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214. Sonnabend, den 19. September 1885.

Fuldaer Hi Jeitung.

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Eisenach und der Gustav Adolf-Verein.")

L. Wie unsere Leser wiffen, hat vor einigen Tagen die 39. Hauptversammlung des Gustav Adolf-Vereins ein Ende genommen. Wir haben mit Interesse säinmtliche Reden, die auf der letzten Katholikenversammlung zu Münster gehalten wurden, gelesen und stets mit Befriedigung die Blätter bei Seite gelegt. Mit demselben Interesse sind wir auch den Verhandlungen in Eisenach gefolgt, aber wir haben wenig "Neues gesunden, was wir nicht schon oft gehört hatten. Wir haben uns gefragt, welchen Zweck verfolgt denn eigentlich diese Ver­sammlung, die sogar mit Fahrerleichterung auf der Eisenbahn vom Herrn Minister ausgezeichnet wurde? Die .Weimarische Zeitung' in Nr. 211 hat uns Aufschluß gegeben; sie will die in der Diaspora, unter Katholiken lebenden Protestanten unterstützen, damit auch diese ihre religiösen Be­dürfnisse, wenn sie welche haben, befriedigen können. Allein kann dieser Zweck nach dem Gange der Verhandlungen erreicht werden? Wir antworten entschieden mit „Nein" und glauben, daß der Gustav Adolf-Verein mehr dazu beiträgt, die Er­bitterung unter den verschiedenen Konfessionen zu heben. Betrachten wir einmal die Städte Fulda, Hünfeld, Fritzlar, Geisa, — letztere Stadt hat dem Gustav Adolf-Verein sehr viel zu danken — wo die Protestanten bedeutend in der Minorität sind; Katholiken und Protestanten lesen die Verhand­lungen ; Konsistorialrath Fricke, Präsident der Ver- sainmlung, ruft dem protestantischen Volke zu: „Wer liebäugelt mit Rom, soll nicht mehr sagen, daß er ein evangelischer Christ ist, am allerwenigsten ein lutherischer Christ"; das katholische Volk hört reden von „Roms Sedan": — und damit soll den unter Katholiken lebenden Protestanten gedient sein? Ob der Herr Konsistorialrath das wirklich glaubt? Allerdingshaben, wie uns die,Weimarische Zeitung' erzählt, die Protestanten viel zu leiden von der Intoleranz der Katholiken, und besonders „Roms Priester" sind es, welche den „Mangel evangelischer Gemeinschaft" benutzen, um die dadurch irre gewoidrnen Schäflein zur katholischen Kirche

*) Obgleich dieses Thema bereits in unserer letzten

Montagsnummer an leitender Stelle behandelt wurde, dürfte obiger Artikel für unsere Leser dennoch von Inter­esse sein, da er manches Neue enthält und wir den Ver­fasser desselben in der Eisenacher Gegend zu suchen haben. D. R.

hinüberzuziehen. In den österreichischen Ländern hat man ganze „Martyrergemeinden" entdeckt, die ihren evangelischen Glauben, von Geschlecht zu Geschlecht vererbten und in vielen Trübsalen und Anfechtungen ihre Treue bewahrt haben. Auch nach dem Toleranzedikt von Joseph II. im Jahre 1781 hat das Martyrium nicht aufgehört, und deshalb kann man begreifen, daß der Protestantis­mus „bei dem römischen Eifer, der nie schlummert", manche Einbuße erlitt. Doch dieser Verlust in Oesterreich wurde ersetzt am Rheine mit Hilfe und unter dem Schutze „der Mutterhand der evan­gelischen Kirche", des Gustav Adolf-Vereins.

