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JX£ 221.

Montag, den 28. September

1885.

Fuldaer

Die »Fuldaer Zeitung" erscheint täglich. Sonn- und Ferertage ausgenommen. Vlerteliahrlicher Abonnem-ntsprelsi ohne Bnngerlohn«undBestellgeld. 1 Mk. 50 Pfg., m,t d belletriMchen Wochenbeilage »Sterne und Blumen" m Fulda 1 Mk. 70 Pfg.» auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltig- Zeile oder deren Raum 15 Pfg.» sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

An die Freunde und Leser der »Fuldaer Zeitung^

richten wir anläßlich des bevorstehenden Quartals­wechsels wiederum die Bitte, dieses einzige politische Organ unserer Partei in der Diözese Fulda auch fernerhin unterstützen zu wollen.

Die katholische Presse kann auf dem Wege allmäliger Fortentwicklung das ihr gesteckte Ziel nur dann voll und ganz erreichen, wenn man sich ihre Vervollkommnung auf Seiten des katholischen Lesepublikums auch wirklich ange­legen sein läßt. Nur deßhalb ist die liberale Presse so einflußreich und mächtig geworden, weil sie von der liberalen Beamtenwelt und dem liberalen Bürgerthum mit geistigen, materiellen und gesellschaftlichen Mitteln lebhaft unterstützt wird. Unsere katholischen Blätter sind meist noch jung und die zur Unterstützung berufenen Volksschichten sind betreffs ihrer Stellung zur Presse vielfach noch in der Lehrzeit begriffen. Abonniren und Jnseriren sind die Elementarpflichten gegen die unserer Sache dienenden Blätter, aber es gibt noch mehr zu thun: 1) die Blätter zu empfehlen und zu verbreiten bei Verwandten und Be­kannten, sowie in öffentlichen Lokalen und 2) an der Presse mitzuarbeiten. Letzteres kann auch derjenige, der zur Abfassung von gelehrten Artikeln keine Lust ver­spürt, indem er wenigstens über bemerkenswerthe Vorkommnisse aus dem alltäglichen Leben einige Zeilen niederschreibt und der Redaktion übersendet.

Heutigen Tages ist Jedermann zur Theilnahme am politischen Leben berufen und auf Zeitungslektüre ange­wiesen. Fn Folge dessen hat die katholische Tagespresse eine so hervorragende Bedeutung erlangt, daß selbst der hl. Vater in richtiger Erkenntnis; ihrer Wichtigkeit den Katholiken das Halten und Lesen katholischer Zeitungen sowie die Unterstützung derselben dringend an's Herz legte. Auch ist noch in frischester Erinnerung, was auf der jüngsten Generalversammlung der Katholiken Deutschlands über die Presse gesagt wurde. Immer noch schicken Katholiken ohne jede Roth und Entschuldigung — so führte nämlich der Abg. Julius Bachem aus — Annoncen an Blätter, welche Allem, was katholisch heißt, abgeneigt sind. Aber an Ver­lautbarungen von Wünschen und unglaublichen Zumuthungen fehlt es nicht. Man vergißt gar zu leicht, daß Abonniren und Jnseriren über Raisonniren geht. Der katholischen Presse ist in der schweren Krisis der letzten zwölf Jahre eine großer Theil der Aufgabe zugefallen, unablässig unter großen Opfern an Geld, Geldstrafe und persönlicher Frei­heit nach rechts und nach links die Angriffe aus unsere hl. Kirche abzuwehren, und sie wird diese große und wichtige Aufgabe auch fernerhin erfüllen, aber sie kann dies um

so besser thun, je mehr die Katholiken sich bewußt werden, daß die Unterstützung ihrer Preffe Pflicht und Ehren­sache ist.

Jedernmnn kennt die Lage der katholischen Kirche in Preußen und weiß deshalb auch, wie sehr es bei den im nächsten Quartal stattfindenden Landtagswahlen darauf ankommt, recht viele und tüchtige Vertreter unserer hl. Sache in's Abgeordnetenhaus zu senden. Schon jetzt beginnen die Parteien, sich zu rüsten. Auch die,Fuld ae r Zeitung" wird der Wahlbewegung die vollste Aufmerk­samkeit schenken und alle zuverlässigen Mittheilungen aus den benachbarten Wahlkreisen in geeigneter Weise zur Kenntniß bringen. Und welcher katholische Leser empfände es in solchen Tagen nicht ganz besonders wohlthuend, auch in seinem Wahlkreise ein Blatt zu besitzen, welches seine Wünsche und Grundsätze dem Gegner zum Trotz mit aller Unzweideutigkeit und Entschiedenheit vertritt? —

