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Donnerstag, den 24. September

1885.

Fuldaer

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X Die katholische Presse in Oesterreich.

Anknüpfend an bte kurz vorher in Jiünfter ab» gehaltene Katholikenversammlung brachte das Wiener .Vaterland' kürzlich einen Artikel: Die Presse. Herr Bachen: aus Köln hatte von der Schläfrig­keit der österreichischen Katholiken gesprochen, welche sich durch die geringe Verbreitung der katholischen Presse zeige. Das hat das .Vaterland' oder der Verfasser des qu. Artikels ihm sehr übel genommen und darauf hin Oesterreich zu vertheidigen gesucht. Es erscheint ja begreiflich, daß es einem Blatte, wie dem Wiener .Vaterland', das schon viel ge­wirkt und auch erreicht hat, wehe gethan haben mag; auch soll nicht darüber gestritten werden, ob man in Münster nicht am Ende besser gethan hätte, nicht auf Oesterreich zu exemplifiziren, aber sachlich hat Bachem nur die Wahrheit geredet. Es dürfte sehr wenig zweckdienlich sein, den zweifels­ohne vorhandenen Zustand der Lethargie und Schläfrigkeit in Abrede zu stellen. Das, was Vogelfang schreibt von dem gesunden Sinne des Landvolkes, welches in dieser seiner ruhigen Sicher­heit wenig Zeitungen lese, vielleicht noch weniger

Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von ?. strhrifeld.

„O nein!" unterbrach Gabriele den Sprecher erregt und wieder schoß ihr das Blut jäh in'S Antlitz, während es in ihren Augen aufleuchtete gleich einem Blitzstrahl, der da« dunkle Gewölk zertheilt. „Nein, Armand de Vigny war eine wilde, leidenschaftliche Natur, mit großen Fehlern vielleicht, aber auch mit großen Tugenden —"

„Zählen Sie den nächtlichen Raubanfall auf seinen Oheim unter die letzteren?" fragte Eugen ironisch. „Wenn Armand am Leben wäre," fuhr er mit Nachdruck fort, „so würde der Marquis de Vigny keine Anstrengung unversucht lasien, ihn der verdienten Strafe zu überliefern, denn er ist uner­bittlich streng in seinen Rechtsansichten."

„Er sollte vergeben und vergessen gelernt haben, seitdem er Armand's Todeskunde vernahm," sprach Gabriele in leisem Tone, mit abgewandtem Antlitz.

„Es sind 17 Jahre vergangen, seitdem mir nichts von ihm hörten." versetzte Eugen. „Wir erhielten einen Brief aus Brasilien — das Schreiben ent­hielt die Mittheilung von seinem Tode. Ein Por­tugiese oder Spanier, in dessen Hause Armand

nothwendig hätte zu lesen, als es liest, — das .Vater­land' citirt den betreffenden Artikel — ist bis zu einer bestimmten Grenze wahr. Aber es darf Eines nicht übersehen werden. Die Zeiten, in welchen das Volk nach der Zeitungslektüre nicht begierig war, gehen immer mehr ihrem Ende ent­gegen. Eine Fußtour durch österreichisches, steyrisches und kärntnerisches Gebiet wird jedermann die lieber» zeugung beibringen: Das Volk, auch das Land­volk liest, und das Bedürfniß, mag man darüber denken, wie man will, steigt, nimmt zu. Und dieses Bedürfniß wird bis heute zumeist mit der seichtesten liberalen Presse befriedigt. Daß dem so ist, beweist doch sicherlich die steigende Auflage der liberalen Blätter, der bei weitem nicht eine ebenbürtige katholische Presse entgegensteht. Man könnte dem .Vaterland' leicht Beweise bringen, daß selbst das lesende Landvolk sich immer mehr von der kath. Wochenpresse ab- und zu der liberalen hinwendet. Bei der Zunahme der Zeitungsauf­lagen ist der katholische Charakter Oesterreichs nicht gewahrt. Das einzugestehen, fällt schwer, aber eine Selbstenttäuschung würde an der That- fache nichts ändern. Nun und die Schuld ? Bachem nannte als solche die Schläfrigkeit. Katholische Publizisten Oesterreichs haben sich mitunter noch strenger geäußert. Unverständniß, Lust am Pikanten, Gefallen an der Lüsternheit und ähnliche Dinge wurden von ihnen angeführt. Es gereicht den kaholischen Oesterreichern nicht zur Ehre, daß sie nicht ein größeres, verständnißvolles Lesepublckum aufbringen. Wenn.überhaupt „bte Zeitnngswaare nicht an den Mann gebracht würde, dann könnte man allerdings mit dem .Vaterland' darin kein Zeichen der Zurückgebliebenheit erblicken. So aber möchte man nicht so sehr Herrn Bachem angeklagt wissen, als vielmehr den Stand der Dinge. Es ist auch nicht in Abrede zu stellen, daß Manches anders fein könnte. In Oesterreich liebt man es nicht, daß die katholische Jbee und die Begeisterung dafür besonders in die Halme schieße. Die Katho­liken wünscht man mögltchst ruhig und so geschieht es, daß geistliche Intelligenzen durchaus nicht auf­fallend und systematisch für Ausbreitung katholischer Zeitungen ins Zeug gehen. Patriotische Klagen ausstoßen, seufzen über die Verkehrtheit der Menschen, dabei aber sich mit dem Stande der Dinge abfinden, „denn uns hält's noch aus", das genügt für ein katholisches Land durchaus nicht.

starb, theilte uns auf den letzten Wunsch des Ster­benden die Botschaft mit."

