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M 245. Montag, den 26. Oktober

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Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn» und Feiertag« mitgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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□ Bor den Landtagswahlen.

IV.

Die geschworenen Feinde und die heimtückischen „Freunde" des Centrums haben seit dem letzten Frühjahr alle Künste des offenen und versteckten Krieges versucht, um die feste Position unserer Partei im Volke zu erschüttern. Man braucht nur auf die wichtigsten dieser Angriffspunkte in großen Zügen hinzuweisen, um zu erkennen, wie bisher alle Versuche der Widersacher gescheitert sind. Der angebliche Konflikt zwischen den beiden Centrumsführern Windthorst und Schorlemer, der Paderborner Zwischenfall, die Wiederbesetzung des Kölner Erzbischöfliche., Stuhles, die Fuldaer Bischofskonferenz und endlich die päpstliche Ver­mittlerrolle, alles dies wurde von den National- liberalen und den Kreuzzeilungs-Konservativen in der verschmitztesten Weise ausgebeutet, um einerseits eine klaffende Uneinigkeit innerhalb der katholischen Partei und zwischen ihren Führern, sowie zwischen den „Ultramontanen" und den kirchlichen Ober­hirten zu konstruiren, andererseits dem Volke ein­zureden, der Kulturkampf sei zu Ende, zwischen Rom und Berlin herrsche die größtmögliche Freund­schaft, und die sei doch nicht möglich, wenn wirklich die Kirche in Preu-en noch in Fesseln läge. Die kurz angedeuteten Umstände, welche merkwürdig rasch auf einander folgten und in einander griffen, schienen äußerlich dem Fortgang unserer Sache nicht günstig zu sein, well mancherlei Vorgänge i» minder begabten Köpfen leicht Verwirrung an- stislen konnten. Niemals seit Beginn des Kultur­kampfes war die Centrumspartei durch das Zu- sammerllreffen widriger Verhältnisie wenigstens äußerlich in so gefährlicher und schwieriger Lage, als in dem nun seinem Ende zuneigenden Jahre. Und was ist heute noch übrig geblieben von all' jenen mißlichen Zufällen? Nichts! Der Austritt Schorlemer's aus dem Reichstage hat der liberalen und einem Thelle der konservativen Preffe Wochen und Monate lang Stoff zu Verkleinerungen und Verhöhnungen des Centrums und seiner Einigkeit gegeben. Alle Versicherungen, daß der schneidige westfälische „Bauernkönig" nur aus GesundhOls- rückstchten einen Theil seiner Arbeilslast abschüt­telte, weil er den Anforderungen, die Reichstag und Landtag neben seinen Obliegenheiten an ihn stellten, ohne ernste Gefahr für seine Gesundheit

•H- Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von I. stihkufeltz. (31

Giralda's Augen glänzten vor Freude. Der Tag wurde mit Unterhaltung zugebracht, bis das Diner angemeldet wurde. Der alte Marquis ge­leitete seine junge Sekretärin nach dem Speisesaal und sah babti so vergnügt und jugendlich aus, daß Madame Roger, welche nebst Bertram bei Tische aufwartete, ganz verwundert bald den alten Marquis, bald das junge Mädchen ansah. Der Dieinr bemerkte ebenfalls die Veränderung, die mit seinem Herrn vorgegangen war, doch schien es nicht, als ob ihm dieses gerade Vergnügen bereitete. Er fürchtete, daß der Einfluß, den Giralda auf den Marquis ausübte, für ihn nichts Gutes zu bedeuten habe.

