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1885.

Montag, den 2. November

JV 251

Fuldaer

(Schluß folgt.)

Frage.

Ich ver-

//'

* Zum Kampfe gegen de» Branntwein.

Am 10. Oktober war der Geburtstag eines hoch­verdienten Mannes, dessen Namen leider in vielen Geschichtükalendern vergessen wird. Am 10. Okt. 1700 wurde in der Grafschaft Tippersny in Jr-

rm er­ber be- ge-

alle Freunde der Mäßigkeits - Bewegung möglichst nachstreben sollen. Aber die allgemeine Durchfüh­rung dieses Prinzips würde, wie auch in Düssel­dorf betont ist, die vollständige Absperrung des Branntweins in die Apotheken — und obendrein noch unter scharfer Kontrole des Apothekengeschäfts — erfordern. Ist das durchführbar? In Ame­rika hat man es versucht, und gerade in den Tem- perenzstaaten sind die Apotheken zu Schankstätten geworden. Der Trinklustige geht hinein und for­dert unter den bekannten Zeichen ein Heilmittel für Kopf- oder Magenweh oder dergleichen und erhält seinen Brandy. Es würde gewiß auch bei uns ein arger Schmuggel mit Branntwein trotz des staat­lichen Verbotes des Verkaufes sich erhalten. Trotz­dem aber müßte ein solches Verbot doch die Ver­führung zum Bcanntweingenuß erheblich ver­mindern; es wäre also diese Radikal-Maßregel gar nicht ohne Weiteres von der Hand zu weisen. Ist ein solches Gesetz aknr zu erzielen? In un­absehbarer Zeit sicherlich nicht. Denn in der Kam­mer sitzen auf der Linken soviel grundsätzliche Freund der Handelsfreiheit und auf der Rechten so viele Spritfabrikanten, daß sogar, wenn die Regierung wollte, ein gesetzliches Verbot nicht zu erreichen wäre. Man muß also vorläufig mit der Thatsache rechnen, daß der Schnaps im Kramladen und im Wirlhshaus nach wie vor zu haben ist. Ist es unter diesen Umständen rathsam, die kirch­lichen Vereine auf dem Prinzip der vollen Enthal­tung aufzubauen? Die Autorität der großen Apo­stel der Mäßigkeil spricht für die Bejahung dieser

sowie die Gründung oder Unterstützung von An­stalten, welche den unteren Volksklassen, insbeson­dere den Arbeitern, unschädliche Getränke als Er­satz für den Branntwein zu billigen Preisen liefert.

Die AuSschußberathung, welche dieser Resolution vorausging, war sehr lebhaft, und zwar drehte sie stch vorzüglich um die Frage, ob vollständige Enthaltsamkeit oder bloß Mäßigung im Genüsse zu empfehlen resp. in den Vereinen zur Pflicht zu machen sei. In dem offiziellen Bericht heißt es über diesen Punkt:

„Es wurde von hervorragender Seite darauf aufmerksam gemacht, daß eine Beseitigung dieses Uebels so lange nicht möglich sei, als nicht die absolute Enthaltung von Branntwein gepredigt werde; der Branntwein müsse in die Apotheken unter strengem Verschluß neben das Gift gestellt werden, andererseits müsse dafür gesorgt werden, daß den Leuten ein besseres, aber billigeres Getränk gereicht werde. Ein Arbeitsmann, welcher eine 42jäyrige Erfahrung für sich hat, vertheidigte den Satz, daß es gar nicht möglich sei, bei anstrengen­der Arbeit sich ganz von Branntwein zu enthalten; die erschlafften Kräfte müßten manchmal durch ein Schnäpschen wieder geweckt werden. Andererseits wurde darauf aufmerksain gemacht, daß dem ein­zelnen Trünke, wenn man ihn gestattet, das Trinken nothwendig folgt. Es wurde an einem speziellen Falle nachgewiesen, daß es gelang, einen Mann systematisch dahin zu bringen, auf drei Monate, dann auf sechs Monate, das eidliche Versprechen abzugeben, keinen Tropfen Branntwein mehr zu trinken; als ihm aber angesonnen wurde, das Versprechen für immer abzulegen, hat er rundweg erklärt: „Das kann ich nickt."

