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1885.

£ie .Fuldaer Zeitung' --scheint täglich, S°nn. und Feiertage ausgenommen.

Träger des Kulturkampfes, büßten weitere 20 Sitze ein und gingen von 85 auf 65 Stimmen hinab, die Konservativen gewannen 16, stiegen also von 119 auf 135, das Centrum stieg auf netto 100, die Polen behielten 18. Da die Nationalliberalen, auf diese Weise an die Wand gedrückt, einlenkten, hatte Fürst Bismarck eine Doppelmehrheit, eine aus dem Centrum und den Konservativen, die andere aus den National­liberalen und den Konservativen. So lange noch letztere Mehrheit möglich, wird der Kulturkampf schwerlich enden.

* Zur Landtagswahl in Preußen.

Es bestätigt sich, daß für die preußischen Land­tagswahlen als Termine der 29. Oktober bezw. 5. November festgesetzt ist. Ist nun die Geschichte die beste Lehrerin, so wird vielleicht ein Rück­blick auf die politischen Wahlen zum Abgeord­netenhause am Platze sein, und zwar um so mehr, als dieser Rückblick nur geeignet ist, die katholischen Wähler zu reger Wahlbetheiligung anzuspornen.

Beginnen wir mit dem Centrum, so finden wir in dem ersten existirenden Fraktionsverzeich- niß als Vorläufer desselben in der ersten Legis­laturperiode 1852 die sogenannte „kath. Fraktion" mit 41 Mitgliedern verzeichnet; in der vierten Legislaturperiode finden wir die kath. Fraktion 51 Mann, die Polen 6 Mann stark. In der fünften Legislaturperiode (der sog. neuen Aera), wo die eigentlichen Konservativen so gewaltig zu­rückgedrängt wurden, v. Vincke dagegen mit 150 Genossen aufmarschierte, ist die kath. Fraktion, die Polen einbegriffen, 57 Mann stark. In der sechsten Periode (die drei Jahre vor 1862) sank das Centrum etwas, dagegen waren die Polen mit 23 Mann vertreten und als neue Partei trat der noch zweitheilige Fortschritt mit 104 Mit­gliedern auf. In der siebenten und achten Periode schrumpfte das Centrum auf 27 Mit­glieder zusammen, die Polen erhielten sich auf 22, der Fortschritt stieg auf 133 resp. 142. Die neunte Periode von 1866—1867 zeigte die stärkste Parteiverschiebung. Es zählten nach dem österreichischen Kriege Konservative 118, Frerkonser- vative 16, Altliberale 23, linkes Centrum 51, das Centruin war auf 15 Mann zusammen ge­schmolzen, die Polen bieben bei 21 und als neue Partei traten 32 Nationalliberal e auf. In der zehnten Periode bis 1870 verzichteten die katholischen Abgeordneten auf eine Par­teibildung. (!) Die Polen sanken auf 15 und angesichts dieser schwachen Vertretung, der doch ein Drittel der Bevölkerung ausmachenden Katho­liken, angesichts der Thatsache, daß die kath. Ab- geordneten in den anderen Parteien verschwan­den, hielt man die Zeit für gekommen, um durch den Kulturkampf den Vorstoß gegen die kath. Kirche zu beginnen. Man hat uns Katholiken den Vorwurf gemacht, daß wir am Kulturkampf selbst schuld seien. In dem Sinne unserer Gegner, in dem

-H- Auf geheirrrnißvollen Wegen.

Roman von I. tz»he»fel>. y

Eugen erbte, als seine Eltern starben, nur ein geringes Vermögen und ein Besitzthum, das ver­schuldet war. Sein eigener Lebenswandel trug nicht dazu bei, seine finanziellen Verhältniffe zu verbeffern und so sah er in einer reichen Heirath schließlich Die einzige Rettung für sich.

Comteffe Gabriele besaß alles das, was er be- gehrte: Reichthum, Rang und Schönheit. Sie mußte sein werden, er mußte endlich den Sieg davontragen; dieses Mal wollte er den hohen Preis erringen!

