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JX§ 281.

Montag, dm 7. Dezember

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1885.

Mc »Fuldaer Zeitung erscheint täglich, eornt» und Feiertage «utgenommen. Sierteljährlicher «bonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristische« «ochenbeilage ,Gterue ««» Blume«' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserat«: Di« «inspaltige Zeil« oder deren Staunt 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 6. Dezember.

*• Im Reichstag wurde gestern die zweite Etatsberathung fortgesetzt und die Etats: der Reichs- Justizverwaltung, des Reichsschatzamtes, des Rech- nungshofes, des Reichs-Eisenbahnamtes und des Reichs-Jnvalidenfonds ohne besondere Discusfion genehmigt. Hervorgehoben sei, daß der Abg. Dr. Windthorst die Begrabung des unnützen Reichs­eisenbahnamtes forderte, ferner, daß bei Titel 7 des Reichsjustizamtes „zur Remunerirung von HülfSleistungen, sowie von Sachverständigen für gesetzgeberische Vorarbeiten" von der in Ansatz ge­brachten Summe von 29,000 M. der Betrag von 4000 M. abgesetzt, mithin nur 25,000 M. bewilligt wurden. Die nächste Sitzung des Reichs- tages findet am künftigen Mittwoch statt. Auf der Tagesordnung steht die dritte Lesung des Beamten- pensionirungsgesetzes und der Antrag auf Verlänge­rung der Legislaturperioden.

* Die Kommission zur Vorberathung der Ar­beiterschutzanträge besteht aus folgenden Mit­gliedern : Dr. Böttcher, Dr. Haarmann, Buderus, Dr. Scheffer, Dr. Lieber, Dr. Frhr. v. Hertling, Dr. Moufang, Hitze, Stötzel, Graf v. Galen, Dr. Franz, Letocha, Dr. Hartmann, Frhr. v. Bodenhausen, v. Oertzen, Kleinst,, Gerlich, Lohren, Merbach, Cegielski, Dr. Schneider, Pfannkuch, Auer, Groh«, Dr. Baumbach, Halben, Löwe, Brömel.

* Der Magd. Ztg.' wird gemeldet: Es heißt, nicht nur die Zuck er st euer, sondern auch die ge­plante Reform der Branntweinsteuer soll unter allen Umständen in der jetzigen Session noch er­ledigt werden.

* Vom statistischen Amte der Stadt Berlin wird Folgendes bekannt gegeben: Die Zusammenstellung der vorläufigen Ergebniffe der Volkszählung vom 1. Dez. 1885, welche bis 3. Dez. seitens der Revier-Deputirten dem statistischen Amte der Stadt gemeldet werden sollten, hat eine Bevölkerung von 1,316,382 ergeben. Es wird indeß vermuthet, daß eine Anzahl Doppelzählungen (Mitrechnung Abwesender) vorgekommen ist.

* Paderborn, 5. Dez. Hr. Domkapitular Dr. Schulte hat sich der Aufgabe unterzogen, einen zweiten Band seiner „Geschichte des preu­ßischen Kulturkampfes" fertig zu stellen. Das Ec-

tt Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von |. H«tze«seltz. 70

Der falsche Graf blickte ihn immer noch er­staunt an. „Armand de Vigny?" widerholte er mit starkem ausländischen Accent. „Seien Sie so gut, sich deutlich auszusprechen, Sennor. Oder, was noch besser ist, verlaffen Sie uns augen­blicklich. Sie müffen Ihrer Sinne nicht mächtig sein."

„Genug der Komödie?" unterbrach Eugen ihn, zitternd vor Wuth, und seine kleinen, listigen Augen durchbohrend auf Gabriele richtend, fuhr er fort: „Schöne Comtesse, mag dieser — spanische Graf nun sein, wer er will, Sie täuschen mich nicht mehr. Ich habe Ihr Geheimniß endeckt. Ich weiß die Ursache Ihrer geheimnißvollen Ent­fernungen vom Hause Ihres Vaters. Sie sind im Verborgenen vermählt! Eines Mannes Weib und die Mutter seiner Kinder! Was wird Ihr stolzer Vater und die vornehme Welt zu diesen Entdeckungen, die ich gemacht habe, sagen?"

Ueber ihre bleichen Züge glitt sekundenlang der Ausdruck innerer Erregung. Sie stützte sich mit der Hand schwer auf die Lehne des Sessels, neben

scheinen desselben ist binnen wenigen^Monaten zu erwarten.

