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1885.

Mittwoch, den 14. Oktober

Fuldaer

resp. 3839.

resp. 1983; resp. 2733; resp. 3226; resp. 3791; resp. 3937;

1878: 316 resp. 3004; 1879: 299

1880: 431 resp. 3590; 1881: 524

1882: 656 resp. 3928; 1883: 747

1884: 894 resp. 3919; 1885: 1010

„Niemand darf es erfahren. Es ist mein strenges Geheimniß. Aber Sie haben Armand's Augen. Ihnen vertraue ich unbedingt. Sie sollen es wissen. Nein, ich glaube nicht allein nicht an seinen Tod, ich habe sogar den sichersten Beweis in Händen, daß er nicht in Rio gestorben ist!" Wieder warf die alte Frau einen scheuen Blick nach der Thür, ehe sie fortfuhr:

„Ich habe manche Nacht nicht schlafen können, wenn ich an das einsame Grab des jungen Grafen drüben in Südamerika dachte. Da ging voriges Jahr mein Sohn, welcher Seemann ist, nach Rio und ich beauftragte ihn, die Ruhestätte des armen Armand aufzusuchen und einen Marmor-Leichenstein darauf setzen zu laffen. Ich gab das Geld dazu von meinen Ersparnisien. Mein Sohn suchte nach dem Grab, aber er fand es nicht. Er wandte sich deshalb an den Spanier, bei welchem der Graf gewohnt und bei dem er auch gestorben sein sollte. Nach längerem Zögern und durch ein Geldgeschenk dazu veranlaßt, gestand dieser endlich, daß der Tod nicht erfolgt, sondern daß Armand wieder genesen sei. Er starb also nicht in Brasilien, wie Alle glaubten!"

Giralva konnte ihr Erstaunen nicht verbergen.

„Mein Sohn machte ausfindig," sprach die

Deutsches Reich.

Berlin, 13. Oktober.

* Obwohl offiziöse Stimmen aus Petersburg die strikte Aufrechterhaltung des Berliner Vertrages als das geeignetste Auskunftsmittel in der bul­garischen Krisis empfehlen, verlautet aus hiesigen diplomatischen Kreisen doch nach wie vor, daß die Zustimmung der Mächte, auch Rußlands, zu einer Anerkennung der bulgarischen Union als gesichert zu betrachten sei. Die Situation gilt heute für sehr kritisch. Man fürchtet, daß Serbien und Griechenland nicht zurückzuhalten sind. Die bis­herigen Vorstellungen haben keinen Erfolg gehabt. Es werden jetzt offiziös noch energischere gemein­same Schritte der Mächte angekündigt, doch ist schwer verständlich, worin dieselben bestehen sollen. Man scheint anzunehmen, daß der König von Griechenland nicht mehr Herr der chauvinistischen Bewegung in Athen ist, und ist auf den Ausbruch einer Katastrophe gefaßt.

• Die .Kolonialpolitische Korresp.' bestätigt, daß der Sultan von Sansibar den völlig unge- störten, unbeschränkten Besitz des Hafens von Dar-es-Salam unter seiner politischen Oberhoheit der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft abgetreten

-rr Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von ?. S-hkufel». (21

Das Gesicht der Haushälterin blickte unwillig. „Der Schein sprach gegen ihn," erwiederte sie eifrig, „aber ich bin fest überzeugt, daß Armand de Vigny schuldlos war. Er war der nobelste und fröhlichste Jüngling, den man sich denken konnte. Er konnte unmöglich solch' ein Verbrechen begehen. Der arme, junge Mann floh nach Brasilien und starb dort, wie man allgemein annimmt!"

Ueberrascht blickte Giralda die Sprecherin an. „Sie reden, als ob sein Tod nicht bewiesen sei?" rief sie erregt aus.

„Sprechen Sie leise!" gab Madame Roger zurück. „Seitdem Graf Eugen mit seinem Diener wieder im Schlofie ist, fühle ich mich keinen Augen­blick sicher." Sie unterbrach sich selbst. Sich von Giralda abwendend, die überrascht den Worten der alten Frau lauschte, ohne zu ahnen, in welch' naher Beziehung sie selbst zu diesem Ereignisie stand, schlich sie geräuschlos der Thür zu und lauschte athemlos. Als Alles still blieb, kehrte sie zurück und fuhr im Flüstertöne mit besonderem Nachdruck fort:

Prüfung eine Besierung der juristischen Carriere so bald noch nicht erwarten.

