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1885.

Freitag, den 16. Oktober

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Pfg., — mit der

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Laus auch wieder. Die Diener gingen ebenfalls oft aus und ein. Ich beobachtete drei oder vier schmucke, junge Mädchen und eine alte, gebeugte Frau mit einem alten Kopftuch, die Verwandte eines der Mädchen, welche ungefähr eine Stunde nach Dunkelwerden kam. Ich wartete, bts sie wieder herauskam und verfolgte sie dann eine Zeitlang, um ihr Gesicht zu fehen und einen Blick auf ihre Lände zu thun, aber es war nichts Verdächtiges dabei zu erkennen und keine Verkleidung möglich. Es war unverkennbar eine Frau, welche um da» tägliche Brod zu arbeiten gewohnt ist. Ich sah deutlich, daß ihre Hände braun und rauh waren.

„ES scheint, daß Sie dieser alten Frau viele Aufmerksamkeit erwiesen haben!" bemerkte Graf

^Ja," versetzte Jean Frosiard. „Die Comtesie von Chatrois geht und kommt jedenfalls in einer Verkleidung. Sie hat ein Geheimniß! Em Ge- heimniß aber, H:rr Graf, welches so gewahrt und geheim gehalten wird, muß von hoher, Bedeutung tür die Personen sein, die es betrifft/

In Graf Eugen's Antlitz leuchtete e» plötzlich nn? _ „Froffard, wenn Armand de Vigny noch am Leben wäre!?" .

, „Das ist nicht wahrscheinlich," erwiderte der

• Vor einer Woche gelangte in die katholische Preffe die Nachricht, daß die internationale katholische Telegraphen-Agentur m der Gründung begriffen sei. Es stellt sich setzt Heraus, daß allerdings ein Consortium französischer und italienischer Finanzmänner damit begonnen haben, einzelne — nicht katholische — Journale nut Telegrammen zu bedienen und daß die Unter­nehmer für ihre Nachrichten eine katholische Tendenz in Anspruch nehmen; diese Telegraphen- Agentur hat indeß mit dem auf der Munster schen Katholikenversammlung befürworteten Institut nichts gemein. Liberal-Katholische Spekulanten, zu denen u. a. auch der frühere Chefredakteur des verkrachten .Journal de Rome', Herr Henry de» Houx, gehört, wollen sich den Mangel-eine» telegraphischen Spezialdienstes in kirchenpolitischen Angelegenheiten zu Nutze machen; daß nach dem Bekanntwerden dieser Thatsachen katholische Blätter aus jene Geschäftsverbindung nicht refl ektirm werden, ist selbstverständlich.

• In der preußischen Ausweisungs-Prax i 8 soll jetzt endlich ein etwas milderer Ton angeschla­gen werden. Wie s. Z. berichtet wurde, hatte sich aus dem Kreise Jnowarazlaw eine Deputation zum Minister v. Puttkamer begeben, um wegen Zurück­nahme der Landesverweisungsbesehle vorstellig zu werden. Der Oberpräsident von Posen hat nun im Auftrage des Ministers den Sprecher der De- putation, Rittergutsbesitzer v. Kosciclski, benach­richtigt, daß den von der Ausweisungsordre be­troffenen Feldarbeitern .eine Frist bis zum 1. April k. I. gewährt sei.

• lieber August Reichensperger schreibt der .Moniteur de Rome':

Auqust Reichensperger, der Bruder von Peter Reichens­perger, hat eine Wiederwahl zum Landtage ubgelehnt, rote er sich bereits auch aus dem Reichstage zuruckgezogen hat. Sein hohes Alter, Krankheit, die langwierigen ermüdenden Anstrengungen der parlamentarischen Kampfe, haben ihn bestimmt, di- politische Arena ,u verlassen In einer bei fällig aufgenommenen Rede sauf dem Kölner Parteitag hat der berühmte Redner und Gelehrte, einer der am liebsten gehörten und geachtesten Parlamentarier Deutsch­lands, der bei allen Fragen Gehör fand, und selt ttzW gleichsam die lebendige Verkörperung der katholischen Partei war in dieser Abschiedsrede hat August Re,chensp-rger seinen Freunden als politisches Testament hinterlassen^ „Vereinigung Aller im Kampfe für ine Kirche . Dieses Wort ehrt den Veteran der parlamentarischen Schlachten. Mit ihm schließtgewiffermaßen ein Epoche des politischen Lebens Deutschlands ab. Man sieht schon, rote aus dem

* Zur bulgarischen Frage.

