258. Dienstag, den 10. November
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1885.
Vie.Fuldaer Zeitung" «scheint täglich. Sonn- und Feiert,,, ausgenommen. Biert-li-ihrlicher MonnementsprerS ohne «nng«lohn und Bestellgeld. 1 Mk. 50 Pfg., mit der belletristischen Wochen»,ik.ge ,«lerne ««» Blumen' in Fulda 1 Wt 70 «fa., «utatatt 1 Mk. 75 Pfg.
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Deutsches Reich.
Berlin, 9. November.
Ergebnisse der Landtagswahlen.
Parteien:
1876
1879
1882 1885
Centrum
89
95
100
101
Polen
15
19
18
15
Conservative
9
90
127
137
Nenconservative
33
37
—
—
Freiconservative
34
49
59
61
Nationalliberale
172
105
66
70
Fortschr. ober Freisinnige
64
37
53
43
Dänen
2
2
2
2
Wilde
Das Centrum
15
9
7
4
in einzelnen Provinzen: 1876
1879
1882
1885
Ost-Preußen
4
4
4
4
West-Preußen
—
—
1
—
Brandenburg
—
—
—
—
Pommern
—
—
—
—
Posen
—
—
—
—
Schlesien
19
21
25
25
Sachsen
2
2
2
2
Schleswig-Holstein
—
—
—
—
Hannover
4
2
4
4
Westfalen
15
16
15
15
Hessen-Nassau
3
4
3
4
Rheinprovinz
40
44
44
45
Hohenzollern
2
2
2
2
89
95
100
101
* Für die Hinterbliebenen der mit der Corvette Augusta verunglückten Besatzung sind,bie letzt im Ganzen 96,519 M. eingegangen.
• Gestern ist abermals eine Mäntelnähe- r in ne »-Versammlung nach kurzer Dauer wegen fortgesetzten Tumultes aufgelöst worden. Die Führerinnen geriethen sich wegen der „Teller- Sammlungen" in die Haare.
* Hamburger Blättern wurde von hier telegra- phirt, die Ernennung des Grafen Herbert von Bismarck zum Staatssekretär sei beschlossen und habe sich nur bis zur Entscheidung über den nachfolgenden Unterstaatssekretär verzögert. Das Gehalt für den Staatssekretär, welches vor einigen Jahren in Berücksichtigung der außerordentlichen Umstände, unter denen Graf Hatzfeld fein neues Amt antrat, erhöht wurde, beträgt 50,000 Mark. Nun bringt die ,Köln. Ztg/ ein offiziöses Demeyti, in welchem erklärt wird: „Von einem Nachfolger
des Grafen Hatzfeld als Staatssekretär des Auswärtigen könne nicht die Rede sein, weil ein allen Ansprüchen genügender Kandidat für diese schwierige Stelle nicht verfügbar sei. Was in dieser Beziehung über den Unterstaatssekretär Grafen v. Bismarck verlaute, sei Erfindung." Abwarten!
* Die nunmehr zum Abschluß gekommenen weimarischen Landtagswahlen hatten das Ergebniß, daß von 31 Abgeordneten 20 wiederund 11 neugewählt worden sind. Unter den Gewählten befinden sich 10 Gutsbesitzer, 9 Bürgermeister, 2 Kaufleute, 2 Handwerker, 2 Gerichtspräsidenten. Der politischen Stellung nach sind 14 konservativ, 14 nationalliberal und je 1 deutschfreisinnig , volksparteilich und sozialdemokratisch (Apolda).
