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1885

Sonnabend, den 7. November

Auf geheirrmißvollen Wegen.

Roman von Z. Kehrnfe».

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des stärksten „nationalen" und konfessionellen Vor- urtheils.

vollständig gleichberechtigt im Reiche wie in seinen Kolonien."

Dieser Satz enthält die Nebertragung des Je- snitengesetzes auf die deutschen Kolonien. Die Väter vom heil. Geiste sind in der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 20. Mai 1873 unter den dem Jesuitenorden „verwandten" Genossenschaften auf­geführt und demgemäß laut § 1 des Jesuitenge­setzes vom 4. Juli 1872 „vom Gebiet des deut­schen Reiches ausgeschloffen". Die für jeden Rechts­kundigen äußerst überraschende Anwendung des Je­suitengesetzes auf transatlantische Kolonien beseitigt mit jener „Gründlichkeit", die wir in den Ange­legenheiten des deutschen Reiches so oft anzustau­nen Gelegenheit haben, mit einem kühnen Feder­striche die ganze katholische Missionsthätigkeit in den deutschen Kolouien. Denn männiglich dürfte es bekannt sein, daß es für die deutschen Kolonien katholische Missionen außerhalb des Jesuitenordens und der diesem angeblich „verwandten" Orden nicht gibt.

Wir haben noch nichts davon gehört, day alle reichsgesetzlichen Bestimmungen ohne Weiteres auf die Kolonien Anwendung finden, auch hat noch keine verfassungsmäßige Einführung bestimmter Ge­setze für die Kolonialgebiete stattgefunden. Die In- terpretation des reichsoffiziösen Blattes ist daher

absolut unhaltbar.

Vermuthlich soll die offiziöse Auskuft, daß fran­zösische Missionen mit unseren politischen Interessen im Widerspruch stehen, auch auf die Väter vom hl. Geiste Anwendung finden. Zu einer Ausschlie- ßung fremdländischer Missionäre fehlt es zunächst an jedem gesetzlichen Boden. Auch dürfte es be­kannt sein, daß die Väter voin hl. Geiste Nieder­lassungen auf deutschem Boden besessen haben in Marienthal (Regierungsbezirk Koblenz) und in Marienstadt (Regierungsbezirk Wiesbaden) und daß man diese aus Deutschland vertrieben hat. Sollen z. B. die deutschen Missionäre Weik und Stoffel, welche als Deputirte ihres Ordens in Berlin weil­ten, jetzt deshalb französische Missionäre sein, weil man sie 1873 aus Deutschland verjagte und in's Ausland trieb? Der Hinweis der ,Nordd. Allg. Ztg.' auf die „mit unseren politischen Interessen im Widerspruch stehenden französischen Missionen"

„Haben Sie mir Neuigkeiten zu berichten?" begann der Graf mit unfreundlicher Miene, ihm durch eine Handbewegung bedeutend, Platz zu nehmen.

„Ja, Herr Graf," antwortete der Polizeispron. „Ich habe Alles aufgeboten, um mich in Jeanet­tens Gunst zu setzen. Sie ist die vertraute Dienerin der Comteffe. Ich habe versucht, ihr meine Liebe zu erklären, aber sie hat mich furj abgewiesen. Ich bot ihr Geld, wenn sie ihre Herrin verriethe und es dauerte nicht lange, so war ich draußen! Nichts ist der Liebe und Anhänglichkeit dieses Mädchens zu ihrer Herrin zu vergleichen."

„Sitid Sie nur hierhergekommen, um mir das zu berichten?"

„Nein, Herr Graf," versetzte Jean Froffard. „Ich bin gekommen, um Ihnen zu sagen, daß ich heute Abend aus dem Palais Chatrois eine Dame herauskommvr sa.h, die ich nicht hineingehen gesehen. Sie ging bis zur nächsten Straßenecke und nahm eine Droschke. Sie fuhr durch einige Straßen, dann stieg sie aus, ging eine kurze Strecke, bestieg eine andere Droschke und fuhr nach dem Hotel d'Anglais. Dort blieb sie eine Stunde und fünf

0 Die Gleichberechtigung der Missionen in den deutschen Kolonien.

II.

