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Dienstag, den 17. November

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1885.

mit der

DieZeitung' erscheint ttglich, «atm» und Feiert»,. «uSgenemmen. «ierteljährlicher «bonnem-ntsprei-1 ohne Bmtgerlohn und »ettellgeld: 1 M. SO Pfg-, ........

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* lieber Wese» und Ziele der bevor­stehenden Volkszählung.

(Schluß.)

Dagegen stehen mit dem Ergebnisse der Erhebung die bedeutsamsten staatsrechtlichen und öffentlichen Fragen in Verbindung. So dient der durch die Volkszählung ermittelte Stand der Bevölkerung als Maßstab für die Vertheilung des Ersatzbedarfes für das Reichsheer und die Kaiserliche Marine, für die Aufbringung der von den einzelnen Bun­desstaaten an das Reich zu zahlenden Matrikular- beiträge, für die richtige Vertheilung mannigfacher, für Staats- und Gemeindezwecke aufzubringender Lasten oder öffentlicher Vortheile, für die Berech­nung der auf die einzelnen Bundesstaaten entfal­lenden Antheile an den gemeinsamen Zöllen und Verbrauchssteuern, für die Ueberweisung eines Theiles des dem preußischen Staate zufließenden Ertrages der Getreide- und Viehzölle an die Kom­munalverbände, für die Abgrenzung der Wahlbe­zirke, für das Ausscheiden von Städten aus dem Kreisverbande und viele andere wichtige Angelegen­heiten.

Unstreitig ist die Volkszählung das beste Mittel für ein Volk, stch selbst kennen zu lernen und sich über seine Größe und Bedeutung zu unterrichten. Schätzt man doch die Wichtigkeit der einzelnen Ortschaften, Kreise und Provinzen zunächst allge­mein nach deren Volkszahl, welche, in Europa wenigstens, auch das Maaß der Kraft der einzel­nen Staaten ist. Wie sehr die Stärke des preu­ßischen Staates im Laufe dieses Jahrhunderts solcher Gestalt zugenommen hat, zeigen folgende Zahlen. Die Bevölkerung Preußens betrug im Jahre 1810 4,498,000, 1820 11,272.000, 1830 12,988,000, 184014,929,000, 185016,608,000, 1860 18,265,000, 1870 24,568,000 und 1880 27,279,000; sie wird am 1. Dezember d. I. mindestens 283/< Millionen erreichen. Mit der Zunahme der Volkszahl steigt, sofern die Größe des Staatsgebietes unverändert geblieben ist, die Dichtigkeit des Zusammenwohnens; eine dichte Be­völkerung ist aber nicht blos ein Merkmal bedeu­tender und stark ausgenutzter Produktivkräfte, son­dern eine Produktivkraft selbst und ein hochwich­tiger Antrieb zur wirthschaftlichen Benutzung der übrigen im Staate vorhandenen Kräfte. Unbe­stritten ist die bedeutende Bevölkerungszunahme

des preußischen Staates die treibende Ursache seiner hohen Machtstellung und wirthschaftlichen Größe, wie gleichmäßig derjenigen des Deutschen Reiches gewesen.

In ähnlicher Weise, wie hier bezüglich der bloßen Zahl der Bevölkerung angedeutet worden ist, werden auch aus den über Geschlecht, Alter, Familienstand, Geburtsort, Religionsbekenntniß, Beruf, Staatsangehörigkeit u. s. w. der Bewohner, den über die Zusammensetzung der einzelnen Haus­haltungen und den über die Wohnstätten erhobenen Angaben Nachweise gewonnen, welche sich vielseitig nutzbar machen lassen und namentlich zur Erkenntniß der Zustände und Bedingungen führt, unter welchen unser Volk lebt, schafft und arbeitet.

