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J\g 248.

Donnerstag, den 29. Oktober

Fuldm

1885.

Li« .Fuldaer Settun«' erscheint täglich. Sonn» und Feiertage ausgenommen, vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen »ochenbeilage ,Sterne NN» vlnme«' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserat«: Die einspaltige Zeil- oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; ber Wiederholungen entsprechender Rabatt.

SS* Für November und Dezem­ber werden Abonnements auf die Ful­daer Zeitung^ von allen Postanstalten, Land­briefboten, Zeitungsträgern und von der Expedition, Buttermarkt, zum Preise von Mk. 1.— (ohne Bestellgeld) jederzeit ange­nommen. Der Roman „Aus gkheimnißvollkn Megtll" wird, soweit der Vorrath reicht, nach­geliefert.

*W* Die Christenmorde in Hirrter- Jndien. *)

In Hinterindien raucht das Feld von dem Blute geschlachteter Christen. Die Zeiten der diokletia« Nischen Verfolgung sind wiedergekehrt. Nach Tau­senden wiederum zählen die Blutzeugen, die es ver­schmähten, von dem Wege abzuweichen, welchen das Lamm sie gehen hieß. Tausende haben ihre Menschenwürde in ihrem Blute behauptet, in­dem sie einem verruchten Tyrannen, den die Erde nur trägt, um mit Schiller zu reden, wie die Un­geheuer de» Nils, nicht gestatteten, in das Heilig- thum ihres Gewisiens einzugreifen.

Gesetzt der Fall, wir wüßten gar nichts von der christlichen Religion, wir hätten weder Kenntniß der Offenbarung, noch Kenntniß der Geschichte, noch Kenntniß der Lehre, noch Kenntniß der Moral, kurz, wir wüßten vom Christenthum gar nichts. Wir kennten nichts als die tiefe Entwürdigung der Völker in Hinterindien. Wir kennten nur die furcht­bare Unsittlichkeit, die brutalste Tyrannei von Oben und die nichtswürdigste Kriecherei von Unten, die unter den tibetanischen Buddisten einen so ekelhaften Ausdruck gefunden, daß wir ihn gerne verschweigen. Und aus diesem Meere jämmerlicher Charakterlosig­keit dränge plötzlich die Nachricht zu uns, es seien dort Leute um ihrer Ueberzeugung willen hinge­richtet worden. Wir würden unseren Ohren nicht trauen. Wie kann man dort wegen seiner Ueber­zeugung hingerichtet werden? Wer hat denn dort eine solche? Dort wird man hingerichtet, weil man in Gegenwart des Königs meßt, und die Berliner, welche sich vom Schah von Persien im Theater nicht auf die Köpfe spucken laffen wollten, begin-

*) Nachdr. nicht gestattet.

■tt Ans geheimnisvollen Wegen.

Roman von I. S'hensel».

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„Laffen Sie uns von hier fortgehen!" flüsterte sie erregt. „Bitte, bringen Sie mich nach dem Hotel zurück!"

Herr de Vigny blickte sie betroffen an. „Kind, ist cs die Ohnmacht der Comtcffe Gabriele, die Dich so erschreckt hat?" fragte er überrascht. Giralda antworte nicht, doch hob sie ihre schönen Augen bittend zu ihm empor.

„Wir wollen gehen," sagte der Marquis freund­lich, obgleich Du gar keine Ursache dazu hast, Dich zu fürchten. Doch komme mein Kind!" Er gab ihr seinen Arm und führte sie aus dem Theater in's Freie. Eine Droschke hielt in der Nähe. Sie stiegen ein und fuhren direkt nach ihrem Hotels

„Du bist müde und abgespannt," sagte der Marquis, als sie dort angelangt waren. „Ich hätte das wlffen sollen. Begib Dich sogleich zur Ruhe, Giralda. Ich hoffe, morgen Früh wieder Dein frisches fröhliches Gesicht zu sehen!" Er drückte einen väterlichen Kuß auf ihre Stirn, wel­chen sie durch eine innige Umarmung erwiderte.