„Ich denke, dieser Beweis von seinem Tode war überzeugend genug," sagte die Comtesse in kaltem Tone.

„Gewiß!" versetzte der junge Graf. „Aber dennoch sind mir zuweilen Zweifel an der Wahr­heit des Mitgetheilten gekommen. Was, wenn die ganze Geschichte von seinem Tode auf einer Erfindung beruhte? Armand wußte, daß fein Onkel ihn haßte und ihn verfolgen würde über die ganze Erde. Er durfte es nicht wagen nach Frank­reich zurückzukehren, wollte er der Gefahr entgehen, eingekerkert zu werden und den alten, erlauchten Namen, den er führte, mit Schmach bedeckt zu sehen. Frankreich hat keinen Raum für ihn und denjenigen, dessen Haß er sich zugezogen hat. Ist es nicht wahrscheinlich, daß er die Kunde von seinem angeblichen Hinscheiden selbst hierhergeschickt, seinen Namen gewechselt und in irgend einem ent­fernten Lande sich niedergelassen hat, um die Bot­schaft von feines Onkels Tode abzuwarten? Ist der Marquis tobt, so hindert Armand nichts mehr, nach Paris zurückzukehren. Als ein reicher und angesehener Mann hat er nichts mehr zu fürchten."

Die Oesterreicher sollten den Beweis liefern, daß sie nicht schläfrig sind. Einen solchen würde ich z. B. darin sehen, wenn das .Vaterland' seine Auf­lage auf 30,000 erhöhen könnte, das .Tageblatt' rc. um eben so viele Abonnenten herabgehen würde. Oder wenn schon das zu viel verlangt wäre, wenn das katholische Landvolk wenigstens dagegen rekla- miren würde, daß die mit Sakrilegien, Gottes­lästerungen und Lüsternheit angefüllte liberale Presse in den von ihm frequentirten Gasthäusern nicht aufltege. Es thut allerdings wehe, im Ausland wegen solcher Schläfrigkeit getadelt zu werden, aber noch weit schlimmer ist es, daß man — trotzdem nicht erwacht.

Deutsches Reich.

Berlin, 23. September.

* In der Karolinenfrage ist es auffallend still; kein Wunder, daß daraus schon der Schluß gezogen wird, auch der Theil der spanischen Note, der die Genugthuungsfrage behandelt, habe hier nicht befriedigt. — Die Zurückhaltung in der bulgarischen Frage erklärt sich wohl dadurch, daß erst die Entschließungen der Türkei abgewar­tet werden, bevor sich die Mächte über die von ihnen einzunehmende Haltung in's Einvernehmen setzen. Das Cirknlarschreiben der Türkei ist noch nicht eingetroffen; es werden wohl noch mehrere Tage vergehen, ehe über die Haltung der Mächte etwas bekannt wird. Man betrachtet hier das ganze Ereigniß sehr kühl und ist offenbar der Üeberzeugung, daß die Signatarmächte zu einer gemeinsamen Haltung gelangen werden, die darin bestehen dürfte, daß man der Türkei zunächst freie Hand läßt und abwartet, wie weit sie zur Wieder­herstellung ihrer Rechte befähigt ist. Das ist im Ganzen und Großen auch der Tenor aller Nach­richten, die aus den anderen Hauptstädten vorlie­gen, man glaubt auch nicht an eine Intervention Rußlands zu Gunsten des Fürsten Alexander oder gibt sich wenigstens den Anschein, nicht daran zu glauben.

* Die Komödie der Arbeiterinnen-Ver- sammlungen nimmt allwöchentlich ihren pro­grammmäßigen Verlauf. Gestern ging es in dem neuen, von Frau Pötting geleiteten Verein wieder recht stürmisch her. Den Löwenantheil am Reden hatte natürlich Frau Cant ins, die mit echt so-

„Jhre Phantasie führt Sie in's Reich des Un­wahrscheinlichen," sprach Gabriele mit einer Stimme, strenger noch als gewöhnlich. „Aber gesetzt nun — es wäre der Fall und Armand kehrte zurück, würden Sie entzückt davon sein?"

Eugen's Züge verfinsterten sich bei dem bloßen Gedanken an die Möglichkeit eines solchen Ereig­nisses. „Armand's Zurückkunft würde mich an den Bettelstab bringen," versetzte er. „Er ist des alten Marqui's Brudersohn und deshalb fein nächster Erbe. Meine Mutter war Herrn de Vigny's Schwester. Wenn Armand zurückkäme, so würde er die Titel und den ganzen Reichthum der de Vigny's erben. Aber ich bin ein Thor. Achtzehn Jahre verschollen und bann die Beweise von seinem Tode — zweifellos ist er tobt!" — Er äußerte die letzten Worte im Tone der Er­leichterung. Das Benehmen der Comtesse hatte die seltsamen Befürchtungen, die ihn in den letzten Tagen oft gemartert hatten, beschwichtigt und seine Zweifel a.t dem wirklichen Tode seines Rivalen gebannt. Er hatte Gabriele genau beobachtet und war zu der Üeberzeugung gekommen, daß auch fie Armand tobt glaubte. Ihre nächsten Worte be­festigten feine Ansicht.

„Der Spanier schrieb, baß Armanb bem gelben