J\i 267. Freitag, den 20. November
Fuldaer
1885.
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Die Eröffnung des Reichstags ist heute, Donnerstag, um 2 Uhr von dem Stellvertreter des Reichskanzlers, Minister v. Bötticher, im Reichstagsgebäude vollzogen worden. Das Haus war schwach besucht, die Galerien mäßig besetzt. Anwesend war das preußische Staatsministerium und der Bundesrath; von den Abgeordneten waren u. A. anwesend Graf Moltke, Excellenz Windthorst, Frhr. zu Franckenstein, Frhr. v. Huene, Frhr. v. Hammerstein, Richter, Rickert u. s. w. Herr v. Bötticher verlas folgende Eröffnungsrede :
Geehrte Herren!
Se. Majestät der Kaiser hat mir den Auftrag zu ertheilen geruht, Sie in Seinem und der ver- bündetcn Regierungen Namen beim Weiterbeginn Ihrer Arbeiten zu begrüßen.
Der Entwurf zum Reichshaushalts-Etat wird Ihnen alsbald zugehen. Die Sorge für die Sicherheit des Reiches und für die Befestigung und Entwickelung seiner Einrichtungen veranlaßt die verbündeten Regierungen auf dem Gebiete des Heerwesens, der Kriegsmarine und der Fürsorge für bisher unversorgte Invalide Beider eine Erhöhung der bisherigen Leistungen bei Ihnen in Antrag zu bringen. In den erheblich gesteigerten Ueberweisungen aus den finanziellen Ergebnissen unseres verbesserten Zolltarifs und Gesetzes über die Reichsstempelabgaben werden die Bundesstaaten die Mittel zur Deckung ihrer Mehrleistungen an , das Reich finden. In Folge der Nothwendigkeit, die vom Reich gewährten Mittel wiederum zu den Zwecken des Reichs zu verwenden, bleiben aber eigene Bedürfnisse der Bundesstaaten unbefriedigt, und es liegt dem Reich die Aufgabe ob, auf dem nur ihm zugänglichen Gebiete der indirekten Verbrauchsbesteuerung weitere Einnahmequellen zu eröffnen. Demgemäß ist die baldige Einbringung eines Gesetzes zur Reform der Zucker- l besteuerung in Aussicht genommen, da die Schwie- I rigkeiten, welche während der letzten Session dieser 1 als dringlich erkannten Reform mit Rücksicht auf die Lage der betheiligten Industrie und Land- wirthschaft entgegenstanden, nicht mehr in derselben Stärke vorliegen und durch eine Verzögerung der Reform eher wieder verschärft werden könnten. Auch in Betreff der Branntweinsteuer sind zu gleichem Zweck Vortagen in Vorbereitung, über
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( -Sr Auf geheimrrißvollen Wegen.
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„Geben Sie sich nicht solchen tlügerischen Hoffnungen hin!" antwortete Eugen höhnisch. „Der Marquis wird Sie für eine Abenteuerin halten und sich nicht weüer um Sie bekümmern. Daß das geschieht, seien Sie versichert, wird meine Sorge sein. Auf mich wird er keinen Verdacht werfen können. Ich kehre sofort nach dem Schlosse I zurück und verlasse dasselbe wieder in der Kutsche. Mein Onkel glaubt mich jetzt auf meinem Zimmer. Wie sollte er die Wahrheit auch nur ahnen können?" Ein schmerzliches Aechzen entrang sich der Brust des Mädchens.
„Ich habe es erwartet, daß Sie heute Nacht entfliehen würden, um Ihren Vater zu warnen," fuhr Graf Eugen unbarmherzig fort. „Ich hatte deshalb meinen Diener nach dem Dorfe gesandt, um diesen Wagen zu holen, welcher schon seit Dunkelwerden in der Nähe des Schlosses hielt. Ich sah Sie, als Sie den letzten Blick durch's Fenster in's Wohnzimmer warfen, wenn auch Sie davon keine Ahnung hatten, daß ich auf Alles achtete, was Sie anging. Mein Diener Bernard
welche zunächst die Verständigung unter den verbündeten Regierungen herzustellen ist.
