j\£ 212. Donnerstag, den 17. September
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1885.
Die .Fuldaer Zeitung'
erscheint täglich. Sonn» und Feiertage ausgenommen. B-erteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und »E-llgeld. belletriMchen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Psg-, auswärts 1 Mk. 75 Psg.
Inserat« Die eürspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg-! bet Wiederholungen entsprechender
1 Mk. 50 Pfg.. — mit der Rabatt.
An die Freunde und Leser der ' »Fuldaer Zeitung'
richten wir anläßlich des bevorstehenden Quartalswechsels wiederum die Bitte, dieses einzige politische Organ unserer Partei in der Diözese Fulda auch fernerhin unterstützeit zu wollen.
Die katholische Presse kann auf dem Wege allmäliger Fortentwicklung das ihr gesteckte Ziel nur dann voll und ganz erreichen, wenn man sich ihre Vervollkommnung auf Seiten des katholischen Lesepublikums auch wirklich angelegen sein läßt. Nur deßhalb ist die liberale Presse so einflußreich und mächtig geworden, weil sie von der liberalen Beamtenwelt und dem liberalen Bürgerthum mit geistigen, materiellen und gesellschaftlichen Mitteln lebhaft unterstützt wird. Unsere katholischen Blätter sind meist noch jung und die zur Unterstützung berufenen Volksschichten sind betreffs ihrer Stellung zur Presse vielfach noch in der Lehrzeit begriffen. Abonniren und Jnseriren sind die Elementarpflichten gegen die unserer Sache dienenden Blätter, aber es gibt noch mehr zu thun: 1) die Blätter zu empfehlen und zu verbreiten bei Verwandten und Bekannten, sowie in öffentlichen Lokalen und 2) an der Presse mitzuarbeiten. Letzteres kann auch derjenige, der zur Abfassung von gelehrten Artikeln keine Lust verspürt, indem er wenigstens über bemerkenswerthe Vorkommnisse aus dem alltäglichen Leben einige Zeilen niederschreibt und der Redaktion übersendet.
Heutigen Tages ist Jedermann zur Theilnahme am politischen Leben berufen und auf Zeitungslektüre angewiesen. Fn Folge dessen hat die katholische Tagespreffe eine so hervorragende Bedeutung erlangt, daß selbst der hl. Vater in richtiger Erkenntniß ihrer Wichtigkeit den Katholiken das Halten und Lesen katholischer Zeitungen sowie die Unterstützung derselben dringend an's Herz legte. Auch ist noch in frischester Erinnerung, was auf der jüngsten Generalversammlung der Katholiken Deutschlands über die Preffe gesagt wurde. Immer noch schicken Katholiken ohne jede Roth und Entschuldigung — so führte nämlich der Abg. Julius Bachem aus — Annoncen an Blätter, welche Allem, was katholisch heißt, abgeneigt sind. Aber an Verlautbarungen von Wünschen und unglaublichen Zumuthungen fehlt es nicht. Man vergißt gar zu leicht, daß Abonniren und Jnseriren über Raisonniren geht. Der katholischen Presse ist in der schweren Krisis der letzten zwölf Jahre eine großer Theil der Aufgabe zugefallen, unablässig unter großen Opfern an Geld, Geldstrafe und persönlicher Freiheit nach rechts und nach links die Angriffe auf unsere hl. Kirche abzuwehren, und sie wird diese große und wichtige Aufgabe auch fernerhin erfüllen, aber sie kann dies um
# D. B. Gunkelmann & Cie.
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Mißmuthig über sein vergebliches Suchen hatte Wendelin seinen Untergebenen schon die Räumung der Geschäftslokalitäten anbefohlen und schickte sich selbst an, das Lokal zu verlassen, als er im Korridor plötzlich vor der Thür stehen blieb, welche sich neben dem breiten Treppenaufgange befand.
„Wohin führt diese Thür?" fragte der Untersuchungsrichter den Hausdiener.
„Direkt in den Garten sollte sie führen," erwiderte der Bedienstete.
„So holen Sie den Schlüsiel," versetzte Wendelin, aufmerksam werdend, „und öffnen Sie die Thür."
Der Hausdiener lachte verschmitzt.
„Das wird nicht gut angehen," versetzte er dann, „die Thür war ein bloßer Fehler von Seiten des Baumeisters."
