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1885.

qewiß nicht geneigt, dem katholischen Ordenswesen «rgend welche Pflege angedeihen zu lasten und insbesondere sehr feindlich gegen die Jesuiten gesinnt ist, grade wie dies der Herr Reichskanzler auch ist, hat man es doch der Weisheit der Politik entsprechend gefunden, überall, wo ein französisches Missionswerk, einerlei in welchen Händen es liegt, sich befindet, dies ungestört fortbestehen zu lapen, und wenn Alles aus dem Budget Frankreichs ausgestrichen wird, so wird doch das, was für Missionen ausgegeben werden soll, nicht gestrichen. Denn das wissen die Fran­zosen recht gut, daß aus den Missionen ein gut Theil des Erfolges beruht, den sie überhaupt in den Kolonien erzielt haben. Ein Gleiches könnt- der Herr Reichskanzler aus den Besitzungen Englands erfahren, namentlich aus Indien, wo gerade die englische Regierung ganz besonders dem Jesuitenorden es dankt, daß sie dort diejenigen Erfolge gehabt hat, welche ihr zu Theil geworden sind, und daß sie diejenige Festigkeit gewonnen hat, welche sie bis jetzt behauptet. Ich muß deshalb dem Herrn Reichskanzler sagen: selbst wenn nicht auch andere Gründe vorhanden wären, welche seine koloniale Politik sehr bedenklich er­scheinen lassen, so liefert gerade die Art, wie er heute das Missionswesen behandelt hat, nur einen Beweis dafür, daß es ihm noch an einem Rathe fehlt, der ihm darüber die richtigen Vorträge hält. Run sagt der Herr Reichs­kanzler: Die Grundsätze, welche wir hier in Deutschland verfolgen, müssen wir auch auswärts beobachten. Er handelt aber nicht darnach, denn wir haben hier m Deutschland es für zulässig erachtet, in der Kongoakte auszusprechen, was in Art. 6 derselben steht, m welchem Artikel für das ganze Kongogebiet klar und fest ausge­sprochen wird, daß freie Religionsübung statthaben soll, daß Missionen aller Kulte und ohne alle Beschränkung ihre Thätigkeit entfalten dürfen. Was heute der Herr Reichs­kanzler erklärt hat, widerspricht aber diesen Grundsätzen der Kongoakte-, und doch sind es eben diese Grundsatz-, die unter seinem Vorsitze gefaßt worden und vor der ganzen europäischen Welt proklamirt. worden sind Meine Herren, welche Grundsätze sollen denn nun gelten? Die, welche in einem erleuchteten Augenblicke gemacht worden sind, oder die, welche in dem dunklen Gange der unglückseligen Kirchenpolitik gehandhabt werden, die rn Preußen getrieben wird ? Auf dem Kongokongreß hat der Herr Reichskanzler so wenig wie seine Vertreter gewagt, irgend etwas von solchen Grundsätzen zu verlautbaren. Es würde uns das in den Augen der Mitglieder der Konferenz sicher nicht gehoben haben. Jetzt aber, wo die Konferenz nicht mehr tagt, fallen wir alle tn diese un­glückseligen Geschichten zurück.

Es ist nichts gehalten von dem, was die Kongoakte m Aussicht stellte, und wovon jeder Mensch in Europa ge­glaubt hat, daß es für alle Kolonien in gleicher Weste gelten solle, daß das gewissermaßen nun ein europäisches Recht sei. Ich bleibe deshalb dabei stehen, daß eme Rechtsbasis für das Verfahren gar nicht vorliegt, und daß keinem deutschen und keinem anderen Missionar ine Thätigkeit in den Kolonien beschränkt werden kann ohne Verletzung des Rechts. Run führt der Herr Reichskanzler — ohne Zweifel, um den Maßregeln anderweit- Sym- pathieen zu gewinnen, — allerlei gegen den Jesuitenorden an Was der Herr Reichskanzler gegen die Jesuiten hat,

„Es trieb mich unwiderstehlich heute Abend aus dem Schlosse hinaus, Fräulein Alvarez, ich habe fortwährend an Sie gedacht," begann Gilbert, als er das Segel so gestellt hatte, daß sie mit dem Winde fuhren. „Sie muffen entsetzlich ge­litten haben?"