Die .Germania' hat bekanntlich die erste Mit­theilung davon gebracht, daß drei Patres des Or­dens vom heiligen Geiste im Berliner Auswärtigen Amte um die Erlaubniß zur Errichtung eines Mis­sionshauses auf deutschen Boden und zur Ausübung der Missionsthätigkeit in Kamerun nachsuchten, und daß ihnen beides unter Berufung auf das Jesuiten­gesetz abgeschlagen worden ist. Gleichzeitig wurde den beiden Patres von dem Beamten des Auswär­tigen Amtes die Auskunft ertheilt, daß mit Ge- nehmigung der ReichSregierlMg eine protestantische Missionsgesellschaft die Mission in Kamerun über-

Minuten. Sie kam wieder heraus, gleich nachdem der Herr Graf hineingegangen waren. Die Droschke, welche vor dem Hotel hielt, wieder besteigend, fuhr sie auf demselben Wege, wie sie gekommen, nach dem Palais Chatrois zurück."

„Beschreiben Sie mir die Dame genau," rief der Graf erregt aus.

„Sie war groß, zwei lange blonde Locken ließen die Farbe ihres Haares erkennen; sie trug einen altmodischen Hut und einen dichten Schleier. Sie war in schwarze Seide gekleidet und schien eine begüterte Wcktwe zu sein."

„Es ist dieselbe Dame," rief der Graf auf­geregt, „die bei meinem Oheim zu Besuch war. Es war die Gräfin Alvarez, eine angebliche Schau­spielerin."

„Den Namen habe ich noch nie gehört," sprach der Beamte nachdenklich. „Indessen, da Sie sie kennen, Herr Graf —"

„Nein, nein, ich kenne sie nicht!" rief Eugen aus. „Ich habe sie heute Abend zum ersten Mal- gesehen. In der letzten Woche kam, auf eine Annonce im .Petit Journal', ein schönes, junges Mädchen zu meinem Onkel als Sekretärin in's Haus. Sie ist das genaue Ebenbild meines ver­storbenen Vetters, Armand de Vigny. Dieses junge Mädchen hat der Marquis mit nach Paris genommen. Ihre Aehnlichkert mit Armand, den

nehmen werde.

Diese Mittheilungen der.Germania' sind unbe­stritten geblieben, ja sogar in den beiden ersten Punkten von den, Organ des Reichskanzlers aus­drücklich bestätigt worden. Wenn die.Nordd. Allg. Ztg.' und die gleichfalls von Oben gespeiste ,Köln. Ztg.' sich an einzelne Ausdrücke der ,Germ.' an­klammern und mit einem großen Aufwand von Würde darauf ein das Volk irreführendes „De­menti" gründen, so beweist das schließlich nur, daß man in der Hauptsache kein ganz reines Gewiffen hat. Ob die Reichsregierung der Baseler oder irgend einer andern protestantischen Missionsgesell­schaft das alleinige Recht der Mission in Kamerun verliehen hat, ist durchaus nebensächlich. Die Haupt­sache ist, daß der Antrag einer katholischen Ordens­gesellschaft um die Erlaubniß zur Mission in Ka­merun abgeschlagen worden ist, und mit welcher Begründung er abgeschlagen wurde. Die,Nordd. Allgem. Ztg.' gibt sich den Anschein weitherzigster Toleranz und größten Wohlwollens gegen die Ka­tholiken, indem sie auf die Frage der .Germania': ..Sollen katholische und protestantische Missionäre in den deutschen Kolonien gleichberechtigt sein — oder nicht?" die Antwort ertheilt: „Jesuitenmis­sionen auf deutschem Gebiete stehen mit unseren Gesetzen, französische mit unseren politischen Jnter- effen, katholische Missionen aber mit keinen von ....---------- ,

beiden in Widerspruch und sind mit evangelischen ist daher so unsinnig wre möglich und ein Ausfluß

Vermischtes.

