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j\8 25ß, Sonnabend, den 7. November

Fuldaer

1885.

Li. »Fulda« Bettung' «scheint "glich, «om,- und Feiertag- au.genommen. »i«telj-ihrlich°r Ab°nnem^tspr-i-« ohne »AZ-H« mW 1 Mk. 50 Pfg., - mit d-,

belletristischen »ochenb.ilage .«terae ««» Blumen' m Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. Pfg.

Inserat«: Di« ^nspaltige Zeil« ober deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. _________________,

Erstes Blatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 6. November.

* In der gestrigen Plenarsitzung des Bundes­raths wurde u. A. bezüglich des vom Reichstag in seiner letzten Session angenommenen Entwurfs eine» Gesetzes betreffend die Aufhebung des Ex- patriirungsgesetzes beschloffen, daß, da der Bundesrath erst am 17. November v. I. dem Gesetzentwurf die Zustimmung versagt habe, keine Veranlasiung vorliege, von diesem Beschluß abzu­gehen.

* Die .Germania' veröffentlicht in ihrer jüngsten Nummer das gesammte Resultat der Landtags­wahlen und gibt ihrer größten Befriedigung da­rüber Ausdruck, indem sie schreibt: Die Landtags­wahlen sind vorüber. Unerschüttert steht der Thurm des Cent rums, denn nicht nur sein ganzer Be­sitzstand wurde behauptet, sondern es wurde auch der Oberlahnkreis von Dr. Lieber, welcher zwei­mal gewählt ist, erobert; das ist der Ersatz für Könitz, wo das Centrum ein Mandat verlor, das 1882 nur durch Zufall gewonnen wurde. Cre- feld wurde vom Centrum erobert, Neuwied- Altenkirchen mit zwei Mandaten, die man schon verloren glaubte, und ferner Beuthen- Tarnowitz behauptet. Wenn die Feldherrn des Centrums ihre Schaaren mustern, so finden sie die alte Truppenzahl verstärkt durch das Crefelder Mandat. Die Mittelpartei kam nicht vorwärts, nicht rückwärts. „Conservative" und Freikonser­vative haben zusammen 13 Sitze mehr bekommen, die nationalliberalen gewannen trotz alles mittel­parteilichen Lärms und trotz aller Parteitage nur zwei Mandate. Die Deutschfreisinnigen erleiden einen Verlust von 10, die Polen von 2 Man­daten. Die Wildliberalen büßten 3 Mandate ein. Die Gedanken, welche das Wahlresultat wachruft, sollen noch folgen und da soll auch das Lob des katholischen Volkes erschallen, das mit un­erschütterlicher Treue eintritt für Wahrheit, Frei­heit und Recht!

* Während die .Norddeutsche' Montag und Herr von Bötticher Mittwoch die Ausschließung der Patres vom hl. Geist auf Grund des Jesuit en-

Gesetzes auch für die Kolonien behaupteten, während die .Norddeutsche' heute Morgen zwar insofern zucückging, als sie nicht mehr die Geltung des Gesetzes für die Kolonien, aber die mit Recht geschehene Ausdehnung desselben durch die Exekutive für die Kolonien behauptete, erhält die ,Germ.' soeben ein Pariser Telegramm, wonach der jetzt in Paris wieder angekommene P. Weik auf Veranlasiung des Berliner Auswärtigen Amts auf die deutsche Botschaft in Paris beschieden ist, und bezüglich der Mission günstigere und sogar be­züglich des Missionshauses in Deutschland bessere Aussichten eröffnet bekommen habe!

* Einer der bekannten Diätenprozesse ist zu Ungunsten des preußischen Fiscus entschieden. Dieser Tage wurde in Halle vor der Civilkammer des dortigen königlichen Landgerichts der kürzlich vertagte Prozeß Fiscus gegen Hasenclever verhan­delt. Bekanntlich ging es um die Empfangnahme von Diäten und Unterstützungsgeldern, deren sich Hasenclever in seiner Eigenschaft als Reichstags­mitglied entgegen den Bestimmungen des Artikel 32 der Reichsverfassung schuldig gemacht haben soll. Der Gerichtshof entschied für Abweisung des Klägers unter Auferlegung der Kosten, da die Unterstützungen iveder aus öffentlichen Mitteln, noch für unerlaubte Zwecke gezahlt seien.