SerbifchenQuellen zufolge soll der strategische Aufmarsch in Serbien am Samstag, den 17 Oktober, vollendet werden. Dann wird König Milan den Oberbefehl übernehmen und in das Hauptquartier abgehen, dessen Ort noch geheim gehalten wird. Im Lause der nächsten Woche sollen die Angriffsbewegungen beginnen, wenn Europa der Stellung Serbiens nicht Rechnung tragt. Nach den getroffenen Anordnungen ist die Bildung von drei Armeekorps wahrscheinlich. Der Aufmarsch wird derartig, daß sowohl Altserbreu wie Bulgarien bedroht wird. Die Meinung darüber, wohin der Angriff zu richten sei, ist in ber Umgebung des Königs noch getheilt. Die fortwährenden Klagen der serbischen Regierung über die Beunruhigung ihrer Grenzdistrikte durch Emigranten-Bauden, die sich auf bulgarischem Gebiete gebildet haben, und die Veröffentlichung des in Kniazevac gefundenen revolutionären Aufrufs lassen es als möglich er­scheinen daß man in Nisch einen Confliktsfall mit dem Fürstenthum schaffen will. Anderseits muß konstatirt werden, daß der Bischof von Nisch kürzlich eine öffent iche Rede gehalten hat, worin er einen Kreuzzug zur Eroberung Altserbiens und Macedoniens taSMW Di- Ps°»- f*«nt auf alle Eventualitäten vorbereitet zusein, und es soll ihr in überraschend kurzer Zeit gelungen fein eine ansehnliche Truppenmacht an den be- drohten Punkten zusammenzuziehen. Em Tete- gramru der ,Agen:e Havas' gibt die Starke der ottomanischen Armeen, welche bis zur nächsten Woche in der europäischen Türkei concentrirt fein werden, mit 150,000 Mann an. Die bulgarische Regierung ist dagegen auf eine serbische Invasion aar nicht vorbereitet, das Gros der Truppen steht Mich des Balkans, und sie sah sich nun gezwungen in aller Eile einige Bataillone nach dem Norden zu disponiren, um sowohl die Hauptstadt als auch den Gebirgssattel von Dragoman, über welchen dk eS »on Mw, nach Sofia W und d°r befestig, werden soll, militärisch zu besetzen. Dw Botschafter in Konstantinopel einigten sich über anderweitige Fassung der Mittheilung we che der Pforte und der bulgarischen Regierung über sandt werden soll. In Wien ist das Gerücht ver­breitet die Pforte habe von den Botschaftern das Mandat erhalten, in Ostrumelien emzuschreiten,

-H- Auf geheimnißvollen Wegen.

Roman von J. -»tznifeld. (23

Während der übrigen Dauer der Reise herrschte im Waggon tiefes Schweigen. Endlich lief der ;>ua in Paris ein. Es war spat am Abend und He Gasflammen flackerten im Winde hm und her. Der Graf nahm einen Wagen und fuhr mit seinem D emr nach dem Hotel, in we^em er wohnte wenn er sich in Pari» aushielt. Da seine Ankunft erwartet wurde, war da» Zimmer erlebtet und erwärmt. Ohne Zögern begann der Graf sichum- »Zm für den Zweck seiner heutigen Rückkehr nack Paris - sür den Ball im PalaiS Chatrois. Er ließ sich Zett dabei, denn er wollte recht viele Sorgfalt auf seine Toilette verwenden. Schließ­lich war Alles nach seinem Wunsche beendet und er nahm neben dem wärmenden Kamm Platz. Ep hatte sich kaum nied rgesetzt als au die Zimmer- tbür aeklovft wurde. Auf fern Herein trat der Poltteisvion Jean Froffard in's Zimmer. Graf Eugen bewillkommte ihn mit freundlichem Grütze. „Nun, Froffard," redete er an., „w°» gibt