Da die Unterlagen für alle Untersuchungen über die Volkskraft und das Volksleben gewonnen und auch nur auf Grund der Ergebnisse derselben durchgeführt werden können, so leuchtet ein, daß dieser Erhebung eine große Bedeutung inne wohnt. Der 1. Dezember 1885 ist also für unser Volk und unser Staatsleben ein Tag von besonderer Wichtigkeit! Jede im Haushaltungs-Verzeichnisse und in der Zählkarte verlangte Auskunft ist unentbehrlich, und deshalb ist es die Pflicht eines jeden Haushaltungsvor- standes, sich der geringen Mühe zu unterziehen, diese Zählpapiere nach der Anleitung, welche auf der inneren Seite des Zählbriefes zu finden ist, nach bestem Wissen genau und möglichst vollständig auszufüllen. Bei einem innigen Zusammenwirken der Behörden, der Zählkommisstonen, der Zähler und der Bewohner selbst wird auch die bevor­stehende Volkszählung gleich den vorhergegangenen dem Staate verläßliche Auskunft über die Höhe und den gegenwärtigen Zustand seiner Bevölkerung geben. Das königliche statistische Bureau seiner­seits aber wird keine Mühe scheuen, um zunächst die Hauptzahlen der Erhebung, welche begreiflicher Weise allgemein mit Spannung erwartet werden, so rasch wie möglich zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, ihnen dann aber das ausführliche Ergebniß baldigst folgen zu lassen.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. November.

♦ Dar Befinden der Kaisers hat sich wesent­lich geb-flert, doch ist derselbe immer noch genöthigt, dar Zimmer zu hüten.

• Die Eröffnung des Reichstags erfolgt am 19. ds. Mts., Nachmittags 2 Uhr, im Sitzungs- faale des Reichstagsgebäudes, Leipzigerstr. Nr. 4.

• Die ,Köln. Ztg/ bringt ein bulgarisch es Rundschreiben, worin die Regierung unter de« taillirter Darlegung des Sachverhalts die Priorität des Angriffs Serbien zuschreibt und jede Verant­wortlichkeit für den Krieg ablehnt, Bulgarien bot alles auf, den Streit zu vermeiden, es hielt sich, wie die Truppenaufstellung beweist, in der De­fensive. Bulgarien ruft die Unparteilichkeit und Billigkeit des Urtheils der auswärtigen Regierun­gen an.

* Die Hamburger Polizei hatte erfahren, daß der socialistische Abgeordnete Frohme eine geheime Versammlung seiner Gesinnungsgenossen in dortiger Umgegend avhalten wollte. Alle Nach­forschungen nach Frohme blieben indeß vergeblich. Dagegen erfährt der ,Hann. Courr.', daß Frohme die Versammlung dennoch am Sonntag früh unter freiem Himmel abgehalten hat. Der Rendezvous­platz war eine Meile von Altona, ein freies Plateau, der sogen. Windsberg. Die nach Tausenden zählende Menge hatte sich auf dem Berge und am Abhange gelagert, Posten waren nach allen Richtungen ausgestellt. Um 9 Uhr erschien Frohme, und soll wohl eine Stunde lang gesprochen haben, als die Vorposten „Polizei in Sicht!" meldeten. In wenigen Minuten war die zahlreiche Versamm­lung nach allen Windrichtungen zerstoben, und auch Frohme entkam. Die Polizeimannschaft hielt noch einige 40 Personen an, die sämmtlich zur Wache gebracht,-aber nach Feststellung der Perso­nalien entlassen wurden.

* Die .Kölnische Volkszeitung' bringt folgenden Aufruf zur Sammlung von Gaben „für die über­zeugungstreuen oberschlesischen Arbeiter":

„Wie fast nach jeder Wahl, so ertönt auch jetzt wieder aus dem oberschlesischen Jndustriebezirk der Nothschrei zu Gunsten armer Arbeiter, welche wegen Ausübung ihres Wahlrechts entlassen und dem Elend preisgegeben sind. Heute lesen wir in der ,Schles. Volksztg." zu diesem trau­rigen Kapitel: „Auf Borsigwerk und Königshütte folgte die Concordiagrube und die unter derselben Verwaltung stehende Donnersmarckhütte. Man schreibt uns hierüber aus Zabrze, 11. d. M.: „Mehr als 20 Arbeitern der hiesigen Donnersmarckhütte ist die Arbeit am 30. Oktober unter direktem Hinweis auf die vorangegangene Wahl gekündigt worden. Alle sind brave, nüchterne Männer,

-H- Auf geheimnißvollerr Wegen.