Die Redaktion wird auch in Zukunft bemüht sein, allen billigen Anforderungen gerecht zu werden; sie wird in knapper Form möglichst viel des Wissenswerthen aus dem In- und Ausland, sowie aus Stadt und Umgegend be­richten, durch geeignete Leitartikel jederzeit einen Ueber- blick über die veränderte politische Lage bieten und durch ein sittlich-tadelloses, spannend geschriebenes Feuilleton auch für angenehme Unterhaltung sorgen.

Die ,Fuldaer Zeitung" ist als täglich erscheinendes Blatt in Bezug aus Format und Abonnementspreis so vortheil- haft und zweckentsprechend eingerichtet, daß sie in keiner katholischen Familie der Fuldaer Diözese fehlen sollte.

Der Abonnementspreis beträgt pro Quartal Mk. 1.50, mit der Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' Mk. 1.75 (ohn- Restell^eld). , ■ - ■

Alle Postanstalten, Landbriefboten und Zeitungsträger sowie die Expedition (Buttermarkt) nehmen Bestellungen an.

Der Anfang des Romans „Auf geheimnißvollen Wegen" wird neu zugehenden Postabonnenten gegen Ein­sendung der Postquittung gratis und franko nachgeliefert.

Redaktion und Kerlag der »Fuldaer Zeitlins'.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. September.

* Als die erste Nachricht über eine etwaige päpstliche Friedensstiftung in der Karolinen­frage auftauchte, wurde sie von der ganzen katho­lischen und einem Theil der sonstigen Presse mit Vorbehalt in Erwartung der Dinge, die da kom­men würden, ausgenommen. Die übrige Presse aber ging in ihren Urtheilen so weit auseinander,

daß ein Theil dieser Blätter die Nachricht verspot­tete, sie nicht ernst nahm, sie geradezu als „Scherz" bezeichnete und als so „seltsam", daß sie unglaub­lich wäre; andere Blätter aber sahen in der von ihnen mehr oder weniger gläubig und allgemein wenigstens als Andeutung nächstens möglicher Dinge eingenommenen Nachricht - von der päpstlichen Vermittelung beziehungsweise dem päpstl. Schieds­spruch — einen Gegenstand ihrer kulturkämpferi­schen oder protestantischen Sorgen: es handle sich um einen Triumph des Papstthums, um eine Wie­derauffrischung der alten Weltherrschaft, _ und das Alles nach fünfzehnjährigem Kulturkampf! Nun, die Nachricht hat sich bestätigt, und daß Rom, sagt die ,Germ.', seinerseits der Höhe der Anforderun­gen sich gewachsen zeigen wird, dafür bürgt uns der dem päpstlichen Stuhle sichere göttliche Schutz, die in den Jahrhunderten bewährte Erbweisheit Roms, der mit erhabener Stellung verbundene weite und überschauende Blick und die auch von den Feinden der Kirche so oft schon bewunderte römische Tüchtigkeit auch in den praktischen Auf­gaben des öffentlichen Lebens, in den diplomatischen Geschäften zumal, sowohl in sachlicher wie formet* (er Hinsicht. Und auch darüber haben selbst die Feinde der Kirche seit der Erhebung des Papstes Leo XIII. aus den Stuhl Petri oft genug Zeug- niß ablegen wüsten, daß die Person des jetzigen Trägers der Tiara mit ganz hervorragenden Eigen­schaften des Geistes, Herzens und Charakters aus­gestattet und zugleich in den Amtsgeschäften und in der Diplomatie durch Erfahrung bewährt und durch Geschicklichkeit ausgezeichnet ist. Und so sind auch'nach dieser Seite hin die Bedingungen des Friedenswerkes in glänzender Weise gegeben.

♦ Die bulgarische Frage scheint sich friedlich beizulegen. Die Pforte ist nicht bewaffnet gegen die Aufständischen eingeschritten, sondern hat sich zunächst in zwei diplomatischen Rundschreiben an die Mächte gewendet, um deren Anschauungen zu erforschen. In dem ersten Rundschreiben scheint der Sultan den Mächten die Frage vorgelegt zu haben, ob er gegen den aufrührerischen Bulgaren­fürsten von den Rechten des 8 16 des Berliner Vertrages, also des bewaffneten Einschreitens zur Wiederherstellung der Verlragsordnung in Rume- lien, Gebrauch machen solle. Eine offizielle Ant­wort haben die überraschten Regierungen darauf noch nicht ertheilt, wohl aber scheint man dem

-H- Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von I. D»he»fel>.