• Köln, 12. Okt. Das Andenken, welches auf Anregung des Abg. Julius Bachem in Köln die Versammlung der Vertrauensmänner der Centrums­fraktion dem aus dem politischen Leben scheidenden Herrn August Reichensperger zu widmen beschloß, soll au« einer hochkünstlerischen Adresie der Centrumspartei des ganzen Rheinlandes be­stehen, deren ornamentale Ausstattung auf das Gesammtwirken des scheidenden politischen Veterans hinweist. So soll das Hauptthor von Erfurt darin dargestellt werden, deffen Erhaltung A. Reichens­perger zu danken ist, die Paulskirche zu Frank­furt a. M., in welcher er in sturmbewegter Zeit seinem Namen Klang und Ruhm erworben, das bekannte Haus am Dönhofsplatz in Berlin, und besonders auch der Kölner Dom, aber jene be­kannte Abbildung desielben mit dem Domkrahnen aus der Zeit, wo er noch nicht fertiggestellt war, zur Erinnerung daran, daß A. Reichensperger am meisten für die Vollendung des Kölner Domes gethan hat. Der geschäftsführende Kölner Ausschuß des kathol. Central-Wahlkomitees wurde mit der Ausführung betraut. Außerdem hielt Herr Abg. von der Acht der Partei vor, eventuell noch ein weiteres zu Ehren A. Reichensperger zu thun.

* Hanau, 13. Okt. In der am Samstag im Saale des Gasthofs zum „Riesen" abgehaltenen Versammlung von Mitgliedern des nationalliberalen Wahlvereins und Parteifreunden wurde, laut dem ,H. A.', einstimmig Herr Commerzienrath Jac. Fr. ZimuMmann cl£ Kandidat für dm Landtag aufgestellt. Gleichzeitig wurde der Vereinbarung des Vorstandes des nationalliberalen Wahlvereins und des Vorstandes des konservativen Wahlkomitee's zugestimmt, in Folge deren die konservative Partei von der Aufstellung eines eigenen Kandidaten für den Landtag absieht und die Wahl des Herrn Zimmermann unterstützt, wogegen bei der nächsten Reichstagswahl die nationalliberale Partei in gleicher Weise die konservative Partei unterstützen wird.

inj Fulda, 12. Okt. Dem Ansuchen der jüngst in Fulda versammelten preußischen Bi­schöfe, die hl. Landgräfin Elisabeth zur Patronin der frommen Frauenvereine ihrer Diözesen zu er­klären und zu gestatten, daß das Fest derselben am 19. November als duplex II. classis gefeiert

hat.

* Nach dem neuesten Decker'scken Terminkalen­der für Justizbeamte, welcher die offiziellen Per­sonal-Listen der Justizbeamten enthält, ist die Zahl der Assessoren in Preußen auf 1010 gestiegen, wäbrend Referendare zu Ende Juni d. Js. 3839 vorhanden waren. Um einen Vergleich zu ermöglichen, wie der Andrang zur juristischen Car- riere zugenommen hat, geben wir aus den früh­eren Jahrgängen folgende, auf den Sommer bezw. Herbst des betreffenden Jahres zu beziehende Da­ten. Es waren in Preußen vorhanden 1874: 271 Assessoren, 1744 Referendare; 1875: 220 " - 1876: 216 resp. 2326; 1877: 265