„Du liebst mich, nicht wahr, mein Kind?" fragte

gen nach hinterindischen Begriffen ein Verbrechen, welches kaum dadurch gesühnt werden kann, daß der Delinquent von den Füßen abgerichteter Ele- phanten zertreten wird.

Und wenn man uns sagte, daß fremde Männer in's Land gekommen und die Lehre gebracht, für welche jene Tausende gestorben sind, so würden wir sagen: Mag diese Lehre gut oder schlecht, wahr oder unwahr sein, wenn sie die Leute gelehrt haben, überhaupt für eine Ueberzeugung zu sterben, dann sind sie die größten sittlichen Wohlthäter des Landes gewesen. Denn in diesem Moraste der Tyrannei und Niederträchtigkeit haben sie ein festes Fleckchen gegründet, auf welchem sie einem schmäh­lichen Despoten gegenüber die Fahne der Menschen­würde aufgepflanzt.

Das würden wir sagen, wenn wir vom Christen­thum gar nichts wüßten. Und was sagt die .Köln. Zeitung', ein Hort des Liberalismus? Ein Pariser Korrespondent derselben wundert sich, daß man in Frankreich über diese Maffenmorde stillschweigend hinausgeht. Er findet den Grund darin, daß man, trotzdem die Missionäre dort den Franzosen vor­gearbeitet, von den Jesuiten und ihrem Treiben absolut nichts wiffen will, welche jetzt ernten, was sie gesäet, „indem sie sich in die Politik ein­mischten, und die besten Herrscher so auf's Aeußerste brachten, daß sie und mit ihnen ihre Bekehrten mit Feuer und Schwert verfolgt wurden."

Das also ist die liberale Ansicht über die Be­kehrungen der Missionäre; die Einmischung der Jesuiten in dir-Politik hat die besten Herrscher dort so auf'S Aeußerste gebracht, daß sie nun die Christen mit Feuer und Schwert verfolgen!

Merkwürdig! Wenn die „besten" Herrscher dahinten zehntausend Menschen um's Leben bringen laffen, weil ein Jesuit sich in die Politik einge­mischt hat, wie mögen da erst die andern sein? Unseres Erachtens müßte man jedem Herrscher in Hinterindien einen Maulkorb anlegen, damit er nicht beißt, und zum Ueberfluß ihn außerdem in einen wohlvergitterten Käfig setzen, und wenn irgend wer die Politik eines solchen wilden Thieres stört, dann muß alle Welt Respekt vor deffen Muth haben; aber hier die Tugend der Enthaltsamkeit predigen, das heißt sich selbst- das Zeugniß einer jämmerlichen Sinnes art ausstellen, und gar noch jene Männer, welche

der alte Mann, ihre zitternde Hand mit der seinen umfaffend. „Du erwiderst jetzt ein wenig die Gefühle, welche ich für Dich hege, nicht wahr, Giralda?"

„Ja, Herr Marquis, ich liebe Sie von ganzem Herzen. Gute Nacht!" Sie entzog sich seiner Umarmung und eilte auf ihr Zimmer. Nach einigen Minuten stahl sich eine in einen weiten, dunklen Mantel gehüllte, dichtverschleierte Gestalt die Treppe hinunter und verließ ungesehen das

Comteffe Gabriele war nach Hause geeilt, ge­folgt von ihrem Vater und Eugen von Lamartin, welche Beide über ihr plötzliches Unwohlsein sehr besorgt waren. Graf Eugen befand sich in gro­ßer Aufregung. Der Blick, den Gabriele auf die junge Sekretärin seines Onkels gerichtet hatte, wollte ihm nicht aus dem Gedächtniß. Und wie bleich war sie geivorden — jenes junge Mädchen mit den Veilchenaugen Armand de Vigny's! Hier mußte ein Geheimniß bestehen und er war ent- schloffen dasselbe zu ergründen um jeden Preis.