* Heber die deutsche Auswanderung nach Bosnien hielt Hr. Dr. Goetz, Reallehrer an der Münchener Handelsschule, im „Vereine zum Schutze deutscher In­teressen" vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft einen Vortrag, wobei wir vorausschicken, daß Dr. Goetz jene „interessanten" Länder im Süden Oesterreichs bis nach Konstantinopel wiederholt bereist hat. Im Eingang seines Vortrages über die für jede organisirte Auswan­derung maßgebenden Gründe im Allgemeinen sich verbrei­tend, betonte er besonders, daß die Auswanderer von den Culturstützen der Heimath sich nicht abgelöst sehen sollen, man möge sich daher auch in der Nachbarschaft umsehen. Und so kam der Redner aus sein eigentliches Thema und schilderte nun in ausführlicher und anziehender Weise an der Hand eigener Anschauung und Erlebnisse die Zustände der in jenen Gegenden bereits bestehenden reichsdeutschen Ansiedlungen, welche im Großen und Ganzen sich wohl be­finden, obwohl sie erst zwei Jahre bestehen. Die Erfah­rungen, welche Redner dort bezüglich klimatischer Verhält­nisse, Bodenverhältnisse, in gewerblicher und merkantiler Beziehung gemacht hat, lassen eine weitere organisirte Einwanderung aus Deutschland empfehlen. Die deut­schen Ansiedelungen unterscheiden sich von denjenigen der Bosniaken vortheilhaft durch rationelle Bewirthschaftung, Wohlstand u. s. w. Redner macht hierbei auf die aller­dings bei manchen Stämmen bestehende Abneigung gegen die Reichsdeutschen, welchen man Eroberungslust zumuthet, aufmerksam. Allein die durch Oesterreich geschaffene gute Administration stehe den Deutschen wieder schützend zur Seite, und diesen Anlaß ergriff Redner zu sehr anerken­nender Schilderung der Ordnung in der Finanzverwaltung, Justiz, Militärorganisation, Straßenbauten u. s. w., was Alles die österreichische Regierung geschaffen habe. Redner betont hierbei auch die einflußreiche deutsche Rerchsregle- rung in Konstantinopel. Das Resums des Vortrages gipfelt in dem Satze, daß deutsche Auswanderung nach Bosnien empfehlens- und wünschenswerth sei. Der Vor­trag wurde von den Zuhörern mit lebhaftem Interesse verfolgt und mit Beifall ausgenommen.

* In einem amerikanischen Gerichtshöfe ereignete sich folgende Szene: Der Gefangene tritt ein. Richter: „Smd Sie schon vorbestraft worden, Angeklagter?" — Ange­klagter: „Ja, ich bin schon bestraft worden. Ich hatte drei Schwiegermütter und wohne in einem Hause, in dem sich dreizehn Pianos in Thätigkeit befinden." — Richter (wischt heimlich eine Thräne): „Das ist hart — Sie sind schon genug bestraft — Gefangener, Sie sind frei!"

sVagabunden-Logik.j Vagabund zum Gensdarm: I „Des habens jetzt davon, daß 's mich arretiren! Jetzt können's zwei Stund' hinter mir herlaufen, bis wir in s nächste Bezirksgericht kommen, nachher sitz' ich dort schon warm und Sie können wieder zwei Stund' in der Kälten z' Haus laufen. G'schieht Ihnen recht!"

er früher ebenso liebte, wie er jetzt fein Andenken haßt, hat große Sympathie zu ihr in ihm erweckt. Er ist im Begriff, sie zu adoptiren und ihr ein bedeutendes Vermögen zu vermachen, zu welchem Behufe er morgen Früh seinen Rechtsanwalt kommen läßt. Deshalb war heute Abend die Comteffe Alvarez gekommen, um ihre Zustimmung zu der Adoption zu geben. Nun aber, Monsieur Froffard, hat mich die Thatsache, daß dieses junge Mädchen Armands's Augen und Gesichtszüge hat, zu seit- samen Muthmaßungeu geführt."

Der Polizeispion hatte aufmerksam zugehört. Hellauf blitzte es jetzt in seinen Augen.

„Warum hat Comteffe Gabriele nie geheirathet?" fuhr Graf Eugen eifrig fort. „Sollte sie mit Armand de Vigny eine geheime Ehe geschlossen haben und sollte dieses junge Mädchen Beider Tochter sein?"

„Die Theorie ift annehmbar," sprach Jean Froffard nachdenklich.

„Es ist mehr als annehmbar! Es ist sehr wahrscheinlich! O, wie blind bin ich gewesen!" rief der Graf wütheud aus. „Das Mädchen ist ihr Kind — das Kind Gadrielens undArmand's. Sie haben sie nach dem alten Schlöffe geschickt, damit sie den Marquis bewegen soll, Armand zu vergeben und ihm seine Reichthümer zu ver­machen." (Forts, folgt.)

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