Während also die Zahl der Affesso- ren in stetem Steigen begriffen ist, beginnt die Zahl der Referendare allmälig langsam zu sinken. Doch läßt sich bei der großen Zahl der noch vor- handenen Assessoren und dem Andrang zur zweiten

werde, wie dies schon früher dem Bisthum Fulda zugestanden worden war, hat der Heilige Vater bereits am 10. September mit großer Freude ent­sprochen und dieses Jndult auf alle Diözesen Deutschlands ausgedehnt. Gewiß werden die Ver­ehrer des liebenswürdigen Vorbildes des deutschen Frauengeschlechts in allen seinen Ständen diese Erklärung Leo's XIII. mit hoher Befriedigung aufnehmen. Ihrem dankbaren Gefühle, sowie ihrer Liebe zur neuen Patronin können dieselben einen recht paffenden Ausdruck verleihen, wenn sie den Bauder Elisabeth-Kirche in Eisenach durch gütige Spenden unterstützen. Der nach einem Riffe des Profeffors Schneider aufzuführende Bau soll im nächsten Frühjahr begonnen, und, so Gott will, noch vor Winter unter Dach gebracht werden. Obschon die Kirche ganz einfach im frühgothischen Stile projektirt ist, so daß Viele sie wahrscheinlich kostbarer wünschen werden, so fehlt doch noch ein bedeutender Theil der Bausumme. Alle Freunde der Heiligen werden deshalb auf diesem Wege innigst gebeten, zu Gunsten des Kirchbaues, welcher den Akt der päpstlichen Huld so recht zu verewigen geeignet und mithin eine Ehrensache für die Ka- tholiken geworden ist, ein Scherflein freundlichst beizutragen und es an den Pfarrer I. Kremer in Eisenach oder an den Domkapitular Dr. Komp in Fulda gelangen zu laffen.

* Aus Bayern wird der .Germania' ge­schrieben: Das seit Langem mit Spannung er­wartete Lehrbuch der katholischen Reli­gion für die Gymnasien in Bayern ist vor Knrr-M erschienen ynd von der katholischen Presse allenthalben mit freundlichem Willkommen begrüßt worden. Es wird wohl nicht viele Bücher geben, die mit so großer Sorgfalt und so gewissenhafter Genauigkeit ausgearbeitet wurden, wie das vor­liegende Lehrbuch. Inhalt und Form desselben sind durch eine Commission gewiegter Theologen und erfahrener Schulmänner unter dem Vorsitz des Hochwürdigsten Herrn Erbischofs von München- Freising nach eingehender Prüfung endgiltig fest­gestellt worden. Sämmtliche Bischöfe Bayern- Haben das Buch approbirt und mehrere derselben haben sich an der Abfaffung desselben persönlich betheiligt. So ist ein Werk entstanden, das an Gründlichkeit und Reichhaltigkeit nichts zu wünschen übrig läßt, ohne daß dabei, wenigstens im Ganzen genommen, an die Schule allzuhohe Forderungen Haushälterin, immer aufgeregter werdend, weiter, „daß Graf Armand Rio bald darauf verließ und nach Westindien ging. Es ist also wahrscheinlich, Fräulein Alvarez, daß er noch lebt. Wenn mein Herr eine Ahnung davon hätte, so würde er nicht eher ruhen, als bis er seine Spur ausgekund- schastet und ihn im Gefängniß wüßte. Fräulein Alvarez, wollen Sie mir nicht helfen, das harte Herz des alten Marquis zu erweichen zu Gunsten seines unglücklichen Neffen? Wenn der junge Herr leben, wenn er hier in Frankreich sein sollte —" Ihre Stimme versagte den Dienst, sie konnte nur noch mit den Augen bitten.

„Gewiß, ich will gern versuchen, Ihnen zu helfen, Madame Roger," versetzte Giralda, tief bewegt von solcher Anhänglichkeit. „Wenn ich nur bestimmt wüßte, daß der junge Mann wirklich an dem Verbrechen unschuldig ist, das man ihm zur Last legt! Aber das :st kaum möglich. Wie kam er mit dem Meffer in der Hand in seines Onkels Zimmer, wenn nicht, um ihn zu tobten ? Der Wirth im Dorfe drüben hat mir erzählt, daß er seinen Oheim wirklich in die Schulter gestochen hat. Wie könnte ich zu Gunsten eines Mörders sprechen? Ich kann nur den alten Herrn bitten, ihm zu vergeben, wie auch er einst auf Vergebung hofft."

Die.Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn, und Feiertage au-genomm-n. BiAeljährlicher Abonnementspreis. ohne »A^ohn und Bestellgeld: 1 SW. 50 Pfg, - mit der ........—