Soweit der Düsseldorfer Bericht. Dieselbe Frage, die hier nicht zur Lösung kam, hat auch in Hol­land, wo bekanntlich zum Theil in Folge der kli­matischen Verhältnisse der Branntwein eine große Rolle spielt, zu lebhaften Erörterungen geführt. Prof. Schaepmann, der treffliche Wortführer der dortigen katholischen Partei, hat sich auf den praktischen Standpunkt gestellt, nicht mehr zu ver­langen, als nothwendig und durchführbar ist, und deshalb kann man an den Uhrketten vieler Hollän­der eine scherzhaft erscheinende, aber ernst gemeinte Medaille sehen mit der Inschrift: „Erlaubniß für zwei Gläschen!" Unzweifelhaft ist die vollstän­dig e Enthaltung von Branntwein das Ideal, dem

Trunkenbolde zu danken ist.

Mit der Vertreibung der Jesuiten und anderer Ordensgeistlichen und der Behinderung des seel­sorglichen Wirkens durch den Kulturkampf ist lei­der auch der kirchliche Kampf gegen die Un­mäßigkeit behindert und vielfach ganz zum Still­stand gezwungen worden. Es hat sich nun in den letzten Jahren eine weltliche, wesentlich von sozialpolitischen Rücksichten getragene Agitation gegen das Branntweinübel hervorgethan, welche in Schwe­den und Norwegen bereits bedeutsame und erfolg­reiche Gesetze zur Erschwerung des Branntweing.e- nusses herbeigesührt hat, in Deutschland jedoch noch in den Versuchen zur Herstellung von Kaffee­schenken stecken geblieben ist.

Die General-Versammlung der deutschen Katho­liken in Düsseldorf (1883) hat sich eingehend mit diesem Thema beschäftigt uno eine Resolution ge­faßt, welche einerseits alle Bestrebungen zur Be­kämpfung der Trunksucht, also auch den Casse­ler Verein, sympathisch begrüßt, andererseits jedoch erkläit, daß die Bekämpfung des Uebels in erster Linie mit moralischen und religiös- kirchlichen Mitteln geschehen müsse und deshalb die Förderung und Gründung kirchlicher Mäßig­keits-Bruderschaften bezw. Kongregationen zu em­pfehlen und in's Auge zu fassen sei. Ferner em­pfahl die General-Versammlung die Verbreitung von geeigneten Schriften gegen den Branntwein,

land Theobald M a t h e w geboren, der nachmalige „Mäßigkeits-Apostel", der durch seinen apostolischen Eifer nicht allein einen großen Theil seiner Land­leute zur Enthaltung von Bcanntweingenuß bewog, sondern auch den Anstoß zu einer segensreichen Mäßigkeitsbewegung in Deutschland gab, die nament­lich im Osnabrück'schen, in Oberschlesien und :“ Polnischen von würdigen Geistlichen zu ganz freulicher Blüthe gebracht wurde. Der Samen irischen und deutschen Mäßigkeitsapostel wurde sonders durch die Missionen gepflegt und hegt; jede Volksmission in den fünfziger und sechs» ziger Jahren schloß mit der Gründung eines Mäßigkeits-Vereins, welcher die Rettung zahlreicher

-H- Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von |. Metftli. (38

„Heute noch? fragte er überrascht, „das ist un­möglich! Ich bin wie gelähmt. Ich fühle mich, wie ein Gefangener. Ich bin unfähig zu Allem und das gerade jetzt, wo ich so viel zu thun habe. Ich hatte es mir fest vorgenommen, heute in allen Theatern von Paris Erkundigungen über Deine Mutter einzuziehen. Was soll nun werden? Es bleibt mir nichts übrig, als meinen Geschäfts­träger zu beauftragen, die eifrigsten Nachforschungen anzustellen. Morgen wetten wir Alles wissen. Doch was ist Dir, mein Kind? Um Gotteswillen, weshalb siehst Du mich so entsetzt an?"

