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1885.

Donnerstag, den 3. Dezember

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der anwesenden Abgeordneten durch ihre Unterstützung der gedachten Interpellation sich bekannt hat, in Widerspuch mit dem deutschen Verfassungsrecht steht, und daß Wir etwaigen Versuchen einer Bethätigung derselben nicht nur Unsere Mitwirkung versagen, sondern denselben gegen­über die Rechte einer jeden der verbündeten Regierungen nach Maßgabe des Bundesvertrages vertreten und schützen werden."

Deutsches Reich.

Berlin, 2. Dezember.

* Die gestern im Reichstag verlesene kaiser­liche Botschaft lautet:

„Wir Wilhelm rc. thun kund und fügen hiermit zu wissen: Den Verhandlungen des Reichstages mit Auf­merksamkeit folgend, haben Wir aus der Tagesordnung des 1. Dezember ersehen, daß eine Interpellation in Aus­sicht steht, welcher die Rechtsauffaffung zu Grunde liegt, als ob in Deutschland eine Reichsregierung bestände, die verfassungsmäßig in der Lage wäre, Schritte zu thun, um die Durchführung von Maßregeln zu hindern, welche von Uns in Unserem Königreiche Preußen bezüglich der Ausweisung ausländischer Unterthanen angeordnet worden find. Die Thatsache, daß diese rechtliche Voraussetzung nach Ausweis der Unterschriften der Interpellation von der Mehrzahl der bisher anwesenden Mitglieder des Reichstages für richtig gehalten wird, legt Uns die Ver­pflichtung auf, derselben gegenüber Unsere Rechte im Königreich Preußen und die Rechte eines jeden Unserer Bundesgenoffen in Betreff der Landeshoheit ausdrücklich zu verwahren. Wir haben gleich jedem der verbündeten Fürsten wesentliche und unbestrittene Hoheitsrechte der Einheit der deutschen Nation willig geopfert und dem Reichstag Ibezüglich Unserer Staaten weitgehende Rechte eingeräümt. Wir bereuen die von Uns gebrachten Opfer nicht, Wir haben die dadurch geschaffenen Rechte und Prärogative des Reichstags stets unverbrüchlich ge­achtet und Unsere gegen das Reich übernommenen Pflichten jederzeit bereitwillig erfüllt, auch den Frieden des Reiches mit Erfolg gewahrt und seine Wohlfahrt nach Kräften gefördert. Aber mit gleicher Gewissenhaftigkeit sind Wir auch entschlossen, die Rechte Unserer angestammten Krone, so wie sie nach den Bundesverträgen zweifellos in Geltung stehen, nicht minder, wie die eines jeden Unserer Vundes- genoffen unverdunkelt und unvermindert zu erhalten und sie zu schützen. Die in der gedachten Interpellation ver­tretene Rechtsauffaffung findet in ke-ncr Bestinrmüng der Bundesverträge der Verfaffung ober der Gesetze des Reiches einen Anhalt. Es gibt keine Reichsregierung, welche berufen wäre, unter der Kontrolle des Reichs­tages wie sie durch jene Interpellation versucht wird, die Aufsicht über die Handhabung der Landeshoheitsrechte der einzelnen Bundesstaaten zu üben, soweit das Recht dazu nicht ausdrücklich dem Reiche übertragen worden ist. Wir dürfen das Zeugniß der durch Uns und Unsere Bundesgenossen geeinigten Nation dafür anrufen, daß die verfassungsmäßigen Rechte dec Volksvertretung von Uns und von den verbündeten Regierungen jederzeit sorgfältig geachtet worden sind. Aber Wir dürfen auch erwarten, daß der Reichstag mit gleicher Gewiffenhaftigkeit die Rechte eines Jeden der verbündeten Fürsten und freien Städte achten werde. Auf dieser Gegenseitigkeit beruht das Ver­trauen, welches die deutschen Stämme und ihre Fürsten und Obrigkeiten der Reichsverfassung entgegenbringen. Es ist unser ernstes Bemühen, dieses Vertrauen allerseits ungeschwächt zu erhalten, und deshalb fühlen wir uns bewogen, dem Reichstage unsere Ueberzeugung kund zu thun, daß die Rechtsauffaffung, zu welcher die Mehrzahl