„Ich war der Verzweiflung nahe," versetzte das junge Mädchen.

Gras von Lamartin soll seiner gerechten Strafe für" diesen Schurkenstreich nicht entgehen!" rief der junge Edelmann zornig aus.

Ach ich bin machtlos gegen ihn, Herr Herzog. Ich muß Alles ruhig ertragen," antwortete das junge Mädchen kummervoll.

/ Nennen Sie mich Gilbert," bat der junge Mann mit weicher Stimme. „Ich stehe so ganz allein in der Welt und habe Niemanden, der mich bei diesem Namen nennt."

„Dann müssen Sie mich Giralda nennen, gab sie "leise zur Antwort.

„Angenommen!" rief Gilbert fröhlich. „Und jetzt, Giralda, sagen Sie mir, warum müssen Sie diesen Ueberfall, diese Einkerkerung, alle diese Be­leidigungen ruhig ertragen?"

Das junge Mädchen sah ihren Retter emen Moment prüfend an. Er sah so männlich, so ehrenhaft aus, daß sie sich sagen mußte, ste dürfe

Rede des Abgeordneten Dr. Windthorst über die katholischen Missionen in den deutschen Kolonien

(gehalten in der Reichstagssitzung v. 28.Nov. 1885).

M. H.l Der Vertreter der verbündeten Regierungen hat die Interpellation mehr geschickt als sachlich zutreffend beantwortet, geschickt, weil eine ganze Reihe von Bemer­kungen eingeflochten sind, welche geeignet erscheinen, das, worauf es ankommt, in den Hintergrund zu schieben, (Sehr richtig! im Centrum.) und die eigentliche Lage zu verdunkeln; sachlich unrichtig, wie ich nachher weiter aus­einandersetzen werde. Vorweg möchte ich dem Herrn Reichs­kanzler bemerken, daß die Interpellation einfach das will und bezweckt, was ihr Wortlaut enthält, und was der Begründer derselben, mein Kollege Reichensperger, dar­gelegt hat. Von irgend welchen anderen Bedürfniffen 'st dabei gar nicht die Rede. Wenn solche existiren, werden sie bei anderen Gelegenheiten ganz zweckmäßig zum Austrag kommen können, zum guten Theile auch zum Austrag gebracht werden. Wenn der Herr Reichskanzler geglaubt hat, bei dieser Gelegenheit ein Organ der Presse, welches die katholischen Anschauungen in der Regel zu vertreten pflegt, besonders ins Auge zu faffen, so kann ich dem geehrten Herrn sagen, daß es eine Befriedigung für mich ist, wenn unsere Blätter einen solchen Eindruck auf ihn machen. (Sehr gut! im Centrum.) Wenn er glaubt, die Art und Weise ihrer Redaktion bemängeln zu können, so kann ich nur sagen, daß dieselbe mir reichlich so gut zu sein scheint, wie die Organe, welche der Herr Reichskanzler inspirirt (Lebhaftes Bravo im Centrum. Heiterkeit); und wenn ich dann und wann an der ,Germania' etwas aus­zusetzen hätte, so wäre es, daß sie zuweilen in eine Tonart fällt, welche die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung' zum Scandal für die ganze Presse anschlägt. (Brave! ,m Centrum.) (Sehr aut!) Also von dem Meister hätte sie dann gelernt. (Heiterkeit.) Das in Bezug auf bi* .Germania'. Wenn dann der verehrte Herr meint, wir sollten die Ver­tretung dieser Sache lieber den katholischen Mitgliedern des Bundesraths überlassen, so muß ich meines Theils gestehen, daß das beinahe wie Ironie klingt. (Sehr richtig! im Centrum.) Der verehrte Herr hat hmgewlesen auf Bayern und Sachsen. Ich kann nur bemerken, daß wir in der ganzen Zeit, während welcher das deutsche Reich besteht, noch niemals gesehen haben, daß von Bayern oder Sachsen, irgend welches katholische Interesse vertreten worden ist, (Sehr wahr! im Centrum) und ich mutz meines Theils ganz unumwunden erklären, daß trotz aller Feindseligkeit, die der Herr Reichskanzler gegen uns hat ich ihm allein die Vertretung unserer Interessen lieber überlasse, als den genannten Bundesrathsbevoll- mächtiqten. Ich thue das, weil ich beim Herrn Reichs­kanzler doch noch Spuren der einstigen Gerechtigkeitsliebe finde und weil er auf einem viel höheren Standpunkte steht.

