliwnitza ge­sucht hätten, statt in einem weiten nördlichen Bogen auf das im Norden offene Gebiet von Sofia los­zugehen. Die Ansicht, welche man nun auf Grund genauester Terrainkenntniffe prüfen könnte, scheint viel für sick .zv haben; denn ein starke« Nordhheer hätte ein vorläufig von Truppen fast ganz ent­blößtes Land vorgefunden, so daß die Möglichkeit nicht ausgeschloffen erscheint, daß es noch zur rechten Zeit gekommen, um das Centrum zu ent­lasten. Die Timok-Armee verbiß sich aber in Widdin, statt der Hauptaktion gegen Sofia Unter­stützung zu "leihen.

Die Serben haben durch Oesterreich's Pression auf den Fürsten Alexander einen Waffenstillstand erlangt und verkünden nun mit einer wunderbaren Unverfrorenheit, daß sie diese Waffenruhe zu neuen Rüstungen behufs Fortsetzung des Krieges benutzen wollen. Die Unfä iigteit der Leitung und die De­moralisation der Truppen ist aber als so groß erwiesen, daß die Bulgaren einen neuen Einfall in das bulgarische Gebiet' kaum zu fürchten brauchen. Dagegen läßt sich nicht verkennen, daß das wei­tere Vorrücken in serbisches Gebiet hinein für die

von Lamartin!" rief er flammenden Auges. „Schurke, der Du bist! Dein ganzes Leben war eine Kette von Schlechtigkeiten! Ja, ich bin Ar­mand de Vigny, den Du betrogen und aus seiner rechtmäßigen Heimath vertrieben hast. Vertreibe mich auch jetzt aus dieser Verborgenheit, ziehe mich an's Licht der Welt, mache Deine Schand- that vollgiltig und zwei Andere stehen für mich da — meine beiden Söhne — damit die Titel und Befitzthümer der de Vigny's nicht auf Dich übergehen. Thue Dein Schlimmstes! Schicke die Spione hinter mir her, bringe Polizisten, daß fie mich in den Kerker schleppen. Aber vorher habe ich noch eine Rechnung mit Dir auszugleichen, wie der Edelmann sie dem Buben heimzahlt!" Und noch ehe sein nichtswürdiger Gegner Zeit hätte gewinnen können, den Ruckzug anzutreten, stürzte Armand auf ihn zu, ergriff ihn mit eiserner Kraft an beiden Armen, hob ihn hoch empor, trug ihn zum Fenster, stieß dasselbe auf und — ein gel­lender Ruf durchhallte das Gemach. Ihre Er­starrung, die sie ergriffen, abschüttelnd, sprang Gabriele entsetzt auf.

„Armand! Armand! Du wirst ihn tödten!"

„Mörder!" keuchte der schmachvoll Ueberwäl- tigte hervor. Dann ein dumpfer Fall em furcht­

kleine Bulgarenarmee nicht unbedenklich ist, denn in der Vertheidigung kann die serbische Truppe auf ihrem eigenen, genau bekannten Terrain mit Hilfe der Bevölkerung den von ihrer Rekrutirungs- und Verpflegungsbasis entfernten Gegnern wohl gefährlich werden. Der realpolitische Erfolg des Feldzuges ist also den Bulgaren noch keineswegs gesichert, aber die militärische Ehre ist ihnen voll und ganz zugefallen. Es ist rührend und komisch zugleich, daß der russische Czar jetzt in einem Armeebefehl die Fülle des Lobes ausgießen muß über eine Armee, aus der er seine Offiziere in der Stunde der Gefahr zurückberufen hat und deren Oberbefehlshaber er in einer beschimpfenden Weise aus den Listen seiner Armee gestrichen hat. Die Ruffen seufzen jetzt: Ach, wenn wir doch lauter Generäle hätten, wie dieser gestrichene!

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Dezember.

* Der Kaiser hat der Wittwe des Finanz« Ministers Bitter einen Jahresgehalt bewilligt.

* Die Fraktionsliste im Hause der Abge­ordneten liegt nunmehr im Druck vor. Die Fraktion der Konservativen zählt 129, des Centrums 100, der Nationalliberalen 68, der Freikonservativen 65, der Deutschfreisinnigen 43, der Polen 15, keiner Fraktion Angehörige 13. Die Letzteren sind Ste­phanus (Welfe), die Wild-Liberalen (früher Se- Asßonisten) Lotichius, Sommer, Spielberg, die Dänen Höclück und Lasten und Berger, die Wild- Konservativen: v. Köller, Frhr. v. Eckardstein, Cremer, und die Minister v. Bötticher, Maybach, Lucius.

* Finanzminister v. Scholz ist in München ge­wesen, um über das Branntweinmonopol zu unterhandeln. Er hat über denselben Gegen­stand auch mit dem württembergischen Minister v. Mittnacht verhandelt. Es gilt nicht für zweifel­haft, daß die Vorlage nach Weihnachten dem Reichstage vorgelegt werden wird, lieber den Inhalt derselben ist noch nichts Näheres bekannt. Auch die leitenden Persönlichkeiten in agrarischen Kreisen misten noch nichts darüber.

