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JM 265. Mittwoch, den 18. November

Jfalharr EM Jeitung

1885.

Vie.Sruftaer .Reituna' «scheint ttelich. vomr- mtb Feiert-,« «^genommen. BierteljShrlich« «bonnementspreiS ohne »ringerlohn unv Bestellgeld: 1 Rk. 50 Pfg., — mit der belletristischen WochenSeNage ,Sterne ««» Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg-, auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Deutsches Reich.

Berlin, 17. November.

* Der Friede Europa'S ist nicht bedroht — die Kaisermächte sind vollständig einig — sie werden ein Machtwort sprechen, sobald die Serben Sofia erreicht haben —, das ist etwa der Inhalt, der mit dem Schein der Inspiration auftretenden Aus­lassungen, die über die Krisis auf der Bal« kanhalbinsel vorliegen und mit denen man sich in Ermangelung von Besserem einstweilen begnü­gen muß.

* Die .Nordd. Allg. Ztg.', die jüngste Encyklica Leo'» XIII. besprechend, sagt: „Man wird aus diesen Citaten leicht erkennen, daß die neue päpst­liche Kundgebung sich in ihren Ansprüchen und deren Begründung von den analogen Kundgebungen vorangegangener Päpste: GregorXVI. und Pius IX. — auf welche sie auch ausdrücklich Bezug nimmt, nicht unterscheidet. Man kann aber zugeben, daß der Eindruck ein anderer ist, und zwar wegen des konzilianten Tones derselben, welcher der Neigung entsprungen ist, die doktrinäre Schärfe in der Praxi» auszugleichen. Jndeß wollen wir sogleich bemerken, daß dieser Voraussetzung durch den letzten Theil der Kundgebung nur in geringem Maße Vorschub geleistet wird." Man darf also gespannt sein, was die ,Nordd.' an Ausstellungen vorbringen wird!

* Köln, 15. Nov. Der Aufruf für das Hut- ten-Sickingen-Denkmal auf der Eberburg ist jetzt erschienen, ein Ding, das man nur mit Kopfschüt­teln lesen kann. Daß die Unterzeichner zu einer Fülle schwulstiger Redensarten für einen gemalt- thätigen Haudegen wie Franz von Sickingen sich begeistern lassen, ist schon sonderbar genug, aber noch eine Kleinigkeit neben den Lobreden auf ein Subjekt wie den wüsten, revolutionären Pamphle- tisten Ulrich v. Hutten. Freilich, der „Haß gegen das Papstthum", um mit ihrem gemein- samen Freunde Luther zu reden, deckt Alles zu. Wurde doch „der fehdelustige und in Fehden sein Genüge suchende Feldhauptmann von Luther's Wort und That erwärmt", und Hutten „hat freu­dig dem muthigen Wittenberger Mönchs zugejauchzt". Ein wahrer Unfug ist es, wenn man die Schwär­merei für diese beiden Vertreter des Umsturzes in das Mäntelchen des Patriotismus hüllt. Es ist widerlich, das Verhäitniß der beiden Männer zu

-tt Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von 1- Hohenfeld. (M

Der Gedanke, daß sie die unschuldige Ursache [ seiner Leiden werden sollte, erfüllte ihre kindliche Seele mit namenloser Angst. Gewaltsam raffte sie sich endlich aus ihrer Lethargie auf und eilte, zitternd und bebend, auf ihr eigenes Zimmer, wo sie, vollständig gebrochen, vor dem Kaminfeuer auf einen Sessel niedersank. Wie schnell waren all' ihre schönen Hoffnungen vergangen! Ihr Kopf schmerzte und ihre Gedanken schwirrten wirr durcheinander. In ihrer Seele war es Nacht, dunkle Nacht. Sie konnte nicht einmal weinen, der Schmerz und der Kummer machten sie stumm. Sie war sich nur eins be­wußt: des Rums und der Schande aller derer, die sie liebte, — der tödtlichen Gefahr, die ihren Vater bedrohte.