Eine Kolonisation ohne Missionen ist undenkbar, und wer sie für denkbar hielte, würde damit zeigen, daß er das ABC von Kolonisation noch nicht versteht und des­halb wohl thäte nach England, Frankreich oder Amerika zu gehen, um das Kolonialwesen dort erst recht gründlich zu studiren und zu erlernen. In Frankreich, wo man doch

A«f geheimnisvoller» Wegen.

Roman von I. Sahrufrl». (65

Gilbert führte statt jeder Antwort ihre kleine Hand an seine Lippen und Giralda war es bei dieser Berührung, als ginge ein wonniger Schauer durch ihre ganze Gestalt und alles Blut drängte stürmisch nach ihrem Herzen. Hastig ihm ihre Hand enlziebend. als müßte ste einen Zauber von sich abschütteln, der sie gefangen hielt, raffte ste ihre Handtasche an sich und schritt dem jungen Manne voran die Treppe hinab. Die drei Fischer begrüßten das Paar mit freudigem Hurrah. Ihre früheren Gefängnißwärter blickten das junge Mäd- chen stnster an und Grralda eilte, das Haus zu verlassen, wo sie gezwungen entsetzliche Stunden hatte zubringen müssen. Ihre Befreier folgten. Auf dem kleinen, freien Platze vor dem Hause machte die Gesellschaft einen Augenblick Halt, währenddessen der junge Herzog den Fischern den Grund nannte, weshalb er ihre Hilfe hatte in Anspruch nehmen wollen; darauf vertheilte er eine Handvoll Silbergeld unter ste und entließ ste.

Des Mädchens Hand ergreifend, führte er sie den etwas steilen Weg nach der Seine hinunter. Nach- dem Beide im Boote Platz genommen, stieß das- selbe ab.