Der Beamte sah den Sprechenden erstaunt an. „Was soll das heißen?" fragte er dann rafch. „Herr Gunkelmann hat diesen Eingang der Ein- bruchsgesährlichkeit wegen zumauern und, damit die Sache gefälliger aussehen möge, zu beiden Seiten der Mauer eine Thür anbringen lasten," erläuterte der Bedienstete.
so besser thun, je- mehr die Katholiken sich bewußt werden, daß die Unterstützung ihrer Presse Pflicht und Ehrensache ist.
Jedernmnn kennt die Lage der katholischen Kirche in Preußen und weiß deshalb auch, wie sehr es bei den im nächsten Quartal stattfindenden Landtagswahlen darauf ankommt, recht viele und tüchtige Vertreter unserer hl. Sache in's Abgeordnetenhaus zu senden. Schon jetzt beginnen die Parteien, sich zu rüsten. Auch die .Fuldaer Zeitung' wird der Wahlbewegung die vollste Aufmerksamkeit schenken und alle zuverlässigen Mittheilungen aus den benachbarten Wahlkreisen in geeigneter Weise zur Kenntniß bringen. Und welcher katholische Leser empfände es in solchen Tagen nicht ganz besonders wohlthuend, auch in seinem Wahlkreise ein Blatt zu besitzen, welches seine Wünsche und Grundsätze dem Gegner zum Trotz mit aller Unzweideutigkeit und Entschiedenheit vertritt? —
Die Redaktion wird auch in Zukunft bemüht sein, allen billigen Anforderungen gerecht zu werden; sie wird in knapper Form möglichst viel des Wissenswerthen aus dem In- und Ausland, sowie aus Stadt und Umgegend berichten, durch geeignete Leitartikel jederzeit einen Ueber- blick über die veränderte polittsche Lage bieten und durch ein sittlich-tadelloses, spannend geschriebenes Feuilleton auch für angenehme Unterhaltung sorgen.
Die nächste Montags-Nummer der .Fuldaer Zeitung' bringt den Anfang eines hochinteressanten Romans „Auf geheimnißvollen Wegen" von I. Hohenfeld, welcher das Interesse unserer geehrten Leser und Leserinnen aus mehrere Monate hinaus mit jedem Tage stärker fesseln und allen Bedingungen «iner guten Feuilletonlekttire entsprechen wird.
Die .Fuldaer Zeitung' ist als täglich erscheinendes Blatt in Bezug auf Format und Abonnementspreis so vortheil- haft und zweckentsprechend eingerichtet, daß sie in keiner katholischen Familie der Fuldaer Diözese fehlen sollte.
Der Abonnementspreis beträgt pro Quartal Mk. 1.50, mit der Sonntagsbeilage.Sterne und Blumen' Mk. 1.75 (ohne Bestellgeld).
Alle Postanstalten, Landbriefboten und Zeitungsträger sowie die Expedition (Buttermarkt) nehmen Bestellungen an.
Den Mitbewohnern unserer Stadt, welche die .Fuldaer Zeitung' vom nächsten Quartal ab beziehen wollen, stellen wir dieselbe mit Rücksicht auf den Anfang desRomans schon jetzt gratis zu. Den neuen Postabonnenten dagegen werden die betreffenden Nummern auf Verlangen per Post gratis und franko nachgeliefert.
Rt-aktiou «ud Nrrlag -er .Fuldaer Zeitung'.
„Das ist etwas Anderes," kopfnickte Wendelin. „Aber man muß die Thür doch aufschließen können, denn es befinden sich ja Klinke und Schloß an derselben?"
Der Hausdiener zuckte die Schultern.
„Das weiß ich nicht," antwortete er, „wenigstens habe ich es bis jetzt noch nie versucht."
Der Untersuchungsrichter rief einen Polizisten heran.
„Probiren Sie einmal mit den mitgebrachten Schlüffeln, die Thür zu öffnen," befahl er.
Der Mann gehorchte und nach einigen Vergeblichen Versuchen knackte der richtige Schlüssel im Schlöffe. Zweimal drehte der Beamte den Schlüffel um, dann sprang die Thör lautlos auf. Wohl befand sich hinter derselben eine aus Backsteinen zufammengesügte Mauer, indeffen war in der Mitte durch HerauSnehmen von Backsteinen ein Loch vorhanden, durch welch-s ein Mensch mit Leichtigkeit hindurchzuschlüpfen vermochte.
