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J\£ 277. Mittwoch, den 2. Dezember 1885.

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Rede des Abgeordneten Dr. Windthorft über die katholischen Missionen in den deutschen Kolonien

(gehalten in der Reichstagssitzung v. 28.Nov. 1885).

(Schluß.)

Wenn dann die beiden Männer, welche hier gewesen sind und den Antrag gestellt haben, besonders noch geta­delt und kritisirt sind wegen der französischen Sprache, welche sie gesprochen und geschrieben haben, und auch aus anderen Gründen, so wiederhole ich, daß ich dieselben als Deutsche ansehe. Wenn alle aufhörten, Deutsche zu sein, die in Frankreich, in England oder anderswo zwanzig und mehr Jahre gelebt haben, so würde ein großer Theil un­serer Mitdeutschen mit einem Federstrich der deutschen Na­tionalität verlustig gehen. Aber das hat bis jetzt noch Niemand behauptet, daß man darum aufhört, deutsch zu sein. Dann hat der Herr gemeint, es wäre doch sehr be­denklich, daß die Missionäre ihre Leitung von Paris hät­ten. Nun, die Herren sind ja hierher gekommen, um die Gründung so zu machen, daß wir sie leiten könnten; aber man hat das nicht gewollt, weil es mit der Idee, nur protestantische Missionen zuzulassen — die zwar geleugnet wird, aber doch besteht — nicht zusammcnpassen würde. Es ist in der That verwunderlich, daß wir aus den eige­nen Mittheilungen des Herrn Reichskanzlers sehen, daß man in Kamerun die Missionäre ganz anders beurtheilt und behandelt hat; und ich kann hinzufügen, daß man denselben bereits ein bestimmtes Territorium dort reservirt hatte, auf dem sie ihre Thätigkeit entfalten könnten. Die Ortsbehörden haben also die Sache ganz anders aufgefaßt, wie der Herr Reichskanzler, und nicht etwa allein der Herr Generalgouverneur, sondern auch der Herr Admiral Knorr und der verstorbene Nachtigall. Diese Herren haben an Ort und Stelle im Auslande gesehen, was nützlich und zweckmäßig ist, und haben darnach gehandelt; und wenn es so schwer ist, wie es der Herr Reichskanzler uns ge­schildert, mit den dortigen Behörden zu verkehren, dann möchte ich meinestheils doch glauben, daß die Kolonien von den Leuten an Ort und Stelle richtiger beurtheilt und behandelt werden, als in der Wilhelmstraße, wo der Herr Reichskanzler uns selbst eben erklärt hat, daß man eigentlich von der Sache noch nichts rechtes versteht. Ich möchte deshalb wünschen, daß der Herr Reichskanzler den Ortsbehörden die Sache ganz ruhig überläßt, dann würde sich Alles von selber machen. So ist Alles, was da ange­führt worden ist, nach meiner Ansicht vollkommen hinfäl­lig; und ich freue mich, daß wir gleich beim Beginne un­serer Thätigkeit so unverholen klar in die Pläne der Re­gierung sehen. Ich sage mit dem Herrn Reichensperger: diese klare Einsicht wird uns auch klarere Einsicht auf an­deren Gebieten gewähren, und wenn der Herr Reichskanz­ler nun gemeint hat, wir hätten ja auch bisher in der Kolonialpolitik ihn nicht unterstützt, so muß ihm nicht recht referirt fein oder das Gedächtniß ist ihm zu kurz gewor­den; das wird's im Alter zuweilen. Wir haben ja wesent­lich zu all' den Bewilligungen beigetragen, die eingetreten sind. Gerade die Bewilligung für Kamerun ist so, wie sie geschehen, auf meinen Antrag durchgesetzt worden. Und so könnte ich noch eine ganze Reihe anführen. Was wir

-H- Auf geheimnitzvolleu Wegen.