** Der Reichstag nahm heute das vom Abg. v. Köller eingebrachte Gesetz betr. die Abänderung des Reichsbeamtengesetzes einstimmig in erster und zweiter Lesung unverändert an. Für die dritte Lesung bleibt die Aufnahme einer Bestimmung Vorbehalten, welche dem Gesetze — das bekanntlich eine Gleichstellung der Reichsbeamten mit, den preußischen Beamten in Bezug auf die Pensions- Verhältnisse bezweckt — eine rückwirkende Kraft geben soll. Abg. v. Köller maß die Schuld an dem Nichtzustandekommen des schon 1883 vorge­legenen Gesetzentwurfs der Linken bei, während Abg. Rickert die Regierung und die Rechte dafür verantwortlich machte. Abg. Graf Moltke kündigte die Einbringung eines Gesetzentwurfs betr. Ab­änderung des Militärpensionsgesetzes an. Abgg. v. Schalscha, v. Bernuth und Graf Behr (Centrum, nationalliberale und Reichspartei) befürworten so­wohl den vorliegenden, als den angekündigten Ent­wurf, während Abg. Richter in der Ankündigung eines Militärpensionsgesetzes einen feindlichen Zug gegen das Civilbeamtenpensionsgesetz erblickte und daran die Erklärung knüpfte, daß die Frage der Kommunalbesteuerung der Offiziere unbedingt mit der Pensionsfrage entschieden werden müsse. — Der Antrag der Polen um Gleichstellung der pöl- nischen mit der deutschen Sprache als Gerichtssprache in den polnischen Landestheilen wurde einer Kom­mission überwiesen und darauf in die Berathung der Arbeiterschutzanträge der Sozialdemokraten, des Centrums und der Reichspartei eingetreten. Abg. Pfankuch motivirte die sozialdemokratischen Anträge, namentlich die Forderung eines Maximal­arbeitstages. Fortsetzung der Berathung morgen.

— Die Reichstagskommission für das Vieh­seuchengesetz trat heute in die Berathung der Vorlage ein. Die Debatte gelangte indeß nicht zum Abschluß. Die Stimmung scheint für das Zustandekommen des Gesetzes nicht sehr günstig zu sein. Wahrscheinlich dürften die Bestimmungen über die Impfung gegen die Lungenseuche ge­strichen werden.

* Aus Rom wird gemeldet, daß das den deutsch-spanischen Konflikt betreffende Protokoll dort- selbst im Vatikan eingetroffen sei. — Rach einem Telegramm der ,Köln. Ztg/ enthält das Abkom­men über die Karolinen-Inseln sechs Artikel. In dem ersten erkennt Deutschland die Souveräne« tät Spaniens über die Karolinen- und Palaos« Inseln an; der zweite setzt die Grenze der Insel­gruppen fest; der dritte enthält in Bezug auf die Deutschland zu gewährende Schifffahrts« und Han­delsfreiheit dieselben Bedingungen wie der Vertrag über die Sulu-Inseln vom Jahre 1885; der vierte bewilligt Deutschland eine Schiffsstation und eine Kohlenniederlage und erkennt die deutschen Han­delsgesellschaften auf den Karolinen als zu Recht bestehend an; der sechste bestimmt, daß die Rati­fikation binnen acht Tagen erfolgen soll. Jede Schwierigkeit, welche bei Ausführung der Verein­barung zu Tage treten sollte, wird durch einen Schiedsspruch geregelt werden.

* Der preußische Fiskus ist auch in den letzten sechs angestrengten Diätenprozesse abgewiesen worden. Das Landgericht zu Halberstadt erkannte in dem Prozesse gegen den sozialdemokratischen Abg. Heine in dem angegebenen Sinne. Der Fiskus hat gegen das erstinstanzliche Erkenntniß in der Diätenklage gegen Hasenclever Berufung eingelegt.

* Der Kriegsminister gab in der Budget- Kommission Aufklärung über die Verhaftung der Zahlmeister und bestätigte im Allgemeinen das in den Zeitungen darüber Mitgetheilte.

* Die Marschall-Inseln, auf welchen neuerdings die deutsche Flagge gehißt wurde, lie­gen in der Südsee östlich von den Karolinen-In­seln. Sie ziehen stch in zwei durch einen breiten Kanal getrennten Reihen von 4° 37' bis 11° 40' südlicher Breite in der Richtung von Südost nach Nordwest hin. Man zählt im Ganzen 33 Inseln. Am bedeutendsten von allen istJaluit, am Süd­ende der Ratackkette, 90 Qu.-Kilometer groß und von 1000 Menschen bewohnt. Die deutsche Han­dels« und Plantagen-Gesellschaft der Südsee-Jnseln in Hamburg hat auf den Marschall-Inseln Nieder« lassungen und Stationen zum Ankauf von Kopra auf Ebon, Jaluit, Killi, Namurik, Milli, Arno, Mejuro, Molwoulap und Bigar. Die Firma Hernsheim & Co. hat im Ganzen sieben Faktoreien mit eigenem Grundbesitz auf Ebon, Namurik, Ma-

-H- Auf geheimttitzvollen Wegen.

