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1885.

Sonnabend, den 14. November

JM 262.

— mit der

Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von ?. S-Henfkl».

(61

Löwen?"

(Fortsetzung folgt.)

Egg'« m "m -»

Du wirst es nicht wagen dürfen/ fuhr der Graf eisig kalt fort, „mich zu betrügen, denn wenn Du selbst Dein Geheimniß an den alten

feines Dieners.

Derselbe erschien gleich darauf. „Was Üt vor- gefallen, Herr Gras?" fragte derselbe überrascht, während er in das Gesicht seines Herrn sah. „Sie sehen ja aus wie der Tod!"

Zch habe mit Dir zu reden!" war die kurze Antwort. „Hier ist keine Gefahr, daß wir be- lauscht werden, Niemand kommt jetzt ui denGarten. ’M Tale ernsthaft mit Dir zu sprechen. Wie wert geht Deine Treue zu mir, Sernarb?'

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MeiUaufenwolltest, so würdest Du Dich selbst damit dem Rächer ausliefern." Er blickte seinen Diener dabei an, daß derselbe erbebte.

Zch habe nicht die Absicht, Sie zu verrathen, Herr Graf," erwiderte Bernard. „Ich haste^es mit Ihnen und gehe für Sie durch's Feuer. Auf welche Weif, haben Sie Alles erfahren?

Ich entdeckte einen Brief, der allerdings nicht für" meine Augen bestimmt war!" erklärte der Graf. „Kannst Du es denn nicht errathen? Dieses Fräulein Alvarez, dieses schöne, Mge Mäd­chen, welches der alte Marquis adoptrrt hat — diese geheimnißvolle Fremde, welche in so kurzer «eit solche Umwandlung in meinem Onkel und im Schlosie hervorgebracht hat — sie ist die Tochter Armand de Vignys!"

Kalter Schweiß brach bei diesen Worten seines Herrn auf der Stirn des furchtsamen Dieners aus. „Sie ist die Tochter Armand de Vigny»? wiederholte er mit heiserer Stimme. ,,^ch hatte es wisien können, sie hat genau seine Augen! Was thut sie hier, Herr Graf, hier, in der Hohle des

Börse reicht," erwiderte der Diener, verschmitzt ^^Graf Eugen runzelte die Stirn. „Du solltest Deine Worte bester wählen," versetzte er, sich zur Ruhe zwingend. „Du und ich, ,nein Bursche, wir wüsten zusammen oben schwimmen oder zusammen untergehen. Unterstütze mich bei meinen Unter» nehmungen und hilf sie mir ausführen und Alles, was Du begehrst, soll Dem fein.

Bernard blickte seinen Herrn fragend an. „AVer, Herr Graf, was ist denn geschehen?" stammelte er.

„Armand de Vigny lebt!"

Bernard sprang auf, bleich und zitternd. „Graf Armand lebt«" rief er aus. „Weiß der Mar-

Nein! Aber er lebt und ist in Frankreich, doch er würde es nicht wagen dürfen, hierherzu­kommen. Sein Onkel würde ihn sofort verhaften lasten, wenn er sich hier blicken ließe. Er lebt irgendwo verborgen und unter falschem Namen. Der furchtsame Diener stützte das Haupt, wie um

wir uns die Worte gegenwärtig, die als abgerissene Münie durch die Welt rollen, rote: „Die Welt will getäuscht sein", „das Geschäft duldet kerne Moral", thue ich's nicht, fo thuts mein Äon kurrent", „er hat den Nutzen, ich den Schaden und wie die Worte alle heißen mögen zu welchen bie Schlauheit, die Ausbeutungslust, die nackte Selbstsucht greifen mögen. Wohl roifjen wir daß Ansichten, wie wir sie oben in aufrichtigem Sinne anführten, von den Ueberklugen, von denen, die ba meinen, bie Welt und ihren Lauf allem zu verstehen, als traumhaft, als ibeologstch und nur als Ausdruck frommer Wünsche gebrandmarkt werden. Allein tausendfach gemachte Erfahrung bestätigt, daß die oberste Bedingung gesunden Ge- schäftslebens in der Uebung besten Siegen ist, was vom Recht gutqeheißen und von der Sittlichkeit zum mindesten nicht getadelt wird. Die Wahrheit des guten alten Grundsatzes, daß die Ehrlichkeit die beste Politik ist, wird durch die tägliche Lebenserfahrung bestätigt, daß Rechenschaffenheit und Unbescholtenheit im Geschäft, wie überall sonst. Glück bringen. Rechtschaffenheit m Wort und Tbat sollte der Eckstein bei allem geschäftlichen Treiben fein. Es gibt Gewerbetreibenbe bie ihre Waaren fälschen, Lieferanten, welche ^mbdn Fabrikanten, die uns Lumpenwolle statt Wolle geben :c., aber bas halten wir doch für Aus- nahmen. Solche köimen auf eine kurze Zeit Reich- thum erwerben, nie aber einen ehrlichen Namen gewinnen und ein ruhiges Gewissen haben, ohne welches der Reichthum nichts ist. Der redliche