Alle stießen einen Ruf der Ueberraschung aus.
„Dachte ich mir es doch!" rief Wendelin trium- phirend. „Durch diesen Eingang sind die Verbrecher, nachdem sie ihren Weg über die Gärten genommen, geschlüpft. Jeder Zweifel ist ausgeschloffen!"
Deutsches Reich.
Berlin, 16. September.
* Von der körperlichen Rüstigkeit und Geistesfrische unseres hochbetagten Kaisers hat die Reise nach Karlsruhe und die Abhaltung der Manöver in Baden abermals redendes Zeugniß gegeben. Wie Ruhm und Ehren den Kaiser durch die großen Erfolge in der äußeren Politik vor allen anderen jetzt lebenden Fürsten auszeichnen, so gehört auch das Alter, welches er bereits erreicht hat, zu den seltenen Ausnahmefällen, und wir wünschen und hoffen, daß ihn der Himmel noch so viele Jahre erhalten möge, daß er auch den Frieden im Inneren des Reiches, d. h. die Wiederherstellung des Friedens zwischen Staat und Kirche erlebe.
* Am 26. Oktober d. I. feiert unser großer deutscher Stratege und Schlachtendenker, Generalfeldmarschall Graf M o l k t e, seinen 85. Geburtstag.
* Die aus Rom kommende Meldung, daß Hr. v. Schlözer Vorschläge zu einem modus vivendi und einen eigenhändigen Brief des Kaisers an den Papst nach Rom überbringen werde, findet hier wenig Glauben.
• Auf Beschluß des Jnowrazlawer Hilfskomites begab sich vor einiger Zeit eine besondere Deputation nach Berlin, um bezüglich der Ausweisungen beim Minister des Innern und eventuell bei Sr. Majestät vorstellig zu werden und wenigstens eine Milderung der Härte der Maßregel herbeizn- führen. Die aus dem Herrenhansmitgliede v. Koöcielski und den früheren Abgeordneten v. Krabski und v. Kozlowski bestehende Deputation hat eine Woche auf eine Audienz bei Herrn v. Puttkamer warten müssen und ist erst am Sonntag empfangen worden. Die Herren trugen ihre Bitte v.r und erhielten den Bescheid, ihre Bitten schriftlich zu fixiren. Das haben sie noch an demselben Tage gethan und Sonntag Abend das von ihnen aufgesetzte Schriftstück dem Minister zugestellt. Sie haben Berlin mit der Hoffnung verlassen, zu Gunsten ihrer Landsleute eine Milderung der betankten Härte in Aussicht zu haben. Inwieweit sich diese Hoffnung verwirklichen wird, muß man abwarten.
* Des Kanzlers Feder will man in einem Ar- titel der .Kölnischen Zeitung' erkennen, die jetzt hauptsächlich zu offiziösen Kundgebungen auf dem
Der Hausdiener stand starr vor Schrecken.
„Wußten Viele im Hause um diese Thür?" fragte der Untersuchungsrichter nach einer Pause.
„Bemerkt wird fie wohl ein Jeder haben," raffte sich der Hausdiener zu einer Antwort auf, „indeffen die meisten Bureauxangestellten sind erst wenige Jahre hier und mich hat nie Jemand danach gefragt."
„Wer war denn bei der Vermauerung der Thür schon von dem Personale hier im Hause?" forschte Wendelin weiter den Redenden aus.
„Ich," versetzte dieser, „und der Herr Faack, sonst wüßte ich Niemanden."
„Es ist gut," nickte Wendelin und rüstete sich zum Aufbruch. „Die Entdeckung, durch welchen Eingang die Verbrecher gelangten, ist von unschätz- barer Wichtigkeit, wie der Umstand, daß der passende Schlüssel zu der Thür sich im Besitze Faack's vorgesunden hat. Ich denke, unter diesen Umständen die Freilassung des Herrn Gunkelmann beantragen zu können."
„Ach, mein guter Herr!" rief der alte Hausdiener freudig. Darf ich das dem gnädigen Fräulein mittheilen?"
Wendelin nickte freundlich mit dem Kopfe und begab sich bann, von seinen Untergebenen begleitet.