* Coblenz, 5. Dez. Von befreundeter Seite wird der ,Cobl. Vztg.' die erfreuliche Mittheilung, daß Herr Fr. Wehn, der als Pfarrer von Nie- derberg in Vertretung der kirchlichen Rechte so Vieles erduldet hat und endlich nach zehnjähriger Verbannung in das Vaterland zurückkehrend in Aachen auf das Krankenlager niedergeworfen wurde, außer Gefahr sich befindet. Zwar immer noch schwach, wie das nach einer schlimmen Lungenent­zündung nicht zu verwundern ist, macht er doch täglich Fortschritte auf dem Wege der Genesung.

* Trier, 5. Dez. Bei der gestern und heute getätigten Stichwahl zur Stadtverordnetenver- sainmlung zwischen den Kandidaten der dritten Abtheilung Vanvolxem (Centr.) und Warker (Hb.) wurde Stimmengleichheit erzielt. Das Loos ent­schied für die liberale Partei.

* Bochum, 5. Dez. Die Westfälische Berg- gewerkschaftskasie bewilligte heute mit 1761 gegen 15 Stimmen eine Million Mark für den Rhein- Ems-Kanal.

* München, 5. Dez. Die Kammer der Ab­geordneten begann mit der Berathung des Etats des Ministeriums des Innern und genehmigte da­bei die Errichtung eines Bezirksamts in Ludwigs­hafen mit einem Aufwand von 13,165 Mark.

Ausland.

* Aus Paris wird der .Köln. Vrta ' geschrie­ben: Aus bester Quelle kann ich Ihnen mitthei­len, daß der heil. Vater von Anfang an für die deutsche Missionsfrage das größte Interesse bekun­det und alsbald nach Bekanntwerden der von den hochw. Patres Weik und Stoffel in Berlin ge­pflogenen Unterhandlungen hierüber ausführlichen Bericht sich erstatten liefe. Msgr. di Ronde, der päpstliche Nuntius in Paris, hat schon seit gerau­mer Zeit alle nöthigen Vorkehrungen getroffen, um die Väter vom hl. Geiste auch in Italien, wo die­selben bis jetzt noch keine Niederlassung gehabt, einzuführen. Er wird ihnen zunächst in seiner eigenen Diözese ein Ordenshaus zur Verfügung stellen. Die Behauptung des Fürsten Bismarck: „P. Weik sei ein naturalisirter Franzose", ist da­hin zu berichtigen, daß P. Weik nie als Franzose sich hat naturalisiren lassen, sondern Deutscher ge­blieben ist.

welchem sie stand, um sich aufrecht zu erhalten. Doch im nächsten Moment hatte sie ihre Kraft zurückgewonnen und stolz den Kopf zurückwerfend, erwiderte sie mit gewohnter Kälte: „Thun Sie Ihr Schlimmstes, Graf Eugen. Ich ver­achte Sie!"

„Und Ihr Vater? Und die elegante Pariser Welt?" fragte er.

„Ich war längst auf eine solche Entdeckung vorbereitet," versetzte die Comtesse mit der größten Ruhe. „In einer Stunde schon kann ich auf dem Wege nach England fein."

„Und überlassen Ihr alten, braven Vater, den Grafen Leon von Chatrois, allein dem Gespötts der Well?" sprach Graf Eugen hohnvoll. „Und Ihr spanischer Sennor — wird er Sie be­gleiten ?"

„Er geht dahin, wohin ich gehe," erwiderte die Comtesse mit fester Stimme. „Graf Aloarez ist mein Gatte. Die Knaben, welche Sie vom Fen­ster aus gesehen haben, sind meine Kinder. Sie Haden mein Geheimniß in einer Ihrer würdigen Weise erfoischi, als Spion. Erzählen Sie der ganzen Welt Ihre Endeckungen, brechen Sie den Stolz mein:6 Vaters und drücken Sie ihn nieder in den Siaub — brechen Sie fein Herz, wenn

* London, 6. Dez. Der ,Observer' glaubt annehmen zu dürfen, daß selbst, wenn die noch ausstehenden Wahlen zu Ungunsten der Konser­vativen ausfallen sollten, das Ministerium den­noch vor Zusammentritt des Parlaments seine Entlassung nicht einreichen, sondern dem Parlamente wichtige legislative Reformen unterbreiten werde.

