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JM 213.

Freitag, den 18. September

Fuldaer

1885.

Welkershausen u. s. w., des Landgerichtsraths Maaser. Die Wahlhandlung war eine sehr leb­hafte, sowohl in der Stadt Meiningen, als auf den zum engeren Wahlbezirk gehörenden Ortschaf­ten. Das Stimmenverhältniß zwischen den beiden Kandidaten war folgendes: Landgerichtsrath Maaser (deutschfreisinnig) erhielt 573, Oberbürgermeister Schaller (nationalliberal-konservativ) 394 Stim­men. Herr Maaser hat mithin eine absolute Majorität von 179 Stimmen erhalten.

Deutsches Reich.

Berlin, 17. September.

* Aus Rom wird der ,Germ.' von zuverlässigster Seite geschrieben:

Was die kirchenpolitische Lage in Preußen an­langt, kann ich auf Grund von an maßgebender Stelle eingezogenen Informationen die durch mehrere katholische Blätter gegangene Angabe eines hiesigen Korrespondenten, daß „die Verhandlungen ganz und gar nicht voranschreiten" als nicht zutreffend bezeichnen. Im Gegentheil ist seit der Fuldaer Bischofskonserenz wieder neues Leben m diese Verhandlungen gekommen, so daß gegründete Aus­sicht vorhanden ist, daß es binnen nicht gar langer Zeit auf diesem Gebiet etwas Neues geben werde. Dem Ein­treffen des Hrn. v. Schlözer Hierselbst sieht man für die nächste Woche entgegen. In Bezug auf die Fuldaer Bischofskonferenz kann ich Ihnen auch noch mittheilen, daß der h. Vater persönlich bei mehreren Veran­lassungen seine Höch st- Befriedigung darüber geäußert und den vom Moniteur de Rome' über dieses Ereigniß veröffentlichten Artikel als seinen eigenen Anschauungen entsprechend rückhaltlos gelobt hat. Auch die Berichte von der Generalversammlung in Münster haben Sr. Heilig­keit große Freude gemacht.

Anknüpfend an eine Bemerkung des Reichstags- Abgeordneten Dr. Franz auf der schlesischen Katholiken-Versammlung, die preußischen Bischöfe hätten in Fulda Beschlüsse gefaßt, welche von weittragendem Einfluß auf die. religiöse Lage sein würden, schrieb der Moniteur de Rome' u. A.: „Diese Mittheilung bestätigt sich. Rach unfern Informationen sind in Fulda sehr wichtige Beschlüsse einmüthig gefaßt worden." Ueber das Nähere wird bekanntlich Stillschweigen beobachtet.

* Ueber die Ausweisungen der Polen aus den östlichen Provinzen wird der ,Nat.-Ztg.' von einem mit den Verhältnissen sehr vertrauten Manne geschrieben, dieselben seien eben so hart als nutz­los. Denn während sie für die davon betroffenen Personen die traurigsten Folgen hätten, würden sie ihren Zweck, die Polonisirung der Grenzpro- vinzen aufzuhalten, nimmer erreichen. Der Brief­schreiber erblickt nämlich den Beweis dafür in der Thatsache, daß der polnische Handwerker- stand den ökonomisch und moralisch in Verfall gerathenen christlich-deutschen in Bezug auf Tüchtig-' feit und Nüchternheit vielfach überflügelt habe. Anderseits könnten die ländlichen Arbeiter, was auch die Regierung jetzt einzusehen scheine, durch deutsche nicht ersetzt werden. Die Ausweisungs- Maßregel werde somit nur zur Folge haben, daß mit der Zeit an Stelle der vertriebenen 30,000

# D. B. Grmkelmann & Cie.

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Als am Nachmittage der Buchhalter aus seiner Zelle in das Amtszimmer des Oberamtsrichters Doktor Wendelin geführt wurde, ahnte er nicht, welch ein gefährlicher Besuch hinter der spanischen Wand verborgen stand und durch ein Guckloch in derselben jede seiner Bewegungen auf das Ge­naueste beobachtete.