Roman von 1 LUr-felL. (53

Giralda's Augen glühten vor Erregung, denn sie durchschauten ihren Feind jetzt ganz und gar; ihre Lippen bebten und dunkle Zornesröthe stieg ihr in's Gesicht. Bis jetzt hatte der Graf sie nur als ein liebliches junges Mädchen betrachtet, als jedoch ihre Wangen sich rötheten nnd ihre Augen zu leuchten begannen, da erst erkannte er, von welcher Schönheit sie war. Welch' Wunder, daß er plötzlich eine heiße Leidensckaft, wie er sie jahrelang für Gabriele gefühlt, für Giralda in sich aufflammen fühlte.

„Ich bin nicht so schlecht, wie Sie glauben, Fräulein Alvarez," fuhr er fort. „Ich habe meinem Onkel Ihr Geheimniß nicht verrathen. Der alte Marquis hat bis jetzt noch keine Ahnung davon, daß sein verhaßter Neffe lebt. Es kommt jetzt einzig auf Sie an, ihn bei dem Glauben zu lassen, daß Graf Armand gestorben ist."

„Da Sie einmal so viel von unserer Familie wissen, Herr Graf," sagte Giralda mit einer Stimme, welche fest sein sollte, welcher man aber deutlich ihre Erregung anmerkte, „so will ich Jhn.n bekennen, daß ich allerdings die Tochter Armand

de Vigny'S bin, des Mannes, dem Sie ein so furchtbares Unrecht zugefügt. Sie wissen, daß er schuldlos ist an jener Thal, die man ihm auf­bürdete. Wenn Sie es wollten, so könnten Sie seinen Namen von der Schmach reinigen, die auf ihm lastet. Ich kam hierher ohne eine Ahnung von der Verwandtschaft unserer Familie mit dem Herrn Marquis zu haben.

„Ich bin, nachdem ich es erfahren, hier geblieben, um meines Vaters ehrlichen Namen wieder herzu­stellen und zu versuchen, ihn mit seinem Onkel wieder auszusöhnen. Wenn auch nur eine Spur von Mitleid in Ihrem Herzen sich regt, so über­lassen Sie mich auch ferner meiner mir gestellten Aufgabe."

Graf Eugen lächelte höhnisch. „Sie sind in Ihrem Bestreben schon recht erfolgreich gewesen!" bemerkte er. „Da Ihr Vater später doch einmal die Titel und Besitzlhümer erben wird, so haben Sie den alten Marquis veranlaßt, sein eigenes Vermögen Ihnen zu vermachen. Wenigstens würde der alte Herr Marquis de Vigny es von dieser Seite auffassen, wenn er wüßte, wer Sie sind!"

Giralda schauderte zusammen. Es war ihr nie in den Smn gekommen, daß man ihr so niedrige Motive würde zumuthen können. „Sie werden

mir erlauben, daß ich in's Hans gehe, Herr Graf," sagte Giralda, sich erhebend, mit Würde, während ihre Wangen todtenbleich geworden waren. „Sie können mir nichts mehr zu sagen haben."

„Ich habe Ihnen doch noch etwas zu sagen," antwortete der Graf ärgerlich. „Soll ich es Ihnen hier sagen oder drinnen bei meinem Onkel?" Gi­ralda erbebte.

„Sie scheinen keinen Begriff zu haben von der Gefahr, in welcher Ihr Vater schwebt," fuhr der Graf fort, „von der Schmach, die Ihrer Mutter, der bis jetzt so rein dastehenden Comteffe von Chatrois, droht. Der alte Graf von Chatrois, Ihr Großvater, ist ein stolzer Mann. Was wird er sagen, wenn er erfährt, daß seine Tochter schon so lange Jahre im Geheimen verheirathet war? In Ihren Händen liegt es, alles Leid von denen, die Sie lieben, abzuwehren oder sie zu vernichten. Von Ihnen hängt das Glück oder das Unglück der Ihrigen ab. Nehmen Sie meinen Namen an. Werden Sie mein Weib und Keiner soll es wagen, einem Ihrer Lieben nahe zu treten. Werden Sie die Meine und ich werde selbst eine Aussöhnung zwischem Ihrem Vater und dem alten Marquis zu Stande bringen."