Und als sie jetzt vor ihm stand, stolz wie eine Königin, in ihrem dunklen Sammetkleide, da er­griff die Liebe, welche er für sie gehegt hatte wäh­rend all' der langen Jahre, ihn mit Allgewalt. Von seinen Empfindungen hingeriffen, trat er mit ausgestreckten Händen auf Vater und Tochter zu.

Der alte Graf sprang freudig überrascht auf und hieß ihn lebhaft willkommen.

Gabriele gestattete ihrem zurückgekehrten Be­werber, ihre kalte, perlengeschmückte Hand an sein, Lippen zu führen. Die Worte, mit denen sie ihn

* Deutsches Reich.

Berlin, 22. September.

* In der bulgarischen Frage liegt auch heute noch keine unzweiselhaft inspirirte Aeußerung des hiesigen Organs des Reichskanzlers t)or,__ nur an minder hervorragender Stelle äußert dasselbe: „Die durch Staatsstreich bewirkte Herstellung der bulgarischen Union existirt zwar einstweilen als Thatsache, schwebt aber als solche vollständig in der Luft, da ihr jedwede staatsrechtliche Grundlage absolut mangelt und die Proklamation des Fürsten Alexander wohl kaum als Ersatz dafür anzusehen sein dürfte." Im Anschluß daran zitirt das offiziöse Blatt Stimmen, die sich gegen den Bruch des Berliner Vertrages und für das Eingreifen der Signatarmächte aussprechen. Ob bereits ein Meinungsaustausch zwischen den Mächten stattge­funden hat, ist nicht sicher; es. scheint. daß man erst die Cntlchtüsle Der Turler avwartet, von denen die Stellungnahme der Mächte ab­hängig ist. .

♦ Der „Hinterfrontmarschall" der Nationallrbe- ralen, Hr. Rudolf v. Bennigsen, hat sich nun auch über die Neuwahlen vernehmen lassen. In seiner Rede, welche er am Sonntag auf dem Par- teitag der Nationalliberalen in Hannover hielt, drückte er sich um die Stellungnahme zu den Deutsch­freisinnigen vorsichtig herum. Gegen das Centrum und seine welfischen Hospitanten spie Benmgsen natürlich Gift und Galle. Krieg bis auf s Meffer, das ist dem Centrum gegenüber die Parole des Herrn v. Bennigsen. Den „Konservativen" gegen­über stellte er dieselbe Taktik auf, welche die natto- nalliberalen Organe seither vertraten. Er richtet den Kampf gegen die .Kreuzzeitungs'-Konservatwen

widerte sie. „Ich war Ihnen stet» wie einem Freunde gesinnt. Ich bin eS noch!"

„Nicht mehr?" rief Eugen in leise erschrecktem Tone aus.

Die unnahbare Kälte der Comteffe war ge­nügende Antwort. ,

Mit Gewandtheit lenkte der junge Graf das Gespräch auf seine Reisen. GabrielenS Vater nahm lebhaften Antheil daran. Die Comteffe selbst aber legte wenig Interesse dafür an den Tag. Der Emtritt des Haushofmeisters, der anmeldete, daß das Effen fervirt sei, löste den drückenden Bann. Auch während der Mahlzeit trug Eugen die Kosten der Unterhaltung. Die Comteffe hörte ihm zu, lächelte und machte ihre Erwiderung, aber es war, als ob eine Statue sprach und lächelte. Ihr Herz hatte keinen Antheil an ihren Worten und ihrem Lächeln. .

Al» das Diner vorbei war, geleitete Herr von Lamertin Gabriele bis an die Thür, dann kehrte er zu dem alten Grasen zurück, ihm plaudernd noch eine halbe Stunde Gesellschaft leistend.

„Comteffe Gabriele ist schöner Denn je!" seufzte er schließlich. „Aber sie könnte kaum weniger kalt I in ihrem ganzen Wesen fein, wenn sie mir die i Thür zeigen wollte."