In Uebereinstimmung mit der wiederholt und feierlich kund gegebenen Absicht Seiner Majestät des Kaisers rechnen die verbündeten Regierungen auch diesmal auf Ihre Mitwirkung für die schrittweise Weiterführung des in Angriff genommenen sozialen Resormwerkes. Dank dem verständniß- vollen Entgegenkommen der betheiligten Kreise ist es möglich gewesen, das Unfallversicherungsgesetz vom 28. Mai d. I. nach Abschluß der organisatorischen Vorarbeiten bereits am 1. Oktober d. I. in Wirksamkeit treten zu lassen. In planmäßiger Verfolgung des beschrittenen Weges wird Ihnen der in der vorigen Session unerledigt gebliebene Entwurf eines Gesetzes über die Ausdehnung der Unfallversicherung auf die Arbeiter der Land- und Forstwirthschaft mit einigen Aenderungen wieder vorgelegt werden, durch welche einer Anzahl von Vorschlägen Ihrer zur Vorberathung des Entwurfs gewählten Kommission Rechnung getragen wird.
Schon bei der Berathung des Unfallversicherungsgesetzes wurde die Nothwendigkeit hervorgehoben, auch die Unfallfürsorge für die Beamten und für Personen des Soldatenstandes entsprechend zu regeln. Es wird Ihnen ein Gesetzentwurs zugehen, welcher dieser Aufgabe, soweit die Reichsgesetzgebung sie zu lösen hat, gerecht zu werden bestimmt ist.
Die von fünf zu fünf Jahren gesetzlich vorgesehene Revision des Servistarifs und der Klassen- eintheilung der Orte ist der Gegenstand eingehender Vorberathungen.gewesen. Heber das Ergebiliß derselben wird Ihnen eine entsprechende Vorlage gemacht werden.
Im Interesse der wirksamen Vertheidigung der deutschen Küsten durch unsere Marine ist die Herstellung eines Schifffahrtskanals von der Elb- mündung nach der Kieler Bucht in Aussicht genommen, ein Unternehmen, welches zugleich wichtigen wirthschaftlichen Interessen dienen wird. Das zur Verwirklichung des Plans erforderliche Reichs- gesetz wird Ihrer verfassungsmäßigen Beschlußfassung unterliegen.
Die Rechtspflege in den unter Schutz des Reichs gestellten überseeischenZGebieten bedarf der Regelung, behufs deren Ihnen die erforderliche Vorlage gemacht werden wird.
gehört mir mit Leib und Seele. Er weiß, wohin er Sie bringen soll, während ich nach Paris zurückkehre."
Giralda blickte bald den Grafen, bald dessen Diener an, aber da war in Beider Antlitz kein Zug, der sie auf Gnade hoffen lassen konnte. „O, mein Gott, haben Sie denn kein Mitleid, kein Erbarmen mit mir und den Meinen?" rief sie flehend aus.
„Nein," erwiderte Graf Eugen mit dämonischem Lächeln. „Wenn Sie mir versprechen wollen, die Meine zu werden, so gehen Sie mit mir nach Paris. Wenn nicht, so bringt Sie mein Diener nach einem sicheren Ort, von wo es kein Entrinnen für Sie gibt."
„Nie, niemals!" stöhnte das junge Mädchen heftig erzitternd. „Lieber sterbe ich, als daß ich die Ihre werde!"
