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1885.

Montag, den 30. November

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vi« .Fulda« Zeitung" «scheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Biertelzahrlicher Abonnementspreis ohne Brrngerlohn und Bestellgeld. 1 Mk. 50 Pfg-, mit der ballistischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen" in Fulda 1 Mk. 70 M,. auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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SNurit dem 1. Dezember eröffnen wir ein Monats-Abonnement auf die ,Fuldaer Zeitung^ zum Abounements- preife von 50 Pfg. (ohne Bestellgeld). Bestellungen werden von den Postanstalten und den Landbriefträgern, sowie von unfern Stadtboten und der Expedition entgegen­genommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 2 ). November.

• Der Statthalter Fürst Hohenlohe begab sich nach Madrid, um als Vertreter des Kaisers der Beisetzung des Königs Alfonso beizuwohnen. In seiner Begleitung befinden sich Hofmarschall Kanitz und Kammerjunker Schlippenbach.

** Der Reichs tag kam heute über die Inter­pellation des Centrums über die Zulassung von Jesuiten- bezw. katholischen Missionen in den deutschen Schutzgebieten nicht hinaus. Die Inter­pellation wurde von dem Abg. Dr. Reichens­perger begründet, der ausführte, das Jesuiten­gesetz gelte in den deutschen Schutzgebieten nicht, da diese Ausland seien. Für die Kolonien hätten die Grundsätze des durch die Congonote festgestell­ten internationalen Rechts Giltigkeit. 14 Millionen Katholiken protestirten dagegen, daß der Mehltau des Kulturkampfes auf die Kolonien übertragen werde. Das Wort ergreift der Reichskanzler: °T>ie Beantwortung der Jnterpeüarion sei sehr ein­fach. Die Kolonien seien nicht Ausland. Das Je- fuitengesetz b stehe zu Recht in Deutschland, also auch in den deutschen Schutzgebieten. Die Reichs- gesetze seien besonders verbindlich für die Beamten in den Kolonien. Der Herr Vorredner sei zweifel­los ein besserer Jurist als er, allein hier sei er im Jrrthum. Der Reichskanzler kritisirte den Je­suitenorden mit den alten Kulturkampfphrasen von ehedem: sie bedrohten unsere internationale Ent­wickelung durch ihre internationale Organisation. Den zweiten Punkt der Interpellation, ob beschlos­sen sei, die katholischen Missionen von den Kolo­nien auszuschließen, beantwortete der Reichskanzler mit „Nein". Der Reichskanzler geht dann gegen die.Germania' los, deren „verdächtige Wahrheits­liebe" bekannt sei und für die man nach seiner Ansicht durch die Interpellation etwas habe thun

-H- Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von I. Dohenfeld. (64

In der Villa Larose verging der zweite Tag ebenso glücklich und fröhlich wie der vorherge- gangene. Der dritte Tag neigte sich seinem Ende zu und der Abend brach herein mit Mondenschein und Sternenglanz. Es war für die Jahreszeit ein selten schöner Abend. Der Wind fuhr leise flüsternd durch die Zweige der hohen Tannen und das geheimnißvolle Rauschen draußen machte das traute Heim noch traulicher. Das Feuer flackerte lustig im Kamin und der Schein der Lampe ver­breitete eine scharfe Helle im Zimmer. Musik und Unterhaltung erfreute die Herzen der kleinen Gruppe und die Zeit verrann ihnen nur zu schnell. Die Vorhänge waren nicht herabgelassen. Es ge­schah dies überhaupt selten, nur bei stürmischem Wetter. Die Lage des Hauses und dessen Um­gebung machten das Eindringen fremder Personen fast zur Unmöglichkeit.