' Fabrikant wird nicht nur Ehre und Ruhm in die ' Gediegenheit seines Erzeugnisses setzen, sondern auch materiellen Vortheil daraus ziehen, und ebenso der Kaufmann aus der Unverfälschheit ferner in ben Qanod gebrachten Waaren. Im Geschäft fuhrt gewöhnlich der qefunbe Menfchenverstanb, gehörige wirthschast- liche Benutzung der Zeit (time is m°ney) zu glücklichen Erfolgen. Eine feste Auffastungsgave und Festigkeit in der Ausführung ferner Plane muß der Kaufmann ebenfalls haben. Es ist mog- lick daß ein Geschäftsmann, wenn er gewissenhaft und redlich ist. nicht so rasch reich wird, wie der Gewistenlose und Unehrliche; aber — der nicht durch Betrug und Ungerechtigkeit gewonnene Erfolg ist allein der rechte. — Der Mensch muß, selbst wenn er lange Zeit keinen Erfolg erziehst, doch redlich bleiben und wird es durch Sparsam-

Unten in der Halle stieß er auf seinen Diener Bernard, welchem er durch einen Wink zu ver­stehen gab, ihm zu folgen. Er ging in den seit langer Zeit vernachlässigten Garten, welcher nahezu eftier Wildniß glich. Nachdem er eine ziemliche Strecke vom Hause entfernt war, trat er m ein etwas vom Hauptwege abgelegenes Sommerlust- haus, welches, vom wilden Wein bewachsen, sehr aeickützt lag. Er roarf sich auf die in dem Pa­villon befindliche Bank und erwartete die Ankunft

Das Geschäftsleben des Kaufmanns.*)

Man kann kaum von einem andern Beruf mit > sckheni Recht wie vom kaufmännischen sagen baß er Männer bilbet. Welche Höhe ber Auffassung, welche Größe der Aufgabe liegt in den Worten: „kaufmännisches Denken", „kaufmännischer Geist . Weich' grellen Gegensatz hierzu bildet der „kramer- hafte Sinn", „krämerhafte Auffassung", „tramer* Haftes Gebühren" und dgl. Wie sind die Dinge verschieden, welche mit diesen Ausdrücken getroffen werden! Dort der freie ins Weite unb in bie Zukunft gerichtete Blick, hier bie engherzige Be­tonung der Gegenwart; dort der Vortheil nut- bestimmend, der sich dem Gemeinwesen ergibt, W Me philisterhafte Beschränkung auf das kleine Ich; dort die Erfassung der Sache an sich, hier das ängstliche Ankiammern an die oft nur um ihrer selbst willen geübte Form. In der Gegenwart gilt - der „Handel" mit all' den durch ihn getroffenen und in feinen weiten Umfang fallenden Thatigkeiten unbestrittenermaßen als nothwenbig unb reiht in feiner Werthschätzung in einer Linie mit dem Beruf der Urproduzenten, der Industriellen, des Gelehrten, des Staatsmannes und des Künstlers. Emen Rechts­staat kennzeichnet mehr als die Gleichheit der Rechte die Gleichheit der Pflichten. Welches sind aber die Pflichten, die speziell an den Kaufmann heran- treten? Wie beim Soldaten ein größerer Muth als felbstverständlich betrachtet wird, wie seitens der Juristen ein lebhafter entwickelter Rechtssinn, seitens de» Staatsmannes ein größeres Maß von Opferbereitheit für allgemeine Zwecke erwartet wird fo werden an den Kaufmann gewisse, gleich- sam felbstverständliche Anforderungen gestellt, die über den streng geschäftlichen Rahmen hinausgehen. Wir denken uns beim Kaufmann, rote erjetn soll, den Begriff der „Standeschre" in der noch strengeren Betonung deffen, was tm allgemeinen Leben al» ehrenhaft erachtet wird, in der noch weiter getriebenen Heilighaltung des Wortes, m der noch emsigeren Pflege der Pünktlichkeit, des Ordnungssinnes, Fleißes rc., kurz der noch sorg­fältigeren Pflege jener Eigenschaften, welche Jeden zieren und Keinem fehlen sollten. Wohl halten