* Belgrad, 5. Dez. Unter den Verwun­deten in den Hospitälern ist die Sterblichkeit noch immer groß; selbst kleine Verwundungen nehmen, weil Anfangs Aerzte fehlten, einen gefährlichen Charakter an. N uerdings begannen die Zustände sich durch das Eintreffen der fremden Aerzte zu bessern.

* Konstantinopel, 5. Dez. Die Pforte erließ ein Rundschreiben, worin den Mächtm er­klärt wird, daß nur die Pforte allein, nicht der Fürst von Bulgarien die Bedingungen des Waffen­stillstandes regeln dürfe. Dem Vernehmen nach forderte England die Pforte auf, eine neue Kon­ferenz in London vorzuschlagen. Die Pforte ist nicht geneigt, London als Versammlungsort anzu- nehmen.

Zum »Auszug des Bundesrathes aus dem Sitzungs-Saale des Reichstages"'

schreibt die ,Freis. Ztg.' mit gutem Humor:

„Einem Wink des Reichskanzlers folgend", verließen in der Dienstagssitzung während der Rede des Abg. Windt­horst sämmtliche Mitglieder des Bundesrathes, nach dem Beispiele des Kanzlers, den Sitzungssaal des Reichstages. Ein solche» oemvnst:attvcr> Lerlaffeir 6.3 Saales vollzog sich am Dienstag nicht zum ersten Male. Am Dienstag verließen die Herren den Sitzungssaal, angeblich, weil die Verhandlungen über eine Interpellation einen Eingriff in die Rechte des Einzelstaates Preußen darstellten. Umge­kehrt verließen die Herren Bundesräthe am 21. Mai 1881 unter Führung des Minister v. Bötticher den Sitzungs­saal, weil der Reichstag in die Verhandlungen über einen Antrag eintrat für die Rechte der Einzelstaaten gegen Ein­griffe des Bundesrathes. Es handelte sich damals um den Schutz der verfassungsmäßigen Freihafenstellung Ham- burg's gegen Zollmaßreglungen Hamburg's durch den Bundesrath. Im Jahre 1881 beruhte das Verlassen des Sitzungssaales auf einer vorhergegangenen Verständigung der Bundesrathsmitglieder. Am Dienstag hatte eine solche vorherige Verständigung nicht stattgefunden. Der Reichs­kanzler verlas den Protest im Namen der Krone Preußens. Der Bundesrath war an der Abfassung dieses Protestes nicht betheiligt gewesen. Die Bundesrathsmitglieder ver­ließen daher den Saal nicht auf Grund eigener voraus­gegangener Entschließung, sondern — einfach einem Winke des Reichskanzlers folgend. Falls nun solche Winke, wie zu erwarten ist, in Zukunft sich noch mehr wiederholen

Sie nicht anders können!" und ihre Stimme fing an zu zittern. „Aber wissen Sie, daß Sie sich dennoch verrechnet haben sollen. Sie werden nie­mals das Herz GabrielenS von Chatrois brechen. Sie können ihr nicht die Liebe ihres Gatten, nicht die Liebe ihrer Kinder rauben! Ich werde mich an jedem Orte der Welt glücklich fühlen, wenn ich im Kreise der Meinigen bin. Der entfernteste Winkel der Erde wird mir Heimath sein, wenn ich die bei mir habe, die ich hebe!"

Um Graf Eugen's Lippen zuckte tödtlicher Hohn. „Der Graf Enriqao Aloarez mag sie begleiten auf ihrer projeftirten Reise, Comtesse," erwiderte er, „aber Emer verläßt nicht ohne meinen Willen dieses Haus — und dieser Eine ist der Mann, den ich hier suche und den ich hier weiß — Ar­mand de Vigny!"

„Herr!" brauste GabrielenS Gatte auf. „Mä­ßigen Sie sich in Ihrer Ausdrucksweise. Was haben wir mit Ihrem Freunde zu schaffen?"

„Mit meinem Feinde!" verbesserte Eugen mit flammenden Augen. „Armand de Vigny ist mein Todfeind. Es ist ein Mann, der mich um ein Glück gebracht hat, auf das ich achtzehn Jahre vergeblich wartete. Es ift derselbe Mann, welcher sich zwischen mich und ein V.rmögen stellt, wel-