„Solche Entschlüsse halten gewöhnlich nicht lange vor, doch da ich Sie jetzt verlassen muß, so werden Sie mir erlauben, Ihnen jede Gelegenheit zur Flucht zu nehmen." Bei diesen Worten zog der Graf einen Strick unter dem Sitz hervor und band dem jungen Mädchen die Arme auf den Rücken und sodann, trotz ihrer Gegenw.hr, sie selbst am Wagensitze fest; hierauf schlug er ihr
Ueber die Ausdehnung, in welcher deutsche Unternehmungen und Erwerbungen in fremden Welt- theilen ferner in den unmittelbaren Schutz und unter die Aufsicht des Reiches zu nehmen sein werden, sind Verhandlungen mit den Regierungen von England, Spanien, Frankreich, Portugal und mit dem Sultan von Sansibar gepflogen worden, deren Ergebnisse Ihnen auf Befehl Seiner Majestät des Kaisers mitgetheilt werden sollen, sobald sie feststehen. Letzteres ist England gegenüber im Wesentlichen schon jetzt der Fall, und die Verhandlungen mit Spanien lassen, in Folge der Vermittelung Seiner Heiligke t des Papstes, die den freundschaftlicheu Beziehungen beider Länder entsprechende vergleichsweise Beilegung ihrer Meinungsverschiedenheiten über die Priorität der Besitzergreifung der Karolinen-Inseln in Kurzem erwarten.
Das deutsche Reich erfreut sich friedlicher und freundschaftlicher Beziehungen zu allen auswärtigen Regierungen. Seine Majestät der Kaiser hegt die zuversichtliche Hoffnung, daß die Kämpfe der Balkanstaaten untereinander den Frieden der europäischen Mächte nicht stören werden und daß es den Mächten, welche den für jede von ihnen gleich werthvollen Frieden Europas vor sieben Jahren durch ihre Verträge besiegelt haben, auch gelingen werde, diesen Verträgen die Achtung der durch sie zur Selbstständigkeit berufenen Volksstämme im Balkangebiete zu sichern. Seine Majestät der Kaiser ist von dem Vertrauen beseelt, daß Gottes Segen den bisher erfolgreichen Bestrebungen unserer Politik zur Erhaltung des europäischen Friedens auch in Zukunft nicht fehlen werde."
Die- Verlesung der Eröffnungsrede wurde stillschweigend hingenommen. Bei den Stellen, welche von dem Vermittlungsamte des Papstes und der Lage auf der Balkanhalbinsel handeln, wurde Beifall laut. Eingegangen ist der ganze Etat, mit Ausnahme des Militäretats. Die Geschäfte konnten noch nicht ausgenommen werden, weil der Reichstag bei 175 anwesenden Abgeordneten beschlußunfähig war.
Deutsches Reich.
Berlin, 19. November.
* Seit der letzten Session haben sich im Reichstags- gebäude mancherlei Veränderungen vollzogen; so wird namentlich eine bessere Beleucktigung des Sitzungssaales eintreten. Während die Beleuchtung früher
Tuch sorgfältig um sie herum, so daß man von den Stricken, mit denen die Aermste gefesselt war, nichts sehen konnte.
„Soll ich ihr lieber auch den Mund verstopfen, Bernard?" fragte der schurkische Edelmann mit wiederholtem, grausamen Lächeln.
„O, nein, nein," stöhnte die Gefangene „Ich w ll gewiß Nicht nach Hilfe rufen."
„Ich glaube es Ihnen auf Ihr Ehrenwort," sagte der Elende, welcher selbst keine Ehre besaß. „Ich muß jetzt nach dem Schlosse zurück, doch zum Abschied noch ein Wort, Fräulein Alvarez. Ich empfing eine Depesche, gleich nach unserer Unterredung im Pavillon. Dieselbe ruft mich sofort nach Paris. Monsieur Frossard, ein Geheimspion, den ich angenommen, theill mir darin mit, daß er das Spiel gewonnen habe. Mit anderen Worten, er habe die Fährte Ihrer Mutter bis zum Hause Ihres Vaters ausfindig gemacht und ich werde, ehe morgen die Sonne wieder zur Neige geht, im Besitze des ganzen Geheimnisses sein!"
Nach diesen letzten Worten, welche das junge Mädchen fast ihrer Sinne beraubten, gab der Graf seinem Diener den Befehl weiterzufahren. Bernard wandte die Pferde und fort ging es im schnellen Trabe dem alten Schlosse wieder zu.