Vermischtes.

* Mehrere neue Pariser Bierlocale haben, um Kundschaft anzuziehen, ihre Kellner in sonderbare und auf­fällige Trachten gesteckt; in Knappengewander, Straflmgs- iacken (so der „Bagno" des ehemaligen Communarden und Schauspieldirectors Lisbonne), Richter- und Anwaltsroben, Präfectenröcke u. s. w. Ein Cafetler hatte nun auch bie Absicht, seinem Personal geistliche Gewänder (die Tracht von Mönchen und Nonnen) zu geben. Das -Journal des Debats' machte auf den Scandal aufmerksam und forderte die Regierung auf, energisch gegen denselben omzuschreiten. Das Ministerium hat nun bekannt gemacht, daß die Em- holung obrigkeitlicher Erlaubniß zur Eröffnung von Cafös und Schankhäufern zwar aufgehoben sei, wohl aber falle tnis Traaen gewißer Eostüme durch die Kellner und Kell- nerinnen^ besagier Locale unter den Art 259 des Stra- aesetzbuches. Der Minister des Innern hat denn auch die Eröffnung der Wirthschast untersagt.

— (Das wirkt.) Ein probates Mittel, dem Zechen während des Gottesdienstes Einhalt zu thun, hatte eine Behörde in Frankreich gefunden. Sie machte bekannt.

Alle Zechgäste, welche an Sonn- und ^leriagen während der heiligen Meße und Besper in den WirthShäusern sich befinden, sind berechtigt, fortzugehen, ohne das Genoffene »u bezahlen." D-S Mittel half.

’ - fAufklärung.f Michel: xFu, was ist denn das, der elektrische Telegraph?' — Wirth: „&ani««M; man tupft an einem Ende, und am unseren schreibt es, — Michel: „Ja, wie kommt baS? — Wirth. "Wenn man einen Hund hinten auf den Schweif tritt, so heult « vorn, nicht wahr? Run, denke Dir, der Hund-st so lang, daß er von einer Stadt zur andern „reicht, so hast Du'S!" — Michel: „Ja, jetzt versteh ich s.____________

leit unb Vertrauen auf sich selbst unb feine Ar- beit doch zu etwas bringen. Ein kluges, praktisches Streben bringt immer gehörige Wirkung hervor. Der Mensch kommt vorwärts, entwickelt seinen Charakter und regt Andere zur Thätigkest an. Obgleich nicht Alle an der Piazza wohnen tonnen, sagt ein toscanischetz Sprichwort, so kann doch etn Zeder dort die Sonne genießen. Reichthum ist der Güter höchstes nicht, sondern ein Kranz edler Thaten, das Bewußtsein echter Pflichterfüllung. Höher als alle Erfolge steht das Selbstbewußt- fein das sich dann herausbildet, wenn bie Sonne binabgetambt ist, welche die Erfolge de» Tage» beschienen. Sittlichkeit ist die höchste Klugheit, sei der Wahrspruch jedes rechten Manne». Ganz ins- besondere soll der Wahrspruch de» rechten Kauf- mannes sein, den Namen — die Firma — m Ebren halten, diesen Schild auch vor dem kleinsten Flecken bewahren, das soll ber Leftstern eine« Heren sein, der als wahrer, als tüchtiger Kauf­mann gelten und als solcher hochgehalten werden will.

*) Aus bet Preisarbeit „Der Kaufmann als M-nsch und Bürger" von Jean Großmann. Zurich.

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