• Karlsruhe, 9. Nov. Dem ,Bad. Beob.' theilt ein Mitarbeiter „Aus dem Kinzigthal" nachstehende schätzenswsrtheNotizen über Pater Weik mit, dessen Name bekanntlich in der zur Zeit allgemein ventilirten Missionsfrage eine Hauptrolle spielt: Da man sich gegenwärtig allgemein interessirt um die kürzlich in Berlin stattgehabte Unterredung zweier Patres der Kongregation vom hl. Geiste mit einem Regierunzsvertreter, so möge hier etwas Näheres über den ersten der Patres, Daniel Weik, folgen. Derselbe ist ein Badenser, gebürtig von Hilsbach. Einen Theil seiner Kinderjahre verbrachte er in Wolfach, wo sein Vater späterhin als Brigadier angestellt war. Nachher begann er das Studium am Freiburger Lyceum und gelangte bis in die höheren Klassen dieser Anstalt. Nebenbei war er ein eifriges Mitglied eines Turnvereins. Doch jetzt wurde er zum Militär gezogen und diente bei der Artillerie in Karlsruhe. Daselbst von einem Pferde getreten, mußte der Soldat Heilung suchen im Armenbad in Baden- Baden. Letztere Stadt gilt meinem Freunde Daniel schon lange zugleich als zweite Heimath, weil er dort eine Tante hat, die ihm, der frühzeitig feine Mutter verloren, mit Mutterliebe anhängt. Bei jener Badekur geschah es, daß er einen unserer einstmaligen Freiburger Studiengenossen (Karl Kop) antraf, der bereits in die genannte Kongregation eingetreten war und damals gerade zu einem kurzen Besuche in Baden weilte. Als Frucht dieses freudigen Zusammentreffens reifte in unserem Invaliden rasch der Entschluß heran, nach Entlassung vom Militärdienst ebenfalls Mitglied der Pariser
~ Auf geheimnisvollen Wegen.
Roman von I. Hihnifett. (iS
Giralda, ganz verwirrt von all' den Dienern und den vorgenommenen Veränderungen, trat näher «n den Marquis heran, welcher ihren Arm in den seinigen zog und mit ihr in die Halle trat.
„Nun, Antonie, bist Du auch wieder da," war die sehr unceremoniöfe Anrede des Marquis, als er stillstand. „Es freut mich, Dich zu sehen, und alle anderen alten Diener ebenfalls. Thut Alles wieder wie früher. Ihr werdet Euch den Befehlen meiner Nichte, Fräulein Alvarez, zu fügen haben. Sie ist die Dame des Hauses!"
Nachdem er so das junge Mädchen bei der Dienerschaft eingeführt hatte, ging er in'S Wohnzimmer, dessen Thür weit offen stand, während Giralda der Haushälterin auf ihr eigenes Zimmer folgte, welches inzwischen die günstigste Veränderung erfahren hatte, was Giralda's Herz mit Freude erfüllte. Die alte, würdige Dame wurde uicht müde, ihr Erstaunen über den großen Wechsel, der mit dem Marquis vor sich gegangen war, immer aufs Neue zu äußern und sich in Lobpreisungen gegen Giralda zu ergehen, die allein
die Ursache dieses glücklichen Umschwunges aller Verhältnisse war. Die alte Frau schwelgte bereits im Vortraume der glücklichen Zeiten, in denen Alles wiederkehren würde, wie es einst gewesen war, und erneute ihre Bitte an Giralda, nicht des armen verstoßenen Neffen bes Marquis zu vergessen, der nach ihrer festen Ueberzeugung sicher noch lebte und dem Gerechtigkeit widerfahren mußte, bevor der alte Herr starb. Ach, hätte Madame Roger ahnen können, wie nahe dem Herzen Giralda's dieser unschuldig Verur- theilte stand und daß die Wiederherstellung seiner Ehre das junge Mädchen sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte!