Nach Tische führte der Marquis, deffen lahmer Fuß sich bedeutend beffer befand, Giralda wieder nach dem Wohnzimmer zurück. Das junge Mädchen las ihm aus den Morgenzeitungen vor und schrieb dann einen Brief an den Besitzer des Hotels, in welchem der Marquis bei feiner Anwesenheit in Pans gewöhnlich wohnte. Darauf musicirte sie auf des Greises Wunsch, und durch ihre fröhliche Stimme klang der Jubel ihre» Herzens. Nachdem

nicht mehr nach Wunsch entsprechen könnte, halfen nichts. Es war bei unfern Gegnern in der Preffe eine ausgemachte Sache, daß Schorlemer sich von den „Ultramontanen" losgesagt habe, er und sein ihm angedichtetes Leiborgan, der »Wests. Merkur', wurden in allen Tonarten als die Vertreter des rein religiösen, nichtultramontanen, des sogenannten „gemäßigten" Katholizismus gepriesen, und hoch­trabende Lobsprüche auf das biedere, kernige, echt­deutsche, national-gesinnte Westfalenthum überhaupt, schloffen sich daran an. Man sah schon im Geiste Freiherrn v. Schorlemer - Alst an der Spitze der Mehrheit des kathol. deutschen Volkes das „Windt- horst'sche Joch abschütteln" und dein SlaatS- kirchenlhum warm die Hand drücken. Gewiffen Leuten, namentlich den Machern der »Köln. Ztg.', mögen solche beschämende Erinnerungen höchst veinlich sein, wir können uns deren Empfin­dungen ungefähr ausmalen, namentlich gerade in diesen Tagen, nachdem Schorlemer in der von vielen katholischen Blättern mitgetheilten westfälischen Wahlrede wieder so wuchtige Schwadronenhiebe auf die Köpfe der Liberalen und falschen Konser­vativen hat niedersausen lassen, nachdem er seine heimtückischen Schmeichler vom letzten Frühjahr beim Wort gehalten und in seiner damals so sehr gerühmten „kernigen", „urwüchsigen", „ehrlichen", „vaterländischen" Weise der ganzen kulturkäm- pferllchen Clique, den Anhängern derVersumpfungs- po itik, die volle, ungeschminkte Wahrheit gesagt hat. Gleichz.itig hat der 60. Geburtstag des schneidigen Cemrun.ösühcers unö die art diesem Tage ihm in der ganzen katholischen deutschen Presse dargebrachte herzliche Huldigung den klaren Beweis geliefert, wie sich um die ganze Partei das innigste Band der Liebe und Treue schlingt, ein Band, welches nur durch die langjährige Kainpf­genossenschaft in Freud' und Leid, in düsteren, ernsten, wie in frohen, siegreichen Tagen so fest und dicht hat werden können. Ja, es m,.ß tief beschämend sein für die ganze Kulturkämpferpresse, wenn sie ihre lächerlichen Tiraden über die Un­einigkeit im katholischen Lager und über das national­gesinnte, gemäßigt-katholische Westfalenthum nach­liest, und die damit jetzt vorliegenden abgeschlossenen Thatsachen vergleicht. Das nordische Rom, die Metropole des katholischen Westfalens hat unter­dessen in seinen Mauern eine Generalversamm­lung der deutschen Katholiken gesehen, welche

der Gesang beendet mar, unterhielt sie sich wieder mit dein alten Marquis; zuweilen erscholl ihr lautes, silberhelles Lachen, in welches der alte Herr fröhlich einstimmte. Draußen im Corridor standen Madame Roger und Bertram. Sie lauschten auf die ungewohnten Laute mit verschiedenen Gefühlen. Madame Roger's Gesicht erglänzte vor Freude.

„Hören Sie es, Bertram?" flüsterte sie. „So hat der Herr seit Jahren nicht gelacht. So lachte er nicht, seitdem unser armer Graf Armand fort­ging. Hören Sie es? O, gesegnet sei das liebe Kind! Wohin es kommt, da bringt es Sonnen­schein des Glückes mit sich!"

„Ich traue ihr nicht!" versetzte Bertram düster. „Sie hat vorhin zu Gunsten des Grafen Armand gesprochen. Ich habe es gehört. Der Herr Marquis wurde »örmlich rasend, so daß ich schleunigst das Vorzimmer verließ, um nichts weiter zu vernehmen. Graf Eugen sollte von Allem unterrichtet werden."

Madame Roger vernahm kaum seine verbitterten Worte; sie hörte nur auf das liebliche Geplauder und das fröhliche Lachen des jungen Mädchens drinnen im Salon.