Roman von ?. MtuftU. (67

Eine Thür wurde geöffnet, Schritte wurden hörbar der alte Mann saß unbeweglich. Die Aufregung die sich seiner bemächtigt hatte, hinderte ihn an jeder Bewegung. Was war es, was man ihm mitzutheilen kam's Trauer oder Freude? Un­glück oder Glück? Da — blitzschnell schoß ihm ein Gedanke durch den Kopf. „Sollte es vielleicht Eugen sein?" murmelte er. „Sollte er sie auf­gefunden haben und zurückgekehrt sein, utfr sie in meine Arme zu führen und meiner Qual ein Ende zu machen?"

Athemlos starrte er nach der Thür. Im nächsten Moment wurde dieselbe geöffnet und der Hausbofmeister erschien auf der Schwelle, hinter ihm Madame Roger, die Haushälterin.

„Herr Marquis verzeihen die Störung —

„Was gibt es?" rang es sich von seinen bleichen Lippen. „Ist Botschaft von ihr — von Fräulein Alvarez da?"

„Es ist ein Bote von dem Herzog von Beau­fort, der sogleich zu Eurer Gnaden geführt zu werden wünscht."

„Laß ihn herein — sogleich — ich will —

muß ihn unverzüglich sprechen." Der Haushof­meister ging.

„Bleiben Sie," winkte der Marquis der Haus­hälterin, bleiben Sie. Es ist eine Nachricht von Giralda. Ich weiß es. Eine Ahnung sagt es mir!"

„O, mein Gott, wenn ihr ein Unglück wider­fahren wäre?" jammerte Madame Roger.

Noch ehe der Greis eine Erwiederung thun konnte, wurde die Thür aufs Neue geöffnet und der Bote Gilbert von Beaufort's betrat das Ge­mach. Der Ankömmling verbeugte sich tief vor den im Zimmer Anwesenden und sprach:

„Mein gnädiger Herr, der Herzog von Beaufort, läßt feinen Gruß entbieten an Eure Herrlichkeit und sendet Eurer Gnaden die Nachricht, daß Fräulein Alvarez im Schutze des Castell Adlers­horst geborgen ist und morgen in der Frühe in dieses Haus zurückkehren wird."

Ueberrascht blickte der Marquis auf. „Fräulein Alvarez auf Castell Adlershorst? Wie kam die junge Dame dorthin?"

„Ich bin nicht im Stande Euer Gnaden Auf­klärung darüber zu geben. Mein Herr betraute mich nur mit dem Ueberbringer dieser Botschaft. Mehr weiß ich nicht."

Der Marquis rückte unruhig in seinem Sessel

hin und her, endlich entgegnete er: „Ich Iaffe den Gruß des Herrn Herzogs erwidern und werde unverzüglich selbst aufbrechen, um Fräu­lein Alvarez nach dem Schlosse zurückzugeleiten." Der Bote Gilbert's verbeugte sich und ging.

„Giralda auf Schloß Adlershorst?" rief der Marquis, als sich die Thür wieder geschlossen, aus. „Was mag vorgefallen sein? Was kann sie dorthin geführt haben? Und weshalb kommt sie nicht selbst? Was mag sie zurückhalten?"

„O, Herr Marquis," nahm jetzt Madame Roger das Wort, „was auch geschehen sein mag, unter der Obhut des jungen Herzogs von Beau­fort ist Giralda gut aufgehoben."

„Sie ist nirgends gut aufgehoben, als bei mir," unterbrach der Marquis sie gereizt, „nirgends als bei mir. Noch ehe der Morgen graut, werde ich selbst aufbrechen, meinen armen Liebling heim­zuholen. „Ich müßte vor Ungewißheit vergehen, wenn ich noch lange, qualvolle Stunden warten sollte." Eine Energie, die nichts zu erschüttern im Stande ist, war über den alten Mann gekom­men und er gab sogleich seine Anordnungen für die Fahrt nach Castell Adlershorst, ungeachtet der Vorstellungen seines Dieners Bertram und der Bitten der Madame Roger.

Mit dem ersten Morgengrauen rollte die alte,