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wußten wir ja aus den früheren Berhandlungen wegen des Jesuitengesetzes. Er nimmt keinen Anstand, eme große Zahl Deutschen ohne Weiteres zu beschuldigen, daß sie ihr Vaterland nicht ebenso liebten, wie er. Das ,st ja eine Reminiscenz aus der .Norddeutschen Allgemeinen Zeitung', welche jeder Zeit den, der eine andere Ansicht hat, für einen Reichsfeind erklärt. (Sehr wahr! tm Centrum) Ich muß dem Herrn Reichskanzler bemerken, daß es außer ihm auch noch Deutsche giebt, Deutsche, die eben so lebendig für ihr Vaterland fühlen, wie er. (Sehr gut! im Centrum.) Ich glaube sogar zuweilen zu entdecken, daß der Herr Reichskanzler mel mehr für Preußen als für Deutschland fühlt, (Sehr gut! tm Cen- rum; ah, rechts), und muß es darum beklagen daß man so ohne weiteres und ohne jede thatsächliche Begründung eine ganze Reihe von Männern auf diese Weise beschul­digt Cs ist interessant, zu vergleichen, rote der Herr Reichskanzler sich hier stellt gegenüber dem Jesuitenorden, und wie sich Friedrich der Große dazu gestellt hat und auch seine Nebenbuhlerin, die Kaiserin Katharina von Rußland. Friedrich der Große erachtete die Jesuiten für di- besten Lehrer und wollte sie deshalb unter allen Um­ständen in Schlesien behalten. Ec hat sie auch behalten, und in Rußland galt ganz dasselbe. Jetzt haben sich die Anschauungen merkwürdiger Weise gleichzeitig tn Rußland und in Preußen geändert, — so groß ist der Einfluß des Fürsten Bismarck in der Welt! Ich weiß sehr wohl, daß es ein vergebliches Bemühen wäre, den Herrn Reichs­kanzler in dieser Hinsicht zu bekehren; ich habe aber die Ueberzeugung, daß der Herr Reichskanzler mcht mtnber wie auch viele Andere dahin kommen werden, dringend zu wünschen, daß die Gesellschaft Jesu ihre Thätigkeit in Deutschland wieder ausnehme. (Sehr richtig! im Centrum.) Die Auslösung aller Verhältnisse geht so schnell, alles Po­sitive löst sich so rasch in nichts auf, daß man nach Mach­ten suchen wird, die noch Positives besitzen, und wenn Niemand die Jesuiten zurückbringt, — die Sozialdemo­kraten werden es sick-r thnn. (Heiterkeit bei den Sozial­demokraten.) — Ja, Sie lachen darüber; ich wollte damit nichr sagen/ daß Sie persönlich sie liebevoll zurückholten; nein! Sie werden sie todtschlagen, wie uns andere auch (Heiterkeit); aber diejenigen, welche dann nach Rettung suchen, werden diese Männer der Aufopferung herbe,rufen, damit wieder Ordnung in die Dinge gebracht wird, welche man so muthwillig aufgelöst hat. (Sehr richtig! tm Centrum.)_____________________ (Schluß folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 30. November.

» Wie die.Errnl. Ztg/ berichtet, ist in voriger Woche die Liste mit den Namen der Candidaken für den bischöflichen Stuhl von Er ml and nach Frauenburg zurückgekommen. Die Wahl ist dem­nach in kurzer Frist zu erwarten. Der hochwür­digste Herr Erzbischof Dr. Krementz ist, wie er dem Clerns in einem Schreiben mittheilt, vom hl. Vater ermächtigt worden, die Regierung des Bis- thums Ermlands bis zum Regierungsantritt seines ihm dasGeheimniß ihres Vaters anvertrauen. Der Mann, der ihr zweimal das Leben gerettet, war ihr kein Fremder mehr.

Ein minutenlanges Schweigen trat ein; dann hob sie an: „Ich habe ein Geheimniß - ein großes Geheimniß — welches diejenigen betrifft, die mir theurer sind als mein Leben. Ich glaube, daß ich Ihnen dieses Geheimniß anvertrauen kann und daß es bei Ihnen sicher ist."

„Sprechen Sie zu mir ohne Scheu, als ob Sie zu "Ihrem Bruder sprächen," versetzte Gilbert mit warmem Interesse. „Was Sie mir auch zu sagen haben werden, es wird bei mir aufgehoben sein wie bei Ihnen selbst."

„Ich weiß es. Ich sagte Ihnen heute Morgen, daß ich des Marquis de Vigny's Mündel sei und seine adoptirte Nichte. Dafür hält selbst der Greis mich noch in dieser Stunde, aber ich stehe ihm näher — ich bin seine eigene Großnichte, bin eine de Vigny!" „ r rn ~

Der junge Mann blickte sie voll höchstem Er- staunen an. „Ich glaubte, der alte Marquis hätte nur zwei Neffen, Armand de Vigny und Graf von Lamartin?" .

Er hatte nur die zwei. Ich bin die Tochter Armand'»!"

Des jungen Herzogs Erstaunen wuchs. „Die