Am Sonntage fuhr der alte Marquis mit Gi­ralda nach dem Gotteshause. Sie nahmen in dem i den Schloßbewohnern gehörenden, großen, alten

alle vorhergehenden an Glanz und Bedeutung über­trifft, die katholischen Westfalen haben den Schimpf, den die kulturkämpferischen Schmeichler und Heuch­ler ihnen angethan, gründlich heimgezahlt, und sie, welche vor Monaten noch die verhätschelten Schoß­kinder der Staatskirchler waren, wurden nach den Tagen von Münster mit stillem Ingrimm wieder als die Schwärzesten der Schwarzen befunden.

Deutsches Reich.

Berlin, 25. Oktober.

* Auch den letzten Zweifel, daß neben den Konservativen die Nationalliberalen als Regie­rungspartei in die Wahl gehen, beseitigt die ,Nordd. Allg. Ztg.' durch einen im Tone eines Wahlaufrufes gehaltenen Leitartikel, in dem es heißt: „Jene Parteien nun, welche die Regierung unterstützen und mit ihr gemeinsam an den großen Aufgaben des Staatslebens arbeiten wollen, welche die monarchischen Traditionen des preußischen Staates erhalten, den christlichen Geist pflegen, welche aufbauen und nicht stürzen wollen, sind: Konservative und Nationalliberale. Den Urwählern also, welche Frieden im Lande haben, und welche beitragen wollen, daß Preußens und damit Deutschlands Größe und Kraft nach innen und außen wachse und gedeihe, kann die Entschei­dung, wen sie zu wählen haben, nicht schwer fallen." Deutlicher läßt sich wohl nicht reden, und es ist gut, daß diese Offenherzigkeit noch kurz vor den Wahlen zu Tage tritt, damit sich die Wähler darnach zu richten wissen.

* Prinz Albrecht von Preußen hat der von ihm empfangenen Braunschweiger Deputation er­klärt, daß er die Regentenwürde annehme.

* Bisherigen Meldungen entgegen wird es jetzt in Bundesrathskreisen für nicht wahrscheinlich an­gesehen, daß dem Reichstage in seiner bevorstehenden Session der Entwurf zum Bau des Nordostfee- Kanals zugeht.

• In einer großen Zahl von offiziö s en Blät­tern ist jetzt von dem „elenden" Drerklassen-Wahl- system die Rede. Das ist in komischer Weise so gekommen. Im fortschrittlichen ,Reichsfreund' hat eine Instruktion für die Wahlen auf dem Lande gestanden. Diese Instruktion hat das Berliner Preß-Bureau auch sehr zweckmäßig für die Kon­servativen gefunden. Es hat aus den Bestimmungen der Instruktion überall das Wort „freisinnig" aus-

Kirchenstuhle Platz. Fast alle Dorfbewohner hatten bereit« von dem fremden Ankömmling auf dem Schlosse de Vigny gehört, und viele von ihnen, welche an Graf Armand's Unschuld glaubten, be­merkten, daß sie dieselben Augen habe wie er, sowie daß überhaupt das junge Mädchen eine große Achnlichkeit mit der Familie der de Vigny's besitze. Dem Marquis kamen mehrere dieser ge­flüsterten Bemerkungen zu Ohren und sein Stolz wurde dadurch wachgerufen, daß das junge Mäd­chen, welches er, um seine alten Tage zu ver­schönern, erwählt hatte, einem Abkömmling aus seinem alten Geschlechte glich. „Sie sieht wirklich aus wie eine de Vigny," dachte er, sie von der Seite betrachtend. „Sie bat die Haltung und die Manieren einer Prinzessin! Und welch' ein edles Herz sie besitzt!"

Nach dem Gottesdienst geleitete er sie an den Wagen und sie fuhren nach dem Schlosse zurück, von den bewundernden Blicken der Dorfbewohner verfolgt. Den ganzen Tag über war Giralda's Gesicht strahlend vor Freude. Am nächsten Morgen jedoch schien eine trübe Wolke auf ihrer sonst so freien Stirne zu lagern. War es der Vorbote irgend eines Mißgeschicks, das sie betreffen sollte?

Mit dem Frühzuge fuhren der Marquis und