• Die Ermittlungen über die Beschäftigung ge­werblicher Arbeiter an Sonn- und Festtagen sollen nach einer neuerdülgs. Erlassenen Anordnung der Minister für Handel, Akfldwirthschaft und des Innern dahin vervollständigt werden, daß bei Einsendung des Ergebnisies der bereits angestellten Ermittlungen eine Uebersicht der Zahl der Betriebe und der Arbeiter, für welche eine Beschäftigung an Sonn- und Festtage vorkommt, sowie derjenigen, für welche eine solche thatsächlich nicht vorkommt, vorgelegt werden kann. Hierbei sind sämmtliche Industrie- und Gewerbszweige zu berücksichtigen, gleichviel, ob dieselben fadrik- oder handwerksmäßig betrieben werden. Außerdem sollen ähnliche Er­mittlungen auch für die Land- und Forstwirthschaft dergestalt herbeigeführt werden, daß die Zahl der land- und forstwirthschaftlichen Arbeiter, bei welchen eine Beschäftigung an Sonn- und Festtagen vor­kommt, und derjenigen, bei welchen dies thatsächlich nicht der Fall ist, annähernd festgestellt wird. Die in

der Staatsforstverwaltung beschäftigten Arbeiter bleiben dabei unberücksichtigt.

* Von der im September d. I. stattgefundenen General«Versammlung des Gustav-Adolph- V erein s ist bekanntlich eine besondere Ehrengabe im Betrage von 1000 Mark für die evangelische Schule in Rom gestiftet worden. Dem Eisenacher Festkomito sind dafür zwei Dankschreiben zugegangen, eines von dem Geistlichen der evangelischen Ge­meinde in Rom und Schul-Inspektor Ludovico Conti, ein zweites von dem Prediger der deutschen Bot­schaft, Rönneke. In dem ersten Schreiben wird den Spendern dafür gedankt, „daß sie solche Theilnahme an der religiösen und sittlichen Wiedergeburt un­serer Stadt, des Sitzes des Papstthums, beweisen". „Als Italiener," heißt es dann wörtlich weiter, „danke ich aber auch im Namen Italiens, welches durch die edelmüthigen Anstrengungen derer, die uns auf der Bahn der Reformation vorausgingen, von dem Aberglauben und Jrrthum, die es er­niedrigten, sich wieder wird erheben können." In dem Schreiben des Botschaftspredigers heißt es, daß „nach Aussage des Hrn. Conti Mitglieder der „Gesellschaft für katholische Jnteresien" an dem Eingang der Schule Posto faffen, um die eintretenden Kinder zu notiren und die Eltern theils durch Geschenke (Brod- und Fleisch-Karten, freie Arznei, sogar Betten), theils durch Drohunge (große Excommunication!) zu bewegen, die ÄiiO aus der Schule zu nehmen, wo „Unsittlichkeit- und „Ketzereien" gelehrt werden." Es rst nützl, von diesen Liebenswürdigkeiten Act zu nehmen^

* Koblenz, 6. Nov. Auf die Meldung,: der hochw. Hr. Erzbischof Dr. Krementz zu ei? Besuche bei der Kaiserin in nächster Zeit hier? treffen werde, wurde an maßgebender ©b Erkundigung eingezogen. Jedoch ist hier von de beabsichtigten Besuche bis jetzt Niemand etwas be­kannt. Ihre Majestät gedenkt vier bis fünf Wochen hier zu bleiben.

* Neuwied-Altenkirchen, 5. Nov. Im ersten Wahlgang Rintelen (C.) 241 — Dietz 241. Das Loos entschied nach der engeren Wahl für Rintelen Centrum. — van Bleuten (C.) 241. Dümpelberg 240. Also beide Mandate dem Cen­trum erhalten.

* Aus dem Regierungsbezirk Wiesbaden, 6.

tt Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von ?. iiheifkld. (43

„Ja," antwortete der alte Marquis steif. „Ich werde morgen früh für ihre Zukunft Sorge tra­gen. Mein Rechtsanwalt wird kommen und mir mein Testament zur Unterschrift vorlegen."