„Ich habe heute einen Anhaltspunkt erlangt und zwar einen wichtigen," dachte er, während er Gabriele beim Hinansteigen der Marmorstufen zum

für die Verbreitung welterlösender Wahrheiten nicht davor zurückgeschreckt sind, ihr Blut unter den Zähnen und Krallen einer hinterasiatischen Bestie fließen zu sehen, jene Männer auch noch zu verunglimpfen, in herabwürdigender Weise von ihrem Treiben, von einer Einmischung in diese — was für eine — Politik zu reden, zu sagen, sie hätten die besten Herrscher auf's Aeußerste gebracht!

Aber die Sache hat für uns gerade im gegen­wärtigen Augenblick noch eine andere und zwar sehr praktische Bedeutung. Wir Katholiken sind unserm Klerus sehr anhänglich. Das leugnen selbst unsere Gegner nicht; wir stehen fest zu­sammen. Die Ursache dieser Anhänglichkeit an den Klerus liegt darin, daß er dem Volke die Heils­wahrheiten lehrt, die Gnadenmittel spendet, und unser nächstes Bindeglied in der hierarchischen Kette bildet, welche uns an Rom fesselt. Durch Rom sind wir mit dem ganzen katholischen Erdkreis ver­bunden, wir fühlen uns solidarisch mit all' den edlen Katholiken, welche heroische Tugendakte üben; sie sind unsere Freunde, unsere Brüder, und wenn wir uns auch nicht ebenbürtig an Tugend und Opfersinn neben sie stellen können, so sind wir auf sie gerade so stolz, wie wir auf einen Bruder stolz sind, der sich um die Welt verdient gemacht hat. Und wie wir uns verletzt fühlen, wenn man in unserer Gegenwart einen geliebten Bruder herab­würdigt, so thut es uns auch weh, wenn wir einen durch Tugend und Opferwilligkeit hervorragenden Katholiken in unserer Gegenwart verunglimpft sehen.

Und ist das etwa nicht hervorragende Tugend, wenn Jemand alle Annehmlichkeiten eines civilisicten Landes in die Schanze schlägt, von den Seinen Abschied auf immer nimmt und in einem wilden Lande allem Ungemach und allen Gefahren bis zur Drangabe seines Lebens trotzt, aus keinem andern Grunde, als um unglücklichen entwürdigten Menschen die Hoffnung ihres ewigen Heils und ihrer menschlichen Würde zurückzugeben? Es sind die edelsten Körner katholischer Gottesliebe, die dort in ferne Erde gebettet werden, um mit ihrem Blute bethaut hundertfältige Frucht zu bringen. Wie tief muß der Haß gegen alles Katho­lische eingefreffen sein, wenn nicht einmal das menschlich Rührende, das doch unzweifelhaft in diesem Todtenopfer liegt, seinen Ausbruch hintan­halten kann.

nMBMaMMMaMMBWMMMWaaBWMBMMaWT 111 LIM» I—n—M—gggMgg Palais Chatrois behilflich war. „Das Schicksal selbst kommt mir zu Hilfe! Binnen Kurzem werde ich Alles endeckt haben. Ha meine schöne Geheim- nißvolle, bald werde ich Dich kennen, wie Du wirklich bist! Und dann wirst Du, um mich vor Preisgebuug Deines Geheimnisses zu bewahren, Dich endlich meinem Willen beugen. Ich habe jahrelang meine Bewerbung um Dich fortgesetzt. Man spottet meiner bereits im Geheimen, aber nur Geduld, der Tag meines Triumphes ist nahe!" Es lag etwas Lauerndes in seinem Blick und ein spöttisches Lächeln umschwebte seine Lippen, als er neben der Comteffe den Salon betrat, ein Ausdruck, der Gabriele nicht entging und der sie erbeben ließ.

„Sie werden mich entschuldigen, Herr Graf," sagte sie, ihre Fassung nur mühsam behauptend, „wenn ich mich sogleich auf mein Zimmer zurück- ziehe." Ihre aufallende Blässe, sowie der sonderbare Glanz ihrer Augen machten jeden Einwand un­möglich.

„Meine arme Gabriele!" rief ihr Vater ängst­lich aus. „Stütze Dich auf mich, mein Kind, ich will dich hinaufgeleiten!"

Graf Eugen verbeugte sich und sagte höflich, doch mit einer Betonung in der Stimme, die