Faack trat rasch in das Zimmer ein und wandte sich in hochfahrendem Tone gegen den amtirenden Untersuchungsrichter:

„Nun, mein Herr, werde ich endlich erfahren, wie lange man noch einen unbescholtenen Menschen das mindestens sehr zweifelhafte Vergnügen der Beherbergung in diesem Hause widerfahren lassen will?"

„In der That, Herr — Herr Faack," erwiderte Wendelin in ironischem Tone, „Sie sollen heute noch genug erfahren. Doch Eines nach dem An­dern. Enstweilen habe ich Sie vorführen lassen, weil es so vorgeschrieben ist und weil ich die Hoff­nung hege, Sie werden Ihr Herz durch ein reu» müthiges Bekenntniß Ihrer Schuld erleichtern."

Faack sah den Sprechenden höhnisch an und versetzte dann nachlässig:

Ausland.

* Das.Journal de St. Petersbourg' schreibt: Anläßlich der Ansprache, die Kaiser Wilhelm in K a r l s r u h e an das freiwillige Krankenträgerkorps richtete, welche damit schloß, daß das Korps noch lange Jahre nicht genöthigt sein möge, die gewon- nenen Kenntnisse im Kriege zu bewähren: „Die Völker sind stets glücklich, derartige Wünsche von der Höhe des Thrones herab zu hören; Deutsch­land ist ganz besonders seinem verehrungswürdigen Herrscher dafür dankbar, daß derselbe jede Gele- genheit ergreift, um diePolitik des Friedens zu betonen, die sowohl von seiner Regierung wie von seincn Alliirten befolgt wird."

• Newyork, 15. Sept. Schon seit längerer Zeit hatte sich herausgestellt, daß das auf die E i n- wanderung von sog. „Paupers", d. h. von mittellosen und erwerbsunfähigen Personen, sowie von Verbrechern bezügliche Bundesgesetz in gewisser Hinsicht mangelhaft war. Die Newyorker Ein- wanderungs-Kvmmissäce sowohl w:t die Zollbeamten in verschiedenen Hafenplätzen hatten die Regierung auf die Nothwendigkeit ergänzender Bestimmungen zu dem betreffenden Gesetze aufmerksam gemacht und hat der Finanzminister in Folge dessen mehrere neue diesbezügliche Regulationen aufgestellt. Die eine derselben enthält die nachsteh nden Bestimmun­gen: Alle in den Häfen der Vereinigten Staaten eintreffenden Einwanderer sollen nicht als wirklich gelandet betrachtet werden, so lange sie nicht von beit Einwanderungs-Kommissären oder deren Ver­tretern inspizirt worden sind, oder so lange sie sich unter Ueberwachung seitens dieser Beamten befin- den. Die Fortschaffung von „Paupers" von Bord des Schiffes nach dem Jnspektionsorte oder dem Platze, woselbst sie von den betreffenden Beamten temporär in Obhut genommen zu werden pflegen, soll nicht als Landung im Sinne des Gesetzes be- wieder Notizen gemacht hatte. „Wie kommt es aber, daß Sie eine so wenig standesgemäße Be­kanntschaft schlossen?"

„Ich pflege mir nicht den Stand, sondern den Mann zum Bekannten zu erwählen," rief Faack kurz angebunden. „Wer mir am besten paßt, mit dem verkehre ich."

„Das steht jedem frei," kopfnickte der Inquirent. „Indessen verräth es doch einen sonderbaren Ge­schmack, sich einen alten Zuchthäusler, einen unver­besserlichen Gauner, zum vertrauten Freunde zu erwählen. Finden Sie das nicht auch, Herr — Herr Faack?" So heißen Sie doch?"

Faack überhörte absichtlich die letzte Frage und versetzte in beleidigendem Tone: „Es steht Nie­manden an der Nase geschrieben, wer oder was er ist."

Wendelin machte ruhig einen Augenblick Notizen und sagte dann trocken:

„Sie haben Recht, man täuscht sich wirklich bis- weilen. Ihnen hätte ich zum Beispiel auch me zugetraut, daß Sie einen Krankheitsanfall stmu« liren könnten, um einem Ahnungslosen ein werth­volles Uhrenmedaillon zu rauben."