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Der Polizist verbeugte sich und nahm auf Eugen 6

mit einer europäischen Kommission zur Seite. Dieses Gerücht ist zur Zeit noch unbegründet könnte aber doch sich verwirklichen. Zunächst wird wohl Fürst Alexander aufgefordert werden, durch seine Rückkehr nach Sofia und die Rückberufung der bulgarischen Truppen den verletzten Rechtszu- stand wieder herzustellen. Sein Verhalten wurde dann für weitere Entschlüffe der Kabinette und für das Maß der Konzessionen den Ausschlag geben. Jedenfalls ist die Lage sehr ernst.

Deutsches Reich.

Berlin, 15. Oktober.

* Die Wahlbewegung, die um so höhere Wellen schlägt, je näher der 29. Oktober heran­rückt, beweist deutlich genug, wie groß die Summe der Wirren und des Haffes ist, die an Stelle der Eintracht und Zufriedenheit in Preußen-Deutsch- land Wurzel geschlagen haben. Unsere Zustande sind derart, daß sie keiner Partei volle Befriedig­ung gewähren, und die Wahltaktik der -Nord­deutschen' ist ganz darnach angethan, das Mißtrauen aller Parteien in die Absichten der Regierung immer mehr wach zu rufen. Zuerst bemühten sich die Offiziösen, die Nationalliberalen von den Frei­sinnigen zu trennen, dann ließen sie die Konser­vativen von der freikonservativen Preffe bekämpfen; dann erhielten die Antisemiten einen Fußtritt und unter der Parole „Mittelpartei-Politik" wurden m vielen Wahlkreisen die Natio nalllberaten mit den Konservativen iufammenaeschweitzt. Wevt nun das Streben der .Norddeutschen' dahin, die eine Partei gegen die andere zu Hetzen, so laßt sich von unserem grimmigsten Gegner, der national- liberalen Partei behaupten, daß sie schon geschlagen ist ehe die Schlacht begonnen hat, und daß ihre moralische Niederlage eine vollkommene ist. Dieses wohlverdiente Schicksal hat sie ihrem Hochmuthe, ihrem Ehrgeize und Haffe zu verdanken und einer Verblendung, welche fast Mitleid erwecken könnte. Wenn nämlich der Lärm der Gradmesser für die Wahlaussichten wäre, dann müßten die Aktien der Nationalliberalen sehr gut stehen; aber weder der Skandal, noch die Phrasen, noch die-Klagender nationalliberalen Presse über das „leidenschaftliche Gebahren" der Gegner werden am 29. den Aus- schlag geben, sondern der empörte Volksunwille wird über sie den Stab brechen.

Aufforderung ihm gegenüber Platz. „Ich habe nichts zu berichten, Herr Graf," antwortete er mit schlecht verhehlter Verdrießlichkeit. „Sie beauftrag­ten mich am Dienstag Abend. Heute ist Freitag. Ich habe während dieser Zeit das Palais Chatrois streng bewacht. Vorgestern beobachtete ich, daß die Fenstervorhänge der Zimmer, welche die Comtesie bewohnt, in die Höhe gezogen wurden. Am Abend sah ich die Comtesie einen Augenblick aus einem der Fenster sehen und eine Stunde später fuhr sie mit ihrem Vater, dem Grafen von Chatrois, ?U®rof Eugen's Antlitz erhellte sich. „Wann kam die Comtesse Gabriele zurück?"

Der Geheimpolizist schüttelte den Kopf. »Das weiß ich nickt," bekannte er. „Wenn sie überhaupt vom Hause fort war, dann muß sie sich sehr ge- schickt verkleidet haben. In diesem Falle muß sie ein sehr wichtige» Geheimniß zu verbergen haben.

„Welche Personen gingen im Palais ein und aus, 'nachdem Sie Ihren Beobachtungsposten an- getreten hatten und bevor Sie die Comtesse am Fenster sahen?" fragte er. .

Es waren mehrere Leute zum Befuche rm Pa­lais des Grafen von Chatrois," entgegnete Froffard kleinmüthig. „Und Jeder, der kam, verließ das