* Vom Rhein, 8. Dec. Wie man der ,RH.- W. Zt.' mittheilt, sollen bei den Stationsbe­amten und Telegraphisten der Eisenbahnen seit einiger Zeit durch höhere Beamte außerge-

barer Schrei und Gabriele sah nichts mehr; es dunkelte ihr vor den Augen und unsicheren Fußes noch einen Schritt vorwärts machend, schwankte sie und brach wie leblos auf dem Teppich zusammen.

XXXIII.

Ein gebrochener Schmerzensschrei ließ sich vom Garten her vernehmen. Der Arm Armand de Vigny's hatte seinen widerstandslosen Gegner mit voller Wucht in das Dornengestrüpp unterhalb des Fensters geworfen und der so schimpflich Er­niedrigte rang mit Händen und Füßen darnach, sich aus seiner äußerst peinlichen Lage zu befreien. Ein wildes Wuthgeheul brach sich über seine Sippen, als es ihm endlich gelungen war, wieder fisten Boden unter sich zu gewinnen.

„Du willst also den Kampf!" stieß er, seiner selbst nicht mehr Herr, hervor. „Wohlan, sei es so! Du sollst in dem Sturme umkommen, den Du selbst heraufbeschworen ha". Das gelobe ich Dir, so wahr ich Dich Haffe. In D.inem eigenen Kinde werde ich mich rächen an Dir — meine Vergeltung wird Dich treffen — schnell und schwer!"

Ein Geräusch, wie von niedergetretenen Zwei­gen ließ sich vernehmen, als ob der Fliehende

Ein Schrei der feigen Furcht entrang sich den Lippen Eugen'S.

In vemselben Augenblick jedoch sprang auch die Comteffe Gabriele vorwärts und erfaßte ihren Gatten beim Arm. „Halte ein!" rief sie ängstlich „Denke an unser Kind! Das Geheimmß, wo sein Gefäng- niß ist, stirbt mit ihm! Eugen, wo ist sie? Wo ist Giralda?"

„Wo ist fie?" fragte Graf Alvarez mit flam­men oen Augen. Und seinen Gegner an beiden Armen fastend, schüttelte er ihn h.stig hin und her. „Wo ist fie?" wiederholte er, halb rasend vor Zorn.

„Das werden Sie zu misten bekommen, sobald ich fie Ihnen als meine Frau vorstelle, eher nicht!" preßte der schuftige Edelmann zwischen den Zähnen hervor. „Tödte mich, wenn Du es willst, Armand de Vigny, aber mit meinem Tode stirbt auch die einzigste Möglichkeit für Dich, jemals Dein Kind wieoerzufindcn!"

Die Arme des unglücklichen Vaters sanken chlaff herab. „Ich sollte Dich tobten, Eugen

Auf geheimnisvollen Wegen.

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Warum dre Bulgaren gesiegt haben.

(Schluß.)

Die Serben zogen mit fünf Divisionen los; hätten sie diese gesammten Kräfte nach dem Grund­satz: „Getrennt marschiren und vereint schlagen!" auf den Punkt geleitet, den sie zum Einbruch in die Ebene von Sofia für den geeignetsten hielten, so wäre die Hauptstadt Bulgariens schwerlich zu vertheidigen gewesen. Nun wurde aber zunächst eine Division (Timok-Armee) nach Norden abge­zweigt, um sich in die Wälle Widdin« zu verbeißen. Eine zweite Division (Morawa-Division) wurde auf den rechten Flügel gegen Köstendil in da» südliche Bulgarien abgeschickt. Ob man die Hoff­nung hegt, daß diese Division trotz des großen Umweges noch rechtzeitig zu dem Angriff auf Sofia einschwenken könnte oder ob man fie zur Besetzung des Südwestens von Bulgarien entbehren zu können glaubt, ist nicht ganz klar. Jedenfalls war auch diese Divifion für den Entscheidungskampf ver­zettelt. Es blieben also für den direkten Vorstoß gegen Sofia nur % des Heeres. Davon detachirte man eine Division (Schumadja-Division) südlich von der Hauptstraße Drago man-Sliwmtza um, wie dir ,Corr. Nienk' schreibt, über Trn und Bresnik den Weg über das Gebirge zu suchen.

Die Aussendung einer solchen UmgehungS-Colonne am rechten Flügel der Hauptarmee war sehr schön gedacht, aber es scheint die genügende Kenntniß t . der - unwirthlichen unb unwegsamen Gegend gefehlt zu haben. Die Fühlung ging verloren, unh die Scyümavia-Diviiron kam nicht nach Süwnitza, • sondern nach RadoMr (über fünf Meilen südlich), .so daß' sie bei dem Entscheidungskampf fehlte. Auf dem linken Flügel der Hauptarmee wurde, nördlich von der Hauptstraße, 1/2 Drina-Division abgesandt; diese verscholl spurlos in dem Gebirge und kam erst bei der allgemeinen Flucht der Serben an der Grenze wieder zum Vorschein, ohne das Geringste ausgerichtet zu haben. Auf diese Weise hatte die serbische Heeresleitung es dahin gebracht, daß im Centrum über den Dragomanpaß gegen Sllwmtza bloß P/j Divisionen vorrückten, die sog. Donau- und eine halbe Drina-Division. Das ging gut, so lange bloß die paar bulgarischen Grenzbataillone ohne ordentliche Führung den Paß vertbeidigten. Als aber Fürst Alexander mit den Bataillonen au« Ostrumelien vor Sliwnitza einge­troffen war, stockte der serbische Vormarsch und