Sinne, daß die „Mobilmachung" des Centrums den Kulturkampf hervorgerusen Habe, ist der Vor­wurf unbegründet; dagegen enthält er etwas Wahres und WohlbeherzigenSwerthes in dem Sinne, daß die kath. Unentschiedenheit, Saumselig­keit und Vertrauensseligkeit den Gegnern die Meinung beigebracht hat, daß sie nun den preu­ßischen Katholiken alles bieten könnten. Insofern ist die frühere Zerfahrenheit allerdings mit schuld am Kulturkämpfe. Sobald aber der Kulturkampf begonnen hatte und der katholische Michel die Streiche auf seinem Rücken fühlte, ermannte er sich auch aus feiner Lethargie, und es wäre manches Belehrende mitzutheilen aus dem Munde solcher katholischen Abgeordneten, die damals aus anderen Fraktionen aüsschieden, um sich in der 11. Legislaturperiode (bis 1873) dem neuen Cen­trum, auch „VerfaffungSpartei" genannt, mit 52 Mitgliedern anzuschließen. Das charakteristische Zeichen der 12. Periode (1873-1876) war die Vernich tung der Altkonservativen, die auf 5 Mann infolge des Winkes des Reichskanz- lers zusammenschrumpften (daneben 24 Neu- und 34 Freikonservative), das Steigen der National­liberalen auf 174 und das Hinaufgehen des Cen­trums auf 87, während die Polen 17 Mann zählten. Der Kulturkampf hatte also die kathol. Wähler ausgerüttelt, das verhaßte Centrum, das von Allen bekämpft, stets niedergestimmt, oft gar nicht gehört wurde, hatte 33 Sitze erobert. Da kamen 1878 die Attentate, in protestantischen Kreisen schlug der Wind um, die „Junker und Pfaffen" brachten "den Nationaüiveralen 1879 eine eklatante Niederlage bei, die Nationalliberalen fielen von 172 auf 105, die Konservativen von g auf 90 und das Centrum von 89 auf 95, die Polen aus 19. Der liberale Bann war ge­brochen. Während vor den Wahlen die konser­vative Rechte 76, die Linke 242 Mitglieder zählte, zählte erstere nach dem Wahlresultate von 1879 nicht weniger als 166, letztere nur 142, kerne von beiden bildete eine Mehrheit, und das Cen- trum war ausschlaggebende Fraktion im Abgeordnetenhause. Es hätte sich nun wohl eine Politik in wahrhaft christlichem Sinne führen laffen, aber man wollte den Kulturkampf nicht preisgeben, man hoffte noch immer auf ein „Ver- duften" des Centrums. Indessen es kamen die Wahlen von 1882, und die Nationalliberalen, die begrüßte, klangen höflich, ja sogar freundlich; er versicherte sie unaufhörlich seines Entzückens, sie wiederzusehen. L , c .

Gras Chatrois, ermuthigt durch das gewinnende Benehmen seiner Tochter, begann zu hoffen, daß doch sein innigster Wunsch in Erfüllung gehen könnte. Er empfing seinen Gast auf das Wärmste und preßte seine Hand so herzlich, daß Eugen unter dem festen Druck zusammenzuckte.

Ich bitte meinen plötzlichen, unangemeldeten Eintritt zu entschuldigen," hob der junge Mann an, nachdem die Begrüßungen vorüber waren und er, dem Beispiele der Comteffe folgend, auf einem Sessel Platz genommen hatte. „Ich sagte dem Portier, der mich sofort wiedererkannte, daß ich mich selbst anmelden würde, wie ich es zu thun gewohnt bin. Ich liebe die Überraschungen und ich schmeichele mir, daß mir diese gelungen ist. Palais Chatrois ist stets meine zweite Heimath gewesen. Alles ist hier unverändert; ich hoffe, tm Gegensätze zu der schönen Herrin, welche dieses Haus zu einem Eden gestaltet!"

Ec sah ernst in Gabrielens Antlitz, welches die gewohnte Unnahbarkeit und Zurückhaltung wieder angenommen hatte.

„Ich verändere mich nie, Graf Lamartm, er-