Dann kamen ihr plötzlich wieder die Worte Graf Eugen's in Erinnerung, mit denen er sie beschuldigte, daß sie mit der Absicht nach dem Schlosse gekommen sei, um den alten Marquis seines Gelbe» zu berauben und seine Liebe zu gewinnen, und ihre Wangen erglühten vor dieser schmählichen Beleidigung. „Der alte Marquis würde sicher dasselbe denken," murmelte sie vor sich hin.

feiern als „einen Freundschaftsbund, so innig und schön, wie je einen des Vaterlands Geschichte auf­weist", und das Brandnest Ebernburg „das Herz der nationalen Bestrebungen" zu nennen; es ist beschämend, unter den „Glücklichen, die erfüllt sehen, was jene erstrebten", Leute zu finden, bei denen man eigentlich eine, wenn auch oberflächliche Kenntniß der Geschichte voraussetzen sollte. Da figuriren die Professoren Aegidi, Beyschlag, Dove (Bonn), Ennecceru», Gneist, Kolde, Koestlin, Mar- quardsen, Nasse (Bonn), Oncken, auch Direktor Jaeger (Köln) thut mit. Wenn diese Vertreter der akademischen Wissenschaft kein Haar in dieser Butter gefunden haben — bei einigen von ihnen wundert man sich allerdings schon seit langer Zeit über nichts mehr — so braucht man nicht zu er­staunen, daß Nichtakademiker wie Oberbürgermei­ster Becker, Graf Bethuiy-Huc, die Geheimen Kom- merzienräthe v. Bleichröder, Oechelhäuser, Boch, Delius, der „katholische" Oberbürgermeister v. Forckenbeck, Staatsminister a. D. Hobrecht, Justiz­rath Windthorst (Hamm) u. s. w. mitspielen. Die Herren Seyffardt (Crefeld) und v. Eynern sind hier natürlich durchaus an ihrem Platz, und v. Bennigsen desgleichen — es wird ja Kultur ge­paukt; von Miquel und einigen Anderen dagegen kann es einem leid thun, daß sie ihren Namen zu diesem Schwindel hergeben. Die ganze Geschichte ist nichts wie eine antikatholische Demonstration taktlosester Art, eine häßliche Ausgeburt der Kul- turkampfS-Aera. In gewisser Beziehung möchte man sich fast darüber freuen, daß der Haß gegen den Katholizismus sich gerade diesen Gegenstand ausgewählt hat; aber ber uns überwiegt doch das Gefühl der Beschämung.

• München, 15. Nov. In der Kammer der Abgeordneten fragte Stamminger, ob Baiern in der Angelegenheit der römischen Propaganda durch den Gesandten beim Quirinal etwas gethan habe. Der Minister des Aeußeren erwiederte, auch er be­trachte die Propaganda als ein hochbedeutendes Cul- turinstitut; die Regierung habe in keiner Weise ihr In­teresse hieran versäumen wollen; allein diese Auf­gabe erheische große Vorsicht, da es sich um den Vollzug italienischer Gesetze und den Ausspruch eines Gerichtshofes handele. Die gleiche Auf­fassung habe bei allen anderen Regierungen ge­herrscht; denn keine habe offizielle Schritte gethan. Die bairische Regierung habe die Sache durch

„Er würde es nicht glauben, daß ich ihm in wah­rer Liebe zugethan bin. Er würde mich für schlecht, für erbärmlich halten, wie dieser Elende, der einst auch meinen armen Vater in’s Unglück gestürzt hat!" Ihre Thränen flössen jetzt heftig. Trotz seiner Fehler hatte sie doch eine aufrichtige Zu­neigung zu dem alten, einsamen Manne gefaßt, der um ihres Vaters vermeintliche Unwürdigkeit so viel gelitten hatte.

„Ich darf ihn nicht Wiedersehen," fuhr sie in ihrem Selbstgespräche fort, als sie etwa» ruhiger geworden war. „Er würde in meiner Seele lesen und ich würde ihm nichts verbergen können. Ich muß meine zweite Heimath ebenso heimlich ver­lassen wie meine erste, allein und unter dem Schutze der Nacht!" Ich muß nach der Villa Larose zurückkehren und den geliebten Vater warnen."

