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Sonnabend, den 17. Oktober

D

— mit der

Inserate

Vie .Fuldaer Zeitung- erscheint ttiglich. Sonn, und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher' 1 “t 50 ?fS" belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen- m Fulda 1 SW. 70 W, auswärts 1 Mt. j» Pfg.

: Die dnfpaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg.. sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Zweites Blatt.

* Des Herbstes Mahnen.

Ein dreifach Mahnen ruf ich Dir, o Menschenkind.

Bei meinem Nahen zu, wo ich Dich roieberfinb'

In Berg unb Thal, in Wald unb Felb an jebeni Ort — Durch alle Welten tragen's kühle Lüfte fort — Drum höre mich!

Du hast mit Müh' bepflanzt bas fluchbelab'ne Lanb Unb legtest bas Gebeih'n mit Fleh'n in Gottes Hanb. In seiner Vatergüte hat er Dich erhört, Des Himmels reichsten Segen Deiner Müh' bescheert: Drum banke Gott!

Kennst Du bes Frühlings Blüthenpracht? Sieh'Oebe nur Unb bürre Blätter künben balb Dir seine Spur!

Dem wilben Strome gleich enteilet Dir bie Zeit, Benütze sie! — balb stehst Du vor ber Ewigkeit: Drum fürchte Gott!

Auch Du, o Mensch, wirst einst vergeh'n wie biese Pracht, Kein Glück wirb bann Dich hemmen, keine Macht.

Doch sei getrost! — Wie auf bie Nacht bas Morgenroth, So folgt Erwachen, Freube, Friebe Deinem Tob: Vertrau' auf Gott!

* Die Selbstmorde der Schüler höherer Lehranstalten.

Eine der traurigsten Erscheinungen der Gegen­wart ist die Thatsache, daß, wie uns in letzter Zeit die Tagesblätter aus verschiedenen Gegenden des deutschen Reiches berichteten, unreife Tertianer oder Sekundaner zur Waffe griffen, um ihre durch Nicht­versetzung verletzte Ehre durch Selbstmord wieder herzustellen und um den Effekt noch zu erhöhen, in Gegenwart ihrer Klasse Hand an sich legten. Daß wir es hier mit einem zum ernstesten Nach­denken anregenden Krankheitssymptom der moder­nen Gesellschaft zu thun haben, liegt auf der Hand, und daß es wohl der Mühe werth erscheint, durch öffentliche Besprechung die allgemeine Aufmerksam­keit auf diese Erscheinung zu lenken, dürfte wohl nicht zu bezweifeln sein.

Man ist sehr leicht versucht, die Schule mit ihren großen Anforderungen verantwortlich zu machen und insbesondere den Lehrerkollegien, welche in ihren Ansprüchen bei den Versetzungen sehr rigoros verfahren sollen, wie manche wohl glauben, die Schuld an derartigen traurigen Vor­kommnissen aufzubürden. Doch wäre ein solches Urtheil sehr oberflächlich. Wer einen Einblick in den Gang von Versetzungs-Konferenzen hat, der wird bald heraussinden, daß die Rigorosität, mit der angeblich verfahren wird, nur ein Spukgespenst ist, das der Phantasie des Publikums sein Dasein verdankt. Etwaige zu rigorose Ansichten eines Mitgliedes der Konferenz finden bald in der Ab­stimmung ihr Regulativ. Wenn ein Schüler nicht versetzt wird, so kann man sicher sein, daß Lei­stungen und Anlagen ihn nicht zur Versetzung be- fähigen, das Sitzenlassen ist der Ausdruck eines Kollegiums und nicht einer Einzelansicht. Daß aber ein gewisses Maß von Anforderung gestellt werden muß, und daß dieses Maß zu bestimmen in einer höheren Hand als in derjenigen der Lehrerkollegien liegt, dürfte bekannt sein.

Nun könnte man sagen, ja, das sei eben, was man als die Schuld der Schule bezeichne; die An­forderungen seien eben zu groß, erzeugten Ner­vosität, und die furchtbar krankhafte Erschei­nung, die sich in der traurigen Verirrung der Selbstmorde zeige. Die Anforderungen, welche die höheren Schulen stellen, sind groß, aber nicht zu groß für die betreffenden Besucher, auf welche die verschiedenen Kategorien rechnen. Hier liegt der wunde Punkt. Es ist zunächst die Verblendung und Eitelkeit der Eltern, welche ihre Kinder in die für dieselben nicht angemessene Schule bringen.