Roman von Z. Hohenfeld. (6G

„Sie sind nicht im Stande heute Nacht zu reisen. Lassen Sie mich überlegen. Der alte Marquis de Vigny liebt Sie. Er wird ohne Zweifel unglücklich darüber sein, daß Sie ihn ver­lassen haben. Er kennt Ihr Geheimniß nicht und ich glaube nicht, daß Graf Eugen es ihm entdeckt haben wird. Geben Sie also das Werk, das auszuführen Sie sich vorgenommen, noch nicht auf, sondern warten Sie damit so lange, bis Sie dazu gezwungen werden. Lasien Sie mich, nachdem Sie sich genügend ausgeruht und gestärkt haben. Sie nach dem Schlöffe zurückbegleiten."

„Aber mein Vater! Mein armer Vater!"

„Ich werde ihn unverzüglich aufsuchen. Mit dem Frühzuge werde ich zu ihm reisen. Ich kenne die Comteffe von Chatrois. Lassen Sie mich an Ihrer Statt gehen, Giralda. Sie sind nicht im Stande, diese Reise zu unternehmen."

Giralda war gerade im Begriff ihrem Retter zu antworten, als die Thür aufging und die Haushälterin eintrat..

Sie war eine gutmüthig aussehende Frau, welche 1 ihr sogleich gefiel. Die gute Alle warf einen erstaunten Blick auf das junge Mädchen, da sie '

aber gethan haben, ist, daß ich von dieser Stelle gewarnt habe gegen eine zu rasche und unvorsichtige Behandlung dieser Sache, und die Ereignisse haben meine damaligen Worte bereits zur vollen Genüge bestätigt. (Sehr richtig! Karolinen! im Centrum!) Ich hatte damals die Satis­faktion, daß da, wo man die Dinge kennt, und wo Uube- theiligte sprechen, in Bremen und Hamburg, daß man mir dort sagte: „Sie haben durchaus Recht gehabt, vor zu raschen Schritten zu warnen; wir muffen das vollständig billigen." Aber wir erheben unsere Stimme weiter nicht — es ist augenblicklich ja nicht modern — und es ist ja nicht zu verkennen, daß auch im übrigen Deutschland, nicht allein hier, ein gewisser Enthusiasmus für die Kolonial­politik ist, oder richtiger war. (Sehr richtig! links und im Centrum.) Er ist abgekühlt durch die Erfahrungen, daß die Kolonien, die wir haben, uns zur Zeit noch nicht den geringsten Nutzen gebracht haben, wohl aber unend­lich viel Geld kosten, und weil das Bedürfniß, aus wel­chem der Drang nach Colonisation wesentlich entspringt, nämlich gesicherte Stätten für die Auswanderungen zu ge­winnen, absolut nicht erreicht worden ist. Es hat damals der College Virchow uns von seinem medicinischen Stand­punkte aus dargelegt, daß die betreffenden Gegenden gar nicht geeignet seien, daß darin Europäer, namentlich Deutsche, ihre physische Existenz erhalten können. Es wurde das überhört, und jetzt habe ich fast täglich Ge­legenheit, Leute zu sprechen, die daher zurückkehren oder solche, die Zurückgekehrte gesprochen haben, und Alle sagen, es kann dort das Leben des Menschen gar nicht gefristet werden. Es können Deutsche dort dauernd nicht leben ohne an den Fiebern unterzugehen. Ob das nun ebenso in den neu hinzugekommenen Schutzgebieten der Fall sein wird, das steht dahin; ich muß nämlich hinzufügen, daß mir aus der Gegend des Kaiser Wilhelm- und des Bismarck- Landes einige bessere Nachrichten hinsichtlich der dortigen klimatischen Verhältnisse zugegangen sind, aber ich sage nicht woher, denn es sind eben auch Missionäre, und bei den Grundsätzen, die wir heute gehört haben, könnte Ihnen bald auch eine Ausweisung bevorstehen. Es sind aller­dings vielleicht die Einzigen, die etwas Genaueres von den dortigen Verhältnissen kennen; denn es ist allerdings nicht sehr einladend, dorthin zu gehen, weil man dabei Gefahr läuft, von den dortigen Eingeborenen verspeist zu werden. (Heiterkeit.) Die Herren haben mir Briefe vor­gelegt von Gastmählern, wobei Menschen, namentlich Missionare, verzehrt worden sind, und das ist auch der Grund, weshalb man wahrlich die Leute, die diese Missionen Übernehmen wollen, nicht zurückschrecken, um bei ihnen nicht erst genau nachsehen sollte, wo sie studirt haben. Ich glaube, es wäre dem Bismarcklande sehr nützlich, wenn sehr viele Jesuiten dorthin kommen, um die dortigen Menschenfresser zu bekehren. (Heiterkeit.) Also aus diesen Gründen haben wir gewünscht und ich insbesondere, daß man mit großer Vorsicht zu Werke geht und ein fernerer Grund war allerdings auch der, daß ich glaube, wir müssen sehr vorsichtig sein, daß wir unsere Kräfte nicht verzetteln, denn unsere Stärke, unsere Achtung im Aus­lands beruht wesentlich in unserer Landarmee und wenn wir durch Zersplitterung unserer Wehrkräfte sie schwächen, wie das bei einer solchen Colonialpolitik unvermeidlich ist, so schwächen wir die Basis, auf der unsere Machtstellung nicht begreifen konnte, woher auf einmal dieser Besuch gekommen sei.