Nachdem sie zu diesem festen Entschlüsse ^ge­kommen, ward sie ruhiger. Sie stand auf und nahm aus ihrem Schreibtisch den Brief, der all' dieses Unglück über sie gebracht hatte. Sie über­las die selbstgeschriebenen Zeilen nochmals und verbarg ihn dann sorgfältig an ihrer Brust. Darauf packte sie Alles, was der Marquis ihr heute geschickt, sowie auch die Geschenke, die sie

ihren Gesandten freundschaftlich erörtern lassen und verständigte denselben, daß sie die Propaganda von gesetzlichen Hemmnissen befreit zu sehen wünsche. Diese Anregung und wohl auch die­jenige anderer Staaten sei freundlich ausgenommen worden und jetzt sei dem italienischen Parlamente ein bezüglicher Gefetzentwurf vorgelegt. Mit offi­ziellen Schritten wäre Baiern allein geblieben und hätte ein Fiasko gewagt. Aus eigener Initiative könnte Italien etwas thun; es dürfte sich aber nicht dem Schein aussetzen, als gebe es dem Druck von außen nach. Zudem sei die bairische Gesetz­gebung der fraglichen italienischen vielfach ähnlich. Die Eingabe des bairischen Episkopates sei unbe­antwortet geblieben, weil eine schriftliche Kundge­bung über die Haltung Baierns inopportun schien. An den Minister wurde die Bitte gerichtet, die Angelegenheit auch fernerhin im Auge zu be­halten.

* Karlsruhe, 16. Nov. Die Fraction der katholischen Volkspartei hat Lender mit 11 von 12 Stimmen zum Vorsitzenden ernannt. — Die kirchen-politischen Anträge der Freiburger Curie an die badische Regierung sollen die Seminarfrage und das Missionsgesetz betreffen.

* Darmstadt, 16.Nov. Die in verschiedenen Blättern enthaltenen Angaben bezüglich der Schritte, welche Prinz Alexander von Hessen in Folge der seinem Sohne, dem Fürsten von Bulgarien, vom Kaiser von Rußland gewordenen Kränkung, seiner- ieits in Petersburg gethan habe oder zu thun Willens sei, sind völlig unbegründet.

Ausland.

"Wien, 17. Nov. Heute Mittag starb an den Blattern der Polizeipräsident Wiens, Krticza von Jahden, 64 Jahre alt.

— Die Stimmton-Konferenz beschloß al» Normal-Stimmton das Pariser A mit 870 Schwin­gungen. Die Einführung soll obligatorisch sein und sich auf Orgeln und Militärkapellen erstrecken.

* Paris, 17. Nov. Eine Depesche des Gene­rals Courcy aus Hanoi vom 16. d. meldet: Die Truppen verfolgen heftig die Piraten, welche gänz­lich umzingelt sind. Viele derselben find getödtet und gefangen. Die Eingeborenen unterstützen die Aktion der Truppen. Die Kolonne Jaumont be­setzte mehrere Punkte zwischen dem Rothen und dem Hellen Fluß.

in Paris von ihm bekommen, wieder in die Koffer hinein.

Ihre nächste Aufgabe war jetzt, Toilette für die Reise zu machen und die von den Ihren em­pfangenen Briefe ebenfalls in ihren Kleidern zu verbergen. Nachdem das Alles geschehen war, nahm sie den früheren Platz vor dem Kamin wieder ein.

Eine Stunde verging. Giralda saß so in ihren trüben Gedanken versunken, daß sie nicht bemerkte, wie Lisette aus wiederholtes Pochen eintretend, sie zum Diner zu bitten kam. Erst als die Zofe ihre Aufforderung wiederholte, antwortete sie, daß sie nicht wohl sei und für den Abend auf ihrem Zimmer bleiben würde.

Bald darauf erschien die gute Madame Roger mit sorgenvoller Miene. Sie trug eine Tablette voll der auserlesensten Speisen. „Fräulein, sind Sie krank?" fragte sie, bekümmert in Giralda'S kleines, blasses Antliß blickend. „Sie sehen sehr leidend aus. Soll ich zum Doktor schicken?"

„Nein, nein, Madame Roger," antwortete das junge Mädchen. „Ich fühle mich nur sehr ange­griffen. Es wird bald besser sein!"

„Mein Herr ist sehr traurig über Ihr plötz­liches Unwohlsein, Fräulein," versetzte die alte