Wir verkennen nicht, daß das Berechtigungswesen

zum Militärdienst ganz ungeeignete Elemente in die höheren Schulen bringt, und es wäre wohl zu wünschen, daß diese Berechtigung, wenn einmal das Einjährigfreiwilligenthum erhalten werden soll, auch Schulen mit einer fremden Sprache zu Theil würde. Würde aber mit dieser Maßregel das oben berührte Nebel gehoben? Gewiß nicht. Wir be- itzen 4 Kategorien von Schulen, deren Reifezeug- niß das Recht zum einjährigfreiwilligen Dienste verleihen: Realschule, Bürgerschule, Realgymna- iutn und Gymnasium, und doch findet ein Andrang nach den mit Latein versehenen Schulen von Schü­lern statt, die sich beim Studium zweier neuer Sprachen nicht überbürdet fühlen würden, für Gymnasium und Realgymnasium aber durchaus untauglich sind. Man findet es gebildeter, vor­nehmer, daß der Sohn das Gymnasium besuche oder daß er wenigstens in einem Realgymnasium mit den römischen Klassikern bekannt werde. Man­cher Vater und manche Mutter, die mit der Gram- matik der deutschen Sprache in Konflikt liegen, blicken schmunzelnd auf ihr Söhnchen, wenn es mit mensa, mensae sich den Kopf zerbricht und denken: So'n bischen Lateinisch ist doch gar wun­derschön. Und nun sitzt solch' ein unglücklicher Schüler jahraus, jahrein über den Büchern, arbei- tet über seine Kräfte und zerarbeitet seine Nerven, in einer höheren Klaffe da geht es nun nicht wei­ter, es wird ihm vertunoet, daß er sitzen blei­ben muffe, er weiß, er hat das ©einige gethan, und er, der mit seinen zerstörten Nerven viel von Heroismus, von Ehre, die höher als das Leben steht, gehört und gelesen hat und vielleicht noch gar Vorwürfe zu Hause erwartet, und die Augen schadenfroher und mitleidiger Mitschüler auf sich gerichtet glaubt, hält das Leben, das ihm ja ohne­hin verleidet ist, nicht werthvoll genug, es zu er­halten.

Wenn die Eltern die Kinder der Schule anver­trauen wollten, die für sie nach Anlagen und Ge­sundheit paßt, so werden sie niemals zu klagen haben, daß dieselbe ihre Ansprüche zu hoch stelle, sie werden ihre Kinder vor Nervenzerrüttung und Ueberspannung und die Schule vor Elementen schützen, die sie mit Freuden entbehrt.

(Frkf. Ztg.)

Z Landwirthschaftliches.

Die Bobenbeschaffenheit übt bekanntlich einen erheblichen Einfluß auf ben Stoffgehalt bet Pflanzen aus. Die Pflanze enthält stickstoffhaltige unb stickstoffliche Serbinbungen, so­wie anorganische Salze. Durch bie Pflanzenkultur werben dem Boden bie Nährstoffe entzogen. Soll aber ber Boden für bas Gebeihen ber Pflanzen nicht ungeeignet werben, so muffen ihm bie erforderlichen Nährbestanbtheile durch bie Düngung wieber zngeführt werben. Es bebarf keiner weiteren Darlegung, baß bem thierischen Dünger vor bem künstlichen unbebingt ber Vorzug gebührt. Denn ber thie- rische Dünger besitzt neben den organischen Stoffen, unter welchen der Stickstoff den werthvollsten Bestandtheil bildet, auch anorganische Salze in hinreichender Menge und leicht assimilirbarer Form, bie sich in ben festen unb flüssigen Ausscheibungen finben. Da aber bei ber Verwesung ober Fäulniß des thierischen Düngers der Stickstoff in Form von Ammoniak sich leicht in die Luft erhebt und für die Düngung verloren geht, so leistet allerdings der künstliche Dünger in Verbindung mit dem thierischen den großen Nutzen, daß er die Zerfallsprodukte des thierischen Dün­gers vor der Verflüchtigung in die Luft bewahrt und so für die Düngung erhalten bleiben. Es handelt sich also bei der Bereitung des thierischen Düngers darum, densel­ben nach Möglichkeit vor Verluste zu schützen. Vorausge­setzt muß werden, daß Verwesung und Fäulniß zwei wesent­lich verschiedene Prozesse sind. Die Verwesung nämlich tritt bei Luftzufuhr auf und ihre Produkte sind: Salpeter­säure, Schwefelsäure, Kohlsäure, in Folge dessen entweder gar kein Stickstoff ober boch nur wenig entweicht. Die Fäulniß bagegen finbet unter Luftabschluß statt unb bas sich hierbei entwickelnde Ammoniak verflüchtigt sich leicht in die Luft. Aus diesem Grunde hat man vorgeschlagen, die Fäulniß in Verwesung überzuführen. Zu diesem Be­hufs fährt man ben Stallbünger im frischen Zustanbe auf

bas Felb, breitet ihn aus, um ihn sofort unterzupflügen. Die sämmtlichen Bestanbtheile werben bei diesem Verfah­ren vom Boben absorbirt. Allein die wirtschaftlichen Ver­hältnisse lassen dieses Verfahren nicht immer zu. Deshalb schichtet man den Dünger auf der Dungstätte übereinander und läßt ihn den Fäulnißprozeß durchmachen, bedeckt dann die Oberfläche mit einer dichten Schicht Erde und sorgt für reichliche Bewässerung. Um das bei der Fäulniß sich ent­wickelnde Ammoniak festzubinden, bestreut man denselben mit Gyps, in Folge dessen das minder flüchtige schwefel­saure Ammoniak und kohlensaurer Kalk entsteht. Der Gyps ist sonach ein ebenso billiges als werthvolles Düngermittel, um den thierischen Dünger vor Verluste zu bewahren. Auch in gesundheitlicher Hinsicht spielt der Gyps eine Hauptrolle, indem durch das Bestreuen der Böden der Pferdeställe das Ammoniak gebunden wirb unb baburch Krankheiten ber Augen unb Athrnungsorgane hintangehalten werben.