„Herr!" rief Faack im trotzigsten Tone. „Welche

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Inserate: Die tinfpaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabats------ ---

harmlosen Polen ohne politische Rechte, eben so viele eingeborene mit allen politischen Rechten aus­gestattete und der fanatischen Agitation zugängliche Polen treten würden. Um dieses Ziel zu erreichen, werde dann die preußische Regierung die Gehässig­keit einer Maßregel auf sich geladen haben, die kaum durch einen sicheren Erfolg vor dem öffent­lichen Gewissen gerechtfertigt werden könne. Es ist bemerkenswerth, daß ein Blatt, wie die,Nat.- Ztg.', diesen Bemerkungen Raum gibt und die­selben mit dem Geständniß begleitet: die Auswei­sungen seien für sich allein nutzlos und wegen ihrer Härte verwerflich.

* Die Minister des Innern und der Finanzen lassen zur Zeit durch die Landräthe in den Land- gemeinden, in den Städten durch die Magistrate statistische Erhebungen darüber aufstellen, welcher Prozentsatz von den auf das Einkommen gelegten direkten Gemeindeabgaben auf die Einkommen von nicht mehr als 599 Mk. entfällt, um die Frage erörtern zu können, inwieweit die Freilassung des Einkommens bis zu 900 Mk. einschließ­lich, von Kommunalzuschlägen mit Rück­sicht auf die finanzielle Wirkung durchführbar ist, die eine solche Maßregel auf den Haushalt der Gemeinden haben würde.

* Würzburg, 16. Sept. Die Erkenntniß von der Nothwendigkeit der Sonntagsruhe däm­mert jetzt selbst in liberalen Kreisen. So hat die hiesige Handels- und Gewerbekammer, in der die Liberalen die Mehrheit besitzen, einstimmig eine Resolution zu Gunsten des Verbotes der Beschäf- tigung industrieller Arbeiter an Sonntagen im Wege eines Reichsgesetzes beschlossen und hierbei zugleich den Wunsch ausgedrückt, es möge mit der Sonntagsruhe auch ein gesetzlich fixirter Normal­arbeitstag eingesührt werden. — In Sachen der auf dem letzten Ordenskapitel in München be­schlossenen Aufhebung der Brauereien in den Franziskanerklöstern sind Ausnahmen zulässig. So wurde dem armen Klösterchen auf dem Kreuz­berge, das zugleich auch Fremdenhospiz ist, die Belassung der Brauerei gestattet.

* Meiningen, 16. Sept. Die allgemeine Wahl ist in unserem Herzogthum vorüber. Es liegen bis zu diesem Augenblicke noch keine sum­marischen Nachrichten aus den einzelnen Wahlkreisen vor; mit großer Majorität erfolgt die Wiederwahl des bisherigen Abgeordneten für Meiningen, Helba,

„Sie gestatten wohl, daß ich mich niedersetze. Ich bin nicht gewohnt, zu stehen, wenn ich Andere sitzen sehe." ,

Damit nahm er ohne Weiteres einen Stuhl und setzte sich nieder.

„Bitte, bitte," meinte Wendelin mit maliziösem Lächeln. „Lassen Sie sich in Ihrer Behaglichkeit nicht stören. Schreiten wir zum nöthigen Verhör. Sie nennen sich Urban Faack, nicht wahr?"

„So ist mein Name," kopfnickte der Buchhalter.

„Und Sie find gebürtig?"

Faack nannte den Namen einer polnischen Stadt.

„Wie kamen Sie nach Hamburg?" fragte Wen- delin, von seinen Notizen aufblickend.

Das rasche Erbleichen des Buchhalters entging ihm nicht.

„In Geschäftssachen'." erwiderte Faack, schnell gefaßt.

„Hm," machte der Untersuchungsrichter schein­bar befriedigt. „Und dort haben Sie den Schlosser Geert Schütter kennen gelernt?"

„Nicht doch," entgegnete der Buchhalter gewandt, „diesen Menschen habe ich vor kaum einem Jahre in einem hiesigen Restaurant zum ersten Male ge­troffen."

„So," antwortete Wendelin, nachdem er sich