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1885.

Fuldaer

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Aufruf.

Au die Mahler und Gefinuungs-Geuossru der Centrums-FraKtiou

wenden wir uns in offener Aussprache bei Ablauf der Wahlperiode des preußischen Abgeordnetenhauses:

Unabänderlich sind die Prinzipien, auf deren festem Grunde die Centrums­partei von jeher gestanden hat. Unsere Aufrufe von 1876, 1879 und 1882 haben sie näher dargelegt. Für dieselben, auch in schwie­riger Lage, ungebrochenen Muthes zu kämpfen, war unsere Pflicht und unsere Ehre.

Auf dem Gebiete der Wirthschafts- und Finanzpolitik haben wir insofern erfreu­liche Erfolge zu verzeichnen, als durch die aus­schlaggebende Haltung der Centrums-Fraktion des deutschen Reichstages und des preußischen Abgeord­netenhauses, welche einmüthig gemeinsame Ziele erstreben, — es erreicht wurde, daß der nothwen- dige und laut geforderte bessere Schutz der vater­ländischen, insbesondere auch der landwirthschaft- lichen Produktion bewirkt, zugleich aber auch durch das auf Anregung der Centrums-Fraktion des Ab­geordnetenhauses erlaffene Verwendungs-Gesetz, unserem Programm entsprechend, — bestimmt wurde, daß die Mehreinnahmen zur Erleichterung der direkten Steuern, zur Entlastung der Kom­munen dienen.

Dir angebahnte prozentuale Besteue­rung der Börsengeschäfte ist ein Fortschritt auf dem von uns stets erstrebten Wege gleicher und gerechter Vertheilung der Steuerlast, und ein Mittel, die Ausgleichung des vorhandenen Defizits des Staatshaushalts-Etat ohne Mehrbelastung der bisher schon zu hoch Besteuerten zu bewirken.

Die Gesetzgebung zum besseren Schutz der Handwerker und Arbeiter hat unter Anregung und Mitwirkung der Centrumspartei Fortschritte, wenn auch nicht genügende, aufzuweisen.

Gewiß unterschätzen wir den Werth der vorauf­geführten Errungenschaften nicht. Aber wir dürfen nicht verkennen und nicht verschweigen: daß sie nur dann dauernd segensreich wirken können, wenneine gesunde Entwickelung unseres Rechts- und Verfassungslebens ihnen zur Seite steht. Wir müssen aus- sprechen, daß sie zu einer Gefahr für das Leben der Nation werden, wenn diese

■tt Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von I. gohrnfeld.

„Wohlan, diene mir treu, Jaques Ricard, und Du sollst es nie bereuen, wieder in meine Dienste getreten zu sein!"

Zufriedenheit und Genugthuung spiegelten sich in des Mannes rauhem Gesicht ab. „Ich werde jetzt gehen, um mir neue Kleider zu kaufen," sprach er, sich erhebend. „Rach einer Stunde bin ich zurück. Sie sollen auf mich bauen können. Selbst wenn Armand de Vigny nicht tobt sein sollte, so werde ich dennoch treu zu Ihnen stehen und es mit Ihnen halten, Herr Graf. Ich habe mich jetzt Ihnen zugeschworen mit Leib und Seele!" Er verließ das Zimmer und Graf Eugen sah ihm mit einem bedeutungsvollen Blick nach.

„Ja, er ist jetzt mein mit Leib und Seele, er ist mein Sklave!" murmelte er. „Sollte Armand be Vigny zurückkehren, dann möge Gott ihm bei­stehen! Und Gabriele — ich werde sie gewinnen und endlich als mein Weib heimsühren! Sie soll erkennen lernen, daß sie es mit einem Manne zu thun hat, der sie an Kühnheit übertrifft' So gewiß wir Beide leben, so gewiß wird Jean Frossard ihr

überdiemateriellenVortheileundFort- schritte vergessen könnte, daß die Ge­rechtigkeit dasFundament derReiche ist.

Diese Gerechtigkeit, welche insbeson­dere durch den kirchenpolitischen Streit so schwer verletzt wurde, sie harrt noch der Wiederherstellung; ja, sie ist mehr in Frage gestellt, denn früher.

Der sogenannte Kulturkampf ist nicht beendet. Diese Wunde, die allergefährlichste, an der das Vaterland leidet, sie blutet fort.

Die freie Bewegung und Selbstständigkeit der Kirche, welcke ebenso sehr ihr und des christlichen Volkes heiliges unveräußerliches Recht, wie die Be­dingung ihrer segensreichen Wirksamkeit für Staat und Gesellschaft ist, bleibt verschränkt; der christ­liche Charakter der Schule, das Recht der Eltern auf die Erziehung ihrer Kinder ist noch immer beeinträchtigt.

Wohl sind einige Milderungen eingetreten, was wir anerkennen, ohne jedoch zu übersehen, daß wesentlich das Staatsinterssse solche verlangte.

Aber wir dürfen uns durch dieselben nicht täuschen und einschläfern lassen. Vergessen wir nicht, daß alle die Frei­heit der Kirche beschränkenden Gesetze fort besteh en, daß di.selben also jederzeit mit voller Wucht wieder auf uns niederfallen können; daß die Bischöfe nach wie vor in der freien Aus­übung ihres Hirtenamtes behindert, so viele Pfar­reien noch ganz verwaist sind; daß die Seelsorge nicht hinreichend und nicht gentbuit, die Heron- bildung des Klerus nach kirchlichen Grundsätzen unmöglich ist.

Wiederholt haben wir auch in dieser Legislatur- Periode die Aufhebung, bezüglich die Revision der Ausnahme-Gesetze, die Beseitigung wenig­stens derjenigen, welche die Freiheitder Kultusakte, das Lesen der hl. Messe und die Spendung der Sakramente unter Strafe stellen, verlangt.