Vermischtes.

* Unnachsichtigen Lesern gegenüber, bie über jeben verzeihlichen Druckfehler in bet ihnen gebrachten Lektüre außer sich gerathen, bie ba behaupten, so etwas bürfe nicht vorkommen! möchten wir gleich nnberen Kollegen bie Verse zu beherzigen geben, bie ein Autor auf bem Titelblatt seines von ihm herausgegebenen, viel gelesenen Kalenbers bringt; diese lauten:

Gieb Leser nicht so scharf

Auf alle Fehler Acht!

Es ist noch nie ein Buch Und der, der es gemacht, Unb ber, ber es gekauft, Unb ber, ber es gelesen. Von Fehlern frei gewesen!

sAuch eine Ehrenerklärung^ In Wien würbe dieser Tage eine Ehrenbeleidigungsklage verhandelt, und die Klägerin, welche von der Verklagten eine wuchtige Ohr­feige erhalten hatte, fand sich zu einem Ausgleich bereit gegen Ehrenerklärung. Die Verklagte gab hierauf ber Ge­schlagenen folgende heitere Erklärung ab: „Ich bedauere Sie, daß ich Ihnen eine Ohrfeige gegeben habe." Die Klägerin las den Satz genau durch und war damit — ganz zufrieden. Genügsamer und versöhnlicher kann man wohl nicht fein!

Merkwürdiges Gesuch.) Eine ostpreußffche Pro- vinzial-Zeitung- brachte dieser Tage im Jnseratentheil fol­gendes merkwürdige Gesuch: „Eine Chaise wird von einer älteren Dame gesucht, bie man auf- unb zuklappen kann."

jEin Unentbehrlicher.j In einem ungarischen Dorfe sollte seiner Zeit ein Schuster, ber einen Reisenden beraubt hatte, gehängt werben. Am T ge ber Hinrichtung kamen mehrere Bauern zum Stuhlrichter unb baten um Gnabe für ben Verurteilten, ba berselbe ber einzige Schuster im Dorfe wäre unb sie somit, wenn er tobt fei, barfuß gehen müßten. Richter: Ja — aber wie kann ich benn da Ge­rechtigkeit üben? — Ein Bauer: Ach, bas geht ganz gut, Herr Richter — wir haben im Dorfe zwei Schneiber — unb ba wir nur einen nöttjig haben — so hängens halt ben Anbern! ..... .

^Bestrafte Lüge.) Bettler: „Bitt' schon, ich hab' schon a'paar Tag nix Warrn's gegessen!" — Köchin: „Da haben Sie was!" (Gibt ihm eine Suppe.) — Bettler (un­willig) : „O Jesses, schon wieder a' Brodsuppen — das is heut' schon die vierte!"

(Auch ein Thierschutz.) Vater: „Amanda, setze Dich an's Klavier und finge uns etwas vor." — Sohn: „Papa, ich bin Mitglied des Thierschutzvereins, darf ich nicht wenigstens den Kanarienvogel hinausbringen."

Gottesdienst-Ordnung in Fulda.

Sonntag den 18. Oktober.

Domkirche: 5i/2, 6, unb ?i/2 Uhr hl. Messen; um 9 U. Hochamt mit Predigt; Wk U. Christenlehre für bie Jünglinge unb um 1 Uhr für bie Jungfrauen; 4 u. Predigt unb Abenbanbacht; 7 U. Bruderschaft in ber Mariakapelle. — Stabtpfarrkirche: 5»/« U. hl. Messe mit Prebizt; 7 U. hl. Messe; 8 U. hl. Messe mit Prebigt; 91/2 U. Hochamt mit Prebigt; 11 IX. hl. Messe; UVi U. Christenlehre; 2 11. Andacht; 7»/4 U. Rosenkranzbrub-r- schaft. — Michaelsberg: 10 U. hl. Messe. — Severl- kirche: Donnerstag, 22.Okt., (Fest bes hl. Severus): 71/4 U. Hochamt. — Hospitalkirche: 8 U. Hochamt, 4 U. Abenbanbacht. —Für ben Mütterverein: 61/« U. hl. Messe; 2 IX. Prebigt unb Anbacht. — Frauenberg: 8 U. Bruberschaftsmeffe; 2 U. Prebigt und Bruberschaft.

°x Man annoncirt S am zweckmässigsten, bequemsten u. billigsten, wenn man Anzeigen zur Vermittelung übergiebt an die erste und älteste Annoncen-Expedition von

Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M.

Vertreten in Fulda durch Philipp Siebert.