III.

In der furchtbaren Aufregung, in der Eugen sich befand, beschloß er, zu Fuß nach seinem Hotel zurückzukehren, und io schritt er denn durch Sturm und Regen in den Abend hinaus. Seine Gedanken weilten bei dem Geheimniß, welches Gabriele um­gab. Er wandelte' durch die Straßen wie im Traum. Plötzlich stand er still. Seine Augen schienen den feuchten Nebel durchdringen zu wollen. Er hatte einen Entschluß gefaßt — es mußte etwas geschehen ! „Ich muß dieses Geheimniß erforschen!" murmelte er vor sick hin. „Ich werdeJemanden beauftragen, Gabriele auf Schritt und Tritt zu folgen und sie unausgesetzt zu beobachten!" Schneller eilte er jetzt weiter und begab sich, sobald er sein Hotel erreicht hatte, sofort auf sein Zimmer. Dasselbe, welches Empfangs-, Wohn- und Schlaf­zimmer in einem bildete, war nur sckwach be­leuchtet. Es war feucht und in jeder Weise un- gemüthlich in demselben.

„Welcher Kontrast im Vergleich mit dem Palais Chatrois!" rief der junge Graf aus. „Ich bin

dieses glänzenden Elends überdrüssig und sehne mich nach einem eigenen Heim." Er zog heftig an dem Glockenzug und entledigte sich dann seiner Ueberkleider. Er hatte sich kaum auf einen Sessel niedergelassen, als ein Auswärter, seinem Rufe Folge leistend, ins Zimmer trat und ihm einen Brief überreichte.

„Diesen Brief, Herr Graf," sagte er, „brachte ein Mann, während Sie fort waren; er hinterließ den Bescheid, daß er heute Abend noch wieder- kommen wollte."

„Gut," versetzte Graf Lamartin kurz, den Brief nickt weiter beachtend. Hastig schrieb er einige Worte mit Bleistift auf eine Karte, welche er seinem Taschenbuche entnommen hatte und welche er jetzt in ein Couvert steckte. „Ich wünsche, daß dieser Bries besorgt werde. Sorgen Sie dafür, daß kein Zeitversäumniß stattfindet. Jeden weiteren Be­sucher bitte ich sogleich zu mir heraufzuschicken."

Er versiegelte das Kouvert und adressirte es an „Herrn Jean Frossard, Geheimpolizist". Nachdem dies geschehen war, übergab er es dem Kellner, bei welcher Gelegenheit er einige Goldstücke in dessen Hande gleiten ließ und ihn nochmals er­mahnte, den Brief sofort befördern zu lasten. Nachdem der Hotelbedienstete sich entfernt hatte,

lehnte Eugen sich in seinen Seffel zurück und sprach vor sich hin:

„Dieses Räthsel wird bald gelöst fein. Jean Frostard ist der beste Geheimpolizist in Paris. Ec wird Gabrielens Geheimniß erforschen und wäre es in ein noch so undurchdringliches Dunkel gehüllt."

In diesem Augenblick siel fein Blick auf den Brief, den der Aufwärter soeben gebracht hatte. „Von wem mag dieses Schreiben sein?" sagte er, indem er seine Hand darnach ausstreckte. „Ah!"

Die Aufschrift war weder schön, noch richtig geschrieben, aber er erkannte sie sogleich und sein Gesicht überzog Leichenblässe. „Ein Brief von Jaques Ricard? Welcher böse Geist hat den wieder nach Frankreich zurückgesührt? Ick glaubte, er sei lange tobt!" Er öffnete den Brief mit zitternder Hand. Ein blaues Stück Papier mit groben Schriftzügen bedeckt, fiel ihm entgegen. Halblaut las er:

„Herr Graf!

Wie Sie aus dem Datum des Briefes er­sehen werden, bin ich in Paris. Ich traf am letzten Donnerstag von Australien hier ein. Ob­gleich Sie mir vor achtzehn Jahren sünftausend i Francs gaben, damit ich mich in Australien als