„Wie traulich und heimisch ist es, hier !" sagte die Gräfin nach einer längeren Pause mit einem schmerzlichen Blick. „Und doch ist mir heute Abend so ängstlich und beklommen zu Muthe. Es ist irgend etwas nicht in der Ordnung, mein Gemahl. Sollte Giralda etwas zugestoßen sein?"

wollen. Außerdem wollte das Centrum eine Lanze für das Jesuitengesetz brechen, endlich habe das Centrum seine Gegnerschaft gegen die Kolonialpoli­tik vor seinen Wählern rechtfertigen wollen. Hier­auf verlas der Reichskanzler das Aktenmaterial über die Konferenzen mit den Paters Weik und Stoffel. Dem Abg. Dr. Windthorst, welcher nach dem Reichskanzler sprach, gebührt das Verdienst, die kulturkämpferischen Pläne, welche man in den Ko­lonien vorhat, festgenagelt zu haben; man hat theoretisch nichts gegen katholische Missionen, aber praktisch richtet man sich so ein, daß die katho­lischen Missionen in den Kolonien thatsächlich aus­geschlossen sind. Auf den Dr. Windthorst folgte wieder der Reichskanzler als Redner, dann wieder Dr. Windthorst, dann wieder der Reichskanzler. Von den Konservativen sprach dann der Abg. Frhr. v. Maltzahn-Gültz, aber die Konstatirung des Abgeordneten Dr. Windthorst wurde trotz aller Drehungen und Wendungen nicht abgeschwächt. Das Schlußwort hatte der Abg. Ri nie len, welcher in klarer, durchschlagender Weise die ju­ristische Seite der Angelegenheit erörterte.

* In der Karolinenfrage sollen dem Papste die beiden, in Berlin und Madrid ausgefertigten Noten, überreicht worden sein, welche die Annahme der Entscheidung des hl. Vaters als Grundlage für die Regelung der Angelegenheit mittheilen. Zu derselben Frage bemerkt eine offiziöse Berliner Korrespondenz der ,Koln. Ztg." anknüpfend an das Hinscheiden König Alfonso's: „Daß ein etwaiger und auch schon jelegraphisch L^küudigt^ M'nMr- wechsel die Verständigung wegen der Karolinen wieder in Frage stellen konnte, will man des­wegen nicht befürchten, weil die Angelegenheit so gut wie geregelt war, und zwar in einer für beide Theile befriedigenden Weise."

* Als erste Serie sind bereits ca. 30 gleichlau­tende Petitionen mit 3100 Unterschriften bedeckt an den Fürsten Reichskanzler abgegangen. Sie haben bekanntlich den Zweck, den Reichskanzler zu bitten, auf dem Wege der Gesetzgebung dahin zu wirken, daß die Sonntagsarbeit abgeschafft und die Sonntagsruhe wieder hergestellt werde. Der Wort­laut der Petition ist folgender:

„Ew. Durchlauch halten nach Ihren Ausführungen im Reichstage die Gewinnung der verloren gegangenen Sonn­tagsruhe mit für das wichtigste von Allem, was für unser Volk geschehen kann, für ein „glänzendes, zu erstrebendes Ziel"; Ew. Durchlaucht wollen sich vorher nur darüber

„Du bist nervös," antwortete ihr Gatte zärt­lich. „Und ich muß gestehen, mir ergeht es wenig besser," fügte er hinzu. „Unsere beständige Angst und Furcht, in der wir leben, wird uns zu viel!"

Er zog ihr Haupt an seine Brust und sah ihr traurig in die schönen Augen. In diesem Mo­ment war es, als sein erbittertster Feind — Graf Eugen von Lamartin — das Haus erreicht hatte. Er bog die Weinreben, welche das Fenster zum Theil verbargen, aus einander und starrte in das Gemach hinein. Seine Augen erblickten die glück­liche Scene drinnen und er stand wie vom Donner gerührt. Er sah das Weib, welches er für kalt und herzlos gehalten hatte — er sah sie, mit freudig glänzenden Augen, ein Bild des wahrsten Glückes, an der Brust eines anderen Mannes!

Und dieser Mann? Wie Graf Eugen darnach strebte seine Züge zu erforschen! Er war groß, stark, mit breiten Schultern und breiter Brust und von edlem Anstand. Sein Gesicht war dunkel und er hatte schwarze Augenbrauen, schwarze Haare und schwarzen Bart. Er sah aus wie ein echter Spanier.

Graf Eugen hatte vermuthet, Armand de Vigny hier zu finden, aber fein Verdacht gerieth bei dem

Gewißheit verschaffen, wie weit das Volk dieselbe wünscht. Die Unterzeichneten sprechen Ew. Durchlaucht für die hierin bekundete wohlwollende Gesinnung ihren unterthänigsten Dank aus und geben, von der Ueberzeugung ausgehend, daß es ihre Pflicht, Hochdero Wunsch nachzukommen, hier­mit ehrerbietig die Erklärung ab: „Unser Volk wünscht und verlangt das Verbot der Sonntagsarbeit.""