Gehen wir nach Eisenach und lassen uns Manches von den Verhandlungen erzählen. Am Bahnhofe treffen wir „diensteifrige Gymnasiasten", die ihren Horaz und Sophokles im Stiche gelassen haben, um die Gäste zu empfangen. Ohne Zweifel haben die Herren Primaner anderer Gymnasien, denen eine solche Ehre nicht zu Theil wurde, mit Neid nach Eisenach geschaut. — In der Hauptversamm­lung vom 8. Sept, begrüßte Herr Archidiakonus Kiefer die Versammlung herzlich; er rühmt vom Gustav Adolf-Verein, daß er die evangelische Kirche, die so oft nur als ein Begriff (!) dagestanden, zu einer Macht erhoben habe." Dann ergreift Herr Konsistorialrath Dr. Fricke das Wort, um für den Empfang zu danken und seinerseits die Versamm­lung zu begrüßen, doch warum ist der Herr Präsi­dent so ernst bei seiner Rede? Im Laufe der­selben hören wir es; „Windthorst hat neuerdings noch ausgesprochen: der Papst'regiere me'WM", >as ist für Herrn Dr. Fricke eine unverdauliche Kost, und daher kommen seine Expektorationen. Nicht der Papst, donnert er vor der Versammlung, regiert die Welt, sondern „der protestantische Glaube, die protestantische Wissenschaft, die pro­testantische Gesittung regieren die Welt"; — es muß wirklich so sein, denn der Herr Konsistorial­rath hat's gesagt. Natürlich schlugen solche Worte mächtig an jedes protestantische Herz.

In der Georgische hielt dann Herr Kirchen­rath Förtsch die Festpredigt über Phil. 1, 27—29. „1. Stehe fest auf hoher Warte über selbstsüchtiger Gleichgiltigkeit, eine Burg evangelischer Treue. 2. Stehe fest auf hoher Warte über aller Zer­rissenheit, eine Burg evangelischer Einheit. 3. Stehe fest auf hoher Warte, über allen Gefahren der Zeit, eine Burg evangelischen Glaubens." Diese

Predigt wird im Druck erscheinen. — Der 9. Sept, sollte ein wahrer Festtag werden, an dem die Predigt des Prälaten Gerok den Glanzpunkt bildete. „Aufwärts die Herzen", rief der greise Prälat mit dem goldenen Kreuz an der Kette auf der Brust, „aufwärts zu den festlichen Höhen des heutigen Tages, aufwärts zu den ehrwürdigen Warten einer großen Vorzeit, aufwärts zu den heiligen Bergen unseres ewigen Heiles." Um die Begeisterung zu schildern, mit welcher Redner sich einst als junger Mann dem Gustav Adolf-Verein zuwandte, erzählte Gerok von der Hauptversanim- lung in Stuttgart im Jahre 1845. „Da habe die Festpredigt den Gustav Adolf-Verein „„die Freude und Wonne eines evangelischen Christen­herzens"" genannt, und er, tief ergriffen und be­geistert, habe dann kurz darauf seinen erstgeborenen Sohn Gustav Adolf getauft!" Die Protestanten haben nicht nothwendig, hinüberzuschauen jenseits der Berge, — sonst wären sie ja ulrramontan, und das wäre ja entsetzlich — um dort ihre Losung zu holen, sie können im eigenen Vaterland bleiben und aufschauen zu den ehrwürdigen Warten. Prälat Gerok gedenkt dann der kostbarsten Gabe, die Luther von der Wartburg herniederbrachte, der deutschen Bibel. Lange hatte Gotteswort „unter der Bank" und „an Ketten" gelegen, bis Luther kam und diesen kostbaren Schatz hervorholte und ihn zum Gemeingut aller Menschen machte. Leider entspricht diese vom großen Gottesmann übersetzte Bibel nicht mehr ganz den Bedürfnissen der Gegen­wart, da sie gegemÄrrtig einet Korrektur oder einer anderen Prozedur unterzogen wird.' Lautlos hatte die Versammlung den begeisterten Redner angehöct, der so „in Wahrheit ein Prediger von Gottes Gnaden" ist. — Nachdem dann Herr Geh. Kirchenrath Hesse die Grüße Ihrer Königl. Hoheiten des Großherzogs und der Frau Großherzogin über­bracht hatte, tritt Herr Prof. Dr. Nippold als Redner auf, der die Sympathien der theologischen Fakultät zu Jena zu dem Gustav Adolf-Verein ausspricht. Herr Fricke aus Leipzig, der wegen seiner protestantischen Weltregierung von der .Kreuz­zeitung' 2 Ausrufezeichen und 1 Fragezeichen be­kommen hat, ergreift dann nochmals das Wort, um über Rom loszudonnern. Allen Theilnehmern an der Hauptversammlung empfiehlt er sehr an­gelegentlich das Studium der neuesten römischen Kirchengeschichte nach dem klassischen Werke von

TftjQP*) ** Die nächste Nummer ds. Bl. bringt den Anfang des bereits angekündigten Romans

-Auf geheimuiffvollen Wegen"

von I. Hohenfeld.