Die Augen des alten hilflosen Mannes hasteten in erschrecktem Ausdruck auf Giralda, aus deren Antlitz alle Farbe gewichen war, während es ihre Gestalt wie im Fieberfrost schüttelte und ihre Finger krampfhaft die Lehne des Sessels umspann- ten, in dem der Marquis ruhte. Der gefürchtete Moment war gekommen und es war Giralda, als sollte sie zusammenbrechen unter der Wucht dieses grausamen Verhängnisses.

Bevor der alte Marquis eine Frage thun jonnte, wurde die Thür zum Nebengemach geöffnet,

rathen können?

„Fürchtest Du Dich so sehr Deinem Vater zu begegnen?" fragte er theilnehmend.

muthe, er ist ein harter, strenger Mann, wie ich selbst bin und Du wagst es nicht, ihm wegen Deiner Flucht vor die Augen zu treten. Beruhige Dich, mein Kind! Wir wollen ihn nicht eher auf­suchen, als bis Deine Mutter Dich mit ihm «lie­ber ausgesöhnt hat. Unsere erste Aufgabe muß es deshalb sein, sie ausfindig zu machen. Um das zu erlangen, bleibt schließlich nur noch ein Weg," schloß er plötzlich mit Energie.

„Und der wäre, Herr Marquis?" fragte Giralda

und Bertram trat iu's Zimmer. Sobald er seines wortkargen und schleichenden Dieners an­sichtig wurde, erfaßte den Gceis eine sichtbare Unruhe. „Klingele, daß das Frühstück gebracht wird und rolle meinen Stuhl an den Tisch," sprach er in gebieterischem Tone.

Der Diener kam dem Befehle seines Herrn nach. Nachdem er es gethan, gab Marquis de Vigny ihm ein verabschiedendes Zeichen und Ber­tram verließ wieder das Zimmer. Zwei Hotel­bedienteste trugen das Frühstuck auf, und Giralda bediente den alten Marquis, wie Sw es seit dem ersten Tage ihrer Ankunft auf Schloß de Vigny gewohnt war. Sein Gesicht erhellte sich sichtlich mit jeder Minute. Er schien die kleine Scene, welche Bertrams Eintritt gestört hatte, völlig ver­gessen zu haben.

„Vielleicht," hob er plötzlich an, „gibt es einen noch besseren Weg, Deine Mutter auszukundschaften, als durch eigenes Nachforschen. Ich glaube, die Idee, die mir plötzlich gekommen, ist keine schlechte!" Ein leises Zittern durchflog das junge Mädchen; sie wagte es nicht aufzublicken.

„Was meinst Du," fuhr der alte Mann fort, ohne ihre Bewegung zu bemerken, „wenn wir eine Aufforderung mit fetter Schrift in die Pariser

mit schwacher Stimme.

„Ganz einfach dieser," erwiderte der Greis. „Ich schreibe verschiedene Briefe und adressire sie an den Grafen Alvarez. Diese Briefe lasse ich

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Deutsches Reich.

Berlin, 1. November.

• Das Wahlresultat wird sich im Ganzen wohl erst dann übersehen lassen, wenn die Abgeord­netenwahlen vollzogen sind. So weit sich bis jetzt schließen läßt, scheint eine nennenswerthe Ver­schiebung in der bisherigen Zusammensetzung nicht stattgefunden zu haben. Die Betheiligung war dies- mal im Allgemeinen eine noch geringere als früher. Die Stadt Oeynhausen hat b.ispiclsweise 2300 Einwohner, welche 8 Wahlmänner in zwei Wahl­bezirken zu wählen haben. Es waren erschienen im ersten Wahlbezirk 21, im zweiten 20 Urwähler, zusammen 41. Das dürfte ungefähr eine Bethei- Blätter einrücken lassen? Oder erachtest Du es für besser, wenn ich Deinem Vater telegraphire? Sicher kennt er den Künstlernamen Deiner Mutter!"

Giralda sa., bestürzt, doch mit flehendem Aus- druck dem Gceis in's Antlitz. Ihre Furcht von einer möglichen Entoeckung dec Wahrheit kannte keine Grenzen. Dem Marquisß entging ihr Er­schrecken nicht, aber er gab demselben eine andere Deutung. Wie hätte er auch die Wahrheit er-