Zur Begründung dieser unserer Erklärung erlauben wir uns Nachfolgendes hervorzuheben:

1) Es kann kein bleibender Segen auf einem Lande ruhen, dessen Volk ein ausdrückliches Gebot Gottes über­tritt.

2) Die Sonntagsruhe ist mit die wichtigste Vorbedin­gung für Erhaltung und Förderung des deutschen Fami­lienlebens.

3) Der Mensch bedarf der Sonntagsruhe, um religiös gehoben und körperlich gestärkt seiner angestrengten Wochen­arbeit nachgehen zu können.

4) Gegenüber den Klagen üb« Arbeitsmangel und Ueberproduktion erscheint es vernunftwidrig, die Zahl der Arbeitslosen und Hungerleidenden noch um ein Siebentel zu vermehren, indem augenscheinlich die Arbeit, womit der Eine überbürdet wird, dem Andern entzogen wrrden muß. Ew. Durchlaucht rc."'

* München, 27. Nov. Die Blätter melden den Tod des pens. char. Generallieutenants Ph. Frhr. v. Podewils. Der Verlebte machte seine Carriere bei der Artillerie. Schon als junger Offizier befaßte er sich mit der Konstruktion von Büchsen, in Folge dessen ihm bei einer Explosion der eine Arm weggerissen wurde. Nach erfolgter Amputation ging er keineswegs in Pension, sondern wurde, statt in der Truppe, bei der Gewehrfabrik in Verwendung genommen: zuerst als Aufsichts- offizier, dann als Inspektor und später als lang­jähriger Direktor derselben. Er machte alle Grade d-s Ofsizierstandes _ dyrch und wurde Ende der 50er Jahre, nachdem sein neues Gewehr in der bayer. Armee eingeführt wurde, nicht allein zum Oberst befördert, sondern erhielt auch noch eine staatliche Subvention von 10,000 Gulden. Seine Brust schmückten viele und hohe Orden. Am 1. Mai 1873 wurde er als Generallieutenant charakterisirt, welcher Beförderung bald der Ruhestand folgte.

Ausland.

* Bern, 28. Nov. Der Bundesrath hob sämmtliche gegen Frankreich und Italien getroffenen Choleramaßregeln auf.

* Belgrad, 28. Nov. Die serbische Armee ist auf dem Rückzüge nach Akpalanka. Im Nischawa-Defile sind starke Verschanzungen ange­legt. Die Festungswerke von Nisch werden eilig ausgebessert. Die Bevölkerung nimmt an den Anblick dieses Mannes heftig in's Schwanken. „Dieser Mann sollte Armand de Vigny sein?" fragte er sich. „Wäre es möglich, daß die Zeit aus dem fröhlichen, schlanken Knaben einen solch' ernsten Mann machen konnte? Ich kann es kaum fassen. Wenn ich nur einmal seine Stimme Horen konnte!"

Seine Blicke schweiften im Zimmer umher und er entdeckte die beiden Knaben, welche auf einem Sopha nebeneinander saßen; der ältere war gerade damit beschäftigt, eine Zeichnung zu vollenden und der jüngere sah ihm zu. „Der ältere Knabe gleicht ganz der Mutter," murmelte er. „Wenn jener dunkle Mann wirklich Armand ist, so ist dieser Knabe der einstige Mrrquis t>e Vigny. Und der jüngere Knabe — dieser lilienhaft anstehende, goldhaarige, blauäugige Knabe, er ist ganz Ar­mand in feiner frühesten Jugend!"

Er preßte sein Gesicht dichter an die Fenster­scheiben. In diesem Augenblicke erhob Gabriele ihr Haupt und ihr Antlitz zufällig dem Fenster zu. Mit einem wilden Schrei sprang sie auf ihre Füße.

„Sie hat mich gesehen!" murmelte der schur­kische Graf und wich vom Fenster zurück. „Jetzt gibt es kein Zurück mehr für mich. Ich muß diesem Manne gegenübertreten, bevor er Zeit hat,