Neu hinzutretende Stadtabonnenten erhalten die Zei­tung bis zum 1. Oktober gratis.

Den neuen Postabonnenten werden die vor dem 1. Oktober noch erscheinenden Nummern auf Verlangen per Post gratis und franko nachgeliefert.

# D. V. Grrrrkelmann & Cie.

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Schlußkapitel.

Es war am Abend desselben Tages, als aus der Thür des Justizpalastes zwei Männer traten.

Es waren Gunkelmann und Hilker.

Einen Augenblick blieben sie stehen, die köst­liche frische Luft der Freiheit zu athmen, dann zog der Letztere förmlich feinen Hut und wollte sich entfernen.

Aber der Handelsherr erfaßte seine Hand.

„Kommen Sie, Hilker," sprach er, „das Gericht hat uns unsere Ehre wiedergegeben und mir wird es in der nächsten Zeit auch das geraubte Ver­mögen zurückerstatten. Ihnen aber bin ich einen

Schatz schuldig von vielleicht in Ihren Augen allerhöchstem Werth. Ich, der nach wie vor reiche Chef des Hau'es D. V. Gunkelmann, bin nicht gewillt, länger Ihr Schuldner zu bleiben. Kommen Sie, ich will meine Verpflichtung einlösen."

Und ohne auf die verwunderten Fragen des jungen Mannes zu achten, zog Gunkelmann ihn schweigend mit sich fort, bis hin nach seiner Pri­vatwohnung.

Dem öffnenden Diener winkte Gunkelmann hastig zu und fragte ihn mit leiser Stimme, wo sich die Damen befänden.

Der Diener wies auf das Wohngemach und der Handelsherr zog den jungen Mann mit sich in das Zimmer hinein, dessen Thür er hinter ihnen wie­der schloß.

In dem Zimmer herrschte Dunkel und der Feuer­schein im Ofen verbreitete nur wenig Licht.

„Sind Sie es, Jean?" fragte Frau Bertha mit schwacher, leidender Stimme. Aber schon war Jrnigard aufgesprungen und mit einem Freuden­schrei an die Brust des Nähertretenden gesunken.

„Vater, herzliebster Vater!" rief sie unter strö­menden Freudenthränen, kaum im Stande, sich zu beruhigen in ihrem Glück.

Hilker war bescheiden zur Seite getreten; er >

wagte es nicht, den Freudenjubel der drei glück­lichen Menschen zu unterbrechen.

Endlich, als sich der erste Taumel gelegt, riß der Kaufyerr sich von den Seinen los.

„Licht!" rief er aufgeräumt. „Ich bin nicht allein gekommen, sondern habe einen lieben Gast mitgebracht!"

Und als Irmgard mit zitternder Hand die Astrallampe angezündet, da sah sie Denjenigen vor sich stehen, nach dem sie die letzten Wochen sich in unsagbarer Herzensqual gesehnt hatte.

Die beiden jungen Leute standen sich mit gefal­teten Händen gegenüber und aus ihren Augen leuchtete ein Freudenfeuer unsäglicher Liebe und seligsten Glückes.

Minutenlang herrschte heiliges Schweigen im Zimmer. Niemand wagte die Stille eines solchen Wiedersehens zu unterbrechen.

Endlich trat der Kaufherr leise zwischen die bei­den Liebenden und erfaßte ihre Hände, sie sanft näher an sich heranziehend.

„Gottes Wege sind wunderbar!" begann der Handelsherr mit seiner vollen, wohltönenden Stimme. „Ich hätte nie gedacht, daß dieser Moment, den wir eben durchleben, jemals an mich herantreten könnte. Denn die Schlange hatte sich