„Fräulein Alvarez," sagte der junge Herzog, „das ist Madame Touffaint, meine Haushälterin. Sie wird sich ihrer bestens annehmen. Madame Toussaint," wandte er sich jetzt an diese, „diese junge Dame ist Fräulein Alvarez, die Nichte des Herrn Marquis de Vigny. Ich fand sie vor Kurzem hilflos am Ufer der Seine. Sie ist er­schöpft und matt. Sorgen Sie sofort für ein gutes und kräftiges Abendeffen und bestellen Sie die Kutsche, daß die junge Dame baldmöglichst nach dem Schlosse zurückkehrt."

„Das Fräulein soll heute Abend das Castell nicht mehr verlassen," erklärte die Matrone mit Entschiedenheit. „Sie würde ernstlich krank werden, wenn Sie sich keine Ruhe gönnt."

„Dann schicken Sie einen Boten nach dem Schlöffe und lassen Sie dem alten Herrn sagen, daß seine Nichte hier in Adlers-Horst in Sicher­heit sei und daß sie morgen früh nach Hause zu­rückkehre. Sorgen Sie dafür, daß der Bote sofort geht."

Die alte Frau verbeugte sich respektvoll gegen Giralda und verließ darauf dienstfertig das Zim­mer, um die ihr ertheilten Aufträge auszuführen, das Mädchen lehnte matt und gebrochen in ihrem

beruht. Das sind aber Fragen, die wir bei dem Etat des Kriegs und der Marine weiter erörtern werden. Ich komme hier nur deshalb darauf, weil wir beschuldigt wor­den sind, Feinde der Colonialpolitik zu fein. Nein, das sind wir nicht, wir wünschen, daß die Erde überhaupt nicht in einem solchen Maße bereits vertheilt wäre, denn gute gesunde Colonien sind allerdings ein Bedürfniß bei der Uebervölkerung, an der wir leiden und ans der es sich erklärt, warum gerade in den Gegenden, die von jenseits des Meeres eigentlich nichts roiffen, in Württemberg, Baden und Pfalz das meiste colonialpolitische Geschrei existirt. Ich muß also ein für alle mal meine Freunde und mich gegen eine derartige Beschuldigung verwahren. Für vernünftige Colonisationen sind wir, werden wir fein und werden auch Opfer dafür bringen, aber für Aventuren nicht. Eine Bedingung jeder Colonisation wird es bleiben, daß das Missionswesen voll und ganz hergestellt wird, denn wir werden doch nicht die Eingeborenen, unter denen wir uns niederlaffen, nach dem Beispiel anderer Völker niederschießen oder ausrotlen; wir werden sie civilisiren, wir werden sie uns herangewöhnen, um sie zu wirklichen Me ischen zu erziehen. Dazu aber bedürfen wir der Missionäre und ich schließe mit dem Verlangen, daß uns gehalten werde, was Herr von Kufferow beschlossen hat, daß der Artikel 6 der Congoacte überall in unseren Colonien zur Anwendung kommt. (Bravo im Centrum.)