Vergeblich!

Wir können und dürfen uns aber mit vorübergehender Duldung, mit Gnade und Nachsicht nicht begnügen, wo wir ein volles Recht zu fordern haben; wo wir solches fordern müssen für unfern Glauben und unsere Kirche, für uns selbst und unsere Kinder, aber auch im Interesse des Vaterlandes. Denn

Geheimniß entdecken und ich werde Alles erfahren und sie demüthigen, noch bevor die Sonne sieben­mal zur Neige geht!"

IV.

Und Gabriele? Was war inzwischen aus ihr geworden? Nachdem sie, in der Stille ihres Boudoirs angelangt, sich minutenlang ihrem Schmerze hin­gegeben, sprang sie plötzlich heftig auf und der frühere Ausdruck heroischer Entschlossenheit leuch­tete aus ihren Zügen. Wie suchend blickte sie um sich. Sie verließ das Boudoir und betrat das Ankleidezimmer.

Ein sanftes, gedämpftes Licht erhellte sämmtliche Räume und die Luft in den Gemächern glich der­jenigen eines schönen, warmen Sommerabends. Die Vorhänge waren herabgelassen und ein be­quemer Lehnstuhl stand in der Nähe des Kamins.

Die Comtesse erfaßte den nahe der Thür befindlichen Glockenzug. In sichtbarster Erwartung schritt sie dann in dem Zimmer auf und ab. Bei der Erinnerung an ihr letztes Gespräch mit Graf Eugen stieg ihr auf'S Neue die Röthe des Un­willens in's Antlitz. Sie war ärgerlich mit sich selbst darüber, daß sie ihm schließlich doch ihre Zusage, seine Werbung erneuern zu dürfen, ge­geben habe. Gleich einer gefangenen Löwin in i

der revolutionären Strömung, die ringsum sich breit macht, den Gefahren für Thron, Staat und Gesellschaft, kann nur ein christlich erzogenes, gottes­fürchtiges Volk erfolgreich Widerstand leisten. Wir müssen und wollen daher für die Freiheit unserer hl. Religion kämpfen bis zum endlichen Siege.

Hierin liegt die tiefgreifende Bedeu­tung der bevorstehenden Wahlen. In Anbetracht derselben richten wir an unsere Ge- sinnungsgenossen die dringende Aufforderung, Alle an der Wahlurne zu erscheinen, aber auch nur denen ihre Stimme zu geben, welche gewillt sind, uns diese, vor Allem nothwendigste Freiheit erkämpfen zu helfen.

Für Wahrheit, Recht und Freiheit!

Mit diesem bewährten Schlachtruf pflanzen wir unsere Fahne im Wahlkampfe auf. Erfülle ein Jeder seine Pflicht! Die Wähler an der Wahlurne, wir im Landtage, wenn Ihr Vertrauen uns wieder dorthin entsendet. Der Sieg liegt in Gottes Hand! er wird denen nicht fehlen, die treu ausharren.

Berlin, im Mai 1885.

Dir Eeutrumsfraktiou des preuß. Abgeorduetenhaules.

I. A.:

Der Vorstand derselben 1882—1885.

Dr. Freiherr v. Schorlemer-Alst. Dr. Windthorst (Meppen). Dr. Reichensperger (Köln). Dr. RetchenS- perger (Olpe), Borowski. Hnffer. Biesenbach. Graf Matuschka. Scholz (Neisse). Kaufmann. Dr. Frei­

herr v. Heeremann Dr. Krebs.

Deutsches Reich.

Berlin, 29. September.

* Wie offiziös berichtet wird, soll die Publi­kation des Termins für die Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause am 1. Oktober er­folgen.

* Die ,Nordd. Allg. Ztg." widerspricht der Nach­richt von einer bereits faktisch vollzogenen direkten Verständigung zwischen Spanien und Deutsch­land und fügt hinzu, zunächst bleibe die zweite spanische Note deutscherseits zu beantworten. Der Entwurf der Antwort liege dem Kaiser vor, das Aktenstück werde voraussichtlich erst Ende der Woche nach Madrid abgehen.

* Es ist unverkennbar, daß eine ernstere Auf-

einem Käfig durchmaß sie das Gemach mit großen Schritten. „Dieser Elende!" murmelte sie vor sich hin. „Mit welchem Blick er mich ansah! In dem Augenblick durfte ich ihn nicht reizen, denn ich habe Grund, in ihm einen gefährlichen Feind zu fürchten! Ich muß ihn hinzuhalten suchen; ich darf cs nicht zum Aeußersten kommen lassen, will ich nicht Alles verderben!"

In diesem Moment wurde die Thür geöffnet und die Dienerin, welche auf ihren Ruf gekommen, trat ein. Wie treu ergeben dieselbe ihrer Herrin war, bekundete schon ihr Blick, als sie jetzt Gabriele nähertrat. Sie war ihre vertraute Dienerin, die ihr Geheimniß theilte und treu bewahrte. Mit der übrigen Dienerschaft des Palais kam sie fast gar nicht in Berührung, auch hatte sie ihr eigenes Zimmer, welches direkt an das ihrer Herrin stieß.

„Hilf mir schnell, mich umkleiden, Jeanette," sprach die Comtesse Gabriele zu ihr, indem sie nach ihrer mit Diamanten besetzten Taschenuhr sah, „ich habe keine Minute zu verlieren!" Sie begann ihre Armbänder, Ringe und Halskette zu entfernen und all' diese blitzenden und schimmern­den Sachen hastig auf den Toilettentisch nieder­zulegen.

„Es ist furchtbar stürmisch draußen, gnädige