„Fräulein Alvarez hat entschieden Glück," be­merkte der Neffe leichthin. „Ohne Zweifel wirst Du ihr ein schönes Vermögen hinterlassen."

„Ich werde ihr etwa anderthalb Millionen Fran­ken vermachen," antwortete der alte Herr ruhig, lieber das Gesicht des Grafen zog eine tödtliche Bläffe. Seines Onkels Worte versetzten ihn in Schrecken und Furcht; wenn seine Gläubiger von diesem Testament hörten, so gerieth er in ärgste Bedrängniß. „Eine und eine halbe Million soll diese Fremde haben?" rief er mit Bitterkeit. „Onkel, Du bist auf dem besten Wege, Dich von einer Abenteuerin betrügen zu lasien!"

„Wäge Deine Worte ab," donnerte der alte Marquis, mit einem Blick auf den Grafen, daß dieser zusammenzuckte. „Ich warne Dich! Nimm Dich in Acht! Nie wieder wirst Du so über Fräu­lein Alvarez sprechen!"

„Aber, Onkel," stammelte Eugen bitteren Tones. „Du behauptest immer, Du seiest gerecht. Ist das

auch gerecht, mich deflen zu berauben, was ich lange als mein dereinstiges Erbgut betrachtet habe?"

„Du hattest kein Recht, dieses Vermögen zu er­warten. Dieses Einkommen ist mein Privatver­mögen, womit ich thun kann, was mir beliebt und ich habe mir vorgenommen, noch ein gutes Werk zu thun, bevor ich sterbe. Also gib Dir keine Mühe. Du änderst nichts an dem, was ich mir vorgenommen habe." Ein minutenlanges, drücken­des Schweigen trat ein.

„Hast Du den Grafen Alvarez schon gesehen?" fragte Eugen dann plötzlich, das Gespräch auf ein anderes Thema überlenkend.

Der Marquis verneinte.

„Onkel, was meinst Du, wenn diese „Gräfin", welche heute Abend hier war, gar nicht des jun­gen Mädchens Mutter wäre?"

„Nicht Giralda's Mutter?" rief der Marquis de Vigny erstaunt. „Womit willst Du denn das beweisen?"

„Beweisen kann ich es nicht, aber ich habe Ur­sache zu glauben, daß mich meine Vermuthung nicht täuscht," war die schnelle Antwort. „Onkel, glaubst Du denn wirklich, daß die blauen Augen dieses jungen Mädchens von ungefähr find? Glaubst Du dcnn in der That, daß eine Fremde so ganz und gar die Züge der de Vigny tragen könnte?"

„Eugen, worauf willst Du hinaus? Was ist

der Sinn Deiner räthselhaften Worte?" stammelte der Marquis verwirrt.

„Ganz einfach dieser!" zischelte der Graf. „Ich glaube, daß Giralda die Tochter Deines verhaßten Neffen Armand de Vigny ist!"

„Bist Du von Sinnen?" rief der Greis keu­chend aus, unter Schmerzen in seinem Sessel emporfahrend. Sein Athem ging schwer und ein heftiges Zittern durchflog seine Gestalt. Eugen wagte keine Entgegnung. Die furchtbare Erregung, in welche den Marquis seine Worte versetzt hatten, erschreckte ihn. „Es ist nicht denkbar, daß Dein Argwohn gerechtfertigt sein könnte," hob der Marquis nach einer minutenlangen Pause wieder an. „Armand ist längst tob. Doch, wenn selbst Giralda sein Kind sein sollte, so könnte ich sie deshalb doch nicht weniger lieben. Sie erinnert mich an alte Zeiten, wo ich noch eines Glückes theilhaftig zu werden hoffte, das die Nichtswür­digkeit eines Ungerathenen vernichtete. Giralda ist, was er Härte fein können. Wir wollen diese Frage nicht weiter erörtern. Wer sie und was sie auch ist, ich will für das Kind sorgen und thun, was ich mir gelobt habe."

Eine Wolke des Unwillens zog über die glatte Stirn des Grafen, doch verschwand sie fast augen­blicklich wieder; indeß der Marquis hatte es doch bemerkt. „Du wirst mich entschuldigen, wenn ich