Zum zweiten Mal das Wort ergreifend und die Angriffe des Reichskanzlers abwehrend, sagte Abg. Dr. Windthorft u. A. :

Das mag sich der Herr Reichskanzler ein für allemal gesagt fein lassen: das Centrum geht seinen eigenen be­wußten Weg —- unbekümmert um Gunst oder Ungunst, unbekümmert, ob heute die Mehrheit so oder so geht. Das haben wir in den langen Jahren durchgemacht und sind doch dahin gekommen, wo wir jetzt stehen; und ich ver­sichere, der Appell an unsere Wähler: als ob dieselben endlich einsehen würden, daß wir uns nicht auf dem rech­ten Wege befinden und würden deshalb von uns abfallen — der ist ganz vergeblich: der Thurm steht und wird stehen. (Bravo im Centrum.) Wenn mir überhaupt un­tergehen könnten, so kann ich versichern: so lange es einen Nationalliberalen gibt, wird auch ein Centrum vorhanden sein. (Heiterkeit. Bravo im Centrum.) Ich bleibe bei dem Satze: es ist sehr traurig, aber wir haben aus dem heutigen Auftreten des Herrn Reichskanzlers entnehmen müssen, daß er nach wie vor voll und ganz bei den kultur­kämpferischen Tendenzen der preußischen Regierung beharrt, und daß er in dieser Hinsicht in den langen Jahren an­scheinend nichts gelernt hat. Wir werden also fortfahren müssen, auf unserer Seite dieselbe Stellung wie bisher anzunehmen; wir werden ausharren bis an's Ende. Sie­ger werden wir ganz unzweifelhaft und bestimmt, d. h. wir werden die volle Freiheit der Kirche und des Unter­richts in dem Maße wiedergewinnen, wie solche vor dem Kulturkämpfe bestanden hat, zum Segen Preußens und ganz Deutschlands; uns so lange dieser Kulturkampf nicht beseitigt und diese Freiheit nicht errungen ist, wird der Segen im deutschen Reiche nicht vorhanden sein. (Bravo im Centrum.) Das führt mich zu der Excursion, die der Herr Reichskanzler in Beziehung auf die Reichsfeindlichkeit

Sessel. Sie dachte nur eins, daß die Warnung zu spät kommen und der Feind ihres Vaters den­noch triumphiren könnte und dieser Gedanke er­füllte sie mit Angst und Schrecken.

Gilbert ließ seinen Blick in stiller Bewunderung und zugleich voll innigster Theilnahme auf den schmerzensbleichen Zügen des jungen Mädchens ruhen, dem sein Herz entgegenschlug seit dem ersten Moment, daß er sie gesehen. „Jetzt befürchten Sie nichts mehr," sprach er sanft tröstend. „Ihr Vater wird gerettet werden. Mit dem Frühzuge reise ich nach der Villa Larose. Er wird ge­warnt sein, ehe die Nacht anbricht und ehe jener Elende seine Schurkerei zur Ausführung zu brin­gen im Stande sein kann. Nie und nimmer soll ihm sein lichtscheues Werk gelingen. Vertrauen Sie mir das Geschick der Ihren an! Ich werde die nichtswürdigen Pläne dieses Buben durch­kreuzen und die Ihnen theuer sind, vor ihm war­nen und bewahren. Gott selber hat mich als Retter in Ihren Weg geführt und ich werde Sie beschützen mit meinem letzten Blutstropfen, und wäre es gegen eine ganze Welt voller Feinde!"

XXXI.

Verzweifelnd und mehr denn je von seinen Gichtschmerzen geplagt, war Marquis de Vigny nach seinem Schlosse zurückgekehrt. Umsonst war