Inzwischen war Giralda's Toilette beendet und es wurde Zeit für sie, hinunterzugehen. Der alten Haushälterin freundlich die Hand bietend, verließ sie ihr Zimmer, von den entzückten Blicken der Madame Roger begleitet. „Ich bin an meinem richtigen Platze meiner Vorfahren," dachte das junge Mädchen, während sie die Treppe hinabstieg. „Wenn der Marquis die Wahrheit ahnen könnte! Er will mir einen Theil feines Vermögens geben, er nennt mich die Dame des Hauses, er liebt mich wie seine Tochter. Aber in dem Augenblicke in dem er meine Identität enbedt, wenn er sie je
Missionsgesellschaft zu werden. Dem Vorhaben folgte alsbald die That und feit vielen Jahren wirkt Daniel Weik auf der Insel Haiti in der Hauptstadt Port au Prinee als Lehrer an dem dortigen stark besuchten Gymnasium der Patres. Durch seine hohen Verdienste um öffentliche Angelegenheiten, z. B. um das Feuerwehrwesen und als Vorstand der meteorologischen Station erfreut er sich einer großen Achtung bei der Haitianischen Regierung. Er zählte auch im verflossenen Sommer zu den Ausstellern in Antwerpen, wohin er im Auftrage der Regierung gereist war. Zugleich bedarf Pater Weik gar sehr einer längeren Erholung in Europa, da feine Gesundheit im Verlaufe des vieljährigen Aufenthaltes in Westindien stark angegriffen ist. Erst wenige Jahre über 40 zählend (1863 noch Oberquintaner in Freiburg) hat sich fein Haar schon bedeutend gebleicht. Den derzeitigen Aufenthalt in Europa benutzte er, um seinen Plan bezüglich der katholischen Missionen im deutschen Kolonialgebiete dem Reichskanzler zuerst schriftlich zu unterbreiten. Als Antwort sandte ihm der Sohn des Reichskanzlers, Herbert, ein Schreiben mit der Weisung, sich in seiner Angelegenheit an das Reichsamt des Auswärtigen zu wenden. Das Resnlat der dortigen Verhandlung ist bekannt. Der badische „Franzos" erhielt leider abschlägigen Bescheid. Die Protestanten können nach Belieben Misstonsstationen gründen; den katholischen Missionären sind durch Gesetze alle Wege zu den Kolonien verlegt.
* Straßburg, 9. Nov. Der,Landeszeitung' zufolge erwiderte der Statthalter beim Empfang des Coadjutors und des Domkapitels am Sonnabend die Begrüßung des Bischofs Stumpf mit folgenden Worten: „Ich danke Ew. bischöflichen Gnaden und dem Domkapitel für Ihren freundlichen Besuch. Ich freue mich, die Gelegenheit zu haben, dem Vertreter der kath. Kirche in diesem Lande zu sagen, wie großen Werth ich darauf lege, die guten Beziehungen zu pflegen und zu erhalten, die zur Zeit meines Vorgängers zwischen der Staatsgewalt und der kath. Kirche bestanden haben. Wenn mir dieses gelingen sollte, würde es mich mit um so größerer Befriedigung erfüllen, als ich selbst der kath. Kirche angehöre und als ich weiß, daß der größere Theil der Bewohner dieses Landes, deren Wohl meine Sorge ist, treue Söhne der katholischen Kirche sind.
entdecken sollte, würde er sie von sich stoßen wie eine giftige Natter. Dahin darf es nie kommen," und sie schauderte zusammen. „Die Meinigen wissen, wo ich bin. Mein Vater denkt an mich mit Furcht und Schrecken, wegen meiner Stellung hier im Schlosse. Wenn es mir mißlingen sollte) Nein, es kann, es darf nicht sein! Ich muß Alles aufbieten, um mein hohes Ziel zu erreichen. Mit jeder Stunde, ja mit jeder Minute muß mein Einfluß auf den alten Marquis zunehmen und das wird geschehen, denn ich liebe ihn bereits." Sie öffnete die Thür des Wohnzimmers und trat ein, mit einem herzgewinnenden Lächeln auf den alten Herrn zuschreitend.
XXIII.
Einige Tage nach ihrer Rückkehr von Paris saß Giralda am Fenster ihres hübschen Zimmers und schrieb einen Brief an ihre Mutter, den sie an die Adresse, welche die Comtesse Gabriele ihrer Tochter angegeben hatte, senden wollte. Nun quälte das junge Mädchen sich dabei ab, die wenigen Neuigkeiten, die zu berichten waren, in solche Form zu bringen, daß nur ihre Mutter den Sinn verstehen konnte, falls der Brief verloren gehen sollte. Das Rollen von Rädern auf dem Sande vor dem Hause ließ sie aufblicken; sie sah einen großen